mini|Gemeindegebiet mit Gemeindeteilen von Großostheim mini|300px|Luftbild von Großostheim
Großostheim ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg.
Geographie Lage Großostheim liegt am nordöstlichen Rand des Odenwalds in der Region Bayerischer Untermain. Durch den Hauptort sowie die Gemeindeteile Pflaumheim und Wenigumstadt fließt der Welzbach, der in Klein-Umstadt entspringt und über den Park Schönbusch in den Main mündet. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit am Bolachberg südlich von Wenigumstadt, der niedrigste liegt am See des Freizeitgebietes Sonneck auf .
Gemeindegliederung Großostheim hat vier Gemeindeteile:Einwohnerzahl gestiegen, Artikel im Main Echo (Stand: 1. Januar 2019) Während Ringheim schon immer ein Gemeindeteil und zur Gemarkung von Großostheim zugehörig war, sind Pflaumheim und Wenigumstadt erst seit der Gemeindegebietsreform vom 1. Mai 1978 Gemeindeteile.
Gemeindeteil Siedlungstyp Gemarkung Gemarkungs-fläche (ha) EinwohnerzahlBachgau-Bote 3/2025, Amtliche Bekanntmachung Koordinaten Großostheim Hauptort Großostheim 2717,59 8.537 Ringheim Pfarrdorf 3.043 Pflaumheim Pfarrdorf Pflaumheim 818,54 2.812 Wenigumstadt Pfarrdorf Wenigumstadt 895,11 2.040 Gemeinde Großostheim 4431,24 16.432
Die Gemarkung Großostheim hat eine Fläche von 27,154 km². Sie ist in 8718 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3114,68 m² haben.
Nachbargemeinden
Mit Stockstadt am Main und der benachbarten hessischen Gemeinde Schaafheim bildet die Marktgemeinde die historische Region Bachgau.
Name Etymologie Der Name Großostheim besteht aus den althochdeutschen Wörtern ost und heima, die Osten und Heim bedeuten. Der Zusatz Groß unterscheidet es vom naheliegenden Ort Kleinostheim, der seinen Namen jedoch nicht von einer Himmelsrichtung, sondern von dem Personennamen Ozzo hat. Die Einwohner Großostheims bezeichnen sich selbst als „Äistemer“, den Ort als „Oustem“ (Aussprache: []).
Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 780 „Ostheim“ 1774 „Groß Ostheim“ 1867 „Großostheim“
Ortsneckname Da sich die Birnensorte Gute Graue, im 18. Jahrhundert als Beurre gris aus Frankreich eingeführt, als robuste, krankheitsresistente Tafelbirne erwies, standen viele Bäume auf den Großostheimer Feldern. Sie wurde in der Hauptsache zu Dörrobst verarbeitet und bereicherte im Winter den Speiseplan. Die Großostheimer müssen, ebenso wie die Bewohner von Kleinostheim (15 km entfernt am Main gelegen), von der Guten Grauen so überzeugt gewesen sein, dass ihnen die Nachbarorte den Spitznamen „Aisdemir Grohbirn“ gaben. Die Kleinostheimer, in deren Dialekt es „Goubern“ sind, feiern heute alljährlich im Sommer ihr Groubern-Grobirn-Fest.Primasonntag 11. November 2012
Geschichte mini|300px|„Cent Bachgaw“, Stich von Nicolaus Person 1695
Bis zur Gemeindegründung Ostheim, seit dem 17. Jahrhundert Großostheim genannt, wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt, die zwischen 780 und 799 entstand. Ostheim gehörte seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung zu verschiedenen Herrschaftsbereichen, ehe es 1278, zusammen mit dem gesamten Bachgau, zum Kurfürstentum Mainz kam.
Zum Ende des Alten Reiches gehörte Großostheim zur Stadt- und Amtsvogtei Obernburg und Großostheim im Vizedomamt Aschaffenburg des Kurfürstentums Mainz. 1803 kam Großostheim mit dem Vizedomamt Aschaffenburg zum neugebildeten Fürstentum Aschaffenburg, das 1810 in das Großherzogtum Frankfurt überging. Im Großherzogtum Frankfurt gehörte Großostheim zur Distriktsmairie Obernburg des Departements Aschaffenburg. Infolge der Verträge von Paris fiel es 1814 an das Königreich Bayern.
Als politische Gemeinde entstand Großostheim im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern mit dem Gemeindeedikt von 1818 und gehörte zunächst zum Verwaltungsgerichtsbezirk Obernburg.
