mini|Reichenbach von Nordwesten mini|hochkant=1.35|Reichenbach (2013) Reichenbach ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Cham. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Walderbach.
Geografie Geografische Lage Reichenbach liegt im Falkensteiner Vorwald, im mittleren Regental, am Fluss Regen.
Nachbargemeinden Im Norden und Osten: Gemeinde Walderbach Im Süden: Gemeinde Wald Im Westen: Stadt Nittenau (Lkr. Schwandorf)
Gemeindegliederung Es gibt sieben Gemeindeteile:
Kienleiten ist ein Gemeindeteil der Gemeinde. mundartlich: khüi(n)laitn/kinleitn; seit '1555. Frühere Ortsnamen: Khuenleuthen oder Khienleiten. Erklärung des Ortsnamens: Althochdeutsch hilta, lita, mittelhochdeutsch lite die Leite, der Berghang. Das Wort chien (althochdeutsch) bedeutet Kiefernharz, die Kiefer, die Kienföhre. Wie es eine Bach- oder eine Birkenleite gibt, so hier eine „Kienleite“, eine Siedlung an einem Berghang, der mit Kiefern bestanden ist. Kienleiten war einst Besitz von Walderbach.
Heimhof ist ein Weiler, Gemarkung Tiefenbach. mundartlich: haimhof; seit ca. '1125. Frühere Ortsnamen: 1125 Heiminghoven; 1378 Heimhof; 1668 Haimbhoff; 1670 Heimhof. Erklärung des Ortsnamens: „Bei den Höfen, bzw. beim Hof eines Heimo, Haimo.“ Der Weiler gehörte einst zum Besitz des Klosters Reichenbach.
Windhof ist ein Weiler, Gemarkung Tiefenbach. mundartlich: Windhof, Windin; seit '1249'.Früherer Ortsname: 1667 Windahoff. Erklärung des Ortsnamens: Der Hof liegt an der Höhenbedachung vom hochgelegenen Roßbach nach dem Regen zu, die den Winden jeder Art vollkommen offensteht. Windhof ist also ein Hof an einer den Winden besonders ausgesetzten Stelle.
Kaltenbach ist eine Einöde. mundartlich: kholtbo/kholtboch; seit '1270'. Früherer Ortsname: 1270 Chaltenbach, 1378 Die Lo des Kaltenbachs. Erklärung des Ortsnamens: Der Name entstand durch den Bachlauf „Kaltenbach“, der aus dem Walderbacher Forst entspringt und westlich von Reichenbach in den Regen mündet. Die Siedlung am kalten Bach.
Hochgart ist eine Einöde, Gemarkung Reichenbach. mundartlich: hougoat. Erklärung des Ortsnamens: Von Althochdeutsch gart „eingefriedetes Grundstück, eingefriedetes Landgut“, aber auch „Einfriedung, der Garten“. „Hoch“ deutet auf die hohe Lage auf dem gegen das Regental verlaufende Pfaffenstein hin. Siedlung bei einem durch Umzäunung geschützten Garten oder Siedlung auf einem durch Zaun geschützten Landgut. Die Einöde gehörte zu der Gemeinde Walderbach und liegt östlich des Klosters Reichenbach. Hochgart dürfte wegen seiner unmittelbaren Nähe beim Kloster Reichenbach einst ein Teil des unter eigenem Betrieb stehenden Klostergutes gewesen sein.
Linden ist ein Weiler, Gemarkung Tiefenbach. mundartlich: lintn/lindn seit '1249'. Frühere Ortsnamen: 1249 Linda; 1498 Linter velder und gründt. Erklärung des Ortsnamens: Der Baum- und Waldbestand der früheren Wälder gab vielfach den Fluren und Siedlungen ihre Namen, so auch dem Ort Linden. Noch heute steht dort eine sehr alte Linde, so dass das Walderbacher Taufbuch 1646 den Ort richtig mit „ab der Linden“ nennt. Linden gehörte einst zu Walderbach.
Auf Gemeindegebiet existieren zwei Gemarkungen: Reichenbach und Tiefenbach.
Zum 1. November 2013 kam ein Stück des aufgelösten gemeindefreien Gebiets Einsiedler und Walderbacher Forst zum Gemeindegebiet hinzu.Amtsblatt Oberpfalz: , abgerufen am 2. August 2025
Geschichte Namensherkunft Reichenbach, mundartlich: raichawo/raichaboch; seit 1118. Frühere Ortsnamen: 1122 Richinbach; 1283 Richenwach; 1317 Reichennbach; 1392 Reychenbach. Die nächstgelegene Erklärung für den Ortsnamen Reichenbach: Siedlung am reichen Bach. Die Bedeutung wasserreich kommt wohl nicht in Frage, da dieser Bach in der Trockenzeit fast wasserlos war, also bleibt nur die Bedeutung „fischreicher Bach“. Die Fischerei im Regen spielte in früheren Jahrhunderten bei dem großen Bedarf der nahen Klöster und bei den vielen fleischlosen Tagen eine weit größere Rolle als heute.
