mini|Das ehemalige Amtshaus (erbaut 1791). Sitz des Amtes Alt Ruppin. Friedrich-Engels-Straße 33a mini|Alt Ruppin auf dem Urmesstischblatt 3043 Lindow von 1825. Der Gebäudekomplex des Amtes Alt Ruppin ist mit A gekennzeichnet.
Das Amt Alt Ruppin war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Domänenamt mit Sitz in der Stadt Alt Ruppin (Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg). Es entstand im Wesentlichen aus dem Hausbesitz der 1524 im Mannesstamm erloschenen Grafen von Lindow-Ruppin. Als erledigtes Lehen fiel es an den Kurfürsten von Brandenburg, der diesen Ruppinschen Hausbesitz in ein landesherrliches Amt umwandelte. Das Amt Alt Ruppin erhielt in der Folgezeit Teile des 1764 aufgelösten Amtes Lindow sowie später auch anderer aufgelöster Ämter. Das Amt Alt Ruppin selbst wurde 1872/4 aufgelöst.
Geschichte Das Amt Alt Ruppin bestand um 1800 im Wesentlichen aus zwei Besitzkomplexen, dem Hausbesitz der Grafen von Lindow-Ruppin und den Besitzungen des Klosters Lindow, die aber nicht im Ganzen an das Amt Alt Ruppin gingen, sondern auch zum Teil an das Amt Zechlin. Im Laufe der Geschichte gab es auch eine ganze Reihe kleinerer Veränderungen. Dörfer oder Besitzanteile wurden hinzu erworben oder auch in Erbpacht gegeben. Andere Orte wurden aus dem Amt gelöst und anderen Ämtern zugewiesen, oder das Amt erhielt wiederum Dörfer von anderen Ämtern zugewiesen.
Die Herrschaft Ruppin und der Hausbesitz der Grafen von Lindow-Ruppin Die Herrschaft Ruppin war ursprünglich kein Teil der Mark Brandenburg, sondern eine im Zuge des sogenannten Wendenkreuzzuges von 1147 entstandene, unabhängige Herrschaft. Sie war ursprünglich auf die Umgebung von Alt Ruppin beschränkt. Zwischen 1200 und 1220 konnte Gebhard von Arnstein aus dem Geschlecht der Arnsteiner Burg und Herrschaft Ruppin erwerben. Er war der Stammvater der Grafen von Lindow-Ruppin. Den Grafentitel hatten die Herren von Ruppin aber nicht von der Herrschaft Ruppin, die nie Grafschaft war, sondern von der Grafschaft Lindow nördlich von Zerbst. Wer die Vorbesitzer der Herrschaft Ruppin waren, lässt sich urkundlich nicht mehr festmachen. Den brandenburgischen Kurfürsten gelang es in der Folgezeit, die Oberlehensherrschaft über die Besitzungen der Grafen von Lindow-Ruppin zu erlangen. Unter der Oberlehensherrschaft der brandenburgischen Markgrafen konnten die Herren von Ruppin (und Grafen von Lindow) ihren Besitz im Lande Ruppin deutlich vergrößern; er ging zeitweise sogar deutlich über die Grenzen des heutigen Landes Ruppin hinaus. Als 1524 Wichmann, der letzte Graf von Lindow-Ruppin im Alter von nur 24 Jahren und ohne Erben starb, fiel die Herrschaft Ruppin an den brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. Die Grafschaft Lindow war bereits 1457 auf Wiederkauf an die Fürsten Adolph und Albert von Anhalt-Zerbst veräußert worden. Der Rückkauf seitens des brandenburgischen Kurfürsten scheiterte jedoch, und die Grafschaft Lindow verblieb beim Fürstentum Anhalt-Zerbst als brandenburgisches Lehen.
Im Verlauf der Geschichte der Herrschaft Ruppin gelangten viele Dörfer und herrschaftliche Rechte in den Besitz von Lehensleuten der Herren von Ruppin, nur ein kleinerer Teil verblieb im direkten Besitz der Herren von Ruppin, der sogenannte Hausbesitz. Dieser Hausbesitz kam 1524 in den direkten Besitz des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I., der ihn in ein landesherrliches Amt umwandelte, das Amt Ruppin, das später meist konsistent Amt Alt Ruppin genannt wurde.
