Jochen Schmidt (vollständiger Name Hans-Joachim Peter Schmidt; * 2. April 1928 in Leipzig; † 17. Oktober 2001 in DüsseldorfSchreiben des Amtsgerichts Düsseldorf vom 14. Januar 2002 wegen hinterlegter Testamente) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Hörspielsprecher.
Leben Jochen Schmidt studierte nach dem Abitur Schauspiel und Regie an der Schauspielschule Smolny-Heerdt in seiner Geburtsstadt, zusätzlich hatte er privaten Unterricht bei Peter Lühr. 1946 debütierte Schmidt an der Volksbühne Leipzig, ehe er 1950 an die Städtischen Bühnen nach Erfurt wechselte. In den 1950er Jahren siedelte Schmidt in die Bundesrepublik über und gastierte von 1956 bis 1959 am Nordmark-Landestheater Schleswig. Weitere Festengagements hatte er von 1959 bis 1961 am Staatstheater Braunschweig, das Hamburger Publikum sah ihn von 1961 bis 1969 am Thalia Theater. Bevor Schmidt ab 1970 freischaffend tätig war, hatte er noch Gastspiele an den Städtischen Bühnen in Münster und Freiburg. In Bad Hersfeld arbeitete er von 1984 bis 1986 als Oberspielleiter und Vizeintendant bei den dortigen Festspielen und übernahm nach dem Tod Karl Vibachs im Sommer 1987 auch für kurze Zeit den Posten des Intendanten. 1986 gründete Schmidt das Freilichttheater Schloss Eichhof, das seitdem als zweite Festspielbühne genutzt wird.Biographie bei steffi-line.de, abgerufen am 9. Januar 2015
Jochen Schmidt spielte in seiner Bühnenlaufbahn eine Reihe von unterschiedlichen Rollen. So war er in den Shakespeare-Stücken Othello als Jago und in Heinrich VI. als Titelfigur zu sehen, in Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder gab er den Feldprediger. In Franz und Paul von Schönthans Klassiker Der Raub der Sabinerinnen verkörperte er den Theaterdirektor Striese, in Durchreise von Curth Flatow war er der jüdische Kaufmann Salomon. 1986 inszenierte Schmidt bei den Bad Hersfelder Festspielen das Lustspiel Die deutschen Kleinstädter von August von Kotzebue und im darauffolgenden Jahr Schillers Der Parasit. Weiterhin zeichnete er als Regisseur häufig für Stücke des britischen Autors Alan Ayckbourn verantwortlich, setzte aber auch Opern und Märchenaufführungen in Szene.
Nach seinem Kameradebüt in dem Film Glücksritter im Jahr 1957 war Jochen Schmidt bis Mitte der 1990er Jahre häufig im Fernsehen präsent. Neben Rollen in Fernsehspielen war er gastweise in bekannten Serien wie Hafenpolizei, Polizeifunk ruft, PS – Geschichten ums Auto und St. Pauli-Landungsbrücken zu sehen. Große Popularität erlangte er auch als Filmsohn von Inge Meysel in der Serie Ida Rogalski.
Jochen Schmidt war darüber hinaus als Sprecher für den Hörfunk tätig.
Filmografie (Auswahl) 1957: Glücksritter 1963: Heute kündigt mir mein Mann 1963: Hafenpolizei – Der große Zufall 1965: Gestatten, mein Name ist Cox – Jedes Geschäft hat sein Risiko 1966: Der Fall Angelika 1967: Wenn der junge Wein blüht 1967: Dreizehn Briefe – Es liegt was in der Luft 1968: Das Ferienschiff (8 Folgen als Erster Offizier) 1968: Novemberverbrecher 1969: Polizeifunk ruft – Die Erpresser 1969–1970: Ida Rogalski (10 Folgen als Dieter Rogalski) 1970: Claus Graf Stauffenberg 1970: Der Polizeiminister 1971: Aus dem Alltag in der DDR: Dritter Versuch einer Rekonstruktion nach Berichten und Dialogen 1972: Hamburg Transit – Wie ihr das macht, ist eure Sache 1972: Agent aus der Retorte 1973: Gabriel 1973: Der Kreidegarten 1973: Black Coffee 1974: Tatort – Nachtfrost 1975: Motiv Liebe – Arbeitslos 1975: Tadellöser & Wolff (Ep. #1.2) 1975: PS – Geschichten ums Auto – Restalkohol 1976: Gesucht wird … – Franz Gellner 1978: Die schöne Marianne – Die Leute aus dem Wald 1978: Geschichten aus der Zukunft (Fernsehserie) 1979: St. Pauli-Landungsbrücken – Lizzy Matern 1979: Tatort – Freund Gregor 1980: I. O. B. – Spezialauftrag – Die Kasse muß stimmen 1982: St. Pauli-Landungsbrücken – Zwei ziehen zusammen 1982: Blut und Ehre – Jugend unter Hitler 1987: Ossegg oder Die Wahrheit über Hänsel und Gretel 1996: Stadtklinik – Klaras Opfer
