Tatbestand war eine Kriminal-Hörspielreihe des DDR-Rundfunks, die auf Gerichtsakten basierte und, jeweils mit einem staatsanwaltlichen Credo versehen, in 40 Folgen ausgestrahlt wurde.

Geschichte und Struktur Die Radiokrimiserie entstand korrespondierend zu den Fernsehspielen Der Staatsanwalt hat das Wort, die seit Oktober 1965 mit beachtlichem Publikums-Erfolg beim Deutschen Fernsehfunk angelaufen waren. Analog zur Fernseh-Reihe, die der Staatsanwalt Peter Przybylski präsentierte, wurde die 1973 von der Hörspielabteilung begonnene Reihe Tatbestand anfänglich von Staatsanwalt Heinz Hämmerlein (Folgen I bis V) und später von Staatsanwalt Dieter Plath (Folgen VI bis XXXX) publizistisch begleitet.Andreas Meyer: Kriminalhörspiele 1924–1994, Verlag für Berlin-Brandenburg GmbH, Potsdam 1998, S. 58

Diese Staatsanwälte, die als stellvertretende Pressesprecher des Generalstaatsanwaltes der DDR tätig waren, unterbreiteten den Hörspiel-Machern eine Auswahl von aus rechtspropagandistischer Sicht relevanten Gerichts-Fällen und gaben den interessierten Hörspiel-Autoren später auch Einsicht in die jeweiligen Prozessakten. Ab 1974 bekamen die Hörspiele dieser Reihe einen eigenen Vorspann, Komposition: Siegfried Schäfer (1934–2014).

Während das Publikum in den Fernsehspielen anfangs sogar mehrfach zwischen den einzelnen Szenen die belehrenden Auftritte des Staatsanwaltes hinnehmen musste, begnügten sich die in einer Krimi-Handlung aufgebauten Hörspiele mit einem finalen Sprecherpart, in dem der Staatsanwalt im Originalton vernehmbar das Delikt und seine Ursachen ausdeutete und neben den zu ziehenden Lehren auch das konkret verhängte Strafmaß für die Täter verkündete.Dieter Plath: Tatbestand. Eine Sendereihe der Hörspielabteilung mit dem Generalstaatsanwalt der DDR. in: FF 32/1977, 33, S. 42f

Die Folge I von Tatbestand, die hinsichtlich von Autor und Dramaturgie die Erfahrungen der langjährigen Reihe der Hans-Siebe-Krimis einbeziehen konnte, erlebte ihre Ursendung am 21. Juli 1973 auf Radio DDR I.Die merkwürdige Verwandlung der Jenny K. Hörspiele, Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1976, S. 230 Zwei Mal wurden Produktionen dieser Reihe mit dem Sonderpreis der Kritikerjury beim DDR-Hörspielpreis bedacht: 1980 erhielt ihn Jutta Wachowiak für ihre darstellerische Leistung in Peter Goslickis In guten wie in bösen Tagen und 1985 der Autor Arno Rude für sein Manuskript zu Zuarbeit.Sibylle Bolik: Das Hörspiel in der DDR - Themen und Tendenzen, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 1994, S. 299 f. Die 40. und letzte Folge der Reihe wurde am 3. August 1989 auf Jugendradio DT64 urgesendet – ein Hörspiel mit Ulrich Mühe in der Hauptrolle.Traumreise, Hörspiele, Henschel Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 235, ISBN 3-362-00589-6

Produktionen

Einzelnachweise

Kategorie:Kriminal-Hörspielserie Kategorie:Hörfunksendung (DDR) Kategorie:Medien und Recht