Der Blitzkrieg ist eine militärische Strategie, die einen schnellen operativen Sieg anstrebt.

Strategie Das Blitzkriegskonzept entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Resultat militärischer Planungen mit dem Ziel den Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges zu überwinden. Die Blitzkriegstrategie zielt vor allem auf die Einkesselung größerer gegnerischer Truppenverbände. Verlustreiche Materialschlachten wie im Ersten Weltkrieg sollen vermieden werden. Unerwartete Vorstöße sollen dem Gegner im Idealfall keine Gelegenheit lassen, eine stabile Verteidigung zu organisieren.

Strategisch ist das Konzept zum einen von einem schnellen Vorstoßen großer und motorisierter Truppenteile gekennzeichnet, die weitgehend eigenständig und ohne Flankenschutz operieren. Zum anderen sieht die Blitzkriegstrategie vor, nicht jene Truppenteile zu verstärken, die auf großen Widerstand stoßen, sondern jene, die von gegnerischen Truppen nur in geringem Umfang aufgehalten werden. Ziel dieses Vorgehens ist, eine rasche Einkesselung des Gegners durch die schnell vorankommenden Truppenteile zu erreichen, ohne die eigenen Soldaten größeren Kampfhandlungen auszusetzen.

Taktisch ist das Konzept erstens von der operativen Eigenständigkeit der kämpfenden Truppenteile gekennzeichnet. Das heißt, die Kommandeure vor Ort sind befugt, relativ weitreichende Entscheidungen selbst zu treffen, um ein möglichst schnelles und flexibles Handeln zu gewährleisten. Ein Vorgehen, das auf deutscher Seite schon im Ersten Weltkrieg ab dem Frühjahr 1916 im Rahmen spezialisierter Sturmbataillone der Infanterie zum Einsatz kam. Zweitens umfasst ein Blitzkrieg stets das Gefecht der verbundenen Waffen, also den koordinierten und gleichzeitigen Einsatz mehrerer Teilstreitkräfte. So werden beispielsweise vorrückende Panzerverbände von Erdkampfflugzeugen unterstützt, die gegnerische Stellungen zeitnah aus der Luft angreifen, solange die nur langsam nachrückende Artillerie noch nicht verfügbar ist. Den Panzertruppen folgen in der Regel motorisierte Infanterieeinheiten, die noch verbliebene gegnerische Truppen bekämpfen sollen.

Technisch beruht die Blitzkriegstrategie auf einem hohen Motorisierungsgrad der vorstoßenden Truppen und einer umfassend ausgebauten Fernmeldetruppe. Der hohe Motorisierungsgrad ist notwendig, um ein schnelles Vorrücken großer Einheiten überhaupt möglich zu machen. Teilaspekte dieser technischen Seite des Blitzkriegs, wie beispielsweise der Panzer oder der Schlachtflieger, wurden ebenfalls schon im Ersten Weltkrieg entwickelt. Ein effizientes Fernmeldewesen ist wiederum eine unabdingbare Voraussetzung für das Gefecht der verbundenen Waffen, da einzelne Teilstreitkräfte andere Teilstreitkräfte nur dann sinnvoll unterstützen können, wenn sie über aktuelle und präzise Informationen verfügen.

Das Blitzkriegskonzept stellt eine radikale Abkehr von traditionellen Militärstrategien dar. Es enthält zahlreiche Elemente, die in früheren Strategien undenkbar waren. So beinhaltet es eine vorübergehende Aufsplitterung der eigenen Truppen und eine zeitweilige Destabilisierung der eigenen Frontlinie. Es impliziert dadurch ein hohes Risiko, die vorstoßenden Truppenteile zu verlieren, sollte die angestrebte Einkesselung des Gegners nicht gelingen. Durch die operative Eigenständigkeit der vorstoßenden Einheiten löst es auch die für das Militär typische streng hierarchische Befehlskette teilweise und vorübergehend auf.

Begriff Zeit der Weltkriege mini|Operation Michael im März/April 1918 Obwohl der Begriff Blitzkrieg allgemein mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht wird, ist die Blitzkriegstrategie keine nationalsozialistische Erfindung. Sie wurde in Teilen schon gegen Ende des Ersten Weltkriegs zur Durchführung der – letztlich gescheiterten – Operation Michael entwickelt und in den 1920er Jahren weiter ausgebaut. Das Wort Blitzkrieg ging als Germanismus in andere Sprachen ein, zum Beispiel ins Englische, ins Französische und ins Italienische.

