Maxhütte-Haidhof ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf etwa 20 Kilometer nördlich von Regensburg gelegen. Die Stadt verdankt ihre Entstehung und ihren Namen dem Stahl-Eisenwerk Maxhütte-Haidhof, das nach dem bayerischen König Maximilian II. benannt wurde und 1853 auf einem Gelände der Stadt Burglengenfeld erbaut worden war, das man Sauforst nannte. Später wurde zusätzlich das Zweigwerk Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg gegründet. Das in Burglengenfeld gegründete Eisenwerk, von dem ein Gemälde aus dem Jahre 1878 existiert, wurde im Auftrag der Eisenwerksgesellschaft Maximilianhütte erstellt. Die Gesellschaft ließ ab 1867 in drei Bauabschnitten eine zum Werk gehörende Werkssiedlung mit zum Teil großen Wohnhäusern für bis zu sechs Familien für Arbeiter, Meister und Angestellte auf dem Gebiet der Landgemeinde Ibenthann errichten. Zusätzlich wurden auch mehrere Villen für leitende Angestellte (Werksbeamte) erbaut. Die Siedlung, die nicht ohne die Maximilianshütte entstanden wäre, stellt die Keimzelle dar, aus der schließlich die Stadt Maxhütte-Haidhof hervorging.Franz Schmidkunz: Industriekultur – Was bleibt von der Werkssiedlung des ehemals größten Eisenwerks Süddeutschlands „Maxhütte“ in Maxhütte-Haidhof. Eine architekturhistorische Recherche. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 161, 2021, , S. 252–283.

Geografie Lage Die Stadt Maxhütte-Haidhof liegt zentral in der mittleren Oberpfalz im Städtedreieck Teublitz, Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof, an der westlichen Grenze zum vorderen Bayerischen Wald, 20 km nördlich von Regensburg, der Hauptstadt der Oberpfalz und 14 km südlich der Kreisstadt Schwandorf.

Gemeindegliederung

Es gibt 40 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Vorgeschichte Von der Landgemeinde Ibenthann zur Stadtgemeinde Maxhütte mini|Maxhütte-Haidhof, 1966, Ansicht von Nord-West Die Landgemeinde Ibenthann wurde gebildet aus den Ortsgründen der Dörfer Ibenthann, Roding und Winkerling mit den Gehöften Steinhof, Rohrhof, Strieglhof und Sauforst, wobei der Sauforst 1820 nur 14 Einwohner zählte und überwiegend aus Sumpf, Brachland und Wald bestand.

Als Ansiedlungen entstanden Maxhütte, Maxzeche, Luisenzeche, Bergschenke, Kieshaus, Neuhaus (heute alle im Ortsbereich Maxhütte), Oberstrieglhof, Deglhof, Roßbergeröd und Birkenzell.

Etymologie und Namensherkunft Sinn und Bedeutung des Namens Ibenthann ist schwer einwandfrei zu klären. Am weitesten verbreitet ist die Ansicht, dass der Name mit der Eibe in Verbindung gebracht werden müsste, da man zu wissen glaubt, dass Ludwig XIV. Eiben aus dieser Gegend als „deutsches Eibenholz“ kaufte. Ibenthann käme demzufolge also von Eibenthann, Eibe bildete sich aus ‚Iwa‘ oder ‚Iba‘. Etymologisch wäre diese Wortherkunft weniger gut erklärbar, da sehr selten „Ei“ zu „I“ wurde.

In älteren Urkunden ist 1610 Ibenthan, 1589 Ybenthan, 1538 Uebenthann, 1497 Innthan und 1437 Ymptann zu finden.

Ein anderer Erklärungsversuch leitet Ibenthann von dem althochdeutschen Wort ‚impi‘ (mittelhochdeutsch ‚imbe‘ und neuhochdeutsch ‚Imme‘), also Biene ab. Das Orientierungsobjekt (bei der Ortsgründung) bildeten demnach einige oder mehrere Tannen, die von wilden Bienen bevölkert waren. Der „Haidhof“ und die Felder „Auf der Haid“ scheinen die Annahme zu unterstützen.

Die einfachste und naheliegendste Erklärung gibt das Hauptstaatsarchiv: „Eine Urkunde von 1437 hat die Form Ymptann. Diese Form zeigt deutlich die Herkunft des Namens: in dem Tann oder im Tann (imptann). Der Buchstabe p schiebt sich gern zwischen wortschließendes m und anfangendes t ein.“

Am 26. April 1938 wurde der Name der Gemeinde geändert, die seitdem nach ihrem größten Ort Maxhütte benannt ist.

