mini|Wolfgang Albert Wolfgang Albert (* 29. August 1950 in Halle) ist ein deutscher Arzt für Psychosomatik und Allgemeinmedizin, Diplompsychologe und Psychoanalytiker. Er leitete den Funktionsbereich Psychosomatik und das Medizinische Versorgungszentrum im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Albert ist Hochschullehrer und war Direktor des Steinbeis-Transfer-Institutes Medical Psychology.

Werdegang Geboren in Halle an der Saale, wuchs Albert in München auf. Er studierte Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Psychologie an der Freien Universität Berlin. 1978 machte er das Staatsexamen und ging 1980 nach Berlin. Dort wurde er Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Allgemeinmedizin und absolvierte am Institut für Psychoanalyse, Psychosomatik und Psychotherapie (IPB) die Weiterbildung zum Psychoanalytiker. 2003 promovierte er, 2011 wurde er Professor.

Albert ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Wirken Seit 1987 baute Albert im 1986 gegründeten Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC, vormals: DHZB) den Funktionsbereich Psychosomatische Medizin auf, den er 36 Jahre lang leitete. Das dortige Medizinische Versorgungszentrum, ebenfalls von ihm initiiert, leitete er seit 2005. Das Berliner Herzzentrum sei mit der „Pionierarbeit Alberts zu einer echten Keimzelle der Psychokardiologie“ geworden. Im Dezember 2010 wurde das von ihm gegründete Steinbeis-Transfer-Institut Medical Psychology eröffnet, dessen Direktor er war. Das Institut bot ab 2011 einen „erstmals in Deutschland angebotenen […] Studiengang“ an, der die Vermittlung theoretischen Wissens mit praktischem Wissenstransfer verzahnte. All dies geschah noch unter Roland Hetzer als ärztlichem Direktor. Als die Steinbeis Hochschule 2022 ihren Standort nach Magdeburg verlegte, wurde das Berliner Institut geschlossen.

In der Deutschen Transplantationsgesellschaft gründete Albert im Jahr 2000 die Arbeitsgruppe Transplantationspsychosomatik, die er 14 Jahre lang leitete. Bei ihrem Start hatte sie zwei Mitglieder, 2023 waren es 86. Er war Mitbegründer vergleichbarer Arbeitsgruppen „auf europäischer Ebene“ und in der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Überdies wirkte er an den Leitlinien für die psychologische und psychosomatische Versorgung in der Transplantationsmedizin mit, die 2023 erstmals von der DGTHG herausgegeben wurden.

Albert war – gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen – an zahlreichen Forschungsprojekten des Herzzentrums federführend beteiligt. Dabei standen jeweils die psychologischen Dimensionen bei körperlichen Erkrankungen im Vordergrund, wobei der Einfluss dieser Erkrankungen oder auch einer Herztransplantation auf die Lebensqualität der Patienten besondere Beachtung fand. Überdies wirkte Albert maßgeblich an den 2018 herausgegebenen Empfehlungen für die Richtlinien zur Organtransplantation mit.

Da Patienten im Rahmen von Herzerkrankungen Angst entwickeln oder nach einer Operation am Herzen Depressionen erleiden können, halte Albert es für eine „ethische Verpflichtung, die Hightech-Medizin in ein ganzheitliches Versorgungskonzept einzubetten“, schrieb der Journalist Bernhard Borgeest im April 2019 in dem Wochenmagazin Focus anlässlich seiner Reportage über das Berliner Herzzentrum. Er bezeichnete Albert in diesem Feld als „Psychosomatik-Pionier“.

Seit Beendigung seiner psychoanalytischen Weiterbildung betrieb Albert parallel eine psychotherapeutische Praxis, in deren Rahmen er auch nach Versetzung in den Ruhestand weiterhin Patienten mit verschiedenen psychischen Störungen in Behandlung nimmt. Nach wie vor hat er die Weiterbildungsbefugnis für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Psychosomatik des Herzens Albert legte seinen Forschungsschwerpunkt schon früh auf die Psychosomatik des Herzens fest. Dem kam zugute, dass er sowohl Psychologe als auch Arzt ist. In einem Interview, das Ralf Geisenhanslüke 2019 in der Zeitschrift GEO veröffentlichte, ging der Berliner Journalist den Fragen nach, ob nach einer Herztransplantation ein „Spenderherz die Persönlichkeit des Empfängers“ präge, warum „Männer eher als Frauen bereit“ seien, sich ein Kunstherz einsetzen zu lassen, und warum todkranke Patienten oft von Schuldgefühlen geplagt würden. In seinen Antworten fasst Albert seine in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen vorgelegten Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Sprache zusammen.