Kloster Lindow Das Kloster Lindow wurde vermutlich um 1230 von Graf Gebhard I. von Lindow gegründet. Die Ordenszugehörigkeit dieses Nonnenklosters ist nicht gesichert. Urkunden zur Geschichte des Klosters haben sich nur wenige erhalten, da das Klosterarchiv bei der Zerstörung des Klosters 1638 durch kaiserliche Truppen in Flammen aufging und komplett vernichtet wurde. Einen Überblick über die Besitzungen des Klosters gibt das von Wolfgang Redorffer im Auftrag des Kurfürsten Joacim I. angefertigte Register des Landes Ruppin von 1525. 1541 wurde das Kloster von einer Kommission visitiert; der Konvent nahm die evangelische Kirchenordnung an. Für die Vermögensverwaltung des Klosters war der Probst zuständig. Als der letzte Probst Johannes Fischer 1542 starb, wurde das Amt nicht neu besetzt. Kurfürst Joachim entzog dem Konvent fast sämtliche Klostergüter und verpfändete sie für 9.000 Gulden an Johann von Arnim. Der Pfandinhaber musste jedoch für einen angemessenen Lebensunterhalt der Nonnen sorgen. Der Konvent blieb bestehen, die Zahl der Konventualinnen verringerte sich jedoch von 36 auf 16 Nonnen. Ein kleiner Teil der früheren Klosterbesitzungen verblieb der nun Stift Lindow genannten Institution. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster zerstört. Die Ruinen wurden später als Baumaterial genutzt. Im weiteren Verlauf der Geschichte verringerte sich die Zahl der Stiftsdamen weiter.
Zugehörige Orte Das Amt Alt Ruppin war ein vergleichsweise großes landesherrliches Amt. In der frühen Neuzeit waren die Besitz- und Hebungsrechte in den Dörfern der damaligen Zeit entsprechend häufig stark zersplittert, und das Amt hatte nur einen Teilbesitz. Die Zusammenstellung folgt hier im Wesentlichen Bratring (1799), dem Ortschaftsverzeichnis von 1817, der Topographischen Uebersicht von 1841 mit weiteren Ergänzungen aus dem Historischen Ortslexikon. Altfriesack (Alt Friesack, Fischerdorf und Wassermühle). Das Dorf war im Vollbesitz der Grafen von Lindow-Ruppin. Die Wassermühle kam allerdings erst später in den Besitz des Amtes. Altlüdersdorf (Ortsteil der Stadt Gransee). siehe Lüdersdorf Alt Ruppin (Amtssitz-Vorwerk). Hier war der Sitz des Amtes Alt Ruppin. Arstede. Das mittelalterliche Dorf war 1525 eine wüste Feldmark im Besitz des Amtes. Das Dorf lag etwa hier , westlich des Möllensees. Banzendorf (Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Lindow (Mark)). Das Dorf war geteilt. Ein Teil gehörte schon den Herren von Ruppin (Gerichtsherrschaft), nach deren Aussterben dem Amt Alt Ruppin, der andere Teil gehörte schon vor 1423 dem Kloster Lindow (Grundherrschaft) und nach dessen Säkularisation 1542 dem Amt Lindow. 1764 bei der Auflösung des Amtes Lindow wurde es dem Amt Zechlin zugeteilt. 1846 ging dieser Teil an das Amt Alt Ruppin. Basdorf. Das mittelalterliche Dorf fiel früh wüst. Die wüste Feldmark gehörte schon 1524 zur Herrschaft Ruppin bzw. ab 1525 zum Amt Alt Ruppin. 1751 wurde eine Glashütte auf der wüsten Feldmark erbaut, aus dem das heutige Dorf entstand. Das Schmettausche Kartenwerk verzeichnet hier neben einer Grünen Glashütte eine Porcellain Fabrique. Basdorf wurde 1844 vom Amt Alt Ruppin abgetrennt und dem Amt Zechlin zugewiesen, bei dem es bis zur Auflösung des Amtes verblieb. Baumgarten. Schon vor 1530 gehörte die Große Mühle im Ort dem Kloster Lindow, ab 1542 dem Amt. Lindow. Bei der Auflösung des Amtes Lindow wurde die Große Mühle oder auch Amtsmühle genannt, dem Amt Alt Ruppin zugewiesen. Bechlin (Dorf und Gut). Das Dorf Bechlin gehörte zum Hausbesitz der Grafen von Lindow-Ruppin und kam auf diesem Weg an das Amt Alt Ruppin. Daneben gab es noch einen adligen Rittersitz. Auch andere Adlige und kirchliche Institutionen hatten Besitz im Ort. Berkholzgrund, Teerofen. Existiert nicht mehr, lag etwa hier (). Das Schmettausche Kartenwerk verzeichnet hier einen Teerofen. Im Urmesstischblatt 3144 Löwenberg von 1840 ist der Ort als Unterförsterei verzeichnet. Im Mittelalter stand hier ein Dorf, das 1459 als wüst bezeugt ist. 1706 sollte dort ein kleines Vorwerk angelegt werden. Um 1800 gab es hier einen Teerofen, der bis mindestens 1840 existierte. 