„Ortsnamensänderung. Durch Erlass des Herrn Reichsstatthalters in Bayern vom 26. April 1938 Zch. Wd 4/18; 2 wurde bestimmt, daß der Name der Gemeinde Ibenthann, Bezirksamt Burglengenfeld, in ‚Maxhütte‘ geändert wird.“

Stadtgründung und Eingemeindungen Am 4. Juli 1953 wurde die Gemeinde Maxhütte zur Stadt erhoben.Statistisches Bundesamt, Gebietsänderungen 1.1.-31.12.1953 Am 1. Februar 1956 fusionierte die Stadt Maxhütte mit der Gemeinde Meßnerskreith zur neuen Stadt Maxhütte-Haidhof. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern erfolgte am 1. Januar 1972 die Eingemeindung von Leonberg und Pirkensee. Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Ponholz (Landkreis Regensburg) aufgelöst und ihr Hauptteil in die Stadt Maxhütte-Haidhof eingegliedert.

Mittelalter und Folgezeit Das Gebiet der heutigen Stadt Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz gehörte zum im 16. Jahrhundert entstandenen Herzogtum Pfalz-Neuburg, einem Fürstentum der pfälzischen Wittelsbacher, und zu dessen Gerichtsherrschaft Lengenfeld. 1777 fielen diese Gebiete an Kurpfalz-Bayern, das 1806 im Königreich Bayern aufging.

Im Jahr 1280 erfolgte im Urbarium Baiuwarae Transdanubianae die erste urkundliche Nennung von zwei Bauernhöfen im „Sauforst“. Im Urkundentext heißt es: „De duabus Curiis Schawenforst“. Im Vicedominatus Lengvelt erscheint 1326 ein Plach als Besitzer der beiden Höfe: „Schawenforst due Curie […] Placho habet“. Auch in der Festschrift zur Stadterhebung Maxhütte-Haidhofs ist zu lesen, dass sich im Sauforst, wo die Eisenwerkgesellschaft entstand, im Jahr 1280 nur zwei Höfe befanden, darunter ein Wirtshaus und ein Gebäude im Zentrumsbereich der späteren Siedlung Maxhütte Nord.Franz Schmidkunz: Industriekultur – Was bleibt von der Werkssiedlung des ehemals größten Eisenwerks Süddeutschlands „Maxhütte“ in Maxhütte-Haidhof. Eine architekturhistorische Recherche. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 161, 2021, , S. 237–241.

Leonberg wurde im Jahre 1233 als Limperc genannt. Pirkensee erscheint erstmals 1326 in den Salbüchern.

19. und 20. Jahrhundert Um 1800 findet sich erstmals der Begriff „Schaumforst“ und „Saumforst“ und etwas später 1845, zur Zeit der erstmaligen Entdeckung von Kohlevorkommen, findet sich der Begriff „Sauforst“. Der Ursprung der Bezeichnung „Sauforst“ liegt in dem Umstand, dass der Forst zwischen Burglengenfeld und Maxhütte die Sicht von der Feste Lengenfeld gegen den feindlich bedrohten Osten vollständig behinderte, so dass – ähnlich wie bei den Schaubergen und -steinen – zur Sicherung ein Schauposten ausgestellt werden musste. Ortsnamen analoger Herkunft sind Schaumburg und Schaumstein. mini|Eisenwerk Maximilianshütte um 1964, im Hintergrund Teublitz

Braunkohleförderung Im Jahre 1820 zählte der Sauforst 14 Einwohner, die Lebensunterhalt und Erwerb durch Landwirtschaft sicherten. Diese Lebensart begann sich im Jahr 1835 drastisch zu ändern. In Erzählungen ist überliefert, dass damals nach einem heftigen Gewitterregen bei Verau Gräben und Vertiefungen ausgespült wurden und dabei eine bräunliche Masse zum Vorschein kam. Erzählt wird, dass ein Schlossermeister aus Leonberg von dieser Fundstelle Kohlebrocken mit nach Hause genommen habe, um zu klären, ob sich die Fundstücke zum Verbrennen und zum Heizen eignen. Nahe dem Fundort lag das Anwesen des „Ökonomen“ (damalige Bezeichnung für Landwirt) Birkenseher, der eine Fuhre der Kohle nach Amberg brachte, um sie auf ihren Heizwert untersuchen zu lassen. Das Ergebnis war zufriedenstellend und die Kunde von Kohlefunden im Sauforst verbreitete sich rasch im kohlearmen Bayern. Die ersten planmäßigen Bewilligungen von Genehmigungen zum Bergbau erhielten 1846 der Apotheker Brenner aus Burglengenfeld zusammen mit dem Sauforster Hofbesitzer Sulzberger und mit Graf Oberndorf in Regendorf.Älteren Leuten sind die sog. „Apothekerschächte“ dem Namen nach noch bekannt.