Das Herz, so Albert, habe eine „symbolische Bedeutung“, stehe für Leben und Liebe und gelte schon seit der Antike „als Sitz unserer Gefühle“. Weil Frauen „meist einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen“ hätten, würden sie das Herz oft ganzheitlicher als Männer betrachten. Vergäßen Männer im Vier-Augen-Gespräch jedoch ihr „traditionelles Rollenbild“, seien sie „nicht weniger sensibel für die vielschichtigen Bedeutungen des Herzens als Frauen“.

Medizinisch spiele das Geschlecht von Spender und Empfänger keine Rolle, da stünden andere Parameter im Vordergrund. Allerdings bekämen Männer „weniger gern ein Frauenherz übertragen […] als Frauen ein Männerherz“. Dass eine Operation am Herzen für die Patienten in der Regel mehr Beunruhigung als andere Operationen mit sich bringe, habe damit zu tun, dass „in die Tiefe des Körpers“ und zugleich in „unser nicht-bewusstes Bild des Selbst, das sich in den ersten Monaten unseres Lebens herausgebildet hat“, eingegriffen werde. Eingriffe an Herz und Lunge berührten, so Albert, die „tiefsten Bewusstseinsschichten des Menschen“.

Bis Herz und Patient zusammengewachsen seien, brauche es seine Zeit. Albert untersuchte 125 Transplantierte über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren und stellte fest, dass ihre Leistungsfähigkeit „nur unter 25 Prozent unter der von Gesunden“ liege und sie damit nicht schlechter als die anderer chronisch Kranker sei. Ihr seelisches Befinden unterschied sich nicht von Gesunden, jedoch führe die Erinnerung an die Operation „vereinzelt zu erhöhter Ängstlichkeit“. Dagegen habe die Studie ihre Lebenszufriedenheit etwas höher als bei Gesunden erkennen lassen. Für die Sorge vieler Patienten, Charaktereigenschaften des Spenders könnten übertragen werden, habe Albert „nie einen Hinweis gefunden“. Wenn ein Mann ein Frauenherz transplantiert bekam und danach „emotionaler und nachdenklicher“ als zuvor sei, liege es nicht am Organ, sondern „daran, dass die bedrohliche Situation ihn verändert“ habe. Der Zugewinn an Vitalität und Lebensfreude ließe viele Patienten zweimal im Jahr Geburtstag feiern. Angehörige würden negative Verhaltensweisen öfter einmal mit dem neuen Herzen in Verbindung bringen, doch wenn es dazu komme, habe das mit den Nebenwirkungen der notwendigen Begleitmedikation zu tun. Immunsuppressiva und Cortison hätten gelegentlich psychische Nebenwirkungen.

Große Probleme würde den Patienten jedoch die Vorstellung bereiten, ein anderer Mensch müsse sterben, damit sie leben können. Das führe nicht selten zu Schuld- und Schamgefühlen. Es sei mitunter schwer, Patienten begreiflich zu machen, dass ein Anderer nicht für sie sterbe. Diesen gedanklichen Zusammenhang gelte es zu unterbrechen, weil andernfalls lang anhaltende Schuldgefühle daraus erwachsen könnten.

An der Entwicklung künstlicher Herzpumpen für Patienten, deren Herz wenn auch schwach, so doch noch schlage, werde „intensiv geforscht“. Problem dabei sei die Stromversorgung der Geräte, weil sich an der Eintrittsstelle der Stromkabel an der Haut oft Infektionen bildeten, erklärt Albert. Das Fremdheitsgefühl aber sei gegenüber den großen Geräten der 1980er Jahre deutlich niedriger, weil ein Kunstherz heute „ungefähr so klein wie eine Zigarre“ sei. Auch habe sich die frühere Annahme, ein schwaches Herz könne sich nicht mehr erholen, nicht bestätigt, so dass die künstliche Pumpe bei manchen Patienten nach gewisser Zeit wieder entfernt werden könne.

