Reicholzheim an der Tauber ist eine Ortschaft der großen Kreisstadt Wertheim im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Es ist nach Nassig die zweitgrößte Ortschaft Wertheims mit ungefähr 1300 Einwohnern und seit 1968 ein anerkannter Erholungsort.Urkunde bei Wikimedia Commons.
Geographie mini|Gemarkung von Reicholzheim, 1929
Geographische Lage
Auf der Gemarkung der ehemaligen Gemeinde Reicholzheim liegen das Dorf Reicholzheim (), der Weiler Bronnbach (), das Gehöft Schafhof () und die Wohnplätze Bahnstation Bronnbach (), Bahnstation Reicholzheim (), Campingplatz (), Eichgrundsiedlung (), Jungheidsiedlung () und Teilbacher Mühle ().
Schutzgebiete Das mit Rechtsverordnung vom 2. November 1995 ausgewiesene Wasserschutzgebiet Reicholzheim mit der WSG-Nr. 128133 umfasst eine geschützte Fläche von 83,19 Hektar.
Geschichte Erste Siedlungen Der älteste Beweis für Siedlungen auf der Reicholzheimer Gemarkung ist ein kleiner Faustkeil, der am Satzenberg in der Flur „Hinter der Hommerecke“ gefunden wurde. Der Faustkeil war das Alltagsschneiderwerkzeug der Altsteinzeitmenschen, er ist über 50.000 Jahre alt. Der Satzenberg Reicholzheim ist benannt nach einer Person namens Zazo. Diesen Namen kennt man schon seit der Karolingerzeit und „Hommerecke“ als Flurname bedeutet zunächst Hamer (für Steinhammer), aber auch Fels oder Klippe. Archäologen haben anhand weiterer Feuer- und Hornsteine herausgefunden, dass dieser Platz am Satzenberg in verschiedenen Abschnitten immer wieder von Menschen in der Altsteinzeit bewohnt wurde. Eine weitere Fundstätte liegt auf der Höhe der Reicholzheimer Gemarkung, auf der Hochfläche der Mainleite. Das Gelände liegt 270 m über dem Meeresspiegel, bricht dort steil zum Main hin ab und bietet einen Ausblick hinüber in den Spessart bis zur Rhön. Was man dort gefunden hat, stammt aus der Jüngeren Altsteinzeit und ist etwa 35 000 bis 9000 Jahre alt. Das wichtigste Fundstück ist ein Stickel, mit dem die Steinzeitmenschen Einkerbungen in Holz oder Knochen eingeritzt haben. In die Schlitze der so vorbereiten Wurfspeere oder Messergriffe wurden mit Teer aus Birkenpech scharfkantige oder spitze Feuersteine eingeklebt.
Auch in der Jungsteinzeit war die Aussicht beliebt, man fand 1940 bei der Kartoffelernte ein gut erhaltenes Steinbeil aus dieser Zeit. Der älteste auf der Gemarkung Reicholzheim bisher gefundene Mensch, lag auf dem Betriebsgelände der Firma Dostmann auf der Linken Tauberseite unterhalb des Bahnhofs. Das Skelett soll 4000 Jahre alt sein, es hatte keinerlei Beigaben bei sich und deshalb gibt es auch keine verlässliche Informationen über sein Schicksal. Die größte Menge von Funden aus der Vorgeschichte von Reicholzheim stammt aus der ausgehenden Urnenfeldzeit (1200 bis 750 vor Chr.) In der Martin-Schlör-Str. wurden Tongefäße gefunden, die man zur Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen benutzt hat. Sie waren 45 und 68 cm hoch und sind heute im Tauberbischofsheimer Heimatmuseum zu besichtigen.
In der Flur „Hinter den Zäunen“ fand ein Reicholzheimer auf seinem Grundstück anhand von Verfärbungen im Boden eine Abfallgrube mit Tonscherben, Knochen vom Schwein und Rind und einem Sandstein mit Schleifspuren aus der Bronzezeit. Ab 1984 wurden beim Pflügen eines Ackers auf der Mainleite immer wieder Tonscherben aus der Urnenfeldzeit gefunden. Also führte das Landesdenkmalamt eine Grabung durch und ermittelte tatsächlich eine weitere Siedlungsstelle. Man fand Reste von groben Töpfen, Schüsseln und Vorratsgefäßen, aber auch dünnwandige rillen- und riefenverzierte Keramik. Für die Herstellung von solch feinen Tonwaren musste man schon eine drehende Töpferscheibe benutzt haben. Mehrere Tassen mit Henkeln, verschiedene Becher und kleinere Schalen sind der Beweis für frühe Esskultur. Dass auf der Höhe richtiges Alltagsleben stattfand, beweisen auch die Tongewichte und Tonringe, die als Webgewichte bei der Herstellung von Stoffen und Kleidern gebraucht wurden. Aus dem damals zeittypischen Metall, der Bronze, hat man nur das vordere Bruchstück einer Messerklinge und den Teil einer Nadel gefunden.
