Gaimersheim ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt. mini|Marktplatz und Untere Marktstraße mini|Marktplatz von Gaimersheim Geographie Gaimersheim liegt im Landkreis Eichstätt an der Grenze zur Stadt Ingolstadt. Das Gemeindegebiet zieht sich vom Nordwesten Ingolstadts bis zum Reisberg. Im Westen grenzt der Markt an Eitensheim und im Osten an Wettstetten. Der Ortskern liegt auf und die Mittlere Heide auf .
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gabel (Einöde) Gaimersheim (Hauptort) Lippertshofen (Kirchdorf) Rackertshofen (Weiler)
Angermühle und Kraiberg sind ehemalige Gemeindeteile.
Es gibt die Gemarkungen Gaimersheim und Lippertshofen.
Auf Gaimersheimer Flur beginnt der Naturpark Altmühltal.
Nachbarorte und -gemeinden
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Es finden sich zahlreiche Funde früher Besiedelung auf Gaimersheimer Flur: Erste Funde gibt es aus Paläolithikum und Neolithikum. An der Straße von Gaimersheim nach Rackertshofen wurden Gräber aus der späten Bronzezeit (Urnenfelderkultur) entdeckt. Weitere Funde gibt es aus Hallstattzeit und La-Tène-Zeit. Neben weiteren römischen Funden wurde an der Straße nach Böhmfeld eine Villa rustica ausgegraben.
Urkundliche Erwähnung: Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung stammt aus dem Jahre 908. Im so genannten Geisenfelder Urbar aus dem Jahre 1300 wird ein Meierhof in Gaimersheim erwähnt – diese Urkunde befindet sich im Hauptstaatsarchiv in München. In diesem Urbar ist die erste Erwähnung als Markt niedergeschrieben.
Das Marktrecht wurde 1699 durch den bayerischen Kurfürsten Max Emanuel bestätigt. Der Ort verfügte über die Hoch- und Niedergerichtsbarkeit, resultierend aus seiner Zugehörigkeit zum Kloster Geisenfeld.
Gaimersheim gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Vohburg des Kurfürstentums Bayern. Gaimersheim besaß ein Marktgericht mit weitgehenden magistratischen Eigenrechten. Ebenfalls befand sich hier eine Schranne des kaiserlichen Landgerichts Hirschberg. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
19. bis 21. Jahrhundert Um 1870 entstand der Bahnhof Gaimersheim, als die Bahnstrecke München–Treuchtlingen südlich am Markt vorbeigeführt wurde.
Im 19. Jahrhundert wurde das Fort von der Tann in der südlichen Gemarkung errichtet, das zum Befestigungskranz der bayerischen Landesfestung Ingolstadt gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprengten die amerikanischen Besatzungstruppen das Fort, wie die meisten dieser Bauart aus dem Festungsring Ingolstadt. Altbürgermeister Sebastian Schiebel hatte gleichzeitig die Aufgabe, eine große Zahl von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland in Gaimersheim anzusiedeln. So entstand im Vorbereich um das ehemalige Fort von der Tann eine Siedlung, Kraibergsiedlung genannt, die auch heute noch fast authentisch mit ihren kleinen Doppelhäusern mit Spitzdach erhalten ist und die neben dem Altort die zweite Keimzelle der Siedlungstätigkeit in Gaimersheim bildet.
Gaimersheim konnte, nicht zuletzt wegen der unmittelbaren Nähe zu Ingolstadt, immer mehr an Einwohnern gewinnen. Mittlerweile ist der Markt Gaimersheim einwohnermäßig vor Beilngries und hinter Eichstätt die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Eichstätt.
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform kam am 1. Januar 1976 die Gemeinde Lippertshofen zu Gaimersheim.
Bereits am 1. Juli 1972 wurde der frühere Weiler Blumhof anlässlich der Auflösung der Gemeinde Etting nach Gaimersheim eingemeindet. Der Rest der Gemeinde Etting mit dem gleichnamigen Pfarrdorf wurde in die kreisfreie Stadt Ingolstadt eingemeindet. Gleichzeitig wechselte der Markt Gaimersheim vom Landkreis Ingolstadt in den Landkreis Eichstätt.
