Das Gebiet Pfrunger-Burgweiler Ried ist ein Naturschutzgebiet (NSG-Nummer 4.028) in den baden-württembergischen Landkreisen Ravensburg und Sigmaringen in Deutschland. Teile des heutigen Naturschutzgebietes standen schon seit 1939 unter Naturschutz. Durch die aktuell gültige Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen vom 21. Februar 2017 wurde das Naturschutzgebiet neu verordnet und erheblich erweitert.
Das Naturschutzgebiet ist Bestandteil des FFH-Gebiets Pfrunger Ried und Seen bei Illmensee und des Vogelschutzgebiets Pfrunger und Burgweiler Ried.
Lage Das heute rund 1015 Hektar große Naturschutzgebiet Pfrunger-Burgweiler Ried gehört naturräumlich zum Oberschwäbischen Hügelland. Es liegt etwa drei Kilometer südlich der Ostracher Ortsmitte und schließt unmittelbar nordwestlich an Wilhelmsdorf an. Es liegt auf einer Höhe von ungefähr und verteilt sich auf die vier Kommunen Königseggwald (47,4 ha), Ostrach (864,6 ha), Riedhausen (89,4 ha) und Wilhelmsdorf (506,6 ha).
Es umfasst damit den Großteil des gleichnamigen Moor- und Feuchtgebiets Pfrunger-Burgweiler Ried.
Bedeutung Das „Pfrunger-Burgweiler Ried“ ist ein hochwertiges Feuchtgebiet, das Lebensraum zahlreicher geschützter Pflanzen und großräumiges Aufenthalts-, Rast-, Äsungs- und Nistgebiet vieler in der Roten Liste enthaltenen Vogelarten ist. Die Vielfalt der Fauna (Anzahl verschiedener Tierarten in einem Landschaftsraum), die Vielfalt der Flora (Anzahl verschiedener Pflanzenarten in einem Landschaftsraum) und die Vielfalt der Vegetation (Anzahl verschiedener Pflanzengesellschaften in einem Landschaftsraum) machen das Ried besonders schutzwürdig.
Schutzzweck Wesentlicher Schutzzweck ist laut Schutzgebietsverordnung „die Erhaltung eines der bedeutendsten Moorgebiete Süddeutschlands als Lebensraum einer artenreichen, charakteristischen und teilweise stark gefährdeten Tier- und Pflanzenwelt sowie als Rastgebiet gefährdeter Vogelarten; die Erhaltung und Optimierung der naturnahen Moorkomplexe und Regeneration der degradierten Moorbereiche in der Kernzone mit dem Ziel, selbstregulative Entwicklungen zu fördern, die Erhaltung und Optimierung der landwirtschaftlich genutzten Grünlandbereiche der Pflege- und Extensivierungszone als Lebensraum einer charakteristischen Tierwelt und Nahrungsbiotop gefährdeter Vogelarten; die Erhaltung und Entwicklung der im Schutzgebiet vorkommenden Lebensräume von europäischer Bedeutung, die in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführt sind; die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten der im Schutzgebiet vorkommenden Arten von europäischer Bedeutung, die in Anhang II der FFH Richtlinie aufgeführt sind, die Erhaltung und Entwicklung der Lebensstätten der im Naturschutzgebiet vorkommenden Vogelarten von europäischer Bedeutung [...]; die Erhaltung des Moorgebietes als Anschauungsobjekt von hohem wissenschaftlichem Interesse; die Erhaltung der von Grünland und Waldbeständen geprägten, reizvollen Landschaft des Pfrunger-Burgweiler Riedes.“
Geschichte Erste Unterschutzstellungen gab es bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Da die ehemalige badisch-württembergische Grenze sich durch das Moorgebiet zieht, wurden die badischen und die württembergischen Gebietsteile zu dieser Zeit noch in getrennte Verordnungen gefasst. Auf badischer Seite im Landkreis Überlingen wurde am 10. Februar 1939 vom badischen Kultusministerium das Naturschutzgebiet „Große Trauben“ ausgewiesen. Auf württembergischer Seite im Landkreis Ravensburg folgte am 18. Juli 1941 das vom württembergische Kultminister verordnete Naturschutzgebiet „Pfrunger Ried“. Beide wurden mit einer Neuverordnung am 20. November 1980 durch das Regierungspräsidium Tübingen unter dem Namen „Pfrunger-Burgweiler Ried“ zusammengelegt.