Mit dem für die Weltöffentlichkeit unerwartet kurzen Polenfeldzug im Jahre 1939 wurde der Begriff „Blitzkrieg“ zum Synonym für eine (vermeintlich oder tatsächlich) neue Form der Kriegführung. Der Begriff wurde erstmals 1935 in einem Artikel der Militärzeitschrift Deutsche Wehr verwendet. Laut diesem Artikel sollten ernährungsschwache und rohstoffarme Staaten bestrebt sein, „einen Krieg schlagartig zu erledigen, indem sie gleich zu Anfang durch den rücksichtslosen Einsatz ihrer totalen Kampfkraft versuchen, eine Entscheidung zu erzwingen“. Eine nähere Analyse findet sich in einem 1938 veröffentlichten Aufsatz im Militär-Wochenblatt.Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940. Oldenbourg, München 1995, S. 5.

In deutschen Exilantenkreisen wurde der Begriff von Mitte der 1930er Jahre an aufgegriffen. So veröffentlichte die Pariser Tageszeitung am 28. Oktober 1936 unter der Überschrift „Blitzkrieg im Mittelmeer“ Passagen aus dem Buch Die große Lüge. Hitlers Verschwörung gegen den Frieden von S. Erckner.'S. Erckner' war ein Pseudonym; der Autor hieß Staschek Scymoncyk und war ein österreichischer Kommunist. Darin hieß es:

Die Deutschland-Berichte der Sopade verzeichneten bereits im September 1936, dass das Wort in öffentlichen Diskussionen geläufig war.Bernd Stöver: Volksgemeinschaft im Dritten Reich. Die Konsensbereitschaft der Deutschen aus der Sicht sozialistischer Exilberichte. Düsseldorf 1993, S. 210 f.

Zwei Jahre später, im September 1938, wurde der Blitzkrieg in einer Notiz der Pariser Tageszeitung zu „Humbug“ erklärt („In der Tat haben die letzten Kriegszustände erwiesen, dass der Angreifer auf Widerstand stoßen kann, mit dem er kaum gerechnet haben dürfte.“). In: Pariser Tageszeitung, Jg. 3. 1938, Nr. 780 (3. September 1938), S. 3. Die Zeitung bezog sich dabei auf französische Manöver in der Franche-Comté.

Im englischen Sprachraum wurde der Begriff möglicherweise erstmals im Oktober 1938 verwendet. Damals – wenige Tage nach Abschluss des Münchner Abkommens – schrieb Dorothy Thompson in einem Kommentar für die New York Herald Tribune:

Eine Auswertung der deutschen Militärpublizistik zeigt, dass der Begriff bereits vorher gebräuchlich war. So wird schon 1938 in einem Artikel des Militär-Wochenblatts der Blitzkrieg als strategischer Überfall definiert, vorgetragen durch den operativen Einsatz der Panzerwaffe und Luftwaffe sowie durch Luftlandetruppen. Hitler erklärte: „Blitzkrieg, das Wort ist eine rein italienische Erfindung, italienische Phraseologie, eine Übersetzung aus dem Italienischen“.

Die Meinung, das Wort 'Blitzkrieg' sei erst 1939/1940 im Zuge der überraschend schnellen (und großen) Erfolge der Wehrmacht entstanden, ist offenbar falsch. mini|10.–16. Mai 1940: Eroberung der Niederlande und Angriff auf Frankreich durch die Ardennen im Westfeldzug In der militärischen Fachsprache ist der Begriff nicht gebräuchlich. Die NS-Propaganda gebrauchte ihn dagegen nach dem Westfeldzug geradezu inflationär.Michael Sontheimer: Hitlers Blitzkriege Der Spiegel, 5. Februar 2005. Karl-Heinz Frieser hat nachgewiesen, dass der „Blitzkrieg“ kein militärisches, sondern ein propagandistisches Schlagwort ist.Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940. Oldenbourg, München 1995, S. 5.Berthold Seewald: Der Blitzkrieg war nur ein Taschenspielertrick Die Welt, 12. Mai 2020.

