Ernst August Wilhelm Hoerschelmann (* 19. April 1743 in Großrudestedt; † 28. Oktober 1795 in Reval) war ein deutscher Theologe, Pädagoge und Philosoph.

Herkunft und Familie

Die bürgerliche Familie Hoerschelmann stammte ursprünglich aus Thüringen, wo sie mit dem Viehmeier Claus Hörselmann (1610–1699)Genealogisches Handbuch des Adels, Band B VII, C.A. Starke-Verlag, 1965, S. 168. die Stammreihe beginnt. Ernst August Wilhelm Hoerschelmann war der 5. Sohn des Superintendenten in Großrudestedt in Thüringen Johann Heinrich Hörschelmann (1704–1774) und der Christiane Elisabeth Waitz (* 1712) und wurde in Großrudestedt am 19. April 1743 geboren. Er war der jüngere Bruder des Juristen Friedrich Ludwig Anton Hoerschelmann.Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 36. Mit Ernst August Wilhelms Vater begann eine Theologenfamilie über neun Generationen bis in unsere Zeit.Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7; Genealogie der Familie auf der hinteren Einbandseite

Leben und Beruf

Ernst August Wilhelm Hoerschelmann studierte wie sein Vater Theologie und dazu noch Philosophie und Geschichte an der Universität Jena und promovierte zum Dr. phil. Da seine Interessen besonders historischen Themen und der Philosophie galten, bewarb er sich 1768 um die Stelle eines Professors für Weltweisheit und Geschichte am Kaiserlichen Gymnasium in Reval. Seine Bewerbung war von Erfolg gekrönt und so wanderte der junge Gelehrte in das damals russische Estland aus. Das Gymnasium in Reval war deutschsprachig und wurde vom Rat der Stadt und der Petersburger Regierung unterhalten. Hoerschelmann war ein sehr erfolgreicher Wissenschaftler und Pädagoge, der achtmal Rektor des Gymnasiums wurde.Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 34. Für seine Verdienste um die Erziehung der Jugend ernannte ihn die Zarin Katharina die Große zum Kaiserlich russischen HofratGenealogisches Handbuch des Adels, Band B VII, C.A. Starke-Verlag, 1965, S. 169. und verlieh ihm den erblichen russischen Adel.Genealogisches Handbuch des Adels, Band V, C.A. Starke-Verlag, 1984, S. 262. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wie z. B. das zweibändige Compendium der PhilosophieCord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 44., gründete er 1772 die wöchentlich erscheinende Zeitung Revalsche wöchentliche Nachrichten, deren Redaktion er selbst übernahm. Er war ein Rationalist und Aufklärer, der sich auch für das Theater sehr interessierte. So förderte er nicht nur den jungen Dichter August von Kotzebue, der in Reval als kaiserlich russischer Richter amtierte, sondern setzte sich vehement für das Theater als Ort der Bildung und Erbauung ein.Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 43/44. Er schrieb auch die Musik zu Kotzebues Volksstück "Die väterliche Erwartung"Helmut Scheunchen: Lexikon deutschbaltischer Musik. Verlag Harro von Hirschheydt, Wedemark-Elze 2002. ISBN 3-7777-0730-9. S. 109 f.

Ernst August Wilhelm Hoerschelmann, der, anders als viele seiner Nachkommen, das Adelspartikel ,von‘ nicht führte, heiratete am 15. Juni 1769 in Reval Charlotte Salomon (1754–1829). Das Paar hatte 16 Kinder, von denen 8 das Erwachsenenalter erreichten.Cord Aschenbrenner: Das Evangelische Pfarrhaus, 300 Jahre Glaube, Geist und Macht. Eine Familiengeschichte. Siedler, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 33. Er starb am 28. Oktober 1795 in Reval.

Literatur

Tiiu Reimo: Ernst August Wilhelm Hörschelmann, Professor des Revaler Gymnasiums, Literat und Herausgeber der Zeitung Revalsche Wöchentliche Nachrichten. In: Norbert Angermann et al. (Hrsg.): Persönlichkeiten der Frühen Neuzeit in den baltischen Ländern, Lit, Berlin 2025. S. 573–600, mit detaillierten Angaben

Helmut Scheunchen: Lexikon deutschbaltischer Musik. Harro von Hirschheydt, Wedemark-Elze 2002. ISBN 3-7777-0730-9. S. 109 f.

Weblinks

Einzelnachweise

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