Die EN 15565 wurde 2008 vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) erstellt. Mit der Norm EN 15565 wurde ein einheitlicher und vergleichbarer europäischer Standard hinsichtlich der Ausbildung von Gästeführern geschaffen.
Inhalt der Norm Die Europäische Norm schreibt mindestens 600 Unterrichtseinheiten vor. Davon entfallen auf gebietsspezifisches Wissen 162 Stunden, auf Führungstechnik 108 Stunden, auf die Vermittlung unternehmerischer Kenntnisse 91 Stunden und auf praktische Unterrichtseinheiten (Führungen, Exkursionen u.ä.m.) 245 Stunden. Ausbildungsinhalte der Europäischen Norm können – soweit in nationale Normen wie DIN EN 15565 oder SN EN 15565 implementiert – folgendes umfassen:
Theoretisches Wissen Weltgeschichte und Kultur Rechtliches und politisches System der EU Religionen und philosophische Bewegungen (z. B. Aufklärung, Liberalismus, Humanismus) Kunstgeschichte, Literatur und Architektur Berufsethik
Führungstechnik Präsentationstechniken, Kommunikationstechniken, Stimmeinsatz, Aussprache, Gebrauch des Mikrofons, Atemtechniken Positionierung des Gästeführers und der Gruppe, Augenkontakt, Stellung, Körpersprache, Körperhaltung Auswahl, Strukturierung und Verknüpfung von Informationen, sowie Handhabung und Einsatz von Fragen Zeitmanagement (Erläuterungen bündig innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeitdauer geben) präzise Erklärung und Beschreibung der besonders augenfälligen Objekte Umgang mit Gruppen, Gruppendynamik, Krisen- und Konfliktbewältigung Führung von Personen mit besonderen Bedürfnissen (ältere Menschen, Behinderte, Kinder)
Unternehmerische Kenntnisse Wirtschaft und Tourismusindustrie Kommerzielle und juristische Aspekte des Gästeführers Organisation, Planung, Entwicklung und Aktualisierung von geführten Touren Vorschriften bezüglich Gesundheit und Sicherheit, Bewältigung von Notfallsituationen Qualitätskontrolle (Dokumentation, Evaluierung, Kontrolle, Kundentreue, Kundenzufriedenheit)
Gebietsspezifisches Wissen Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte, Architektur Umwelt, Geographie, Geologie, Ökologie Kunst, Literatur, Sitten und Gebräuche, prominente Persönlichkeiten Wirtschaft, Rechtssystem, Politisches System Aktuelle Lebensverhältnisse, Sozialsystem Freizeit, Erholung, Unterhaltung und Sport
Arbeitsbedingungen die mit dem Beruf des Gästeführers verbundenen Arbeitsbedingungen (Zivil-, Handels-, Arbeits- und Steuerrecht) gesetzliche und private Berufsorganisationen mit dem Tourismus und dem kulturellen Erbe verbundene Gesetzgebung
Praktische Ausbildung Demonstrationsführungen und Übungstouren zu Plätzen und Denkmälern Übungstouren: Fahrten im Bus oder anderem Fahrzeug, Ortsbegehungen und Rundgänge Besuche von Museen, Kunstgalerien und historischen Stätten
Zertifizierung
Die nationalen DIN-Gremien entsenden Vertreter in die europäischen Normungsgremien. In Deutschland ist das DIN e.V. mit Sitz in Berlin. Über deren Tochtergesellschaft DIN CERTCO Gesellschaft für Konformitätsbewertung mbH an der auch die TÜV Rheinland Group beteiligt ist, können sich Anbieter solcher Ausbildungssystem nach dieser Norm zertifizieren lassen.
Das vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD e. V.) entwickelte Modell der Gästeführerausbildung war europaweit das erste Ausbildungssystem, das dem europäischen Standard DIN EN 15565 entsprach.
Das BVGD-Zertifikat DIN EN wurde mehrfach zertifiziert. 2020 gab der BVGD e. V. das Handbuch Gästeführer-Qualifizierung. BVGD-Qualifizierung nach europäischen Standard DIN EN 15565 als Leitfaden für die Gästeführerausbildung nach europäischen Standard heraus.
Im BVGD e. V. sind Gästeführervereine aus mehr als 250 Städten und Regionen und somit rund 8000 Gästeführerinnen und Gästeführer organisiert.
Literatur Beuth Verlag: DIN EN 15565
Weblinks DIN CERTCO Zertifizierungsprogramm nach DIN EN 15565 Tagesspiegel vom 15. Juli 2014 Berlin ehrt Gästeführer Magazin Tip Berlin vom 13. November 2014 Beruf Stadtführer Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e. V.
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