1860 ist hier ein Forsthaus belegt. Das Areal gehörte ursprünglich zum Amt Oranienburg und kam 1834 zum Amt Alt Ruppin. Binenwalde (Bienenwalde, Kolonie und Erbzinsvorwerk). 1753 wurde auf einem Teil der Feldmark Braunsberg, zum Amtsgebiet des Amtes Alt Ruppin gehörig, um den schon bestehenden Kalkofen eine Kolonie für acht Büdner angelegt. Boltenmühle (Wasser-, Mahl- und Schneidemühle). 1720 ließ Kaufmann Bolte hier auf Amtsgebiet eine Mahl- und Schneidemühle errichten. Braunsberg (Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Das mittelalterliche Dorf war vor 1525 wüst gefallen. Es wurde bis 1540 wieder aufgebaut und ist in diesem Jahr als „neues Dorf“ bezeugt. Im Dreißigjährigen Krieg fiel das Dorf ein zweites Mal wüst und wurde erst 1699 durch Pfälzer Kolonisten wieder besiedelt. Das Dorf gehörte zu Ende des Mittelalters der Familie v. Lohe zu Wustrau. 1696 verkauften sie die damals noch wüste Feldmark, die aber schon von den Bauern der Nachbardörfer genutzt wurde, an das Amt Alt Ruppin. 1764 wurde das Dorf an das Amt Zechlin überwiesen. Briesen (heute im Rheinsberger Ortsteil Zühlen aufgegangen). Das mittelalterliche Dorf fiel im 14./15. Jahrhundert wüst. Das Historische Ortslexikon identifiziert das Dorf mit Fragezeichen mit dem nördlich zwischen dem Ortskerns von Zühlen und dem Schulzensee liegenden Runddorf. Buberow (heute ein Ortsteil der Stadt Gransee). Das Dorf war schon vor 1438 in den Besitz des Klosters Lindow gekommen. 1542 wurde das Kloster säkularisiert und die Klosterbesitzungen kamen zum Amt Lindow. Anfang 1765 wurde es nach Auflösung des Amtes Lindow in das Amt Zehlendorf (bzw. nach dessen Umbenennung in das Amt Friedrichsthal) eingegliedert, und 1819 nach Auflösung des Amtes Friedrichsthal wurde es dem Amt Alt Ruppin zugeordnet. 1846 trat das Amt Alt Ruppin den Ort an das Amt Zehdenick ab. Buchholz. Das im 13. Jahrhundert angelegte Dorf fiel wohl im 14./15. Jahrhundert wüst. 1524 gehörte die wüste Feldmark den von Lohe zu Wustrau und Braunsberg. Vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Feldmark z. T. noch bewirtschaftet, bewaldete sich dann völlig; 1662 war sie völlig mit Holz und Büschen bewachsen. 1696 verkauften die von Lohe die Feldmark an das Amt Alt Ruppin. 1701 war die Feldmark z. T. wieder geräumt und wurde von Bauern aus Braunsberg genutzt. 1764 wurde sie dem Amt Zechlin überwiesen. Dabergotz (Dorf und Vorwerk). Schon 1463 besaßen hier die Grafen von Lindow-Ruppin die Hälfte des Gerichts und die Hälfte des Patronats. Die andere Hälfte blieb in Adelsbesitz, besaß hier seit dem 15. Jahrhundert das halbe Gericht, nach 1705 wurde auch die andere Hälfte der Gerichte und des Patronats erworben. Ein großer Anteil mit einem Rittersitz verblieb in Adelsbesitz. Dammkrug (Gemeindeteil vom Ortsteil Langen der Gemeinde Fehrbellin). Schon das Urmesstischblatt 3142 Fehrbellin verzeichnet hier einen Krug, der nach seiner Lage am Fehrbelliner Damm durch und über das Rhinluch schon Dammkrug genannt wurde. Er zinste dem Amt Alt Ruppin. Darritz (Dorf). Das Dorf wurde 1654 von den v. Rohr zum Amt Alt Ruppin erworben. Dierberg (1817: Dorf) (heute ein Ortsteil der Stadt Rheinsberg). Das Dorf war schon vor 1423 im Besitz des Klosters Lindow. Mit dessen Säkularisation kam es 1542 an das Amt Lindow, 1764 an das Amt Zechlin. 1844 wurde es vom Amt Zechlin abgetrennt und dem Amt Alt Ruppin zugewiesen. Dossmannsofen (Etablissement). Schon vor 1717 wurde hier auf Amtsgebiet ein Teerofen angelegt. Der Teerofen ging nach 1825 ein, er ist noch auf dem Urmesstischblatt 3140 von 1825 verzeichnet. Eggersdorf bzw. Försterei Eggersdorf, letztere existiert nicht mehr (lag hier ). Das mittelalterliche Dorf war bis spätestens 1525 wüst gefallen; in diesem Jahr ist es als wüste Feldmark bezeugt. Die Feldmark wurde jedoch zur Schafweide und z. T. auch als Acker genutzt. 1728 wurde ein Gesuch zum Wiederaufbau des Dorfes gestellt, das jedoch abgelehnt wurde, da hier ein gutes Holzrevier war. Bis 1856 war hier ein Forsthaus gebaut worden. Fischerwall (Etablissement und Zollhaus). Schon 1698 stand hier ein baufälliges Häuschen, 1800 auch Fischerhaus genannt. 1800 und 1817 war hier auch eine (Neben-)Zollstelle. 1846 wurde die Lokalität an das Amt Zehdenick abgegeben.