Etzelsrode ist ein Ortsteil der Stadt und Landgemeinde Bleicherode im thüringischen Landkreis Nordhausen.

Politische Gemeinde Gemeindegebietsänderungen Am 1. Januar 2019 schlossen sich die Gemeinden Etzelsrode, Friedrichsthal, Kleinbodungen, Kraja, Hainrode, Nohra, Wipperdorf und Wolkramshausen sowie die Stadt Bleicherode zur neuen Stadt und Landgemeinde Bleicherode zusammen. Bereits zuvor war Bleicherode Erfüllende Gemeinde für die Gemeinde Etzelsrode.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1816: 170 1855: 190 1924: 138 1939: 164 1940: 183 1942: 186 1994: 106 1995: 102 1996: 105 1997: 107 1998: 105 1999: 104 2000: 104 2001: 105 2002: 117 2003: 114 2004: 114 2005: 100 2006: 101 2007: 104 2008: 110 2009: 109 2010: 96 2011: 98 2012: 93 2013: 96 2014: 89 2015: 89 2016: 93 2017: 88 2018: 80 Datenquelle bis 1942: Ortschronik von Etzelsrode. Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Ortsteilbürgermeister Nach dem Gemeindezusammenschluss wurde bei der Kommunalwahl 2019 Nicola Lütge mit 93,8 Prozent der Stimmen zur Ortsteilbürgermeisterin gewählt wurde. Bei der Kommunalwahl 2024 wurde Lutz Schuchert mit 82,6 Prozent der Stimmen zu ihrem Nachfolger bestimmt. Beide gehören dem örtlichen Brandschutzverein an.

Geografie links|mini|hochkant|Alte Schule

Lage und angrenzende Gemeinden Etzelsrode liegt im nördlichen Teil des Landkreises Nordhausen, in etwa 6,5 km Entfernung zur nördlich verlaufenden ehemaligen innerdeutschen Grenze. Das Dorf wird vom Tal des Rodebachs durchzogen, der sich etwa 1500 m nordöstlich mit dem von Friedrichsthal kommenden Bliedebach vereint, um nach weiteren 1100 m in die Helme zu münden. Das Dorf ist umgeben von den Bergen Martberg (249 m ü. NN) im Norden, Etzelsroder Berg (247 m ü. NN) im Osten, Strutberg (249 m ü. NN) im Süden sowie der Anhöhe in Richtung Friedrichsthal namens Gratzunger Berg und Schweinsberg (etwa 240–250 m ü. NN). Durch den Ort führt die K 7 von Friedrichsthal nach Pützlingen. Etzelsrode wird von landwirtschaftlichen Flächen umgeben.

Angrenzende Gemeinden waren zuletzt Friedrichsthal und Werther. mini|Der Ort von Süden aus Richtung Friedhof

Geschichte Ortsgründung links|mini|Der Rodebach im Ort

Aus einer Urkunde Kaiser Ottos aus dem Jahre 977 geht hervor, dass der Erzbischof Adalbert von Magdeburg Wälder an der oberen Helme und an der Ichte roden ließ. Dabei könnte Etzelsrode entstanden sein. Vermutlich sind in dieser Zeit auch weitere Dörfer der Gegend gegründet worden, wie z. B. Mackenrode, Günzerode, Limlingerode, Liebenrode, Mauderode und Immenrode. Ein Beleg hierfür fehlt bislang allerdings. (Siehe auch -roda)

Die Ortschaft gehörte von Anfang des 11. Jahrhunderts bis 1256 zur Grafschaft Klettenberg, wurde daraufhin von den neuen Herren, den Grafen von Hohnstein, übernommen. Mit dem Tode Ernsts VII. im Jahre 1593 erlosch das regierende Haus Hohnstein im Harz und Etzelsrode sollte an den Rechtsnachfolger kommen, der jedoch erst „ermittelt“ werden musste. Nach Beendigung des Deutschen Bauernkriegs hielt der Graf von Klettenberg am Schiedunger Teich Gericht: Jeder Aufständische musste 4 Gulden Sühne an die Gerichtskasse in Ellrich zahlen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob Etzelsröder Bauern am Bauernaufstand beteiligt waren. Mit dem Erlöschen des Hohnsteinschen Adelsgeschlechts 1593 wurde die Grafschaft aufgeteilt. Das zur Kirchenaufsicht Klettenberg gehörende Etzelsrode fiel an das Kloster Walkenried. 1599 musste auch Etzelsrode einem Aufgebot Folge leisten. Das 6. Clettenberger Fähnlein wurde vom Landsassen Hans Heinrich von Watteroth als Kaptain geführt; zu ihm gehörten auch die Wehrmänner von Etzelsrode. Jedes Haus musste einen wehrfähigen Mann oder Ersatzmann stellen, die Zurückbleibenden hatten die Kosten zu tragen. Der Dorfschultheiß leitete die Dorfmannschaft, der wiederum einen Rottmeister mit der Übungsaufsicht beauftragte. Der Dorfverband setzte sich zusammen aus Schützen, Musketieren, Hellebardenträgern oder Spießern. Außerdem verwandte man als Waffen Gabeln, Bindeäxte, Morgensterne, Armbrüste und Seitengewehre. Die Etzelsröder Mannschaft setzte sich wie folgt zusammen:

