mini|hochkant=1|Stolperstein in Rosenberg Die Liste der Stolpersteine im Neckar-Odenwald-Kreis beschreibt besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur im Neckar-Odenwald-Kreis im baden-württembergischen Regierungsbezirk Karlsruhe in Deutschland erinnern sollen. Die Stolpersteine wurden vom Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in fast ganz Europa verlegt.
Liste der Stolpersteine Adelsheim
Juden lebten bereits seit dem Mittelalter in Adelsheim, doch blieb ihre Zahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gering. Kaiser Ludwig der Baier hatte 1338 den Herren von Adelsheim gestattet, in ihrem Gebiet vier jüdische Familien zu halten. Die Begrenzung auf vier Familien wurde noch bis 1806 eingehalten. Drei Jahre später nahmen fünf jüdischen Familien folgende Familiennamen an: Alexander, Bieringer, Billigheimer, Hahn und May. In der Folge stieg der jüdische Bevölkerungsanteil auf knapp unter fünf Prozent an, er erreichte den Höchststand 1886 mit siebzig Personen. Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben Juden in Adelsheim ein breites Spektrum an Geschäften – eine Branntweinbrennerei, ein Manufakturwarengeschäft, eine Metzgerei mit Viehhandlung, eine Wollhandlung und das Gasthaus Zur Rose. Die jüdische Gemeinde, sie zählte zum Bezirksrabbinat Merchingen, verfügte über eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Angestellt war ein Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. In Ermangelung eines eigenen Friedhofs wurden die Toten erst in Bödigheim, später in Sennfeld bestattet. Ab 1890 war David Wertheim Vorsteher der Gemeinde. Die Kopfzahl der Gemeinde verringerte sich bis zur Mitte der 1920er Jahre auf 32, als Religionslehrer, Schriftführer, Kantor und Schochet war von 1909 bis 1937 Moritz Bloch angestellt, der in der Folge nach Palästina emigrierte.Alemannia Judaica: Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge, abgerufen am 3. Dezember 2020.
In Adelsheim wurden fünf Stolpersteine an zwei Adressen verlegt.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px|Stolpersteine für Berta und Max Alexander HIER WOHNTEBERTA ALEXANDERGEB. OPPENHEIMERJG. 1886DEPORTIERT 1940GURSERMORDET 1940AUSCHWITZ Rietstraße 3 geb. Oppenheimer wurde am 15. Januar 1892 in Neckarzimmern geboren. Ihre Eltern waren Seligmann und Sarah Oppenheimer. Sie heiratete Max Alexander (Jg. 1874), der mit Ölen und Fetten handelte, und zog zu ihm nach Adelsheim. Das Paar bekam zwei Söhne: Alfred, geboren am 22. Juni 1920 in Adelsheim, und Moritz. Im Jahr 1940 wurden die Eheleute in das Camp de Gurs verschleppt. Beide wurden in der Folge vom NS-Regime ermordet, der Ehemann am 31. Dezember 1942 im Camp de Nexon, Berta Alexander zu einem unbekannten Zeitpunkt im Vernichtungslager Auschwitz.BERTA ALEXANDER (Meldung des Sohnes Alexander), Yad Vashem, abgerufen am 17. Dezember 2020.
Beide Söhne konnten rechtzeitig in die Vereinigten Staaten flüchten, so die Shoah überleben und Familien gründen. Moritz Alexander nannte sich in den USA Morris, heiratete und bekam ein Kind. Er war später nochmals verheiratet. Alfred Alexander wurde Zuckerbäcker, heiratete, bekam zwei Söhne und sechs Enkelkinder. Er starb im Alter von 91 Jahren in Evanston im Bundesstaat Illinois.Alfred Alexander, Nachruf in Chicago Tribune und Chicago Sun Times, 10. Oktober 2011. 120px|Stolpersteine für Berta und Max Alexander HIER WOHNTEMAX ALEXANDERJG. 1874DEPORTIERT 1940GURSTOT 1942NEXON Rietstraße 3 wurde am 16. November 1874 in Adelsheim geboren. Seine Vorfahren lebten schon vor 1750 in Adelsheim, einer von ihnen war Wirt und führte das Gasthaus zur Rose. Seine Eltern waren Maier Alexander und Babette geb. Khan (1842–1917). Er hatte zwei ältere Brüder, Siegmund (1867–1925) und Samuel (geboren 1870). Er hatte einen kleinen Laden für Öle und Fette in der Rietstraße und war oft als "Schmier-Max" mit dem Handkarren unterwegs. Er heiratete Berta geb. Oppenheim, die zu ihm zog. Das Paar bekam zwei Söhne: Alfred, geboren am 22. Juni 1920 in Adelsheim, und Moritz. Im Jahr 1940 wurden die Eheleute in das Camp de Gurs verschleppt. Dort wurden sie getrennt. Seine Frau wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Max Alexander wurde in das Camp de Nexon transferiert und kam dort am 31. Dezember 1942 ums Leben.Alemannia Judaica: Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge, abgerufen am 24. November 2020.MAX ALEXANDER (Meldung des Sohnes Alexander), Yad Vashem, abgerufen am 17. Dezember 2020.