Einwohnerentwicklung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1961 1970 1980 1987 1988 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2018 Einwohner 4.036 5.229 7.015 7.758 7.982 8.436 9.327 10.105 10.956 11.336 11.618 12.158
Konfessionsstatistik Beim Zensus 2022 gaben 47,3 % der Einwohner an, römisch-katholisch zu sein, 13,4 % evangelisch, 39,3 % konfessionslos zu sein oder einer anderen Glaubensgemeinschaft anzugehören oder machten keine Angabe.Gaimersheim Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken; fast 2 Prozent der Einwohner verlassen jährlich die evangelische und katholische Kirche. Markt Gaimersheim in Zahlen 2023Markt Gaimersheim in Zahlen Seite 16
Politik mini|Rathaus von Gaimersheim
Marktgemeinderat
Der Marktgemeinderat besteht aus 24 Mitgliedern. Die Sitze verteilen sich wie folgt:
(Stand: Kommunalwahl 2026) Bürgermeister (bis 1919 unvollständig)
1818–1820: Jakob Knapp um 1827: Brandl 1849–1863: Sebastian Knapp um 1871–1876: Matthias Heindl bis 1878: Georg Schwab um 1879: Bartholomäus Sebald um 1889: Gößel 1919–1929: Josef Ludwig, unterstützt vom BB 1929–1945: Franz Xaver Hüttinger, aufgestellt von BB, Gewerkschaft und SPD 1945: Anton Dietrich, ehemals BVP; von den Alliierten eingesetzt 1945–1946: Martin Meier sen., KPD; von den Alliierten eingesetzt 1946–1960: Sebastian Schiebel, CSU 1960–1984: Martin Meier jun., SPD 1984–2008: Anton Knapp, CSU seit 2008: Andrea Mickel, SPD
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde unterhält eine Gemeindepartnerschaft mit der sächsischen Stadt Seifhennersdorf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|links|Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Heimatmuseum im Winterbauer-Anwesen Backhaus: Veranstaltungsort der Gemeinde Gaimersheim Galerie 17 Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Vereine Im Markt Gaimersheim sind derzeit 82 eingetragene Vereine gemeldet. (Stand: Dezember 2020)
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Während Gaimersheim noch bis zum Jahr 1950 den Charakter einer gewerblich-landwirtschaftlichen Mischgemeinde besaß, ist der Markt heute geprägt von ihren Gewerbegebieten und der räumlichen Nähe zur am Ingolstädter Stadtrand zu Gaimersheim ansässigen Audi AG. In den Gewerbegebieten haben sich neben der Edeka Südbayern und Backstube Wünsche auch einige Automobilzulieferer angesiedelt. So hat sich auch eine große Anzahl mittelständischer Unternehmen niedergelassen.
Es gab 2017 im Bereich Unternehmensdienstleister 5049, im Bereich Produzierendes Gewerbes 2545 und im Bereich Handel und Verkehr 1996 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 521 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 5463. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 14, im Bauhauptgewerbe zwölf Betriebe, dazu vier Beherbergungsbetriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 33 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1545 ha. Davon waren 1438 ha Ackerfläche.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen: Kindergärten: sieben Einrichtungen mit 544 Kindergartenplätzen und 466 Kindern (Stand 2018) Grundschule Gaimersheim Mittelschule Gaimersheim (ehemals Hauptschule) Gymnasium Gaimersheim (Zweckverband des Landkreises Eichstätt mit Ingolstadt, eröffnet zum Schuljahr 2010/2011) Außenstelle der VHS Ingolstadt öffentliche Bücherei im Rathaus private Musikschule
Freizeiteinrichtungen Naturlehrpfad am Reisberg Badelandschaft Aquamarin (Hallen- und beheiztes Freibad) EDEKA Ballsporthalle Xaver-Ernst-Sportanlage und Sportheim des TSV Gaimersheim Tennisanlage TSV Gaimersheim Tennisanlage TV Ingolstadt (an der Gabel) Sander Tennishalle offener Jugendtreff „no fear“ (Neueröffnung am 1. September 2016 im Neubau in der Römerstraße 41) Schützenverein Männerschützengesellschaft Gaimersheim 1874 Schützenverein „Hubertus“
Soziale Einrichtungen Caritas-Altenheim „St. Elisabeth“ mit 78 Plätzen (Stand: 15. Dezember 2016) Caritas-Sozialstation (Sozialstation und katholischer Krankenpflegeverein; im Haus: Ingolstädter Tafel e. V.)
