Die Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. (, kurz Hon Hai Precision ) ist ein in mehreren Ländern tätiges taiwanisches Unternehmen, das unter dem Namen Foxconn Technology Group (, kurz Foxconn ) auf dem Markt auftritt. Foxconn ist das nach Umsatz 27.-größte Unternehmen der Welt.

Foxconn ist der größte Hersteller für elektronische Produkte der Welt, der größte Dienstleister für elektronische Services der Welt, einer der größten Arbeitgeber der Welt sowie der größte private Arbeitgeber in China und der größte Exporteur Chinas nach Stückzahlen. Der Großteil der weltweit verkauften Smartphones, Laptops, Computertechnik und Spielekonsolen wird von Foxconn produziert.

Foxconn wurde 1974 von Terry Gou als Hersteller von Kunststoffprodukten gegründet. Seit 1991 ist das Unternehmen an der taiwanischen Börse notiert.

Unternehmensstruktur Foxconn ist der weltweit größte Hersteller von Elektronik- und Computerteilen. Als Auftragshersteller produziert das Unternehmen unter anderem für Hewlett-Packard, Dell, Apple, Nintendo, Microsoft und Sony. Der Konzern produziert bzw. produzierte im Auftrag die Spielekonsolen Nintendo DS, Wii, Wii U, Xbox 360 und PlayStation.

Foxconn gilt außerdem als Hauslieferant für Intel. Etwa 75 % der unter dem Namen Intel verkauften Mainboards werden von Foxconn gefertigt. Mit 42 Millionen verkauften Mainboards und mehr als 52 Millionen PC-Gehäusen im Jahr 2005 ist Foxconn Weltmarktführer. Weltweit ist Foxconn Nr.-1-Hersteller von Prozessorsockeln, Nr.-5-Hersteller von Konnektoren und Nr.-2-Hersteller von Kühlkörpern mit 25 % Marktanteil. 2016 erzielte Foxconn 135 Milliarden US-Dollar Umsatz., In: hoovers.com, Hoover’s – A d&B Company, abgerufen am 16. Oktober 2021. (archiviert, englisch) Damit ist es das größte privat geführte, produzierende Unternehmen aus Taiwan. Gleichzeitig ist Foxconn der größte Exporteur Chinas mit den höchsten ausgelieferten Stückzahlen.

Seit 2005 versucht Foxconn mit Angeboten für den Privatanwender das Geschäft zu erweitern. Zu diesen Produkten zählen zum Beispiel Hauptplatinen, Barebones, Grafikkarten, Netzteile und Lüfter. In Europa werden diese unter der Marke Foxconn angeboten, in Asien als WinFast. Die Modellbezeichnungen und Ausführungen sind in der Regel identisch. Eine weitere Marke des Konzerns ist Leadtek, womit der Konzern auch im Segment der Grafikkarten vertreten ist. Foxconn hält nach eigenen Angaben ca. 21.000 Patente und beteiligt über 15.000 Ingenieure in den USA, China und Taiwan an der Entwicklung neuer Produkte.

mini|Fabrik Shenzhen 2005 In China versuchte Foxconn zusammen mit der Elektronik-Fachmarktkette Media-Saturn, die zur Metro Group gehörte, auch im Elektronikeinzelhandel Fuß zu fassen. Die erste Media-Markt-Filiale in China wurde als Joint Venture der beiden Unternehmen unter dem Namen Wan De Cheng () am 17. November 2010 in Shanghai eröffnet. Weitere Eröffnungen waren geplant,Erfolgreicher Start für Media Markt in China, firmenpresse.de, 21. Mai 2010 allerdings wurden bis Ende April 2013 alle Filialen wieder geschlossen.

Im Februar 2016 kündigte Foxconn an, 66 % der Anteile des stark angeschlagenen Elektronikkonzerns Sharp zunächst für 700 Mrd. Yen zu erwerben. Nach Bekanntwerden von Sharps zu erwartendem Verlust von etwa 170 Mrd. Yen im Geschäftsjahr 2015/16 wurde jedoch ein Betrag von etwa 389 Mrd. Yen vereinbart.Patrick Welter: Foxconn ist bei Sharp am Ziel. NZZ online, 30. März 2016 Am 2. April 2016 wurde der Vertrag unterzeichnet, wonach die Anteile für 388,8 Milliarden Yen an Foxconn gehen.Dewezet Hameln vom 4. April 2016, S. 6 Es ist das erste Mal, dass Anteile eines japanischen Elektronikkonzerns von einem ausländischen Unternehmen erworben wurden.