Verwaltungsgeschichte Am 1. Juli 1862 wurde Großostheim (noch ohne die erst 1978 eingemeindeten Ortsteile Pflaumheim und Wenigumstadt) in das Verwaltungsgebiet des neu gebildeten Bezirksamtes Aschaffenburg eingegliedert. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Großostheim war nun eine Gemeinde im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.
Eingemeindungen Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinden Pflaumheim und Wenigumstadt eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1961 10.707 1970 12.788 1987 13.514 1991 14.358 1995 14.893 2000 15.913 2005 16.489 2010 16.358 2015 16.372 2016 16.352 2017 16.372 2018 16.419 2019 16.365 2020 16.340 2021 16.278 2022 15.917 2023 15.961 Im Zeitraum 25. Mai 1987 bis 15. Mai 2022 stieg die Einwohnerzahl von 13.514 auf 15.923 um 2409 Einwohner bzw. um 17,8 %.
Konfessionsstatistik Von den 16.554 Bürgern gehörten 55,8 % (9.233) Bürger der katholischen und 10 % (1.651) der evangelischen Kirche an. 34,3 % (5.670) waren anders oder nicht gläubig. Es gab 137 Kirchenaustritte. (Stand 2020)
Jüngere Geschichte Im September 2018 wurde Großostheim schwer von dem Sturm Fabienne getroffen. Etwa 600 Einsatzkräfte von Feuerwehren aus Großostheim und umliegenden Gemeinden arbeiteten mehr als 300 Einsatzstellen ab. Im Einsatz waren alleine 11 Drehleitern. Unter anderem überschlug sich auf dem im Ortsteil Ringheim gelegenen Flugplatz ein Flugzeug, auch ein Schwimmbagger eines Kieswerkes kenterte.
Politik mini|Rathaus
Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste202620202014%Sitze%Sitze%SitzeCSU24,4641,61042,210Grüne / Junge Liste Bachgau18,9515,94SPD15,5417,6426,56Freie Wähler Bachgau20,8513,737,92Unabhängige Bürger Bachgau6,424,01Frauenliste Bachgau––3,41AfD12,03Grüne9,82Junge Liste Bachgau8,92Gemeinsam für den Bachgau (GFB)8,62Gesamt100241002410024Wahlbeteiligung58,2 %55,8 %54,87 % Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Erste Bürgermeister.
Bürgermeister Erster Bürgermeister war bis zum 30. April 2014 Hans Klug (CSU), der aus Altersgründen zur Wahl nicht mehr antrat. Sein Nachfolger ist Herbert Jakob (CSU), der mit 67 % der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt wurde und eine erfolgreiche Wiederwahl 2020 mit 71,8 % schaffte. Am 13. Juni 2023 wurde Herbert Jakob dienstunfähig, was nach einer amtsärztlichen Untersuchung am 1. Oktober 2024 durch den Gemeinderat bestätigt wurde. Die Neuwahlen wurden für den 9. Februar 2025 angesetzt. Am 23. Februar 2025 setzte sich in einer Stichwahl Ralf Herbst (SPD) mit 50,8 % gegen den parteilosen Thomas Böhrer durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 73 %.
Eklat Wahl 2. Bürgermeister 2014 2014 wurden zu den Stellvertretern des Bürgermeisters bei einer umstrittenen Wahl Horst Müller und Bettina Göller gewählt (beide SPD), was für eine langanhaltende Diskussion sorgte.Großostheim: Abweichler in der CSU? In: Main-Echo. 19. Mai 2014. Abgerufen am 12. Juli 2014.
Da die CSU im ersten Wahlgang keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schickte, war Göller, die von SPD, Junger Liste und UB-Bachgau (zusammen elf Mandate) unterstützt, von der CSU (elf Mandate) aber abgelehnt wurde, im ersten Wahlgang die einzige Kandidatin. Nachdem dieser Wahlgang aufgrund zu vieler ungültiger Stimmen (13 Enthaltungen, zwölf Stimmen pro Göller) wiederholt werden musste, nominierte die CSU im zweiten Wahlgang den von ihr bereits im Vorfeld unterstützen SPD-Gemeinderat Horst Müller als Kandidaten für das Amt des Zweiten Bürgermeisters. Dieser setzte sich in der folgenden Kampfabstimmung mit 12 zu 11 Stimmen bei zwei Enthaltungen gegen seine Parteigenossin Göller durch, was u. a. bei SPD und Junger Liste für Empörung sorgte. Göller trat anschließend zur Wahl des dritten Bürgermeisters an, bei der sie sich wiederum mit zwölf zu elf Stimmen bei zwei Enthaltungen zum Unmut der CSU gegen deren Kandidaten Franz Vorstandlechner durchsetzte.Großostheim: Wunden auf allen Seiten. In: Main-Netz, 8. Mai 2014. Abgerufen am 13. Mai 2014.
