mini|325x325px|St. Martin in Königheim Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin (auch St. Martin und NepomukLEO-BW.de: Kath. Pfarrkirche St. Martin und Nepomuk (Kirchplatz 5, Königheim). Online unter www.leo-bw.de. Abgerufen am 20. Oktober 2018.) in Königheim wurde von 1752 bis 1756 nach Plänen des Ingenieurhauptmanns und Architekten Michael Anton Müller, eines Schülers von Balthasar Neumann, als barocke Einturmfassadenkirche erbaut. 1756 wurde die Kirche in Chor und Langhaus von dem Tiepolo-Schüler Georg Anton Urlaub ausgemalt. Die Kirche wurde in neuester Zeit sorgfältig renoviert.Gemeinde Königheim: Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Königheim. Online auf www.koenigheim.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.Leopold Rothermel: Königheim. Geschichte eines Fränkischen Dorfes. Rita-Verlag und Druckerei, Würzburg 1930. Die Martinskirche gehört zur Seelsorgeeinheit Königheim, die dem Dekanat Tauberbischofsheim des Erzbistums Freiburg zugeordnet ist.Dekanat Tauberbischofsheim: . Online auf www.kath-dekanat-tbb.de. Abgerufen am 23. Dezember 2015.
Geschichte Die ersten zwei fränkischen Holzkirchen Die ersten zwei Kirchen wurden zwischen 800 und 1200 erbaut. Sie bestanden aus Holz und blieben nicht bis zur gotischen Zeit erhalten.
Die gotische, dritte Kirche Als in Königheim um 1200 mindestens zwei Adelsfamilien und ein Rittergeschlecht saßen, entschied man sich, eine massive romanische Kirche mit einem geräumigen Chorturm zu bauen. 1486 wird dieser Burgturm genannt, denn auf den „bruchthurn“ wurden damals die beiden Glocken gehängt. Da die beiden Burgen keinen Turm hatten, wurde der stark gebaute Kirchturm im befestigten Kirchhof zur Ausschau und Verteidigung eingerichtet. So konnte man ihn Burgturm nennen, obwohl die Burggebäude außerhalb des Kirchhofs standen. Gotische Fenster wurden 1486 bei der Anschaffung eines neuen Hochaltars und neuer Glocken mit eingesetzt. Für die damalige Renovierung wollte man ein „wertvolles Bild“ für den Hochaltar haben, weshalb man einen Maler aus Nürnberg beauftragte. Die Urkunde Nr. 36 der Urkundensammlung besagt: „Der ehrsame Meister Lienhart von Nürnberg hat versprochen, eine Tafel in die Kirche für ungefähr 70 Gulden zu machen. wenn er aber die Tafel besser macht nach Erkenntnis des Pfarrers und der Amtleut zu Bischoffsheim, sollen die von Kennicken sich auch an der Bezahlung bessern. Das Bild wurde am Vortag von Mariä Himmelfahrt aufgestellt und am Montag nach Mariä Himmelfahrt von Pfarrer Lipper von Bischofsheim und den Ehrsamen besichtigt, sie haben großen Gefallen an dem Bild empfunden und Leinhart 120 Gulden gegeben.“ Nach der Überschrift „Neue Tafel auf dem Hochaltar“ war es wohl ein Martinusbild. Der Glockenkauf ist in Urkunde Nr. 37 überliefert:
Dass diese Kirche außer dem Hochaltar des hl. Martin von Tours und den beiden Seitenaltären des hl. Nikolaus von Myra und der hl. Maria Magdalena noch einen vierten, mittleren Altar des hl. Georg, höchstwahrscheinlich am Choreingang, hatte, war für den Marktflecken Königheim eine Besonderheit und unterschied die Kirche von denen der umgebenden Dörfer. An der Südseite der Kirche entstand 1499 der sogenannte Ölberg, teilweise vom berühmten Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider selbst, teilweise von seinen Gesellen erarbeitet. Der obere Bogenstein trägt die Jahreszahl 1499, darüber das Königheimer Kännchenwappen mit der Bleischrift „kennicken“. Außerdem sind mehrere Tiere „sorgfältig“ an den Steinen zwischen den drei schlafenden Aposteln dargestellt. Besonders an Gründonnerstagen haben sich fromme Beter mit Kerzen einst wohl bei dieser Ölberggruppe an der Kirche versammelt. Dennoch nahm dieses Kleinod ein tragisches Ende, was damals von dem Königheimer Bürgermeister Caspar Stephan von Lauda in seinem Tagebuch niedergeschrieben wurde, wurde von Pfarrer Severus in lateinischer Sprache überliefert und von Pfarrer Rothermel ins Deutsche übersetzt:
Die vierte „einfache“ Kirche von 1541 Die neue Kirche wurde auf den alten Mauern wieder aufgebaut, dennoch war es zu der Reformationszeit, wo man Spenden für die Kirche als unnützes Menschenwerk abtat. Die Reformierten duldeten nur noch ein Holzkreuz ohne Christuskörper und nur noch einen Altar. Der Renaissancestil hatte 1541 noch nicht die Dörfer erreicht. Die meisten Elemente, wie die Fenster und das Portal, wurden im gotischen Stil gebaut. Das Domkapitel gab am 7. November 1541 eine „Schenkung“ von 200 Gulden. Die Gemeinde bekam durch Frondienste und Holzentnahme einige Vergünstigungen und so konnte man sich vier Glocken leisten, die aber 1635 beim Kirchenbrand zerschmolzen. Pfarrer Severus berichtet:
Königheim blieb bis 1635 vom Dreißigjährigen Krieg relativ verschont, 1634 haben die Schweden die Gegend verlassen, dennoch belagerten 1635 die Kaiserlichen Kroaten die Gegend. Sie brannten am 11. September 1635 die Kirche ab. In der Urkundensammlung steht:
Dazu kommt ein Nachtrag:
Weitere Einzelheiten bringt Pfarrer Severus in seiner Chronik aus dem Tagebuch des Caspar Steffan, der er als hiesiger Weinhändler miterlebte.