Man kann zwei Bedeutungen unterscheiden: Blitzkrieg operativ als militärisches Phänomen oder Blitzkrieg strategisch im Rahmen einer Gesamtkriegführung. Danach ließe sich Blitzkrieg definieren als konzentrierter Einsatz von Panzerwaffe und Luftwaffe, um den Gegner schockartig durch Schnelligkeit und Überraschung zu paralysieren und ihn nach großangelegten Vorstößen zu umfassen. Der Militärhistoriker Bernhard R. Kroener definierte in den 1980er Jahren Blitzkriegstrategie im modernen Verständnis als „optimale Kombination militärischer Führungsprinzipien mit den entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren, die notwendig sind, um bei einem von vornherein kalkulierten Zeitansatz das gewünschte gesamtstrategische Ziel zu erreichen.“Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5. Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs, Teilband 1: Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1939 bis 1941. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 978-3-421-06232-1, S. 695 (online auf Google Books)

Der Nimbus des Wortes „Blitzkrieg“ begann maßgeblich mit den schnellen Erfolgen zu Beginn des Westfeldzuges im Zweiten Weltkrieg, der den zuvor seit der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland am 3. September 1939 ohne Kampfhandlungen geführten Sitzkrieg (auch Witzkrieg, frz. drôle de guerre) beendeteStefanie Maeck: Westfront 1939–1940: Sitzkrieg mit Schnaps Der Spiegel, 29. September 2014.Drôle de guerre Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945, abgerufen am 24. Februar 2020. und schon nach wenigen Tagen durch den operativen Durchbruch bei Sedan entschieden war. Dieser Durchbruch (an gleicher Stelle errungen wie 1870) trug in besonderem Maße zur Bildung der Blitzkrieg-Legende bei.

Hitler distanzierte sich im November 1941 (als ein Stellungskrieg an der Ostfront begonnen hatte) von dem Begriff: er habe „noch nie das Wort Blitzkrieg verwendet, weil es ein ganz blödsinniges Wort ist.“In einer Rede am 8. November 1941 vor der Alten Garde in München. In: Deutsches Institut für Außenpolitische Forschung (Hrsg.): Europa. Handbuch der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des neuen Europa. Leipzig 1943.

Nachkriegszeit In der Nachkriegszeit entfernte sich die Diskussion inhaltlich von einem operativ-taktischen Verständnis des Begriffes.

Nach heutigem Verständnis steht nicht mehr nur die schnelle Kriegsentscheidung im Vordergrund. Von wesentlicher Bedeutung ist die optimale Kombination militärischer Führungsprinzipien mit den entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren, die notwendig sind, um bei einem von vornherein kalkulierten Zeitansatz ein gesamtstrategisches Ziel zu erreichen.

Blitzkrieg steht außerdem für die mobile Kriegführung, also das schnelle Vordringen und Besetzen mittels Panzerspitzen anstatt der Front- und Grabenschlachten. Einer breiteren Bevölkerungsschicht wurde dieser Begriff erstmals durch den Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen im September 1939 und die damit verbundenen schnellen zeitweiligen Gebietsgewinne bekannt.

Die ausgezeichnete Ausbildung vor allem der Panzerbesatzungen und die Kommunikation (Funk in jedem Panzer vorhanden) ermöglichten dem Kommandeur eine wirksame Koordinierung und damit ein gemeinsames Wirken der ihm unterstellten Truppenteile. Die Schlagkraft in allen drei Gefechtsarten wurde dadurch entscheidend erhöht. Seit 1945 entstanden viele Varianten von Blitzkriegskonzeptionen, auch unter dem Eindruck vieler Entwicklungen in der Waffentechnik.

In Frankreich sprach und spricht man von guerre éclair; im Spanischen von guerra relámpago; im Italienischen von guerra lampo. Eine Analogie hat dies offenbar gefördert: die Luftangriffe, mit denen die Angriffe meist begannen, brachen wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ plötzlich und unerwartet über Gegenden bzw. Menschen herein.

Beispiele Deutsch-Französischer Krieg Man könnte auch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 als Blitzkrieg bezeichnen: die deutsche Mobilmachung erfolgte deutlich schneller als die französische; die Franzosen wurden durch die beweglichere deutsche Führung ausmanövriert (koordiniert vom preußischen Generalstab unter v. Moltke dem Älteren). Die französische Armee verlor in kurzer Folge die Schlachten bei Weißenburg (4. August 1870), bei Wörth (6. August) und bei Spichern (6. August).

Die stählernen Hinterlader-Geschütze (Artillerie) von Alfred Krupp hatten mit über vier Kilometer mehr als die doppelte Reichweite als die Artillerie der Franzosen. Das damals neueste dieser Geschütze hieß C/64/67; es hatte zahlreiche Vorteile.