mini|Pannonien mit dem Limes Sarmatiae und der Lage des Burgus Hatvan-Gombospuszta mini|Die stark beschädigten Strukturen des valentinianischen Burgus mit den Schnitten durch das vorgelagerte Grabenwerk. Spätkeltische und spätsarmatische Gruben sind ausgeblendet mini|Im Vergleich dazu der im Kernwerk 18 × 18 Meter umfassende valentinianische Burgus Visegrád-Lepence, der nach Ausweis der Bauinschrift im Jahr 371 n. Chr. errichtet wurde.

Der Burgus Hatvan-Gombospuszta ist ein kleiner, möglicherweise nie fertiggestellter römischer Militärstandort, der als baulich erweiterter spätantiker Wohn- und Wachturm (Burgus) für die Kontrolle eines Abschnitts des Limes Sarmatiae und eines Flussübergangs zuständig gewesen wäre. Diese befestigte Grenzlinie sicherte einen großen Teil der heutigen Großen Ungarischen Tiefebene. Hier befanden sich seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. die Wohngebiete der sarmatischen Jazygen. Die ergrabenen römischen Baureste befinden sich in der Flur Gombospuszta auf dem Gemeindegebiet der Stadt Hatvan im ungarischen Komitat Heves.

Lage Im Westen, zwischen dem pannonischen Donaulimes und Hatvan, liegt das kleinräumige Hügelland der Gödöllő-Berge (Gödöllői-dombság). Diese Landschaft zieht sich nach Norden und schließt an das nördlich von Hatvan gelegene Mátra-Gebirge, einem Ausläufer der Karpaten, an. Die Ausgrabungen zum römischen Burgus fanden nahe dem Strázsaberg statt. Dieser stark abgeflachte, längliche Hügel befindet sich nordöstlich der Altstadt von Hatvan und verläuft von Nordwesten nach Südosten. Der sanft nach Osten auslaufende Strázsa fällt im Nordwesten zum heute stark regulierten Flüsschen Zagyva ab. Die Zagyva verläuft hier von den Bergen im Norden kommend nach Süden in die Tiefebene und weiter zur Theiß. Funde aus der Frühbronzezeit, bekannt unter der Bezeichnung Hatvan-Kultur, haben den Berg als wichtige vorgeschichtliche Fundstelle bekannt gemacht.Ferenc von Tompa: Bronzkori lakótelep Hatvanban. In: Archaeologiai Értesítő 48 (1935), S. 16–43; Nándor Kalicz: Die Frühbronzezeit in Nordost-Ungarn. In: Archaeologia Hungarica 45 (1968), S. 121 Nr. 60; Viktória Kiss: Data to the eastern relations of Transdanubian Incrusted Pottery culture. In: The Early and Middle Bronze Age in the Carpathian Basin. Proceedings of the International Symposium in Alba Iulia 1997, Alba Iulia 1998, ISBN 973-0-00550-8, S. 161–189 (170). Der Burgus stand zwischen dem Ostufer des FlussesSándor Soproni: Hatvan. In: Jenő Fitz (Hrsg.): Der Römische Limes in Ungarn. Fejér Megyei Múzeumok Igazgatósága, 1976, S. 127. und dem Fuß des Strázsaberges. Hier querte wohl der in diesem Bereich bisher nicht nachgewiesene Limes die Zagyva, womit der Besatzung des Burgus auch die Überwachung dieses wichtigen Flussübergangs oblag.Zsolt Mráv: Hatvan-Gombospuszta fortlet. In: Zsolt Visy (Hrsg.): The Roman army in Pannonia. Teleki Lázló Foundation 2003, ISBN 963-86388-2-6, S. 207–209; hier S. 207–208.