Vor- und Frühgeschichte Die ersten Menschen in der Umgebung von Reichenbach dürften sich bereits seit der Altsteinzeit aufgehalten haben. Dies belegen Funde wie Jagdwaffen und Opfersteine in den umliegenden Ortsteilen.
Erste Belege Die Siedlung im Tal des Regenflusses, an einer Furt gelegen, war schon im frühen Mittelalter Mittelpunkt eines grundherrschaftlich organisierten und verwalteten Bezirks. 1118 erfolgte die Gründung des Klosters Reichenbach und seither verbinden sich die Geschichte des Orts und jene des Klosters.
Mittelalter (Zeit bis 1600) Reichenbach erlebte in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens eine frühe Blüte. Nachdem die Wittelsbacher 1204 die Vogtei übernommen hatten, verlor Reichenbach seine regionale Bedeutung. Im 14. Jahrhundert vollzog sich eine Wende zum Besseren. Anfang des 15. Jh. wurde das Kloster weitgehend neu im gotischen Stil erbaut und mit Befestigungsanlagen umgeben. Diese verhinderten 1428 und 1433 die Hussiteneinfälle.
Aufgrund des Prinzips Cuius regio, eius religio stand es nach 1555 dem Landesherrn zu, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. So wurde durch Ottheinrich, der von 1556 bis 1559 als Pfälzer Kurfürst amtierte, das lutherische Bekenntnis verbindlich gemacht. Das Kloster wurde 1556 aufgehoben. In Reichenbach oblag es Johannes Hagnus, Absolvent der Universität Wittenberg, die evangelische Kirchenordnung durchzusetzen. Während der anschließenden Regierungszeit von Kurfürst Friedrich III. (1559–1576), der ein Anhänger der reformierten, calvinistischen Richtung des Protestantismus war, wurde Hagnus wie andere lutherische Geistliche entlassen. Die calvinistischen Bilderstürmer vernichteten um 1570 im Reichenbacher Kloster viele Kunstwerke.
Neuzeit Ab 1626 erfolgte durch den neuen Landesherrn, das Kurfürstentum Bayern, die Rekatholisierung Reichenbachs. 1661 zogen unter kurfürstlicher Administration erneut Benediktiner in das Kloster ein, die ab 1669 unter der Verwaltung von St. Emmeram in Regensburg standen. Erst 1695 war das Kloster wieder eine selbstständige Abtei und erlebte eine zweite Blüte.
Mit der Säkularisation und der Auflösung des Klosters im Jahre 1803 endete die rege wissenschaftliche und literarische Tätigkeit der Reichenbacher Benediktiner. Die Kirche ist seitdem eine Filialkirche der Pfarrei Walderbach. Das Kloster ging zunächst in Staatseigentum über, ehe 1820 die Gebäude versteigert wurden. Die Klostergebäude fanden unterschiedliche Verwendungen, u. a. gründete Heinrich Waffler 1841 eine Steingutfabrik, die er bis 1863 betrieb.
Am 20. Februar 1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr Reichenbach aufgrund mehrerer Brände in der Ortschaft gegründet. 1890 übernahmen die Barmherzigen Brüder die Gebäude und richteten eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig und körperlich Behinderte ein. mini|Blick auf das Kloster Reichenbach mini|Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“ des Anton Wilhelm Ertl 1687 1893 begann das Kloster mit dem Betrieb einer eigenen Brauerei. Zu Beginn der Karwoche ging man an die geplante Errichtung der neuen und größeren Wasserleitung. Diese war fast zwei Kilometer lang. Viele Bürger der Gemeinde leisteten dabei unentgeltliche Fahrdienste. Die Quellen befanden sich beim Windhof. 1897 in der Nacht vom 23. auf den 24. September brach in den Klostergebäuden ein Feuer aus. Der Brand breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus, 140 Pfleglinge mussten evakuiert werden. Eine große Hilfe war nun die Wasserleitung, denn die angrenzenden Weiher waren schon nach kurzer Zeit leergepumpt. Acht Tage lang wütete das Feuer und noch nach sechs Wochen wurden glühende Trümmer aus dem angefallenen Schutt herausgezogen. Das Feuer forderte zwar kein Menschenleben, jedoch war das Kloster nur noch eine rauchende Ruine. Die Bevölkerung von Reichenbach leistete beim Wiederaufbau alle nur denkbare Hilfe. Gegen Weihnachten 1897 konnten die nach Straubing und Attl verlegten Pfleglinge wieder zurückgebracht werden. Daraufhin wurde 1898 ein ständiger Nachtwächter in Reichenbach angestellt.