Wenige Tage nach der Wahl trat Müller aus der SPD-Fraktion aus, nach eigenen Angaben um einem Ausschluss zuvorzukommen.Horst Müller verlässt SPD-Fraktion. Politik: Zerwürfnis nach Bürgermeisterwahl. In: Main-Netz, 13. Mai 2014. Abgerufen am 13. Mai 2014. Der unterlegene CSU-Kandidat Vorstandlechner kritisierte daraufhin im Mitteilungsblatt Bachgau-Bote seine Parteikameraden und beklagte sich über Abweichler aus den eigenen Reihen. So hätten ihm in einer internen Probeabstimmung zwei Parteifreunde aufgrund eigener Ambitionen auf das Amt des Dritten Bürgermeisters die Stimmen verweigert. Ausdrücklich bedankte er sich für Stimmen der Fraktion Freie Wähler/Frauenliste.
Wappen
Gemeindepartnerschaften Carbon-Blanc, Frankreich Saulxures-sur-Moselotte, Frankreich Hamoir, Belgien Archea Olymbia, Griechenland
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler
mini|Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul mini|Nöthig-Gut am Marktplatz (Bachgaumuseum) mini|Die Wendelinuskapelle, spätestens 1607 in jetziger Bauweise errichtet Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul birgt eine Beweinung Christi von Tilman Riemenschneider (1515), die mit dem Frühwerk in der Wallfahrtskirche Hessenthal ikonografisch und stilistisch verwandt ist. Im Fachwerkhof Nöthig-Gut am Marktplatz, einem ehemaligen Lehenshof der Mainzer Dompröpste (1537–1629), sind das Bachgau-Museum und die Musikschule untergebracht. Die Exponate des Museums betreffen schwerpunktmäßig Handwerk und Landwirtschaft der Region im 19. Jahrhundert. Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert prägen den gesamten Ortskern rund um Marktplatz, Marktgasse und Kanzleistraße, Haarstraße und Breite Straße. Mit 148 denkmalgeschützten Häusern (Stand 2007) steht Großostheim insoweit an erster Stelle im Landkreis Aschaffenburg. Von der im 19. Jahrhundert geschleiften Stadtbefestigung stehen noch der Spitze Turm (Gefängnisturm mit Verlies), der Stumpfe Turm (Pulverturm), der Hexenturm, in dem zwischen 1602 und 1603 elf Frauen dem im Kurfürstentum Mainz grassierenden Hexenwahn zum Opfer fielen und ein kleiner Rest der früher etwa zwei Kilometer langen Stadtmauer in der Grabenstraße. Drei Kapellen gibt es in Großostheim. Von dem lokalen Hufschmied Peter Drippel wurde eine dem Schutzpatron dieses Handwerks, dem Heiligen Eligius, geweihte Kapelle 1517 errichtet. Das so genannte Frauhäuschen ist eine Marienkapelle (Ende 15. Jahrhundert). Wichtigstes Ausstattungsstück der Kreuzkapelle ist eine Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen, ein Spätwerk von 1513.Ewald Lang: 500 Jahre Kreuzkapelle Großostheim. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes. 62. Jahrgang, Heft 2, Juni 2015, , S. 59–70. Im Gemeindeteil Pflaumheim steht das älteste Rathaus im Bachgau. Der Fachwerkbau (1981 restauriert) stammt von 1548. Bei einem Verkehrsunfall 2015 wurde das Rathaus schwer beschädigt, wird nach der inzwischen erfolgten Reparatur aber wieder von Vereinen und für Hochzeiten genutzt. Einen stilistisch ähnlichen Rathausbau von 1584 weist der Gemeindeteil Wenigumstadt auf. 36 Bildstöcke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stehen an den Wander- und Fahrradwegen der unmittelbaren Umgebung.
Weiteres Großostheim liegt am Einhardsweg. Dieser 77 km lange Fernwander- und Fahrradweg folgt den Spuren des Biographen Karls des Großen auf einer Strecke von Bad König nach Hanau. In Großostheim wurde in den Jahren 1988 bis 1992 die Fernsehserie Mit Leib und Seele gedreht. Der Ort hieß im Film „Eberfeld“.