Neuenburg (Kürzel NE; ; , und Neuchâtel ), amtlich französisch (Republik und Kanton Neuenburg), ist ein Kanton in der Romandie, dem frankophonen Landesteil der Schweiz, und zählt zur Grossregion Espace Mittelland und der Hauptstadtregion Schweiz. Der Hauptort und gleichzeitig die nach der Einwohnerzahl grösste Gemeinde ist die gleichnamige Stadt Neuenburg ().
Geographie und Natur Das Gebiet des Kantons Neuenburg liegt grösstenteils im Schweizer Juragebirge und dazu mit einem schmalen Landstreifen auch am Jurasüdfuss und im Schweizer Mittelland. Die Gemeinden am Nordufer des Neuenburgersees gehören zur Region Littoral, die im Nordosten auch das Gebiet zwischen dem Zihlkanal () und dem Jurafuss bis hin zum Bielersee umfasst. Der Kanal bildet zwischen den beiden Seen die Grenze zum Kanton Bern. Der bei den Juragewässerkorrektionen im 19. und 20. Jahrhundert ausgebaute Zihlkanal bewirkt den hydrologischen Ausgleich des Wasserstands der beiden Seen, der normalerweise auf liegt. Der 8,5 Kilometer lange Kanal wird von zwei Strassenbrücken und einer Eisenbahnbrücke überquert und dient als Wasserstrasse zwischen den Jurarandseen.
Die Hauptstadt Neuenburg erstreckt sich acht Kilometer weit am Nordufer des Neuenburgersees und umfasst oberhalb davon eine grosse Siedlungsfläche am Südhang des Berges Chaumont und, seit der Eingliederung der früheren Gemeinden Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin im Jahr 2021, auch ein Gebiet bis Serroue westlich der Seyonschlucht. Am Neuenburgersee gibt es heute, nachdem sich die Zahl der Gemeinden im Kanton durch weitere Zusammenschlüsse stark verkleinerte, noch fünf andere Neuenburger Gemeinden: westlich der Hauptstadt sind es La Grande Béroche (an der Grenze zum Kanton Waadt), Cortaillod, Boudry (an der Mündung der Areuse in den See) sowie Milvignes und östlich davon die 2025 gebildete Gemeinde Laténa. Am Zihlkanal bestehen die Gemeinden Cornaux, Cressier und Le Landeron. Dieses historische Städtchen, das sich von einer mittelalterlichen Kleinstadt aus entwickelte, liegt am Bielersee und grenzt sowohl südlich des Zihlkanals als auch nördlich des Bielersees, im Wildbach Ruisseau de Vaux, an den Kanton Bern.
Nördlich von Neuenburg liegt das ausgedehnte Bergtal Val de Ruz, das weitgehend dem Einzugsgebiet des Seyon entspricht. Mit einer grossen Gemeindefusion 2013 wurden fast alle früher selbständigen politischen Kleingemeinden Teile der neuen Einheit Val-de-Ruz. Mit 15 beteiligten Orten war es einer der umfangreichsten Gemeindezusammenschlüsse in der Schweiz. Nur Valangin, das historische Verwaltungszentrum des Tales, beteiligte sich nicht an diesem Regionalprojekt und vereinigte sich später mit der Kantonshauptstadt. Das Gebiet von Val-de-Ruz umfasst im Norden und im Nordwesten eine Berglandschaft des Faltenjuras mit mehreren hohen Gipfeln des Kantons und Weideflächen. Die markantesten Erhebungen sind der Mont Racine (), die Tête de Ran () und die höchste Stelle des Kantons () auf dem Berggrat am Chasseral. mini|links|150px|Brücke Pont du Saut-de-Brot in der Areuseschlucht Die Areuse, die durch die lange und enge Schlucht Gorges de l’Areuse in die Landschaft am Neuenburgersee fliesst, entwässert mit ihrem Oberlauf das Hochtal Val de Travers. Es liegt nördlich der Antiklinale (Bergkette) des Chasseron, dessen Bergrücken teilweise auf dem Gebiet des benachbarten Kantons Waadt liegt. Der markante Felsenkessel des Creux du Van auf der Nordseite dieser Bergkette und über der Areuseschlucht ist ein bedeutendes Geotop und eine der bekanntesten Natursehenswürdigkeiten im Jura. Das Felsmassiv wurde schon im 19. Jahrhundert als eine der ersten Stellen in der Schweiz zum Schutzgebiet erklärt und ist zusammen mit der Areuseschlucht im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist. Einige Gewässer im Val de Travers werden wegen der Verkarstung des Gebirges durch unterirdische Zuflüsse gespiesen. Die Areusequelle bei Saint-Sulpice ist eine der grössten Karstquellen im Jura. Das Grundwasser in der Areuseschlucht ist die wichtigste Quelle für die Wasserversorgung der Städte Neuenburg und La Chaux-de-Fonds.