Am 9. Januar 2017 wurde das Gebiet infolge eines Naturschutzgroßprojekts durch eine Neuverordnung durch das Regierungspräsidium Tübingen erheblich vergrößert. Dabei wurden auch die bisher eigenständigen Naturschutzgebiete Laubachmühle, Überwachsener See und Mühlebach in das neue Schutzgebiet integriert. Die dauerhafte Sicherung des Projektgebietes als Naturschutzgebiet war eine Förderbedingung für das aus Bundesmitteln geförderte Naturschutzgroßprojekt.
Flora und Fauna Flora mini|Kratzbeere Im „Pfrunger-Burgweiler Ried“ sind über 570 Pflanzenarten erfasst. Artenliste der Pflanzen im Pfrunger-Burgweiler-Ried Farne {| width="100%" | width="50%" valign="top" | Breitblättriger Dornfarn (Dryopteris dilatata) Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) Gewöhnlicher Dornfarn (Dryopteris carthusiana) | width="50%" valign="top" | Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) Kammfarn (Dryopteris cristata) Sumpffarn (Thelypteris palustris) Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
Moose {| width="100%" | width="50%" valign="top" | Berg-Gabelzahnmoos (Dicranum montanum) Braunes Gabelzahnmoos (Dicranum fuscescens) Bruchblattmoos (Dicranodontium denudatum) Eibenblättriges Spaltzahnmoos (Fissidens taxifolius) Einseitswendiges Kleingabelzahnmoos (Dicranella heteromalla) Gemeines Weißmoos (Leucobryum glaucum) Gemeines Widertonmoos (Polytrichum commune) Georgsmoos (Tetraphis pellucida) Gewelltblättriges Gabelzahnmoos (Dicranum polysetum) Gewöhnliches Gabelzahnmoos (Dicranum scoparium) Haarfarnähnliches Spaltzahnmoos (Fissidens adianthoides) Kaktusmoos (Campylopus introflexus) Königsfarnähnliches Spaltzahnmoos (Fissidens osmundoides) | width="50%" valign="top" | Kropfiges Kleingabelzahnmoos (Dicranella cerviculata) Moor-Gabelzahnmoos (Dicranum bergeri) Purpurstieliges Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus) Schönes Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum) Steifblättriges Frauenhaar (Polytrichum strictum) Sumpf-Gabelzahnmoos (Dicranum bonjeanii) Sumpf-Stumpfdeckel (Amblystegium saxatile) Torf-Krummstielmoos (Campylopus pyriformis) Wacholder-Widertonmoos (Polytrichum juniperinum) Wellenblättriges Katharinenmoos (Atrichum undulatum) Wetteranzeigendes Drehmoos (Funaria hygrometrica) Zierliches Widertonmoos (Polytrichum longisetum)
Samenpflanzen Die Pflanzen sind innerhalb der Familien alphabetisch sortiert. {| width="100%" | width="44%" valign="top" | Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) Bärlauch (Allium ursinum) Europäischer Duft-Lauch (Allium suaveolens) Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum) Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) Weiße Narzisse (Narcissus poeticus)
Araliengewächse (Araliaceae) Gewöhnlicher Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris)
Aronstabgewächse (Araceae) Dreifurchige Wasserlinse (Lemna trisulca) Gefleckter Aronstab (Arum maculatum), siehe Illustration Kleine Wasserlinse (Lemna minor L.)
