mini|hochkant=1.25|Im Mengener Stadtwald mini|hochkant=1.25|Sturmschaden in Folge des Orkans Niklas im Pfullendorfer Spitalwald; April 2015 mini|hochkant=1.25|Herbst im Pfullendorfer Spitalwald
Der Weithart ist ein Waldgebiet im Bereich der Gemeinden Krauchenwies und Ostrach sowie der Städte Mengen und Pfullendorf im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen in Deutschland.
Name Wie bei der Deutung des Namens vielfach angenommen wird, ist der Weithart nicht der „weite Hart“. „Wit“ oder „Weit“ und „Hart“ sind uralte Bezeichnungen für „Wald“ oder „Holz“. Die Bedeutungen der Wörter waren denen, die sie zu „Weit-Hart“ (= „Wald-Wald“) zusammensetzten, wohl nicht mehr bekannt. – Ein ehemaliger Name des Weithart war Mitte des 15. Jahrhunderts „Huserhart“.
Geographie Lage Das rund 21,2 QuadratkilometerTop25 Viewer [Top. Karte 1:100000 Baden-Württemberg] große Waldgebiet erstreckt sich in einer maximalen Nord-Süd-Ausdehnung von rund zehn Kilometern und fünfeinhalb Kilometern in Ost-West-Richtung südlich von Mengen und seinem Ortsteil Rulfingen, westlich des Mengener Ortsteils Rosna sowie der Ostracher Teilorte Habsthal, Levertsweiler und Magenbuch-Lausheim, nördlich der Pfullendorfer Ortsteile Mottschieß und Schwäblishausen sowie östlich von Krauchenwies und dessen Ortsteil Hausen am Andelsbach.
Landschaftlich gehört der auf einer Höhe zwischen rund im „Stangenhau“ und im Krauchenwieser Wald liegende Weithart dem südwestdeutschen Alpenvorland an, dieses wird in Alt- und Jungmoräne unterschieden. Der gesamte Weithart liegt im Bereich der Altmoräne, das heißt, das Ausgangsmaterial zur Bodenbildung entstammt der Riß-Kaltzeit. Nach Rückzug des Eises entwickelten sich aus dem am Grund der Gletscher mitgeführten Erdmaterial die heute rund 200.000 Jahre alten Böden. Die feinen, tonigen Bestandteile haben sich vielfach nach unten verlagert und wasserstauende Schichten gebildet. Als Folge davon sind im Weithart großflächige Stauwasserböden vorhanden.
Gliederung Der Weithart ist heute unter den vier Anliegerkommunen Krauchenwies, Mengen, Ostrach und Pfullendorf aufgeteilt.Persönliche Information des Landratsamts Sigmaringen, Fachbereich Forst, Forstl. Geschäftsführer Günter Jochum (26. November 2015) und „Waldortkarte, Blatt 23“ mit Stand vom 27. Juli 2015E-Mail des Landratsamts Sigmaringen, Fachbereich Forst, Forstl. Geschäftsführer Günter Jochum, vom 29. Dezember 2015: „Die Wälder werden in Distirkte und Abteilungen eingeteilt nicht in Abschnitte.“ mini|hochkant=1.25|Kennzeichnung im Stadtwald Mengen Krauchenwieser Wald Distrikt 7: „Krauchenwieser Weithart“, mit den Abteilungen 1 „Turm“ 2 „Kreuzhäule“ 3 „Verbranntes Stück“ 4 „Mösle“ 5 „Rosshimmel“ Distrikt 8: „Hauser Weithart“, mit den Abteilungen 1 „Lehmgrube“ 2 „Franzosenschlag“ 3 „Rossgottsacker“ 4 „Veris Winkel“ 5 „Hohe Tann“ 6 „Hochrucken“ Distrikt 9: „Stückle“ Distrikt 11: „Hauser Hau“ mit den Abteilungen 1 „Wolfsacker“ 2 „Fuchsbühl“ Stadtwald Mengen Distrikt 6: „Bremer Wald“, mit den Abteilungen 1 „Unteres Bremerholz“ 2 „Oberes Bremerholz“ 3 „Vorderer Granerweg“ 4 „Hinterer Granerweg“ 5 „Vorderer Granerbirken“ 6 „Granerbirken“ Distrikt 7: „Stangenhau“, mit den Abteilungen 1 „Aspenhäule“ 2 „Vordere Lehmgrube“ 3 „Hintere Lehmgrube“ 4 „Vorderes Handbühle“ 5 „Hinteres Handbühle“ 6 „Vorderer Totenweg“ 7 „Hinterer Totenweg“ 8 „Vorderer Kismersöhmd“ 9 „Kiesgrube“ 10 „Golpenhau“ 11 „Trinktrög“ 12 „Vorderer Rosnaer Fußweg“ 13 „Mittlerer Rosnaer Fußweg“ 14 „Hinterer Rosnaer Fußweg“ 15 „Reifental“ 16 „Hinterer Kismersöhmdweg“ 17 „Finsterhölze“ 18 „Hinterer Golpenhau“ 19 „Granertölle“ 20 „Rappenwinkel“ 21 „Rosnaer Gatter“ 22 „Hochberg“ Distrikt 8: „Burkhardshauser Wald“, mit den Abteilungen 1 „Vorderer Burkhardshauser“ 2 „Hinterer Burkhardshauser“ 3 „Hardäcker“ 4 „Frostloch“ 5 „Gügele“ 6 „Schatzkammer“ 7 „Fuchshalde“ 8 „Fohrenwäldle“ 9 „Hinteres Fohrenwäldle“ 10 „Schauberthau“ 11 „Hirschsoppen“ 12 „Gähstich“ 13 „Gmeinertratt“ Distrikt 9: „Rosnaer Wald“, mit den Abteilungen 1 „Vorderes Golpenriedle“ 2 „Hinteres Golpenriedle“ 3 „Bühlhäule“ 4 „Weiherhalde“ 5 „Goldbach“ 6 „Grabhügel“ 7 „Vorderer Habsthaler Spitz“ 8 „Kohlhau“ 9 „Hinterer Habsthaler Spitz“ 10 „Kleinerswies“ 11 „Hinterer Weithart“ 12 „Vorderer Weithart“ Distrikt 10: „Rulfinger Wald“, mit den Abteilungen 1 „Gekaufte Wälder“ 2 „Langhau“ 3 „Hauser Häule“ 4 „Vorderer Steighau“ 5 „Hinterer Steighau“ 6 „Vorderes Ameisenhäule“ 7 „Soppen“ 8 „Hinteres Ameisenhäule“ 9 „Roßbühlhau“ 10 „Kohlgrube“ 11 „Rabatten“ 12 „Härdtmösle“ 13 „Weithart“ 14 „Hohe Dohle“ 15 „Schönenberg“ 16 „Hintere Bäbeleseich“ 17 „Roßbühlau“ 18 „Weißes Moos“ 19 „Schwarzes Moos“ 20 „Vorderes Waldfeld“ 21 „Hinteres Waldfeld“ 22 „Schwarzer Graben“ 23 „Vorderes Hauser Ösch“ 24 „Hinteres Hauser Ösch“ 25 „Kronenwirtswies“ 26 „Vordere Anderweite“ 27 „Hintere Anderweite“ 28 „Vordere Bäbeleseich“ 29 „Schweingrube“ 30 „Unteres Schwarzes Moos“ 31 „Levertswiesen“ 32 „Hauserrücken“ 33 „Finsterhölzle“ Ostracher Wald Distrikt 15: „Weithart“, mit den Abteilungen 1 „Magenbucher Weithart“ 2 „Lausheimer Weithart“ 3 „Stückle“ Distrikt 16: „Levertsweiler Weithart“, mit den Abteilungen 1 „Aufgehender“ 2 „Langer Graben“ 3 „Am Munilager“ 4 „Amerika“ Spitalwald Pfullendorf Distrikt XX: „Hochholz“, mit den Abteilungen 1 „Mösle“ 2 „Hohholz“ 3 „Hürsten“ 5 „Lauser Teich“ Stadtwald Pfullendorf Distrikt VII: „Weithart“, mit den Abteilungen 1 „Beim Schaftrieb“ 2 „Kohlhau“ 3 „Am Lauserteichle“ 4 „Geishalde“ 6 „Lauser Teich“ 7 „Barrochsenhau“ 8 „Am Spitalholz“ 9 „Mottschießer Wald“ 10 „Schwäblishauser Wald“
Klima Im Weithart herrscht ein kontinental geprägtes Klima mit hoher Neigung zu Früh- und Spätfrösten. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 7,1 °C, und im Durchschnitt der letzten einhundert Jahre fielen, bedingt durch den Regenschatten der Schwäbischen Alb, nur rund 750 Millimeter Niederschlag im Jahr.