Nördlich des Val de Travers und den Bergen des Val de Ruz dehnt sich die Bergregion () aus, an die im Nordosten die Hochfläche der Freiberge () in den Kantonen Bern und Jura und das bernische Sankt-Immer-Tal anschliessen. Zwischen den nördlichen Bergketten mit dem Mont Racine, dem Grand Sommartel (), dem Crêt du Cervelet () und dem Armont () liegen weite Hochtäler mit verstreuten Ortschaften und den Städten La Chaux-de-Fonds und Le Locle. mini|Landesgrenzstein an der Hauptstrasse in Les Verrières Im Norden stösst der Kanton Neuenburg im Juragebirge und entlang des Doubs (mit dem Lac des Brenets und dem Stausee Lac de Moron) über eine Strecke von mehr als 50 Kilometer an die Landesgrenze der Schweiz und Frankreichs. Die Grenze verläuft im Nordosten durch das Flussbett des Doubs in einer tief eingeschnittenen Schlucht, anschliessend bei Les Brenets entlang der Rançonnière bis in die Nähe der Klus am Pass des Col des Roches und von dort gegen Südwesten fast 30 Kilometer weit über die Höhenzüge der Montagne du Larmont. Der Meix Musy () und ein Felsvorsprung am Grand Taureau () sind die höchstgelegenen Stellen an der Landesgrenze im Kanton Neuenburg. Bei Les Verrières, der am weitesten im Westen liegenden Gemeinde des Kantons mit einem wichtigen Grenzübergang, quert die Landesgrenze das Tal Vallon des Verrières. Dieses Tal wird durch den Ruisseau de la Morte gegen Westen zum Doubs entwässert, was auch noch bei verschiedenen anderen Neuenburger Grenztälern der Fall ist. Das Kantonsgebiet erstreckt sich rittlings über die Europäische Hauptwasserscheide zwischen den Flussgebieten des Rheins und der Rhone hinweg. Schliesslich begrenzt die Landesgrenze fünf Kilometer südlich von Les Verrières noch das Hochtal von La Côte-aux-Fées, der südlichsten Neuenburger Gemeinde, die an einem Zufluss des Buttes und der Areuse im Einzugsgebiet der Aare und des Rheins liegt. Südöstlich von La Côte-aux-Fées stösst die Landesgrenze beim Weiler Les Bourquins-de-Vent an das Gebiet des Kantons Waadt.
Verkehrsgeographie mini|Strassenbrücke über den Zihlkanal Das Kantonsgebiet am Jurasüdfuss und das Val de Travers sind bedeutende überregionale Verkehrsachsen für den Strassen- und den Schienenverkehr. Dem Neuenburgersee folgen die Hauptstrasse 5 und die Autobahn A5 sowie die Bahnstrecke Lausanne-Neuenburg-Olten. Durch das Val de Travers verlaufen ein Abschnitt der Hauptstrasse 10 und die 1860 gebaute Bahnstrecke Neuchâtel–Pontarlier. Ab 1890 gab es eine direkte Zugverbindung Neuenburg-Paris, die von der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée betrieben wurde.
Von Neuenburg aus führen mehrere Routen in die Bergregion: der Passübergang der Vue des Alpes an der Hauptstrasse 20; die Autostrasse A20, die den Berg mit zwei Tunneln unterquert, zwischen denen der Verkehrsknoten von Les Convers liegt; die Bahnstrecke Neuchâtel–Le Locle-Col-des-Roches; die Strasse über den Col de la Tourne (Hauptstrasse 170); die Strasse von Noiraigue in das Hochtal Vallée des Ponts (Hauptstrasse 171) und zudem die Hauptstrasse 149, die von Fleurier aus Le Locle erreicht. In La Chaux-de-Fonds beginnt die Hauptstrasse 18, die nach Basel führt. Ausser bei Les Verrières gibt es noch sechs weitere Grenzübergänge von Haupt- und Nebenstrassen des Kantons Neuenburg nach Frankreich; und dazu kommen die Zollstellen der Flugplätze La Chaux-de-Fonds und Neuenburg.
Neuenburg ist durch die Hauptstrasse 10, die Autobahn A20 und die 1901 eröffnete Bahnstrecke über Kerzers mit der Schweizer Hauptstadt Bern verbunden.