Im Jahre 1900 wurde die Bierschenke im Kloster geschlossen. Für Waschhaus und Wurzgarten im Kloster wurde eine eigene neue Wasserleitung eingerichtet, da die im Jahr 1893 angelegte bei trockener Witterung nicht genügend Wasser lieferte. Im Jahre 1908 wurde unter Pater Eberhard Forstner aus Kaisheim das Reichenbacher Leichenhaus gebaut. Zu dieser Zeit machte Reichenbach große Fortschritte. In der Nähe des Klosters ließ er einen Hopfengarten anlegen, dessen Ertrag völlig ausreichte, um den Bedarf der Brauerei des Klosters zu decken. Außerdem wurde zwischen Windhof und Wald ein Granitsteinbruch entdeckt, bei welchem zugleich eine Feldschmiede errichtet wurde. Das größte und beste Werk des Priors aber war die Erbauung der Straße Kienleiten-Roßbach (die heutige Kreisstraße CHA 25). Die Wegeverhältnisse in Reichenbach waren denkbar schlecht. Die einzige Zufahrt ins Kloster führte durch das Dorf (Pfisterstraße). Bei der Durchführung gab es massive Schwierigkeiten mit den Anrainern. 1911 wurde unter Prior Frater Sympert Fleischmann die Infrastruktur im Ort verbessert. Sein Hauptaugenmerk war, die Weiterführung der Straße nach Roßbach voranzutreiben. Nun führte durch Reichenbach eine breite Straße. Die Hälfte des Dorfes wurde kanalisiert. Für etwa 20 Häuser in Reichenbach wurde eine Wasserleitung gebaut. Diese Wasserleitung war bis zur Einführung der Kreiswasserversorgung 1967 in Betrieb. Die Benutzer durften das Wasser zuletzt nur in abgekochten Zustand verwenden, weil darin immer wieder Bakterien festgestellt wurden.
Der Erste Weltkrieg (1914–1918) forderte auch in Reichenbach seine Opfer. Die Männer des Ortes und auch 23 Brüder wurden in den Militärdienst eingezogen, wobei 25 den Krieg nicht überlebten und 5 vermisst waren. Während des Krieges waren die Lebensmittel schon sehr knapp geworden. Deshalb gab man auch in Reichenbach Lebensmittelkarten aus. Auch nach dem Krieg hielt dieser Zustand noch lange an. Hinzu kam die Inflation, die das Geld wertlos machte.
Ab 1919 wurde eine elektrisch betriebene Mahlmühle in Betrieb genommen, der 1943 auf behördliche Anweisung eingestellt werden musste. 1920 erstrahlte das Kloster Reichenbach im hellen Glanze. Am ersten Maisonntag hatte endlich das elektrische Licht Einzug gehalten. Der Strom wurde aus Dampf erzeugt. Im Jahre 1921 wurde mit Rücksicht auf den herrschenden Wohnungsmangel in der Gemeinde Reichenbach ab dem 1. März jeder Zuzug von auswärts verboten. Im Jahre 1922 wurde die Wasserturbine am nahe gelegenen Fluss Regen verbessert. 1923 wurde dann in der ganzen Gemeinde das elektrische Licht eingeführt. Die Währungsreform 1923 brachte eine große Verbesserung. Im Jahre 1924 wurde das Kloster in der Nacht vom 2. auf den 3. März von einem verheerenden Brand heimgesucht. Die Holzlege und die Scheune brannten vollständig nieder. Sämtliche Vorräte an Futter, Stroh, ferner viele Wagen und Pflüge gingen Verloren. Schon am 5. März verkündete die Klosterglocke wieder einen Brand. Diesmal stand eine Scheune in Kienleiten in Brand. Durch tapferes Eingreifen konnte an diesem Tag das Wohnhaus gerettet werden. Am 7. März, zwei Tage später, gab es einen dritten Feueralarm. Nun brannte noch das danebenstehende Wohnhaus nieder.
1924 wurde ein klostereigenes Sägewerk errichtet. Während der Fertigstellungsphase des Wasserkraftwerkes am Regen traten zwei Hochwasser ein. Der Regen wälzte ungeheure Wassermassen heran und das Gebäude drohte einzustürzen. Durch diese Naturereignisse verzögerte sich der Bau, der schließlich 1926 vollendet wurde. Sie leistete jetzt 20 PS. 1927 beschloss der Gemeinderat ab 1. Juli die Erhebung einer Biersteuer, pro Hektoliter 1 Reichsmark. Mit Wirkung vom 11. Dezember 1927 wurde auf Antrag des Klosters die Steuer für Bier auf 50 Pfennig ermäßigt.