Die Gottesdienste wurden sieben Jahre lang in der Kapelle (Friedhofskapelle) gehalten. Alle Messgewänder und Chorröcke waren verbrannt, daher hat man von Nachbarorten Paramente geliehen.
Die fünfte, frühbarocke Kirche von 1642/43 David Häfner aus Tauberbischofsheim eröffnete die Reihe der Wohltäter. Aus Mitleid zur verbrannten Kirche schenkte er der Kirche seine ausgeliehenen Gelder, andere vermachten dann Geld in Testamenten. Durch den Ausbruch der Pest standen viele Häuser leer, so bestimmte das geeignete Holz das Dach der neuen Kirche. Es wurde eine Bitte an das Domkapitel eingerichtet und der Rat bekam 100 Gulden und noch einmal 50 vom damaligen Erzbischof. Man bereitete 1642 den Platz für den Glockenguss. Man hatte mit Paul Arnold aus Fulda vereinbart, er sollte 40 Zentner Glocken gießen. Pro Zentner bot man 5 Gulden. Einen Teil des Erzes bekam man, indem man das alte Glockenmetall aus der Ruine säuberte und mahlte. Zum anderen sammelten von der Gemeinde ausgesandte Männer Kupfer und allerlei Erz, alte Kessel, Hellhafen, Kupfergeschirr, allerhand aus Messing, Leuchter und Schropfköpfe. Alles wurde aus freien Willen gegeben. Nachdem die Glocken gegossen waren, erbot sich Caspar Dietz als Spender für die größeren Glocken und gab 118 Gulden. Die größere Glocke hatte 21 Zentner, die zweite, Mittagsglocke genannt, 14 Zentner, die dritte, Weinglocke genannt, 9 und weil noch etwas Erz übrig war, wurde eine kleine Glocke mit 7 Zentnern gegossen. Für die insgesamt 51 Zentner wurden 255 Gulden gezahlt. In der Chronik steht hierzu:
mini|Steintafel vor dem Haupteingang Der Rest wurde nach und nach vollendet, der Hochaltar um 1650, 1666 der Marienaltar für 80 Gulden durch Andreas Friedel aus Külsheim. 1668 für 80 Gulden der Georgsaltar durch Carolus aus Würzburg. Für mehr Licht wurden gotische Fenster eingesetzt, der Rest wurde in einem frühbarocken Stil erbaut. Der damalige Chorturm erhob sich gegen Osten. Außen am Chor der Kirche war eine Steintafel von 1643 angebracht, die heute rechts vom Eingang zu sehen ist mit der folgenden Inschrift:
Seitenschiffe hatte die Kirche nie. Bei dem Grundriss von 1682 beantragte Pfarrer Babenhäußer eine Erweiterung der Kirche. Ein Vorschlag des Sachverständigen war, in den Seitenmauern je drei Bögen auszubrechen und Seitenschiffe anzubauen, aber wegen der Kosten und der Frondienste wollte sich die Gemeinde noch mit der Kirche begnügen. Die letzte Änderung, die vorgenommen wurde, war 1689 das Anbringen eines Grabmals für den Pfarrer Heck. Die lateinische Inschrift lautet:
Der Grabstein ist an der jetzigen Kirche an der rechten Vorderseite angebracht.