Verkehr mini|Bahnhof Gaimersheim Der Bahnhof Gaimersheim an der Bahnstrecke München–Treuchtlingen wird im Regelbetrieb halbstündlich von einer Regionalbahn nach Ingolstadt–München bzw. Treuchtlingen–Nürnberg bedient, Wochentags im Berufsverkehr auch von Zügen der Bayerischen Regiobahn in Verlängerung der Strecke von Eichstätt Stadt–Eichstätt Bahnhof nach Ingolstadt Hbf(–Augsburg Hbf). Dort besteht Taktanschluss in Richtung Regensburg bzw. Ulm und Augsburg sowie zum Regionalexpress nach Nürnberg und München und Anschluss an den Fernverkehr. Bis Ende 2024 soll durch den Bau eines weiteren Gleises die Fahrt zweier weiterer Regionalbahnlinien nach Regensburg und Ulm ermöglicht werden. Die Buslinien 50, 55 und 85 der INVG verbinden Gaimersheim mit Ingolstadt werktags in einem 30-Minuten-Takt, die Linie S9 führt über das Gewerbegebiet zum Audi-Werk.
mini|hochkant=0.8|AS Lenting der A 9 Von der A 9 kommend ist Gaimersheim über die Ausfahrt Lenting zu erreichen.
Die Nordumgehung Gaimersheim wurde im Juni des Jahres 2011 dem Verkehr übergeben. Sie zweigt bei Eitensheim als Kreisstraße EI 51 von der B 13 in östliche Richtung ab Richtung Wettstetten bzw. Lenting zur Ausfahrt Lenting. Die Ausfahrt heißt hier „Eitensheim-Nord/Gaimersheim-Nord/Lenting“. Eine Südumgehung ist nicht mehr in Planung.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Josef Worsch (1921–2013), Pfarrer in Gaimersheim (1966–1994) Martin Meier (1924 oder 1925–2002), Kommunalpolitiker (SPD) und Gaimersheimer Bürgermeister (1960–1984) Anton Knapp (* 1955), Kommunalpolitiker (CSU), Gaimersheimer Bürgermeister (1984–2008) und Landrat des Landkreises Eichstätt (2008–2020)
Söhne und Töchter des Marktes Vitus Staudacher (1850–1925), Violinist und Landschaftsmaler Wolf-Dieter Keidel (1917–2011), Sinnesphysiologe Anton Westner (* 1944), Kommunalpolitiker (CSU)
Bekannte Personen mit Bezug zum Markt Theodor Straub (1930–2023), Historiker Josef Margraf (1953–2010), Biologe und Ökologe Günter Grünwald (* 1956), Kabarettist Masha Dimitrieva (* 1966), russischstämmige deutsche Pianistin Katja Ulbrich (* 1988), Inline-Speedskaterin Lisa Antl (* 2000), Handballspielerin
Literatur Andreas Staudacher, Theodor Straub: Chronik des Marktes Gaimersheim. Ingolstadt 1984, ISBN 3-920253-18-3. Andreas J. Schmidt: Gaimersheim. In: Handbuch der Historischen Stätten Bayern I, Altbayern und Schwaben. (= Kröners Taschenausgabe. Band 324). Stuttgart 2006, ISBN 3-520-32401-6, S. 258–259.
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Einzelnachweise
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