Angezogen vom neuen Braunkohlevorkommen kaufte bereits 1845 Josef Friedrich Fikentscher aus Regensburg den Oberen Strieglhof. Fikentscher besaß im Umfeld von Regensburg mehrere Zuckerrüben-Güter und hatte im Stadtgebiet in der Kumpfmühlerstraße, am Ort des heutigen Justizgebäudes eine Zuckerfabrik erbaut, die aber bereits 1888 ihren Betrieb wieder einstellen musste.

Aus dem Unternehmen von Fikentscher entwickelte sich in der Folgezeit die Oberpfälzische Braunkohlengewerkschaft Haidhof und im weiteren Verlauf die Bayerische Überlandcentrale AG (BÜC) bzw. die Oberpfalzwerke AG. Diese zweigten dann auf in die Oberpfälzische Braunkohlenwerke GmbH, die schließlich durch die Oberpfälzische Schamotte- und Tonwerke GmbH abgelöst wurde.W. Scharf: Die Braunkohle von Schwandorf (Oberpfalz) und ihr Abbau in: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Band 106 (1954), S. 538–567

Gründung des Eisenwerks Maximilianshütte Im Jahr 1851 gründeten die beiden belgischen Industriellen Telemaque Michiels und Henry Goffard zur Ausbeutung der Kohlevorkommen im Sauforst bei Burglengenfeld die Commanditgesellschaft auf Aktien „T. Michiels, H. Coffard u. Cie“. Nach dem Ausscheiden von Michiels entstand unter Leitung von Goffard im Jahr 1853 eine Eisenwerkgesellschaft, die sog. Sauforster Hütte, die dann auf Antrag des Unternehmens unter dem Namen des bayerischen Königs Maximilian II als Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte auftreten durfte. Der Betrieb startete mit erheblichen technischen und personellen Schwierigkeiten und zusätzlich starb schon 1854 der Gründer des Unternehmens Henry Goffard im Alter von nur 32 Jahren. Die Leitung des Unternehmens übernahm der Oberingenieur Ernst Fromm (sen.) (1822–1891). 1886 folgte ihm sein Sohn Ernst von Fromm, jun. (1854–1923), der das Werk bis 1915 leitete.

1864 wurden im Stammwerk Maxhütte-Haidhof neu entwickelte Martinsöfen erprobt. Im gleichen Jahr wurde im 60 km nordwestlich vom Stammwerk entfernten Sulzbach-Rosenberg das Zweigwerk Maxhütte Sulzbach mit einem Fertigwalzwerk gegründet. 30 Jahre später wurde auch die Hauptverwaltung nach Sulzbach-Rosenberg verlegt.

Gründung der Werkssiedlung Bereits in den Jahren der Betriebsgründung der Maximilianshütte begann mit dem Bau von Werkswohnungen auch die Besiedlung des Sauforstes im heutigen Gebiet von Maxhütte Nord. Diese Maßnahmen waren Voraussetzung zur Betriebsaufnahme und zum Aufbau eines Arbeiterstammes. Aus der so entstehenden Werkssiedlung entstand schließlich die Stadt Maxhütte-Haidhof. Beim Vergleich mit anderen Werkssiedlungen ist die Entstehung dieser Siedlung ein Sonderfall, weil deren Bauten nicht als Ergänzungen einer bereits bestehenden Wohnbebauung entstanden, sondern eine planvolle Neuentwicklung darstellen. Das Ergebnis wird vom Heimatpfleger der Gemeinde Maxhütte-Haidhof mit den Worten beschrieben: „Das Eisenwerk mit der Wohnsiedlung war mit ihren eigenen Straßen und ihrer eigenen Wasser- und Stromversorgung eine eigene Stadt innerhalb der Gemeinde.“

Die Siedlung war als eine planvoll stark durchgrünte Siedlung erbaut worden. Ihr ältester Teil sollte 1984 vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als bedeutendes Industrieensemble ausgewiesen werden. Die Ausweisung als Ensemble kam aber nach Widerspruch der Eisenwerkgesellschaft und der Stadt Maxhütte-Haidhof nicht zustande.

Villenbauten und Liste der Villen Zur ursprünglichen Besiedlung des Sauforstes existieren verschiedene Darstellungen. Die Besiedlung im 19. Jahrhundert begann nach 1854 mit dem Bau sog. Beamtenwohnhäuser auf dem Höhenrücken südlich des Hüttenwerks, dem heutigen Maxhütte-Nord.Beamte waren gehobene Angestellte des Werks. Die leitenden Beamten wurden als Direktoren bezeichnet.

In der folgenden Liste werden ehemalige Besitzer und ihre Villen bzw. Beamtenwohnhäuser genannt, die sich, teilweise stark verändert, erhalten haben.Franz Schmidkunz: Industriekultur – Was bleibt von der Werkssiedlung des ehemals größten Eisenwerks Süddeutschlands „Maxhütte“ in Maxhütte-Haidhof. Eine architekturhistorische Recherche. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 161, 2021, , S. 241–252.