Schultheiß: Caspar Ludwig Rottmeister: Daniel Merx und Balthasar Müller Schützen: Hans Kallmeyer, Heinrich Ostermann, Ludwig Wenkel, Hans Merx, Hans Baumgarten, Valentin Wenkel, Peter Ostermann, Andreas Rudolff, C. Höfer, Caspar Onekam, Caspar Wenkel und Jürg Steinkam Hellebarden: Hans, Dietrich und Heinrich Wenkel sowie Hans Sievert.

mini|links|Kirche mit ehem. Schule und GemeindehausDie Wenkel-Familie gab dem 245,7 m hohen Wenke(l)berg im Süden der Ortslage seinen Namen.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges blieb das Dorf weitgehend verschont: Es lag abseits der Heerstraßen und hatte weder Rittersitz, Kloster noch Gut, die Tribut versprochen hätten. 1624 hatte das Dorf 20 Gehöfte, die in einer Liste nun erstmals auch mit Hausnummer aufgeführt wurden, wobei fünf Grundstücke als Hintersiedler-Grundstücke und eines als Halbspänner benannt werden. Das anfängliche Glück blieb dem Dorf nicht hold: 1647 war es zu zwei Dritteln verwüstet, wobei sich ein ehemaliger, ortskundiger Knecht bei den Plünderungen besonders „bewährte“. Eine Urkunde im Staatsarchiv MagdeburgRep. A. 17a Landstände der Grafschaft Hohenstein Rep. A.L Xo Seite 121 betrifft Landesvisitation des Amtes Clettenberg vom 30. Juni bis 13. Juli 1647 weist nur noch fünf voll bewirtschaftete Güter auf (Heinrich Meyer, Paul Eisfeld, Andreas Siefert, Heinrich Gödecke und Jochen Müller), acht Güter sind überwiegend wüst. Es gab nur noch 6 Pferde, 15 Kühe, 10 Rinder, 22 Schweine, 107 Schafe und 4 Ziegen. Der Westfälische Friede bewirkte, dass Etzelsrode nunmehr brandenburgisch-preußisches Gebiet wurde. 1681 wurde das Dorf von der Pest heimgesucht, 1692 gab es eine große Überschwemmung. 1696 bewirkte ein Erlass der Regierung in Ellrich, dass Jungvermählte zwölf Bäume setzen mussten. So wurden viele Gärten und auch der Schänkeberg mit Bäumen bepflanzt. Die Dorfchronik erwähnt für die Zeit von 1700 bis 1938 einige Ereignisse, die aus heutiger Sicht unbedeutend und vielleicht nur für den Heimatforscher von Interesse sind. Im Winter 1938/39 endet die Chronik.mini|Eine Gesellschaft vor dem Gasthaus 1912

Herkunft des Namens Der Name lässt vermuten, dass jemand namens Etzel (Attila?) hier ein Stück Wald gerodet hat, um das Dorf zu gründen. Vielleicht lässt sich auch die Deutung des Flurnamens Etzelsbach des Ortes Etzelsbach, der als Ableitung von der althochdeutschen Bezeichnung für Elster – agaza bestimmt werden konnte, auf Etzelsrode anwenden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Ort ursprünglich Etzenrode genannt wurde, denn nach Aufzeichnungen des Nordhäuser Heimatforschers Hans Silberborth verschenkte im Jahre 1104 Erzbischof Ruthard einen neuerbauten Altar mit 5 Hufen Land zu Etzenrode.Karl August Jödecke: Ortschronik von Etzelsrode, 1938/39, Lagerort: Gemeindeverwaltung Etzelsrode