Gründung von Reicholzheim Urkundlich erwähnt wird Reicholzheim erstmals 1178 als Richolfsheim. Reinhard, Bischof zu Würzburg, beurkundet und bestätigt einen Tauschvertrag der Abtei Kloster Bronnbach mit der Pfarrei Reicholzheim, wonach erstere gegen zwei Güter zu Waldenhausen und Sachsenhausen das Drittel des Zehnts von den Höfen Lengevelt (d. i. Mittelhof) und Bronnbach (d. i. Schafhof) erwirbt.http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=7-234025 Sicher ist Reicholzheim älter. Es wurden bei einem Hausneubau alte Ausgrabungen gefunden, die vermutlich aus dem 5. Jahrhundert stammen. Den Ortsnamen erhielt Reicholzheim entweder vom Ritter Richolt oder vom Mainzer Erzbischof Richulf (Amtszeit: 787 – 813 n. Chr.). Es wird vermutet, dass im 8. Jahrhundert der Weinbau in Reicholzheim am Satzenberg begann. Die Wehrkirche von Reicholzheim ist mindestens seit 1100 im Ort vorhanden. Im Mittelalter hatte Reicholzheim verschiedene Namen: Reicholtsheim, Reichelsheim, Richolfsheim und Richolvesheim.
Reicholzheim im Mittelalter und der Frühmoderne Im 12. Jahrhundert war das Grafschaftsdorf dem Wertheimer Grafen unterstellt, nach der Gründung des Klosters Bronnbach 1151 wird Reicholzheim als Klosterdorf erwähnt. So werden 1285 von Graf Rudolf II. alle seine Güter in Reicholzheim an das Kloster übergeben. Er behielt sich nur die Landesherrlichkeit vor. Durch den Verkauf des Straßengerichts im 1369 ging das letzte Recht des Wertheimer Grafen an das Kloster Bronnbach über, so dass Reicholzheim im vollen Umfange dem Kloster unterstellt war. 1494 wurden Erstmals die Steinkreuze oberhalb von Reicholzheim erwähnt die zu dieser Zeit schon eine weile dort gestanden haben mussten. Durch die Reformation ging 1524 Reicholzheim für 150 Jahre wieder in den Besitz des Grafen in Wertheim über, und die Reicholzheimer mussten in dieser Zeit sieben Mal ihre Konfession von katholisch auf evangelisch und umgekehrt ändern. So wechselte die Hoheit über Reicholzheim im Mittelalter immer wieder zwischen dem Grafen von Wertheim und dem Kloster Bronnbach, das zu dem Bistum Würzburg gehörte. Die weltlichen Verwaltungsstellen des Klosters waren in Reicholzheim untergebracht, so z. B. die Steuereinzugstelle des Würzburger Bistums. Ab dem 16. Jahrhundert spielte der Weinbau für Reicholzheim eine entscheidende Rolle. Dies war vor allem den Bronnbacher Mönchen zu verdanken, die die Kultur des Dorfes in religiöser und geistiger Hinsicht beeinflussten. So förderte das Kloster vor allem den Weinbau und die Landwirtschaft in Reicholzheim. 1713 wurde die Kirche Sankt Georg fertiggestellt, die alte Wehrkirche wurde abgerissen. Im Jahr 1722 wurde der Bildstock an den Steinkreuzen aufgestellt.
Hochwasser Der Dorfkern von Reicholzheim liegt nahe der Tauber. Somit kommt es bis heute immer wieder zu schweren Hochwassern. Diese sind an den historischen Hochwasserpegeln im Ortskern abzulesen. Im Jahre 1732 ist ein schweres Hochwasser vom 29. September dokumentiert. Das Wasser soll Nachts in einer halben Stunde das Untere Dorf erreicht haben. Es starben 25 Rinder und einige Schweine außerdem wurden viele Gärten vernichtet. Nur durch wachsame Bürger des Dorfes, die die anderen Bewohner geweckt haben, ist schlimmeres verhindert worden. Außerdem gab es schwere Beschädigungen an den Brücken entlang der Tauber. Die alte Reicholzheimer Tauberbrücke wurde hierdurch zerstört und es gab bis 1772 nur eine Furt.
Reicholzheim im 19. und 20. Jahrhundert 1803 wurde das Kloster Bronnbach im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgelöst, und so unterstand Reicholzheim ab diesem Zeitpunkt dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.
Im Jahre 1848 stürmten sieben Reicholzheimer das Bronnbacher Rentamt und forderten mit Flinten die Bauernbefreiung. Sie kamen in ein Gefängnis, wurden aber später begnadigt.