Das Unternehmen Transports Publics Neuchâtelois (auf Deutsch: Neuenburgische Verkehrsbetriebe) betreibt Eisenbahn-, Standseilbahn-, Trolleybus- und Autobuslinien im Kanton.Website des Unternehmens transN mini|Wegweiser für Velorouten und Wanderwege in Noiraigue Die Gewässer am Jurafuss dienen als Verkehrswege für die Schifffahrt. Auf dem Bielersee, dem Neuenburgersee und dem Murtensee sowie den Verbindungskanälen dazwischen verkehren Schiffe der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft und der Société de navigation sur les lacs de Neuchâtel et Morat. Letztere hat ihren Sitz im Hafen von Neuenburg. Das 1826 in Dienst gestellte Dampfschiff Union war das erste öffentliche Verkehrsmittel auf dem Neuenburgersee.
Entlang der Kantonsstrassen baute das kantonale Umweltdepartement auf vielen Abschnitten von der Fahrbahn getrennte Velowege. Mehrere überregionale Velorouten sind im Kanton ausgebaut und offiziell markiert: Die nationale Veloroute 7 mit der Bezeichnung «Jura-Route» durchquert das Kantonsgebiet von La Chaux-de-Fonds bis La Côte-aux-Fées. Die Route mit dem Namen «Arc jurassien» (Veloroute 54) führt durch die Hochtäler nahe der Landesgrenze, während die «Jurasüdfuss-Route» (Veloroute 50) den Ufern des Bielersees, des Zihlkanals und des Neuenburgersees folgt. Die Route «L’Areuse-Emme-Sihl» (Veloroute 94) beginnt mit der attraktiven Gebirgsstrecke in der Areuse-Schlucht und führt in anderen Kantonen weiter durch das Mittelland bis nach Zürich. mini|Moorgebiet bei Les Ponts-de-Martel
Schutzgebiete Im Gebiet des Kantons Neuenburg wurden von Bund, Kanton und Privaten zahlreiche Schutzgebiete geschaffen. Ausser der Zone Creux-du-Van-Gorges-de-l’Areuse weist der Kanton noch sechs weitere Gebiete auf, die im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt sind und ganz oder teilweise auf Neuenburger Gebiet liegen: Coteaux de Cortaillod et de Bevaix,Objektblatt «Coteaux de Cortaillod et de Bevaix» im BLN. Roches de Châtollion,Objektblatt «Roches de Châtollion» im BLN. Vallée du Doubs,Objektblatt «Vallée du Doubs» im BLN. Tourbière des Ponts-de-Martel,Objektblatt «Tourbière des Ponts-de-Martel» im BLN. Vallée de la Brévine,Objektblatt «Vallée de La Brévine» im BLN. Chasseral,Objektblatt «Chasseral» im BLN. und Rive sud du lac de Neuchâtel.Objektblatt «Rive sud du lac de Neuchâtel» im BLN. Mit den Arealen Tourbière des Ponts-de-Martel, La Brévine und einem Gebiet am Südufer des Neuenburgersees weist der Kanton auch drei Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung auf. Zu den wichtigsten kantonalen Schutzgebieten zählen der Creux du Van, das Tal Combe Biosse, der Wald Bois des Lattes, das Reservat Bas-Lac, das zusammen mit den benachbarten Schutzzonen der Kantone Bern, Waadt und Freiburg zur Moorlandschaft der Grande Cariçaie gehört,Objektblatt «Grande Cariçaie» im Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung. und der Parc sauvage de la Vieille Thielle bei Cressier. Dazu kommen zahlreiche weitere bedeutende Amphibienschutzgebiete, Trockenwiesen und Naturwaldreservate.
Das Tal Val de Ruz mit den umliegenden Bergen ist dem Regionalen Naturpark Parc régional Chasseral angeschlossen, und die Bergzone nördlich von la Chaux-de-Fonds und Le Locle gehört zum Naturpark Parc du Doubs ().
Bevölkerung Am betrug die Einwohnerzahl des Kantons Neuenburg . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Die Bevölkerung hat zwischen 1850 und 1970 von 70'753 auf 169'173 Einwohner zugenommen. Der Kanton Neuenburg erfuhr um die 1970er-Jahre eine Stagnation der Einwohnerzahl, was sich während der einsetzenden schweren Wirtschaftskrise widerspiegelte, in der Neuenburg seine zentrale Stellung in der UhrenindustrieHenri Buehler: Le pays de Neuchâtel: Horlogerie. Neuchâtel 1948. an die Region Biel verlor und grosse Traditionsunternehmen wie Dubied und Suchard ihre Tore schlossen.
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