Gewässer mini|hochkant=1.25|Lausheimer Weiher Der Weithart wird im Norden vom Ablach-, im Westen vom Andelsbach- und im Osten vom Ostrachtal begrenzt.
Zur Ablach wird das Waldgebiet vom Elzenbrühl-, Fohrenhäule-, Goldbuch-, Mittlererweg-, Schwefelgraben und Krauchenwieser Dorfbach, zum Andelsbach vom Semmebach sowie zur Ostrach vom Fohrenstockgraben entwässert.
Lausheimer Weiher Der Lausheimer Weiher am Rande des Weitharts, das einzige Gewässer dieses Typs und dieser Größe in der Umgebung, wurde ursprünglich vom Kloster Habsthal als Fischweiher angelegt.Josef Mühlebach: Aus der Geschichte der Wasserversorgung Hausen a. A. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat, 18. Jahrgang, Nr. 3/1968, S. 44–46, hier S. 45f. Später trieb die Kraft des Wassers die Mahlgänge der Lausheimer Mühle an.
Schutzgebiete Im Norden, zwischen Rulfingen, Rosna und Mengen, ist der Weithart Teil des Naturparks Obere Donau, ein Gebiet mit ökologisch wertvollen, vielfältigen Lebensräumen.
Südwestlich der Kreuzung der Landesstraßen 268 und 286 liegt auf einer Höhe von das elf Hektar große Naturschutzgebiet „Schwarzes Moos“ (). Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung eines Gebietes mit landschaftstypischen und kulturhistorisch bedeutenden Wiesenbiotopen, die als Lebens- und Rückzugsbereich einer artenreichen und gefährdeten Pflanzen- und Tierwelt dienen und ein Relikt des letzten historischen Kompromissplatzes im Weithart sind., Abschnitt „Schutzzweck“
Darüber hinaus sind das Landschaftsschutzgebiet „Lausheimer Weiher“ und im gesamten Gebiet 22 Biotope zum Schutz von Landschaft, Fauna und Flora ausgewiesen.
Biotope im Bereich des WeithartsAnmerkung zu 'Lage': K = Krauchenwies, M = Mengen, O = Ostrach Name Schutzgebiet-Nummer Lage Größe[ ha ] Bemerkung Altholz SW Krauchenwies 279214370304 K 1,0524 strukturreiches Altholz auf exponiertem Hang Bacheschenwald im Ameisenhau SW Rulfingen 279214371177 M 1,4068 Seltene naturnahe Waldgesellschaft Bacheschenwald S Rulfingen 279214371175 M 0,3634 seltene naturnahe Waldgesellschaft Buchen-Altholz N Rosna 279214371183 M 0,5688 seltene naturnahe Waldgesellschaft Buchen-Altholz Störenberg N Lausheim 280214370362 O 1,0151 seltene naturnahe Waldgesellschaft Buchenwald im Ameisenhau SW Rulfingen 279214371184 M 0,8644 seltene naturnahe Waldgesellschaft Buchenwald O Krauchenwies 279214370014 K 5,5683 seltene naturnahe Waldgesellschaft mit Buchenbaumhölzern Buchenwald SO Krauchenwies 279214370938 K 1,6019 seltene naturnahe Waldgesellschaft Buchenwälder NW Habstal 280214370361 O 2,4675 seltene naturnahe Waldgesellschaft Erlen-Eschenwald W Rosna 279214370018 M/O 0,4601 seltene naturnahe Waldgesellschaft in nasser Mulde Feuchtgebiet W Habsthal 280214370051 O 0,2420 Moorbereich und Feuchtbiotop Fichten-Moorrandwald SW Magenbuch 280214370074 O 10,6308 seltene naturnahe Waldgesellschaft Hochstaudenflur südlich Mengen 179214371761 M 0,1909 Gebiet von lokaler Bedeutung Quellen und Bach SW Rosna 279214371186 M/O 0,1909 Quellen und