Beide Söhne konnten rechtzeitig in die Vereinigten Staaten flüchten, dort die Shoah überleben und Familien gründen. 120px HIER WOHNTEEMIL SIEGMUNDNEUBERGERJG. 1874DEPORTIERT 1940GURSTOT 2.1.1942 Sennfeld, Kirchgasse 2 wurde 15. September 1874 in Sennfeld geboren. Er wurde am 22. Oktober 1940 von Vertretern des NS-Regimes in das Camp de Gurs am Fuße der Pyrenäen deportiert. Dort verlor er am 2. Januar 1942 sein Leben.ZIGMUND EMIL NEUBERGER (Bundesarchiv) und EMIL NEUBERGER (Le Memorial de la déportation des juifs de France), Yad Vashem, beide abgerufen am 26. Dezember 2020. 120px HIER WOHNTESALOMON NEUBERGERJG. 1872DEPORTIERT 1940GURSTOT 8.11.1941 Sennfeld, Kirchgasse 2 wurde am 27. April 1872 in Sennfeld geboren. Seine Eltern waren Moses Neuberger und Sara Neuberger. Er führte eine Viehhandlung mit Landwirtschaft und heiratete Johannette Selma geb. Rollmann. 1932 war er 3. Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sennfeld. Salomon Neuberger starb am 8. November 1941 im Camp de Gurs, einem Internierungslager in Südfrankreich zwecks Durchführung des Holocaust. 120px HIER WOHNTESELMA NEUBERGERGEB. ROLLMANNJG. 1883DEPORTIERT 1940GURSINTERNIERT DRANCY1942 AUSCHWITZERMORDET Sennfeld, Kirchgasse 2 geb. Rollmann wurde am 23. Juni 1883 geboren. Sie heiratete Salomon Neuberger, seines Zeichens Viehhändler, Landwirt und ab 1932 3. Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sennfeld. Das Ehepaar wurde verhaftet und in das Camp de Gurs am Fuße der Pyrenäen deportiert. Dort starb der Ehemann am 8. November 1941. Selma Neuberger wurde am 5. August 1942 mit Transport No. 17, Zug 901-12, aus dem Camp de Gurs in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Laut Stolperstein wurde sie 1942 ebendort ermordet.The Central Database of Shoah Victims’ Names hat vier Einträge zur Person, alle abgerufen am 24. November 2020:* SELMA NEUBERGER, beruhend auf dem Card index of Relico, dem Relief Committee of the World Jewish Congress (WJC) in Geneva,* SELMA NOIBERGER, Todesfallmeldung ihrer Enkelin Ziva Oren Noiberger,* ZELMA NEUBERGER, beruhend auf der Liste von Serge Klarsfeld,* SELMA NEUBERGER, beruhend auf der Gedenkliste des Bundesarchivs
Binau 1933 wohnten noch 20 Juden in Binau. Der steigende Verfolgungsdruck führte zur Emigration von Joseph Eisemann sowie der Familien Moritz Jesselsohn und Wilhelm Kaufmann in die Vereinigten Staaten. Sechs jüdische Bewohner übersiedelten in andere Orte Deutschlands. Der langjährige Gemeindevorsteher Heinrich Würzburger starb 1938. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge beschädigt. Fünf jüdische Männer wurden verhaftet und nach Dachau verschleppt. Am 22. Oktober 1940 wurden die sieben letzten Juden von Binau verhaftet und nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Drei der Deportierten kamen in Frankreich ums Leben: Albert Kaufmann 1942 im Internierungslager Récébédou, Lina Edheimer im Hospital in Pau und Karl Kaufmann in Gurs. Drei der Deportierten wurden 1942 nach Auschwitz überstellt und in den dortigen Gaskammern ermordet: Adolf Edheimer, Fanny und Samuel Eisemann. Überleben konnte lediglich Rosa Kaufmann, die nach dem Untergang des NS-Regimes nach Amerika auswanderte.
