Monolog für einen Taxifahrer ist ein Spielfilm von Günter Stahnke von 1962, der kurz vor der geplanten Ausstrahlung verboten und 1990 erstmals gezeigt wurde.

Handlung

Ein Taxifahrer fährt durch Ost-Berlin am Vormittag und Nachmittag eines Heiligabends und erlebt einige aufregende Erlebnisse. Zuerst fährt er eine junge hochschwangere Frau, die in einem Geschäft zusammengebrochen ist, in ein Krankenhaus. Diese bittet ihn, den Vater des Kindes ausfindig zu machen, ihn über die Geburt zu informieren, von der er noch nichts weiß und ihn zu bitten, verschiedene Sachen zu ihr zu bringen. Es folgt eine abenteuerliche Odyssee des Taxifahrers durch die vorheiligabendliche Stadt, mit Begegnungen mit verschiedenen Menschen.

Dabei sind seine Gedanken in einem inneren Monolog zu hören, die ziemlich kritisch über die DDR-Gesellschaft und ihre Menschen reflektieren. Als ein Fahrgast sich beschwert, weil er ihn nicht mitnehmen kann und dieses anzeigen will, denkt er

In einer anderen Situation denkt er

Und schließlich

Entstehung

Der junge Filmregisseur Günter Stahnke hatte bereits zwei Fernsehopern nach Drehbüchern des Schriftstellers Günter Kunert gedreht, Monolog für einen Taxifahrer war der erste Sprech-Film der beiden. Günter Stahnke war in dieser Zeit besonders von dem italienischen Film Rocco und seine Brüder (1960) beeinflusst, der Autor Günter Kunert verwendete mehrere Aspekte des bekannten Nachkriegsdramas Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert mit dem markanten Sag Nein! für den Text und die Gestaltung der Hauptperson, die hilflos durch die ihr fremde Umgebung irrt.Schneider, 2002, S. 12 zu Rocco und seine Brüder, und S. 9 und 17 zu Borchert

Die formale Gestaltung des Films war nicht-naturalistisch, mit einer prononcierten Bildsprache, extremen Kamerawinkeln und scharfen Kontrasten bei hellem Licht oder dunklem Schwarz.Günter Agde, Der Regisseur Günter Stahnke und sein Film Der Frühling braucht Zeit (1965), in Filmblatt, 48, 2012, S. 33–46, hier S. 36 (PDF), ebenso in Fetzers Flucht Der Taxifahrer (Fred Düren) fuhr stumm durch die Stadt, während Armin Mueller-Stahl dessen Gedanken aus dem Off sprach.

Die Außenaufnahmen entstanden am Alexanderplatz, am Frankfurter Tor, am Wasserturm Prenzlauer Berg, an der Warschauer Straße, der Gertraudenbrücke, der Friedrichstraße mit dem Tränenpalast, der Auguststraße, der Tucholskystraße, der Kleinen Auguststraße, der Treskowbrücke und dem St. Hedwig-Krankenhaus. Die Jazzmusik von Karl-Ernst Sasse wurde von dem Quintett 61, dem Vorgänger des späteren Klaus Lenz Sextetts, gespielt.

Verbot und Nachwirkungen Der vorherige Film Fetzers Flucht wurde am 13. Dezember 1962 anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Fernsehfunks noch regulär gezeigt und in den Zeitungsrezensionen positiv gewürdigt. Am 22. und 23. Dezember erschienen aber plötzlich zwei Verrisse, darunter im SED-Zentralorgan Neues Deutschland, wegen angeblichen Formalismus. An diesem Tag sollte eigentlich Monolog für einen Taxifahrer im Fernsehen gezeigt werden, ebenfalls im Rahmen der Festwochen, was dann kurzfristig ausgesetzt wurde. Die genauen Hintergründe sind unbekannt, angeblich soll Lotte Ulbricht ihren Mann Walter Ulbricht auf den Film Fetzers Flucht aufmerksam gemacht haben, und im Zuge von dessen Verbot fiel auch gleich noch Monolog für einen Taxifahrer dazu.Schneider, 2002, S. 23

Bei einer Beratung des Politbüros des ZK der SED und des Präsidiums des Ministerrates mit Schriftstellern und Künstlern am 25. März 1963 machte der Politbüro-Verantwortliche für Kultur und Propaganda Kurt Hager die Kritik an beiden Filmen zum Thema:erwähnt auch bei Agde, 2012, S. 36, und Schneider, 2002, S. 22

Günter Stahnke wurde zur Selbstkritik aufgefordert, die er dann nach Beratungen mit einflussreichen wohlmeinenden Kulturfunktionären sehr gründlich formulierte, um weiter als Regisseur tätig sein zu können.Agde, 2012, S. 37 Walter Ulbricht kritisierte beide Filme, besonders aber Monolog für einen Taxifahrer, noch einmal auf dem VI. Parteitag der SED im Sommer 1963.Reaktion von Schriftstellern und Künstlern zum XI. Parteitag der SED DDR im Blick, Anmerkung 72, zu einem MfS-Bericht

Günter Stahnke bekam zur Bewährung einen Film über Mängel in der sozialistischen Produktion Der Frühling braucht Zeit, der aber nach dem berüchtigten XI. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 ebenfalls verboten wurde und zu dessen Rauswurf aus der DEFA führte.

Am 26. Januar 1990 zeigte die Akademie der Künste in Ost-Berlin Fetzers Flucht und Monolog für einen Taxifahrer erstmals wieder, in einer Reihe mit verbotenen DDR-Filmen.Ute Thon: Der verbotene Fetzer. In: taz vom 29. Januar 1990 (Text). Am 26. April 1990 wurde letzterer erstmals im Deutschen Fernsehfunk gesendet.

Rezensionen

Der Fernsehhistoriker Peter Hoff schrieb 1990 nach der Erstausstrahlung

Literatur Dirk Schneider: Der Umsteiger. In: Augenblick. Studien zum Fernsehspiel der DDR (Marburger Hefte zur Mediengeschichte). 25. 2002. S. 8–23 (PDF, Memento), mit detaillierten Angaben über diesen Film

Weblinks

Monolog für einen Taxifahrer Fernsehen der DDR (Memento)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1962 Kategorie:Fernsehfilm (DDR) Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Verbotener Film (DDR)