Forschungsgeschichte Die landwirtschaftlich genutzte Flur Pusztagombos beziehungsweise Gombospuszta war seit der Auffindung von drei spätrömischen Ziegelstempeln im Jahr 1875 bekannt geworden.Sándor Soproni: Eine spätrömische Militärstation im sarmatischen Gebiet. In: Eric Birley, Brian Dobson, Michael Jarrett (Hrsg.): Roman frontier studies 1969, Eighth International Congress of Limesforschung. University of Wales, Cardiff 1974. S. 197–203; hier: S. 197. Diese wurden dem Ungarischen Nationalmuseum übereignet.Sándor Soproni: Limes Sarmatiae. In: A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve 2/1969. Szeged, 1969, S. 117–133; hier: S. 131. Im Jahr 1941 berichtete der Archäologe János Szilágyi (1907–1988), dass von den bisher am linken Donauufer aufgefundenen Ziegelstempeln aus Regierungszeit Kaiser Valentinians I. (364–375) insbesondere jene aus dem Rahmen fielen, die aus der Flur Pusztagombos bei Hatvan stammten, da dieser Ort tief im Barbaricum liege. Bekannt war zu dieser Zeit die Stempelmarke AP LUPPIANO ORDJános Szilágyi: Az I. Valentinianus alatt készült bélyeges téglák eloszlása a Duna balpartján. (Die Verteilung der Ziegelstempel aus der Zeit Valentinians aus den Festungen am linken Ufer der Donau). In: Archaeologiai értesítő. 1941, S. 60–61; hier: S. 61. sowie der Abdruck AP VALENTINI.Andreas Alföldi: Der Zusammenbruch des römischen Wehrsystems in Pannonien. In: Ungarische Jahrbücher 4, 1924, S. 162–185; hier: S. 178; . Um der lange vermuteten spätantiken Militärstation auf den Grund zu gehen, wurde von dem Archäologen Sándor Soproni (1926–1995) im Jahr 1966 nach einer FeldbegehungSándor Soproni: Der Spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Das Verteidigungssystem der Provinz Valeria im 4. Jahrhundert. Akadémiai Kiadó, Budapest 1978, ISBN 963-05-1307-2, S. 110 (Fußnote). auf der Verdachtsfläche eine Sondage vorgenommen. Bereits hierbei konnten Umfang und Alter des eigentlichen Burgus geklärt werden. Innerhalb von zwei Grabungskampagnen, 1967 und 1968, legten Soproni und seine Mannschaft (1967 mit Pál Patay;Sándor Soproni: Hatvan-Gombospuszta (Kom. Heves). In: Archaeologiai értesítő 95, 1968, S. 131. 1968 mit Pál Patay und Éva GaramSándor Soproni: Hatvan-Gombospuszta (Kom. Heves). In: Archaeologiai értesítő 96, 1969, S. 256.) diesen Burgus und weitere dazugehörenden Anlagen frei.

Baugeschichte Spätestens seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. errichtete die römische Armee um die zum Barbaricum gehörenden Wohngebiete der aufsässigen Jazygen Grenzsperren. Über deren Ursachen und Zweck wird bis heute in der Fachwelt diskutiert. Ein massiver Ausbau des aus Erdwällen bestehenden Limes Sarmatiae fand während der Regierungszeit des in Pannonien geborenen Kaisers Valentinian I. statt. Die ältere sarmatische Limeslinie wurde dazu etwas weiter nach Norden auf das Territorium des dort lebenden germanischen Volkes der Quaden verschoben. Mit dieser Geländeannexion begingen die Römer einen klaren Vertragsbruch gegenüber den – darüber äußerst erbosten – Quaden. Mit dem daraufhin erfolgten Baubeginn des mächtigen Kastells Göd-Bócsaújtelep, das rund drei Kilometer östlich des Donaulimes den nördlichen Ausgangspunkt des Limes Sarmatiae sichern sollte sowie mit den kurz zuvor angelegten Ländeburgi beiderseits der Donau machte sich der römische Kaiser aber auch viele Jazygen zum Feind. Mit dem gleichzeitig erfolgende Ausbau des sarmatischen Limes mit neuen hohen Wällen und Militärstationen brachte er schließlich alle beide Völker gegen sich auf, da sie eine dauerhafte Bedrohung ihrer Grenzen durch Rom befürchten.Zu diesen Ausführungen siehe: Zsolt Mráv: Archäologische Forschungen 2000–2001 im Gebiet der spätrömischen Festung von Göd-Bócsaújtelep (Vorbericht) 2002. In: Communicationes archeologicae Hungariae 2003. Budapest 2003. S. 83–114. In diesem politisch heiklen Umfeld wurde der Burgus Hatvan-Gombospuszta an der äußeren, neuen Linie des Erdwallsystems errichtet. Er befand sich in einer Entfernung von rund zwei Tagesmärschen (40 römische Meilen) östlich der DonauZsolt Mráv: Hatvan-Gombospuszta fortlet. In: Zsolt Visy (Hrsg.): The Roman army in Pannonia. Teleki Lázló Foundation 2003, ISBN 963-86388-2-6, S. 207–209; hier S. 207. und des geplanten Großkastells Göd-Bócsaújtelep.