In Binau wurden bislang zwei Stolpersteine an einer Adresse verlegt. Die Initiative ging von Sharon Hammerman aus, Enkeltochter der beiden Opfer. Sie benötigte knapp vier Jahre Überzeugungsarbeit sowie die Unterstützung zweier US-Senatoren, des marokkanischen Botschafters und eines früheren Bundestagsabgeordneten, um das Projekt realisieren zu können. Der Widerstand der örtlichen Bevölkerung und der Verwaltung war erheblich.New Jersey Jewish News: ‘Stumbling stone’ keeps family’s past alive, 8. Mai 2013 (engl.)
Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120px|Stolperstein für Samuel und Fanny Eisemann HIER WOHNTEFANNY EISEMANNGEB. STENGELJG. 1886DEPORTIERT 1940GURSERMORDET 1942AUSCHWITZ Reichenbucher Straße 12 geb. Stengel wurde am 2. Februar 1886 in Weingarten in Baden geboren. Ihre Eltern waren Max Stengel (1860–1930) und Zerline geb. Meier (1858–1943). Sie hatte eine Schwester und zwei Brüder, Moritz (geboren 1888), Hilda (geboren 1891, später verehelichte Maier) und Julius (1897–1974). Sie heiratete Samuel Eisemann, einen Kaufmann, und zog zu ihm nach Binau. Das Paar hatte zwei Kinder, Flora (geboren am 2. September 1913) und Josef (geboren am 27. November 1920). Fanny Eisemann und ihr Ehemann wurden am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs im Süden Frankreichs verschleppt. Sie wurden in das Sammellager Drancy überstellt und am 14. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz. Fanny und Samuel Eisemann wurden beide vom NS-Regime im Zuge der Shoah ermordet.
Die Kinder konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Sie blieben nach dem Untergang des NS-Regimes in den Vereinigten Staaten, heirateten und machten Fanny Eisemann postum zur fünffachen Großmutter. Ihre Mutter wurde 1943 in einer Gaskammer von Auschwitz ermordet. Ihre Schwester starb 1954 in den Niederlanden, auch der jüngere Bruder überlebte die Shoah. 120px|Stolperstein für Samuel und Fanny Eisemann HIER WOHNTESAMUEL EISEMANNJG. 1880DEPORTIERT 1940GURSERMORDET 1942AUSCHWITZ Reichenbucher Straße 12 wurde am 30. Januar 1880 in Binau geboren. Er war Kaufmann und heiratete Fanny geb. Stengel aus dem badischen Weingarten. Das Paar hatte zwei Kinder, Flora (geboren am 2. September 1913) und Josef Joachim (geboren am 27. November 1920). Er und seine Frau wurden am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs im Süden Frankreichs verschleppt. Das Ehepaar wurde in das Sammellager Drancy überstellt und am 14. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz. Fanny und Samuel Eisemann wurden beide vom NS-Regime im Zuge der Shoah ermordet.
Beide Kinder konnten in Sicherheit gebracht werden. Sie überlebten in den Vereinigten Staaten. Die Tochter heiratete Curt Freiberg aus Winnweiler (1906–1960), die beiden hatten zwei Kinder. Flora Freiberg starb bereits am 22. September 1954 in North Carolina. Josef Eisemann, in America Joe genannt, heiratete ebenfalls, hatte drei Kinder und starb am 29. November 2005 in Houston, Texas.
Mosbach In Mosbach wurde ein Stolperstein für eine behinderte Frau verlegt.
Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120px HIER WOHNTEMARIA ZEITLERJG. 1911EINGEWIESEN 1914JOHANNES-ANSTALTEN'VERLEGT' 1940GRAFENECKERMORDET 8.10.1940AKTION T 4 Gartenweg 5 wurde 1911 geboren und kam bereits mit drei Jahren in eine sogenannte „Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache“, die Johannes-Anstalten in Mosbach. Ihr Vater war Postbeamter. Er hoffte, dass sie in der Anstalt gut versorgt würde. Vom NS-Regime als „geistig behindert“ eingestuft, war sie eine der ersten Patienten der Region, die in der Aktion T4 ermordet wurden. Sie wurde 1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck im baden-württembergischen Landkreis Reutlingen überstellt und dort am 8. Oktober 1940 vergast. Die Urne kam per Post. Den Eltern teilten die Behörden mit, Maria sei in einem österreichischen Pflegeheim an Typhus gestorben.
Auch nach ihrem Tod sei s’Mariele in der Familie stets präsent gewesen, sagte ihr Neffe im Rahmen einer Gedenkfeier. Er hatte ihre Lebensgeschichte recherchiert und rekonstruiert.
Ravenstein In Ravenstein wurden zwei Stolpersteine an einer Adressen verlegt.