Leider würden die Menschen oft, so Albert, „aus ihrem Hamsterrad aus Stress und Überlastung“ erst herauskommen, wenn ihr Herz Probleme bereite. Die sollten dann, so die „Auffassung vieler Patienten“, von anderen gelöst werden. Damit werde der Körper funktionalisiert und gleichsam im Krankenhaus zur „Reparatur“ abgegeben. Manche Menschen würden nach ihrem Krankenhausaufenthalt gesünder leben, doch am ehesten Patienten mit transplantiertem Herzen.

Medical Psychology Im Jahr 2010 begründete Albert das Steinbeis-Transfer-Institut Medical Psychology, dessen Direktor er von Anbeginn war. Ab 2011 wurde an diesem Institut „der europaweit einzigartige Masterstudiengang medizinisch-klinische Psychologie angeboten“, der von 100 Studenten absolviert wurde. Mit diesem Studiengang konnten „sich junge Psychologen nach abgeschlossenem Bachelor-Studium zu klinisch tätigen Psychologen weiterqualifizieren“.

Der in den USA gut bekannte und in Deutschland neue Studiengang Medical Psychology hat mit dem von Albert in Berlin gegründeten Institut seinen Anfang auch in Europa genommen, denn bis 2011 wurde kein vergleichbares Studium anderswo im europäischen Raum angeboten. Der Studiengang hatte zum Ziel, die Lücke zwischen Medizin und Psychologie zu schließen, die sich besonders im klinischen Alltag in den Krankenhäusern – und damit auch in der von Albert geleiteten Psychosomatik im DHZB (heute: DHZC) – bemerkbar gemacht hatte. „Im Mittelpunkt des Studienganges Medical Psychology steht die untrennbare Verschränkung von körperlichen mit psychischen Prozessen … im Sinne einer ganzheitlichen Medizin …“ und findet „ihr Abbild im bio-psycho-sozialen Modell.“ Darüber hinaus sollten die Absolventen dieses Studienganges einerseits die Schnittstellen zwischen Arzt und Pflege abdecken und andererseits eine Mittlerposition zwischen Ärzten und Patienten einnehmen.

Während die Medical Psychology in den USA postgradual angeboten wird, sah das Berliner Institut einen Masterstudiengang vor. Das Studienangebot war im Bereich der Hightech-Medizin angesiedelt, in dem Patienten und ihre Bezugspersonen mit bedrohlichen Erkrankungen und hochkomplexen medizinischen Therapiemethoden konfrontiert sind. Diese Konfrontation manifestiert sich nicht selten in psychischen Störungsbildern, ohne dass hinreichende psychologische Betreuungskonzepte zur Verfügung standen. Die Studierenden sollten praktische Erfahrungen im Patientenkontakt sammeln und eigene Erlebnisse kritisch reflektieren.

Im Unterschied zur – ebenfalls noch jungen – Medizinischen Psychologie in der Ärzteausbildung wurden am Berliner Steinbeis-Institut Psychologen ausgebildet. Während der angehenden Ärzteschaft „psychologische Grundkenntnisse“ in der Regel im ersten Drittel ihres Studiums vermittelt werden, wurde am Steinbeis-Institut eine fundierte psychologische Ausbildung angeboten – allerdings im Unterschied zum üblichen Psychologiestudium im nahezu täglichen Kontakt mit schwerkranken Patienten. Das führte gelegentlich zu einem „Praxisschock“, wie eine der Absolventinnen berichtete.

Ehrungen 2007: Forschungspreis Psychotherapie in der Medizin, abgerufen am 19. Februar 2017.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher

Herausgeberschaft

Buchbeiträge

Fachzeitschriften

Kongressbeiträge Quality of life after heart transplantation. Vortrag beim 3. Expertenforum der Roland Hetzer International Cardiothoracic and Vascular Surgery Society. Shanghai 2012 (englisch, 26. Mai 2012). Mit C. Gresch, R. Hetzer: Relationship between affective and psychosomatic syndromes with quality of life and the somatic status in patients surviving 15 to 22 years after heart transplantation. In: 19th World Congress on Psychosomatic Medicine. Quebec City 2007 (englisch, Canada 26.–31.8.2007). The course of psychosomatic syndromes and psychiatric disorders in patients during treatment with uni- or biventricular assist devices. In: 17th World Congress on Psychosomatic Medicine. Waikoloa 2003 (englisch, Hawaii, 23.–28.8.2003).