Hörspiele 1963: Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen – Autor: Heinrich Mann – Regie: Gerhard Lippert 1963: Zwischenlandung – Autor: Heinz Piontek – Regie: Fritz Schröder-Jahn 1963: Alchimons Apfel – Autorin: Zora Dirnbach – Regie: Gert Westphal 1963: Fünfzig Pfund für einen falschen Armenier – Autor: Karl Richard Tschon – Regie: Günter Siebert 1965: Zwischenfall in Vichy – Autor: Arthur Miller – Regie: Willi Schmidt 1966: Ein Stern ohne Namen – Autor: Michail Sebastian – Regie: Horst Loebe 1966: Philoktet – Autor: Sophokles – Regie: Fritz Schröder-Jahn 1967: Ein Brief aus Marokko – Autor: Otto Grünmandl – Regie: Gert Westphal 1967: A hard day's night – Autor: Anders Bodelsen – Regie: Gert Westphal 1967: Die Geschworenen – Autor: Ivan Klíma – Regie: Hans Rosenhauer 1969: Die kleinen Grünen – Autor: Reinhard Eichelbeck – Regie: Hans Bernd Müller 1969: Nach Mitternacht – Autor: Herbert Lichtenfeld – Regie: Fritz Schröder-Jahn und Willy Lamster 1970: Das Schloß im Zoo – Autor: Mile Stankovic – Regie: Gert Westphal 1970: Die schwarze Kerze – Autor: Edward Boyd – Regie: Gustav Burmester 1970: Ohne Ende – Autor: Roman Hlavac – Regie: Fritz Schröder-Jahn 1972: Großes Schnarchen eines Wappentieres – Autorin: Marianne Eichholz – Regie: Hans Rosenhauer 1972: Ausgeschlossen – Autor: Walter Kempowski – Regie: Fritz Schröder-Jahn 1974: Ein bedauerlicher Fall – Autor: Klas Ewert Everwyn – Regie: Günter Siebert 1976: Do it yourself! – Autor: Walter Moers – Regie: Günter Siebert 1981: Verbriefte Liebe – Autorin: Helga Schütz – Regie: Ursula Langrock 1988: Tantiemen für die Witwe (1. Teil) – Autor: Sebastian Goy – Regie: Bernd Lau 1995: Warum die Apachen Hüte tragen – Autor und Regie: Helmut Peters
Theater Städtische Bühnen Erfurt 1952: William Shakespeare: Wie es euch gefällt (Orlando) – Regie: Werner Wollek 1952: Herb Tank: Tanker Nebraska (Alabama Tucker) – Regie: Willy Semmelrogge 1952: Jean Baptiste Molière: Der Geizige (Cléante, Sohn des Hapagon) – Regie: Fritz Wendel 1952: Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (Major Ferdinand von Walter) – Regie: Wilhelm Gröhl 1952: Miloslav Stehlik: Der Weg ins Leben (Lapotj) – Regie: Willy Semmelrogge 1952: George Bernard Shaw: Die heilige Johanna (Dunois, Bastard von Orleans) – Regie: Adolf Peter Hoffmann 1953: Johann Wolfgang von Goethe: Faust 1 (Michael) – Regie: Adolf Peter Hoffmann 1953: Hans Burger / Stephan Heym: Tom Sawyers großes Abenteuer (Jack Bancroft) – Regie: Hans-Dieter Schmidt 1953: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (Demetrius) – Regie: Adolf Peter Hoffmann 1953: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell (Konrad Baumgarten) – Regie: Willy Semmelrogge 1953: Ferdinand Bruckner: Eine Frau gegen Napoleon (Leutnant Rocca) – Regie: Hans Dieter Mäde 1954: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (junger Tempelherr) – Regie: Adolf Peter Hoffmann 1954: William Shakespeare: Viel Lärm um nichts (Borachio) – Regie: Fritz Wendel 1955: Hugo Engelbrecht / Willi Kollo: Besuch am Abend (Tänzer und Conferencier im „Pavillon“) – Regie: Rudi Neumann 1955: A. E. Scribe: Ein Glas Wasser (Fähnrich Nasham) – Regie: Horst Bonnet 1955: Horst Ulrich Wendler: Des Teufels drei goldene Haare (Teufel) – Regie: Horst Bonnet 1955: Heinar Kipphardt: Shakespeare dringend gesucht (Autor Zaun) – Regie: Karlheinz Carpentier 1955: William Shakespeare: Die Komödie der Irrungen (Antipholus von Ephesus) – Regie: Hans Dieter Mäde 1955: Friedrich Schiller: Wallenstein – Wallensteins Lager (1. Holkischer Jäger) – Regie: Eugen Schaub 1956: George Bernard Shaw: Die Häuser des Herrn Sartorius (Dr. Harry Trench) – Regie: Eugen Schaub
Literatur C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 616.
Weblinks
Jochen Schmidt Verzeichnis der Hörspiele bei hoerspielland.de
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