Trotz der vielen räuberischen Übergriffe sarmatischer Panzerreiter auf römisches Reichsgebiet, schätzten die römischen Offiziere ihren hohen Kampfwert und sie versuchten sich die Reiterkrieger dienstbar zu machen. Wie beispielsweise Grabbeigaben von den sarmatischen Bestattungsplätzen Kismari-fenék bei Mezőszemere und Pamlényi-tábla bei Szihalom bezeugen, wurden Sarmaten, die sich in den Dienst der Römer stellten, von ihnen ausgerüstet. Neben den Sarmaten, die unter römischen Kommando den Limes Sarmatiae bewachten, plante Valentinian I. auch aus dem Reich stammende römische Verbände unmittelbar entlang dieser Limeslinie einzusetzen. Aus diesem Grund wurde sowohl das Großkastell von Göd-Bócsaújtelep als auch die Anlage von Hatvan-Gombospuszt errichtet.

Burgus Der bei der Auffindung 1966 bereits „stark zerstörte“ Burgus wurde nach einem gut bekannten Bauschema pannonischer Grenzburgi errichtet, auch wenn er wesentlich kleiner konzipiert war. Die Fläche des 1968 vollständig freigelegten Wohn- und Wachturms umfasste 9,40 × 10,02 Meter. Von seinem Mauerwerk hatten sich laut Soproni nur noch Fundamentreste erhalten, die mit einer Breite von 0,65 Metern eingemessen wurden. Der Turm stand inmitten eines 14,87 × 15,70 Meter umfassenden Hofs, der von einer 0,67 bis 0,70 Meter starken Umfassungsmauer gesichert wurde. Zwischen dieser Mauer und dem Turm ergab sich so eine zwei bis 2,20 Meter große Freifläche.Zsolt Mráv: Hatvan-Gombospuszta fortlet. In: Zsolt Visy (Hrsg.): The Roman army in Pannonia. Teleki Lázló Foundation 2003, ISBN 963-86388-2-6, S. 207–209; hier S. 208. Ungewöhnlicherweise waren die aus Bruchsteinen bestehenden Fundamente sowohl des Turms als auch der Umfassungsmauer ohne jegliches Bindemittel zusammengefügt worden. Außer Ziegelstempeln fanden sich auch einige spätrömische Keramikscherben. Neben der Anlage wurden zudem spätkeltische und spätsarmatische Gruben beobachtet. Sie enthielten typische La-Téne-Keramik und Scherben der Sarmatenzeit.

Nebengebäude Ein weiterer römerzeitlicher Bau mit Bruchsteinfundamentierung wurde in einer nordnordwestlichen Entfernung von 58 Metern zum Burgus angeschnitten. Das 22,30 × 9 Meter umfassende Haus besaß zwei unterschiedlich große Räume und war weitgehend dem Steinraub zum Opfer gefallen. Der größere, rechteckige Raum umfasste 16 × 7,50 Meter, der kleinere Raum war an die nordwestliche Schmalseite des Bauwerks angesetzt worden. Er besaß eine rechtwinklig-trapezoide Form und war 3,80 Meter breit. Seine Längsseite war 7,55 beziehungsweise sechs Meter lang. Soweit es sich noch feststellen ließ, betrug die Mauerstärke des Hauses 0,70 Meter. Die Ausgräber konnten trotz des schlechten Erhaltungszustands des Gebäudes eine Brandschicht auf dessen Boden feststellen, in der sich Brandlehm und Bauschutt fanden.

Umfassungsgraben Soproni ließ einige Suchschnitte anlegen, um den Wehrgraben des Burgus zu fixieren. Der konnte jedoch erst rund 23 Meter südöstlich der Umfassungsmauer des Wachturms angetroffen werden. Die erhaltene Tiefe dieses Grabens betrug noch 1,10 Meter, seine Breite wurde mit rund 2,50 Metern eingemessen. Aufgrund der bei der Ausgrabung angetroffenen Geländeverhältnisse ging der Ausgräber davon aus, daß die römerzeitliche Geländeoberkante längst der Erosion zum Opfer gefallen war und somit von einem ursprünglich wohl tieferen und breiteren Graben ausgegangen werden muss.Sándor Soproni: Der Spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Das Verteidigungssystem der Provinz Valeria im 4. Jahrhundert. Akadémiai Kiadó, Budapest 1978, ISBN 963-05-1307-2, S. 85. Es schien, als ob der gesamte Gebäudekomplex mit Burgus und Nebengebäude von diesem Graben umgeben war.Sándor Soproni: Eine spätrömische Militärstation im sarmatischen Gebiet. In: Eric Birley, Brian Dobson, Michael Jarrett (Hrsg.): Roman frontier studies 1969, Eighth International Congress of Limesforschung. University of Wales, Cardiff 1974. S. 197–203; hier: S. 200.

Ende und Deutungsproblematik