Frühere Besiedlung Ursprünglich erfolgte die Dorfbesiedlung entlang des Rodebachs, der früher zusammen mit den zahlreichen Quellen im Einzugsgebiet des Baches noch erheblich mehr Wasser führte als heute, da die Anhöhen Gratzunger und Etzelsröder Berg sowie Strutberg noch mit Busch und Wald bewachsen waren. Es kam gelegentlich zu Hochwassern, sodass die Fluten über die nur wenig über Bachniveau liegende „Dorfstraße“ und durch die Gärten und wohl auch in die Häuser drangen, insbesondere im tiefer liegenden, westlichen Dorfteil. Heute liegt die Bebauung höher, da man früher nicht ausschachtete, sondern auf das eingeebnete (Trümmer-)Grundstück eines Vorgängerbaues den Neubau errichtete. So wurde beispielsweise beim Ausschachten einer Güllegrube im Jahre 1936 auf dem „Hof Nr. 5“ in 1 m Tiefe ein gepflasterter Weg gefunden, der im Garten lag. Eine Dorfstraße im heutigen Sinn gab es nicht. Vom Westende aus führte entlang der rechten Häuserreihe ein Damm bis zum Pfarrhaus, der bis dahin gangbar war. Sodann musste der Rodebach in einer breiten Furt durchquert werden (heute ist dort eine breite Brücke). In Richtung östlicher Ortsausgang verengte sich der Weg derart, dass gerade ein Wagen hindurchpasste. Mehrfach wurde die Straße verbreitert (etwa 1830, 1865 und 1884), um den Verkehrsansprüchen gerecht zu werden. Die Häuser jenseits des Damms waren ebenfalls durch Furten erreichbar. Erst später, bis 1909 errichtete man Holz-, später Betonbrück(ch)en.

Jedes Gehöft besaß hinter dem Anwesen ein zugehöriges Stück Land, das etwa der Grundstücksbreite entsprach. Wald und Teile der Weide wurden gemeinschaftlich genutzt, ein Teil der Wiesen war Eigentum der herrschaftlichen Besitzer. Die Bauern durften jedoch nach der Ernte des Heus, also etwa nach dem Michaelistag Ende September, ihr Vieh gemeinsam auf diese Wiesen treiben. Auch die Wirtschaftshöfe von Burg Klettenberg, Gut Schiedungen und Gut Bliedungen hatten das Recht, ihre Schafe zu bestimmten Zeiten hier und auch auf den Wiesen der Besitzer zu hüten. Bis Pfingsten schonte man die Wiesen im Unkental, bis zum Jakobitag (25. Juli) durften sie nur von den 14 Ackerbesitzern und dem Pastor, später bis zum Herbst von allen Hüteberechtigten genutzt werden, auch von denen aus Bliedungen und Schiedungen. Das wurde in den Verträgen zu Dienst und Zins geregelt.

Die Ortschaft mit den ersten 15 Gehöften war von einem Weg umgeben, der weitestgehend noch heute den gleichen Verlauf aufweist. Die im Westen tangierende K 7 war auch damals schon der westliche Teil. Ein Feldweg zweigt im Nordwesten des Dorfes von der K 7 ab und verläuft hinter den Gärten in einem Bogen nach Osten, wo er kurz vor dem Ende der heutigen Dorfstraße auf diese trifft (früher kreuzte). Dann über- oder durchquerte er den Bach hinter dem Anwesen, das der heutigen Einmündung des Weges in die Dorfstraße gegenüberliegt. Hiernach führte er weiter auf den heute im Süden verlaufenden Feldweg bis etwa 100 m vor der heutigen Einmündung in die K 7. Schließlich machte er einen Knick nach Nordwesten und bildete nach etwa 180 m den westlichen Dorfrand (heutige K 7), um nach rund 200 m wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Man kann also noch heute diesen Weg fast vollständig beschreiten.

Bereits um 1581 ist eine Schänke für das Dorf beurkundet. Sie befand sich am Anger, dem dreieckigen Platz, der mit Birnbäumen bestanden war. Heute ist dieses Areal an der Südwestecke des Dorfes bebaut. Schänken errichtete man früher außerhalb der Dorflage an einem Durchgangsweg, damit das fahrende Volk nicht zu weit ins Dorf kam. Zur Schänke gehörte meistens eine Schmiede. So konnte der Gastwirt als Schmied zusätzlich an Pferden und Wagen der durchziehenden Gäste verdienen. Die Werkzeug- und Waffenherstellung gehörte zum Beruf. Zudem waren die Schmiede naturbedingt starke Männer, die für Ordnung im Herbergsbetrieb sorgen und auch ehrsamen Gästen Schutz bieten konnten. Nach 1750 baute der Gastwirt, Huf- und Waffenschmiedemeister Johann Elias Buchmann eine Schänke als Fachwerkbau „Zum Stern“, die im oberen Stockwerk sogar einen Saal besaß. Bereits vier Jahre später starb Buchmann im Alter von 52 Jahren und hinterließ neben anderem eine Darlehensschuld von 100 Talern, die er zum Bau des Hauses aufgenommen hatte und die jetzt die Gemeinde zurückzahlte. Die Gemeinde übernahm nun das Grundstück und verpachtete fortan die Schänke. Auch der nächste Pächter starb schon nach vier Jahren 1759 im Alter von 39 Jahren. Nach dem Siebenjährigen Krieg musste die Gemeinde zur Abgeltung ihrer Schulden die Schänke verkaufen. Am 1. Juli 1939 wurde die Konzession für das über 200 Jahre lang betriebene Gasthaus zurückgegeben.

Heutige Besiedlung