naturnaher Bachabschnitt Quellen und Bäche O Rulfingen 279214371171 M 0,2658 Quellen und anschließende kleine Waldbäche Quellwald S Krauchenwies 279214370006 K 1,3096 seltene naturnahe Waldgesellschaft mit Eschen-Altholz Röhricht SO Rulfingen 279214371431 M 0,2862 Moorbereich und Feuchtbiotop Schilfröhricht am Waldrand S Rulfingen 179214379047 M 0,0444 Gebiet von lokaler Bedeutung Seggenried im Tafelweihertal 179214371504 M 0,6181 Gebiet von lokaler Bedeutung und guter Ausprägung Tümpel S Krauchenwies 280214370921 K 0,0053 kleiner Tümpel mit Verlandungsbereichen Tümpel Weithart W Rosna 279214371517 O 0,0867 zwei Stillgewässer Weiher SO Krauchenwies 279214370016 K 0,1608 um 1950 angelegter Weiher mit Verlandungsbereichen und Insel
Wasserschutzgebiete Südwestlich von Rosna ist das rund 242 Hektar große Wasserschutzgebiet „Fohrenstock-Kohlhau“ (WSG-Nr-Amt 437.085), nordöstlich von Rulfingen das Wasserschutzgebiet „Messkircher Straße“ (WSG-Nr-Amt 437.014) ausgewiesen. Beide dienen der Sicherung der öffentlichen Wasserversorgung.Wasserschutzgebiete und weiterführende Links auf der Seite der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW); abgerufen am 20. November 2015
Geschichte Hügelgräber Erste Spuren im Gebiet des heutigen Weitharts fanden sich im Gewann „Fohrenstock“ (). 1854 wurden durch Carl Freiherr von Mayenfisch, seit 1846 Leiter der Fürstlich Hohenzollerischen Sammlungen und der Bibliothek in Sigmaringen, hier drei Grabhügel geöffnet, die Grabbeigaben konnten der späten Hallstattzeit um 500 v. Chr. zugeordnet werden. Weitere zwei Gräber liegen im Grunheimer Holz (), fünf im Stangenhau (/) sowie ein Grab beim Roßbühl ().
Römerzeit Die Römer unterwarfen 15 v. Chr. die im Alpenvorland zwischen Bodensee und Inn siedelnde keltische Stämmegruppe der Vindeliker und kultivierten das Gebiet. Zwei Römerstraßen führten durch das Gebiet: eine von Altshausen über Ostrach, Wangen, Bernweiler, Habsthal und Krauchenwies nach Sigmaringen, eine andere, wohl ältere, von Pfullendorf über Mottschieß durch den Weithart nach Mengen.
Mittelalter Bis etwa zum 8./12. Jahrhundert blieb der Wald unberührt, erst zu dieser Zeit wurde der Weithart im Zuge der von Donau und Bodensee einsetzenden Besiedlung erschlossen. Zwischen 1200 und 1740 wurde der Weithart gemeinsam benutzt: Brenn- und Bauholznutzung waren die damaligen Hauptnutzungen, Waldweide, Gras-, Streu- und Moosnutzung sowie Köhlerei, Harz- und Rindengewinnung waren die wichtigsten Nebennutzungen.
Aufgrund einer 1948 im „Hirschsoppenmoor“ durchgeführten Pollenanalyse konnte man die Zusammensetzung des Urwaldes bis zum 12. Jahrhundert, das heißt, vor Einflussnahme des Menschen, bestimmen: Bäume des Weitharts um 1200 Fichten Tannen Kiefern Σ Nadelbäume Buchen Eichen andere* Σ Laubbäume 5 % 3 % 23 % 31 % 13 % 9 % 47 % 69 % * unter anderem Erlen, Eschen, Weiden, Birken
Erschließung Nutzung mini|hochkant=1.25|Ein Teil des Weitharts auf einer Karte mit der „Beschreibung des ostrachischen Bezirks“ aus dem Jahr 1697