Balsaminengewächse (Balsaminaceae) Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere) Kleines Springkraut (Impatiens parviflora)
Bärlappgewächse (Lycopodiaceae) Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum)
Berberitzengewächse (Berberidaceae) Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris)
Binsengewächse (Juncaceae) Alpen-Binse (Juncus alpinus) Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa) Blaugrüne Binse (Juncus inflexus) Feld-Hainsimse (Luzula campestris) Flatter-Binse (Juncus effusus) Glieder-Binse (Juncus articulatus) Knäuel-Binse (Juncus conglomeratus) Kröten-Binse (Juncus bufonius), siehe Illustration Platthalm-Binse (Juncus compressus) Stumpfblütige Binse (Juncus subnodulosus) Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora) Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides) Zarte Binse (Juncus tenuis)
Birkengewächse (Betulaceae) Gemeine Hasel (Corylus avellana) Grau-Erle (Alnus incana) Hainbuche (Carpinus betulus) Hänge-Birke (Betula pendula) Moor-Birke (Betula pubescens) Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Strauch-Birke (Betula humilis)
Blumenbinsengewächse (Scheuchzeriaceae) Blumenbinse (Scheuchzeria palustris)
Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) Geflügelte Braunwurz (Scrophularia umbrosa) Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa) Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)
Brennnesselgewächse (Urticaceae) Große Brennnessel (Urtica dioica) Kleine Brennnessel (Urtica urens)
Buchengewächse (Fagaceae) Rotbuche (Fagus sylvatica) Stieleiche (Quercus robur)
Dickblattgewächse (Crassulaceae) Große Fetthenne (Hylotelephium telephium)
Doldenblütler (Apiaceae) Behaarter Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) Echter Kümmel (Carum carvi) Gewöhnlicher Klettenkerbel (Torilis japonica) Giersch (Aegopodium podagraria) Gold-Kälberkropf (Chaerophyllum aureum) Große Bibernelle (Pimpinella major) Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga) Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia) Möhre (Daucus carota) Preußisches Laserkraut (Laserpitium prutenicum) Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) Schmalblättriger Merk (Berula erecta) Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre) Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) Wasserschierling (Cicuta virosa) Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
Dreizackgewächse (Juncaginaceae) Sumpf-Dreizack (Triglochin palustris)
Enziangewächse (Gentianaceae) Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) Frühlings-Enzian (Gentiana verna) Gewöhnlicher Fransenenzian (Gentianopsis ciliata) Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) Sumpfenzian (Swertia perennis)
Fieberkleegewächse (Menyanthaceae) Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae) Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis)
Froschlöffelgewächse (Alismataceae) Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) Spreizende Melde (Atriplex patula) Vielsamiger Gänsefuß (Lipandra polysperma) Weißer Gänsefuß (Chenopodium album)
Germergewächse (Melanthiaceae) Einbeere (Paris quadrifolia) Weißer Germer (Veratrum album)
Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) Echter Baldrian (Valeriana officinalis) Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella locusta) Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis) Kleiner Baldrian (Valeriana dioica) Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) Weber-Karde (Dipsacus sativus)
Glockenblumengewächse (Campanulaceae) Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium) Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula) Buschwindröschen (Anemone nemorosa) Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) Haarblättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus trichophyllus) Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) Scharbockskraut (Ficaria verna) Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris) Sumpfdotterblume (Caltha palustris) Trollblume (Trollius europaeus) Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum) Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua)
Hanfgewächse (Cannabaceae) Echter Hopfen (Humulus lupulus), siehe Illustration
Hartriegelgewächse (Cornaceae) Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
Heidekrautgewächse (Ericaceae) Besenheide (Calluna vulgaris) Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon) Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) Kleines Wintergrün (Pyrola minor) Moosauge (Moneses uniflora) Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) Rosmarinheide (Andromeda polifolia) Rundblättriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia)
Hornblattgewächse (Ceratophyllaceae) Raues Hornblatt (Ceratophyllum demersum)
Hülsenfrüchtler (Fabaceae) Berg-Klee (Trifolium montanum) Besenginster (Cytisus scoparius) Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria) Faden-Klee (Trifolium dubium) Feld-Klee (Trifolium campestre) Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) Hopfenklee (Medicago lupulina) Kriechende Hauhechel (Ononis repens) Mittlerer Klee (Trifolium medium) Schweden-Klee (Trifolium hybridum) Spargelerbse (Lotus maritimus)