Im Mai 2018 wurde das chinesische Tochterunternehmen Foxconn Industrial Internet an der Börse von Shanghai gelistet.

mini|Foxtron Model B auf dem Genfer Auto-Salon 2024 Im Oktober 2021 zeigte das Unternehmen erstmals Elektroautos unter der neu gegründeten Automobilmarke Foxtron. Weitere Modelle folgten im Oktober 2022 und im Oktober 2024.

Im November 2022 kündigte man ein Joint Venture mit dem saudischen Staatsfonds Public Investment Fund an, um unter der Marke „Ceer“ in Saudi-Arabien Elektroautos als Limousinen und SUV zu fertigen. Dabei soll Foxconn die Plattform bereitstellen und den Aufbau der Produktionsstätten in Saudi-Arabien übernehmen, der PIF übernimmt große Teile der Finanzierung, von BMW sollen Komponenten lizenziert werden. Als Absatzmärkte gelten der Nahe Osten und Nordafrika. Die Produktion soll Anfang 2027 starten.

Mitarbeiterentwicklung

Foxconn gehört zu den umsatz- und mitarbeiterstärksten privaten Arbeitgebern der Welt. Die Mitarbeiterzahlen unterliegen über die Jahre einer großen Schwankungsbreite.

Die BBC hat im Mai 2016 berichtet, dass Foxconn seit 2014 bis zu 60.000 Mitarbeiter zugunsten automatisierter Fertigungsstätten entlassen hat. Das Unternehmen hat diese Zahlen später bestätigtFoxconn replaces ‘60,000 factory workers with robots’., In: bbc.com, BBC News, abgerufen am 16. Oktober 2021. (englisch).

Geschäftsjahr(Stichtag 30. April) MitarbeiterStandort Taiwan 2014 900.758, In: foxconn.com, S. 83, PDF; 2,3 MB, abgerufen am 16. Oktober 2021. (archiviert, englisch) 2015 726.772, In: foxconn.com, S. 87, PDF; 2,7 MB, abgerufen am 16. Oktober 2021. (archiviert, englisch) 2016 830.174, In: foxconn.com, S. 91, PDF; 11,1 MB, abgerufen am 16. Oktober 2021. (archiviert, englisch) 2017 803.126 2018 (vorläufig) 604.640 2021 826.608Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. Annual Report 2022, In: foxconn.com, S. 138, PDF; abgerufen am 18. Oktober 2023. (englisch) 2022 767.062 2023 (vorläufig) 552.341 Ein COVID-19-Ausbruch in einem Werk in Zhengzhou führte 2022 zu zahlreichen Kündigungen. Das Unternehmen reagierte mit Bonuszahlungen an verbleibende Arbeitskräfte und solche, die Überstunden leisteten.

Standorte Seit 1993 besitzt das Unternehmen Produktionsstätten auf dem chinesischen Festland, darunter in Shenzhen, Kunshan, Wuhan und Yantai. 1994 kamen Entwicklungszentren in den USA und Japan dazu, 1998 bis 2000 Produktionsstätten in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und im tschechischen Pardubice, das zentral in Europa liegt.Kilian Kirchgessner: Die Firma, Foxconn produziert fast jedes iPhone und ist der grösste Exporteur Chinas. Was hat der Gigant nun in Europa vor? Das Magazin, Tamedia, Zürich 16. September 2017, S. 22–27

Neben dem im Jahr 2000 in Pardubice eröffneten Werk, in dem PCs endgefertigt werden, verfügt das Unternehmen seit 2010 in Kutna Hora über ein weiteres Werk in Tschechien, in dem Server hergestellt werden. Insgesamt beschäftigt Foxconn rund 5.000 Mitarbeiter in Tschechien (2015).radio.cz: Foxconn expandiert in Tschechien, 19. November 2015 (abgerufen am 22. November 2018)

2010 übernahm Foxconn die slowakische Tochtergesellschaft von Sony und betreibt seither ein 2007 eröffnetes Werk in Nitra mit 1.200 Mitarbeitern, in dem jährlich rund 3 Millionen LC-Displays hergestellt werden., In: channelpartner.de, 1. April 2010, abgerufen am 16. Oktober 2021. Seit 2021 fertigt Foxconn in Sriperumbudur, Indien, das iPhone 14.Indien treibt die Weltkonjunktur – und könnte bald Deutschland abhängen in Handelsblatt 30. November 2022

Kritik Seit 2006 sieht sich der Konzern schweren Vorwürfen ausgesetzt. Vor allem die geringen Löhne und unmenschlichen Arbeitsbedingungen werden kritisiert:

2006 wurden von der englischen Zeitung Mail on Sunday Vorwürfe gegenüber Foxconn erhoben, dass bei der Fertigung des iPod unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen. Es wird von 15-stündigen Arbeitstagen und Monatslöhnen von umgerechnet rund 40 Euro berichtet, die deutlich unterhalb des regionalen Mindestlohns von ca. 80 Euro liegen. Laut Spiegel Online seien 80 statt der arbeitsrechtlich erlaubten 36 Überstunden üblich.Hannes Koch: Apple-Lieferant Foxconn: „Hier herrschen Befehl und Gehorsam“., In: Spiegel Online, 10. Mai 2011, abgerufen am 16. Oktober 2021. Bemängelt wurden unter anderem auch die unfaire Behandlung der Arbeiter und der Zustand der Unterkünfte. Durch eine Besichtigung einer Delegation soll dies widerlegt worden sein.Monika Ermert: Produktionsbedingungen von Apples iPod in der Kritik., In: Heise.de, 15. Juni 2006, abgerufen am 16. Oktober 2021. Laut Angabe einer Arbeiterin bei Foxconn lag ihre Arbeitszeit bei zwölf Stunden am Tag, sechs Tage pro Woche und wird mit umgerechnet 240 Euro (inkl. Zuschlägen für Nachtarbeit und Überstunden) bezahlt, wobei die Kosten für Mahlzeiten und Übernachtung in unternehmenseigenen Unterkünften übernommen werden. Der psychische Druck sei enorm, da es zum Beispiel festgelegte Zeiten für den Toilettengang und ein Sprechverbot am Arbeitsplatz gibt, das im Zuge von zwei Suiziden etwas gelockert wurde. Zudem gäbe es persönliche Diffamierung durch die Vorarbeiter, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.Achim Sawall: Foxconn – 12-Stunden-Schichten und Sprechverbot., In: golem.de, 26. Mai 2010, abgerufen am 16. Oktober 2021.LIU Jiayi: Foxconn relaxes harsh labor rules after suicide specter resurfaces., In: zdnet.com, ZDNet, 2. Mai 2013, abgerufen am 16. Oktober 2021. (Ursprungsquelle: View from China, englisch) Außerdem müssten die rund 400.000 Arbeiter der beiden Fabriken auf engstem Raum zusammenleben. Das Verlassen des Fabrik- und Wohngeländes, das eine Einheit darstellt, sei für viele der Arbeiter nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt.

Anfang 2010 ereigneten sich mindestens 13 Fälle von Suiziden der Angestellten in Shenzhen, meist durch Sprünge vom Dach der Gebäude des Unternehmens. Nach dem neunten Todesfall reagierte die Geschäftsleitung mit einem Brief an die Angestellten, nach dem diese sich verpflichten sollen, sich nicht selbst umzubringen oder „in einer extremen Form“ zu verletzen. Bis Ende Mai 2010 erhöhte sich die Anzahl der Toten auf elf.Foxconn: Elfter Selbstmord bei iPhone-Hersteller., In: Spiegel online, 27. Mai 2010, abgerufen am 16. Oktober 2021. Ein Unternehmensvertreter kündigte daraufhin an, die Löhne zu erhöhen.Foxconn erhöht Löhne um 30 Prozent. In: Spiegel online. 2. Juni 2010, abgerufen am 2. Juni 2010. Ab dem 1. Oktober 2010 sollen Angestellte nach Unternehmensdarstellung in der Fabrik in Shenzhen das Doppelte ihres bisherigen Lohns erhalten (2000 Yuan, etwa 244 Euro).Nach Selbstmordserie: Foxconn verdoppelt die Löhne Man hoffe, „dass die Angestellten eine positive Lebenseinstellung bekommen“., In: tagesschau.de, 28. Mai 2010, abgerufen am 1. Die Löhne bei Foxconn liegen nach Untersuchungen der NGO Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) meist nur minimal über den gesetzlichen Mindestlöhnen. (PDF; 2,3 MB), Zeit: Apples Erfolge sind billig erkauft, 5. Oktober 2010 Im Juni 2010 wurde bekannt, dass Foxconn entweder alle oder einige der Werke in China schließen wolle, da man ausschließlich wegen der geringen Löhne nach China gegangen sei und dieser Standortvorteil im Falle der Umsetzung der angekündigten Lohnerhöhungen verloren ginge. Im Juli 2010 mussten sich in einer indischen Foxconn-Fabrik 250 Arbeiter aufgrund mangelnden Schutzes vor Schadstoffen ins Krankenhaus begeben.