Mit dem Bau der 1868 eröffneten Bahnstrecke Lauda–Wertheim entstand die wichtige infrastrukturelle Anbindung Reicholzheims, die die Ansiedlung des heutigen links der Tauber bestehenden Teils des Dorfes bewirkt hat. So entwickelten sich dort nach dem Ersten Weltkrieg verschiedene Industrie- und Gewerbebetriebe und eine größere Wohnsiedlung. 1894 wurde die neue Dreifaltigkeitskapelle eingeweiht. Um 1900 zählte man mit Bronnbach 1000 Einwohner. 1928 wurde Bronnbach durch Beschluss des badischen Landtags von Reicholzheim politisch getrennt und 1936 in Reicholzheim eingemeindet. Im Jahre 1932 1 Jahr vor der NS-Zeit wurde das Kriegerdenkmal errichtet. Am 1. Januar 1975 wurde Reicholzheim gegen den Widerstand vieler Bürger Reicholzheims durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Baden-Württemberg nach Wertheim eingemeindet, wodurch Wertheim zu einer Großen Kreisstadt werden konnte. Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Umgehungsstraße mit Unterstützung des Ortsvorstehers Rolf Sommer zur Verkehrs- und Lärmentlastung des Altorts entlang der Tauber gebaut. Der Rosengarten nahe der Tauber musste hierdurch entfernt werden.
Das Wappen Blasonierung: In Rot ein goldener Brunnen mit zwei Schalen, aus denen silbernes Wasser fließt.
Ein 1614 vom Dorfgericht Dörlesberg ausgestellter Geburtsbrief wurde mit dem Privatsiegel des Reicholzheimer Oberschultheiß Johannes Heid besiegelt. Es trägt die Umschrift „REICHOLTZ. HEIMB. G. INS. 1760“ (= Reicholzheimer Gerichts-Insiegel) und zeigt den berittenen heiligen Georg, einen Drachen tötend. 1788 wurde unter einem gemeinen Dorf- und Gerichts Insiguel, wie gewöhnlich (Staatsarchiv Würzburg: Geburtsbriefe) ein Geburtsbrief ausgestellt; dieses Siegel wurde bis 1813 verwendet. In der Zeit von 1856 bis 1888 verwendete die Gemeinde neben einem ovalen Farbstempel mit der Inschrift „GEMEINDEVERWALTUNG REICHOLZHEIM“ ein etwas größeres Prägesiegel mit der Umschrift „GERICHTS SIEGEL DER GEMEINDE REICHOLZ HEIM“, die von einem Blumenkranz umgeben war. Außerdem führte Reicholzheim bis 1901 einen Farbstempel mit dem Buchstaben R im gekrönten Schild. Auf Vorschlag des Generallandesarchivs und in Erinnerung an die frühere Zugehörigkeit zum Kloster Bronnbach nahm der Gemeinderat am 9. September 1901 das heutige Wappen an. Es war erstmals 1650 neben dem persönlichen Wappen des Abtes erschienen und wurde in dieser Form in das linke Untereck des fürstlich löwenstein-wertheimischen Wappens aufgenommen. Das Innenministerium Baden-Württemberg verlieh Reicholzheim am 19. März 1965 außerdem das Recht, eine Flagge in den Farben „Gelb-Rot“ zu führen. Reicholzheim im 21. Jahrhundert mini|250px|Blick auf Reicholzheim und das Kloster Bronnbach im Mai 2009 Anfang 2000 wurde der Neubau der Turn und Festhalle rechts der Tauber beschlossen. Diese wurde 2003 abgerissen und neu aufgebaut. Es wurde gleichzeitig außerdem eine kleine Halle neben der Haupthalle auf Wunsch der Vereine in Reicholzheim errichtet. Diese wurde von den Dorfbewohnern Asbachhalle getauft.
Der Kindergarten hat einen weiteren Anbau erhalten, außerdem wurden zahlreiche Straßen bis 2012 saniert. Diese erhielten teilweise auch Stolpersteine.
Ende 2010 wurde die DSL-Anbindung von 1 Mbit/s auf 16 Mbit/s verbessert. Seit 2015 gibt es auch eine LTE-Verbindung.
Entwicklung der Einwohnerzahl Die Einwohnerentwicklung verläuft in Reicholzheim analog zur Entwicklung der gesamten Großen Kreisstadt Wertheim: Seit dem Jahr 2005 ist ein stetiger Einwohnerrückgang zu verzeichnen. In Reicholzheim ist die Einwohnerzahl seit dem Jahr 2001 von 1437 auf 1323 Einwohner im Jahr 2013 gesunken. Dies entspricht einem Verlust von fast 8 % der Einwohner. JahrEinwohner1850900194616001984150020031455201313232016128020171268
Altersstruktur und demografischer Wandel