Ruhlkirchen ist der größte Ortsteil der Gemeinde Antrifttal im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geografie Ruhlkirchen liegt in Oberhessen im Tal der Antrift. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3070 und 3344.

Ortsgeschichte Mittelalter Der Ort gehörte vom 12. bis ins 19. Jahrhundert zum Gericht Katzenberg. Seit dem 13. Jahrhundert lässt sich eine ortsansässige niederadlige Familie urkundlich belegen. 1267 wird ein „Gerlacus de Rulenkirchen“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 9, S. 4. urkundlich genannt. Eine zeitgleiche Erwähnung befindet sich in einem Kopiar: „... Gerlaci militis ... de Rulinkirchen ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1, Nr. 237, S. 182. Hier wird Gerlach von Ruhlkirchen als Ritter bezeichnet. „Herdanus de Rolekirchen“ war ein weiterer Vertreter dieser Familie von Ruhlkirchen. Er wird 1278 erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1. Nr. 357, S. 267. Dieser besaß in Seibelsdorf den Zehnten, den er an den dortigen Hof der Deutschordensritter aus Marburg am 28. Januar 1280 vertragsgemäß abtrat.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1. Nr. 373. Vgl. Ursula Braasch-Schwersmann: Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Verwaltung einer spätmittelalterlichen Grundherrschaft. = Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 11. Herausgegeben vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde. Dissertation. Marburg 1989. S. 316 Fußnote.

Sehr wahrscheinlich war der Stammsitz der Ritter die Wasserburg Ruhlkirchen. Die Burg wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut.

Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung bei der Eigenkirche des Ruodilo“ erklärt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 316 f, S. 317. Eine Nennung des Ortes von 1303 lautet: „... in Rulkirchen ...“Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band 2. Nr. 46, S. 34. Ein Salbucheintrag aus dem Jahre 1574 kennt Ruelkirchen.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 130.

Neuzeit Anfang des 19. Jahrhunderts ging das Dorf mit dem gesamten Gericht Katzenberg als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses aus Kurmainzer Besitz an Kurhessen über. Mit dem Friedensvertrag zwischen dem Königreich Preußen und dem Großherzogtum Hessen vom 3. September 1866 im Anschluss an den Krieg von 1866 fielen die Dörfer des „Distrikts Katzenberg“ an das Großherzogtum.Schmidt, S. 45. In Ruhlkirchen galt damals kurhessisches Recht. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen ab 1866.Schmidt, S. 104, 46 und beiliegende Karte. Es wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.

Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich am 31. Dezember 1971 die fünf Gemeinden Bernsburg, Ohmes, Ruhlkirchen, Seibelsdorf und Vockenrod zur neuen Großgemeinde Antrifttal zusammen.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon 1961: 31 evangelische (= 4,80 %), 615 katholische (= 95,20 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten Die mittelalterliche Wasserburg Ruhlkirchen, Ende des 20. Jahrhunderts ausgegraben und teilweise restauriert, liegt unmittelbar neben der Antrift, in der Nähe des heutigen Feuerwehrhauses. Die Kirche St. Michael entstand zwischen 1820 und 1824.

Wappen links|100px

Blasonierung: „In rotem Schild zwei aufrechtstehende abgekehrte silberne Streitäxte.“

Das Recht zur Führung eines Wappens wurde der Gemeinde Ruhlkirchen, im damaligen Landkreis Alsfeld am 2. März 1951 durch den Hessischen Innenminister verliehen. Gestaltet wurde es durch den Darmstädter Heraldiker Georg Massoth.

Es basiert auf dem Siegel des Ritters Gerhard von Ruhlkirchen.Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 142. Das Wappen wird von der Gemeinde Antrifttal weitergeführt.

Infrastruktur Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Grundschule und eine Kindertagesstätte. Freiwillige Feuerwehr Antrifttal-Ruhlkirchen.

Persönlichkeiten Zwischen 1926 und 1929 unterrichtete der Kirchenmusiker Heinrich Rohr (1902–1997) in Ruhlkirchen.

Literatur

Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893.

Weblinks

Ortsteil Ruhlkirchen im Internetauftritt der Gemeinde Antrifttal.

Einzelnachweise

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