Die sechste, heutige Barockkirche von 1755/56 Ohne großherzige Spender konnte ein Dorf keine große und kunstvolle Kirche bekommen, denn die an sich baupflichtigen Zehntempfänger wollten nur wenig zahlen und die Bauern hatten noch Frondienste und Arbeit zu verrichten. Für die Königheimer Kirche fand sich ein großherziges Ehepaar, Johannes Laurentius Agricola und Maria Kathariaana Heffner, die beide 1697 in Königheim heirateten. Johannes Laurentius Agricola arbeitete von 1707 bis 1736 in Billigheim bei Mosbach als Hofmeister und Kammerherr. Er beschenkte die Sakramentbruderschaft in Königheim 1731 mit 1000 Gulden. Später hinterließ die Witwe der Kirche 8000 Gulden, für damalige Verhältnisse eine gewaltige Summe. 1740 kam das Geld der Kirche zur Auszahlung, die Kirche jedoch legte das Geld zunächst an, damit es sich durch Zinsen vermehrte. Der damalige Pfarrer Seeger war 80 Jahre alt und traute sich nicht mehr, wie anbefohlen sein Pfarrhaus zu bauen, und starb am 11. Juli 1746 mit 86 Jahren. Der folgende Pfarrer Johannes Sebastian Severus, 1746–1766, wird als der wohl bedeutendste Pfarrer Königheims angesehen wegen seiner Beredsamkeit und seines erhabenen Lebens als Kaplan und Professor der Rhetorik, außerdem schrieb er eine Chronik und übersetzte zahlreich lateinische Schriften. Zunächst einmal ließ er 1748 das Pfarrhaus reparieren und später ordnete das baupflichtige Domkapitel einen Neubau der Scheune und des Stalles an. Severus verbaute dabei eigenes Geld und bekam nicht mehr alles zurück, weil der Kostenvoranschlag überschritten wurde. Sein Baueifer und sein Kunstverständnis verhalfen zu der hochaufragenden, künstlerisch ausgestalteten Kirche. Der berühmte Würzburger Baumeister Balthasar Neumann, der weiterhin als Kirchen- und Schlossbauingenieur geholt wurde, verstarb 1753 im Alter von 66 Jahren. Also holte man seinen Schüler Michael Anton Müller und beauftragte ihn mit der Planfertigung. Der undatierte Baukostenvoranschlag betrug 15.967 Gulden. In Mainz wurde der Kirchenplan auf Befehl des Kurfürsten
Es handelte sich hierbei um den Mainzer Oberbaudirektor Freiherr Anselm Franz von Ritter zu Grünsteyn, nach dessen Idee 1751–1753 die katholische Stadtkirche Amorbach gebaut wurde. Die Genehmigung kam am 23. Oktober 1748. Die ersten Vorbereitungen begannen 1750, 1751 besorgte man das Holz, 1752 die Steine, ein Jahr darauf den Kalk und den Sand, um die Ziegel zu brennen. Das Holz wurde schon 1753 beschlagen und am 17. März 1755 wurden die Bauverträge mit den Maurern und den Zimmermännern abgeschlossen. Bereits am 26. November wurde das Kirchendach fertig gestellt. Der wichtigste Vertrag wurde mit dem Maler Georg Anton Urlaub geschlossen, der das Fresko für 425 Gulden malen sollte. Dennoch „verkrachte“ er sich mit den Königheimern und das Bild wurde von Stephan Reinhard für 200 Gulden fertig gestellt. Die Kirche wurde kurz vor Weihnachten 1756 geweiht und an Weihnachten in Betrieb genommen. Die beiden Seitenaltäre wurden von dem Weinhändler David Mühling am 2. November 1760 der Kirche vererbt. Die doppelläufige Treppe wurde zwölf Jahre später von Juni bis November 1768 errichtet und beherbergt heute den Ölberg.
Architektur und Ausstattung mini|Barockkirche St. Martin Der Würzburger Bauingenieur Michael Anton Müller hat die hohe Turmfassade ziemlich ähnlich wie die der Paulinuskirche in Trier seines Meisters Balthasar Neumann gestaltet. Die Seitenteile der Fassade biegen sich nach außen, in Trier nach innen. Auch sonstige kleine Änderungen sind festzustellen. Dagegen ist der Kirchengrundriss in Trier ganz anders, die Paulinuskirche hat ein Querschiff, von hinten sieht man dort die Seitenaltäre nicht. Aber der Hochaltar, von Köhler entworfen, geht unmittelbar auf den von Neumann entworfenen Altar in Trier zurück. Mehr Gemeinsamkeiten in Grundriss und Fassade hat die Königheimer Kirche mit der Balthasar-Neumann-Kirche in Hofheim bei Lampertheim/Hessen.
Altäre