mini|Hans Christian Blech in einer Aufnahme des Berliner Fotografen Werner Bethsold

Hans Christian Blech (* 20. Februar 1915 in Darmstadt; † 5. März 1993 in München) war ein deutscher Schauspieler.

Leben Hans Christian Blech wurde in kleinbürgerliche Familienverhältnisse hineingeboren. Sein Vater Christian Blech (1880–1954) war Bürogehilfe. Seine Mutter Catharina geb. Wallbott (1883–1939) war Hausfrau. Mit 14 Jahren wurde er auf dem Darmstädter Luisenplatz von einem Auto überfahren und erlitt schwerste Verletzungen. Er absolvierte die Höhere Handelsschule in Darmstadt, brach eine Kaufmannslehre ab und nahm 1933 und 1934 privaten Schauspielunterricht bei Staatsschauspieler Josef Keim (1894–1962), da er von der Theaterschule des Hessischen Landestheaters Darmstadt wegen seiner Narben abgelehnt wurde. Nach seinem Debüt am Hessischen Landestheater war das Städtische Schauspiel Baden-Baden sein erstes festes Engagement. Es folgten: Stadttheater Krefeld (1936–37), Bühnen der Landeshauptstadt Kiel (1937–38), Städtischen Bühnen Freiburg (1938–39) und Altes Theater Leipzig (1939–41). Emil Jannings engagierte Blech 1939 für den von ihm produzierten Film Der letzte Appell, der allerdings infolge des Kriegsausbruchs nicht fertiggestellt wurde. 1941 wurde Blech zur Wehrmacht eingezogen und war als Soldat im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Er erlebte Erschießungen, war bei der Entdeckung der Massengräber von Katyn dabei, erlitt zudem Erfrierungen und wurde schwer verwundet. Die markanten Narben in seinem Gesicht stammten jedoch nicht, wie vielfach zu lesen ist, aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern waren Folgen des Unfalls auf dem Luisenplatz.

Nach dem Krieg spielte Blech zunächst am Staatstheater Hamburg. Ab Herbst 1945 war Blech an den Münchner Kammerspielen engagiert, deren Ensemble er bis 1955 angehörte, danach gastierte er an so gut wie allen großen deutschsprachigen Bühnen. Er arbeitete u. a. mit Bertolt Brecht und Fritz Kortner. Seine größten Bühnenerfolge waren die Titelrolle in Georg Büchners Woyzeck, 1952 an den Münchner Kammerspielen (Regie Hans Schweikart), und der Möbius in der Uraufführung von Friedrich Dürrenmatts Die Physiker, 1962 am Schauspielhaus Zürich (Regie Kurt Horwitz).

Sein Filmdebüt gab Blech 1948 in dem DEFA-Spielfilm Affaire Blum als heimtückischer Mörder Gabler. Er verkörperte häufig zwielichtige Gestalten, wie z. B. den Soldatenschinder Platzek in 08/15. Immer wieder spielte er in Kriegsfilmen deutsche Soldaten (u. a. 1962 in Der längste Tag und 1969 in Die Brücke von Remagen), war aber darauf bedacht, dieses Klischee mit Rollen wie der des KZ-Häftlings in Der Verschlag (1960) und der des Widerstandskämpfers in Morituri (1965) zu brechen.

Blech, der als Filmschauspieler unter anderem mit Helmut Käutner, Bernhard Wicki, Claude Chabrol, Patrice Chéreau und István Szabó zusammenarbeitete, wurde auch von Regisseuren des Neuen Deutschen Films wie Wim Wenders, Reinhard Hauff und Hans W. Geißendörfer häufig besetzt. In Cardillac spielte er einen wahnsinnigen Goldschmied, in Falsche Bewegung einen alten, undurchsichtigen Nazi, in Messer im Kopf dagegen den verständnisvollen, väterlichen Freund der von Bruno Ganz dargestellten verfolgten Hauptfigur.

Er war ab 19. Januar 1952 einige Jahre mit der Schauspielerin Erni Wilhelmi verheiratet, die er 1945 in Hamburg kennenlernte.

Hans Christian Blech wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet.

Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.Hans-Christian-Blech-Archiv Bestandsübersicht auf den Webseiten der Akademie der Künste in Berlin

mini|Hans Christian Blech und Lotte Berger (1938) mini|Privataufnahme, 1990

Filmografie

Hörspiele (Auswahl) 1958: Fred Hoyle: Die schwarze Wolke (Kingsley) – Regie: Marcel Wall (Hörspielbearbeitung, Science-Fiction-Hörspiel – SWF) 1961: Wolfgang Weyrauch: Totentanz (Personalchef) – Regie: Martin Walser (Hörspiel – BR/NDR)

Auszeichnungen 1966: Bester Darsteller für Woyzeck beim Internationalen Fernsehfestival Prag 1975: Filmband in Gold für Falsche Bewegung im Gesamtensemble 1976: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1979: Bambi 1981: Goldene Kamera für Collin 1983: Johan-Heinrich-Merck Ehrung der Stadt Darmstadt 1991: Adolf-Grimme-Preis mit Silber für Wer zu spät kommt – Das Politbüro erlebt die deutsche Revolution (zusammen mit Martin Wiebel, Cordt Schnibben, Claudia Rohe, Jürgen Flimm und Dirk Dautzenberg) 1991: Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste 1992: Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises

Literatur

Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 79 f. Herdis Pabst, Hans-Michael Bock: Hans Christian Blech – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 22, 1993. Daniel Semler: Hans-Christian Blech – Bilder und Dokumente aus dem Leben des Schauspielers, Noa Noa Hörbuchedition, München 2000, ISBN 978-3-932929-20-5 C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 74. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 421 f.

Weblinks

Hans-Christian Blech im Archiv der Akademie der Künste, Berlin

Einzelnachweise

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