Der Verband für queere Menschen in der Psychologie e.V. (VLSP*) ist ein bundesweit aktiver gemeinnütziger Verein. Er besteht seit 1993. Seine Mitglieder sind hauptsächlich LSBTIQ-Menschen mit einer Berufstätigkeit im Bereich der Psychologie. Mit seinen Empfehlungen zur Psychotherapie und Beratung mit lesbischen, schwulen und bisexuellen Klient_innen erreichte der VLSP* 2015 fachlich internationale Wahrnehmung durch IPsyNet, eine Unterorganisation der American Psychological Association (APA).apa.org Die Empfehlungen fanden Eingang in deren Sammlung Guidelines and Practice Position Statements, die bei der Ausbildung von Psychologen in Bezug auf sexuelle Orientierungen Hilfestellung geben soll.
Ziele Der VLSP* sieht sein Verbandsziel in der Förderung der wissenschaftlichen Psychologie und veranstaltet zusammen mit Partnern ein jährliches Fachtreffen. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Theorie und Praxis der Psychologie, welche die Lebensweise von LSBTIQ (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans, Inter und Queeren Menschen) zum Gegenstand hat. Die Tätigkeit des Vereins erstreckt sich auf LSBTIQ-Menschen, die Fachöffentlichkeit und die allgemeine Öffentlichkeit. Der VLSP* gilt als Plattform des Austausches für praktisch und forschend arbeitende Kollegen im Bereich der lsbtiq-Psychologie.M. Göth, R. Kohn: Sexuelle Orientierung in Psychotherapie und Beratung. Springer, Heidelberg 2014. Eine wichtige Aufgabe sieht der Verband in der Unterstützung und Weiterverweisung von Klienten, z. B. bei der Suche nach einem Psychotherapieplatz. Die Webseite des VLSP stellt hierzu und zu psychologischen Gesundheitsthemen viele Informationen für lsbtiq-Menschen bereit. Die Webseite ist als Website mit vertrauenswürdigen medizinischen Informationen HON-zertifiziert.Abfragemeldungen bei hon.ch Auf den VLSP als Informationsquelle für Menschen, die psychologische Beratung oder Psychotherapie im lsbtiq-Bereich suchen, wird mittlerweile bundesweit von unterschiedlichen Organisationen und Initiativen verwiesen.Coming-out-Broschüre (PDF; 8,6 MB) des Netzwerk lsbttiq vom November 2015.Was kostet ein Beratungsgespraech – plus-mannheim.de bei der Mediathek gegen RassismusLinks bei denktraeume.de Der Verein engagiert sich gesundheitspolitisch in Form von Stellungnahmen und Aktionen gegen sogenannte KonversionstherapienChristival, Bremen 30.4. – 4. 5.2008. mission-aufklaerung.de und andere Praktiken im Gesundheitswesen, die LSBTIQ-Menschen diskriminieren.
Ziele sind laut der Website des Verbandes:
die Schaffung eines Netzwerks zur Unterstützung aller in psychologischen Berufsfeldern tätigen Menschen, die sich mit den Themen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Vielfalt auseinandersetzen wollen. die Förderung und Entwicklung affirmativer psychologischer Theorien zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt in Forschung, Lehre, Weiterbildung und praktischer Anwendung. das Aufzeigen und Bekämpfen von LSBTIQ*-feindlichen Tendenzen in der Psychologie und in der Gesellschaft. Präsenz zeigen und Stellung beziehen als fachliche Stimme in der Öffentlichkeit. die Förderung einer Psychologie, die keine Bevölkerungsgruppe diskriminiert, sondern zum Wohle aller Menschen tätig ist. die Förderung einer Psychologie, die sich als Wissenschaft zum Verständnis der Menschen untereinander sieht und dazu wissenschaftliche und lebenspraktische Hilfen gibt. die Förderung einer Psychologie als Arbeitsfeld für Wissenschaftler und Praktiker, die sich gegenseitig achten, anerkennen und die Unterschiedlichkeit der jeweils anderen Person als Bereicherung der Psychologie verstehen.
Struktur und Zahlen
Im Verband sind – mit steigender Tendenz – 349 Mitglieder (Stand: Jan 2023. Information durch den Vorstand). Mitgliedschaft: Nur natürliche Personen können Mitglied werden. Vorausgesetzt wird, dass sie die Ziele des Vereins unterstützen und auf dem Gebiet der Psychologie tätig sind. Dabei wird in der Regel ein akademischer Abschluss in der Psychologie oder einem verwandten Fach vorausgesetzt, aber auch Studierende dieser Fächer können Mitglieder werden. Alternativ zu einem Studium der Psychologie ist für die Mitgliedschaft auch z. B. ein Studium der Pädagogik, Sozialpädagogik oder Medizin gängige Voraussetzung.Beitritt – VLSP-Homepage Mitgliederversammlung: das höchste Gremium des Verbandes ist die Mitgliederversammlung, in der jedes Mitglied eine Stimme hat und die mindestens jährlich tagt. U.a. wählt sie den Vorstand. Zumeist findet die Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung statt.Fachtreffen – VLSP-Homepage Vorstand: der Vorstand besteht aus drei bis sieben Personen, wobei großer Wert auf eine vielfältige Geschlechterrepräsentanz gelegt werden muss. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Satzungsgemäße Organe des Vereins sind ausschließlich die Mitgliederversammlung und der Vorstand.Vorstand – VLSP-Homepage Jahrestagung: In fast jedem Jahr seit der Vereinsgründung wurde eine Jahrestagung oder ein Kongress abgehalten. Hier werden unterschiedliche Vorträge, Seminare oder Workshops aus dem Bereich der lsbtiq-Psychologie angeboten. Üblicherweise findet in diesem Rahmen die Mitgliederversammlung statt.Fachtreffen – VLSP-Homepage Regionalgruppen: Es bestehen Regionalgruppen in Berlin, Hamburg, Stuttgart und dem Ruhrgebiet (Stand 2015). Die Regionalgruppen fördern den kollegialen Kontakt vor Ort und stärken die Vernetzung. Einige der Regionalgruppen sind als Qualitätszirkel oder Intervisionsgruppe von den Psychotherapeutenkammern offiziell akkreditiert.Regionalgruppen – VLSP-Homepage Arbeitsgruppen (AG): Für thematische Projekte bestehen regional unabhängige Arbeitsgruppen, z. B. Homepageredaktion, Trans-Arbeitsgruppe, AG für affirmative Therapiefortbildung. Frühere AGs setzten sich u. a. mit der Entwicklung von Empfehlungen zum psychologischen/psychotherapeutischen Umgang mit LSB-Klienten auseinander. Eine andere AG startete eine Umfrage nach lsbtiq-freundlichen Psychotherapiekliniken. AGs sollen den Mitgliedern die Möglichkeit eröffnen, sich für bestimmte Projekte besonders zu engagieren.Arbeitsgruppen – VLSP-Homepage
Verbandsleben Der VLSP setzt sich thematisch z. B. mit Diversitytrainings, Belangen Transpersonen oder Leitlinienentwicklung zu affirmativen Behandlungsansätzen (z. B. Beratung von Klienten bei internalisierter Homophobie) auseinander. Zumeist im Frühjahr findet eine Jahrestagung der Verbandsmitglieder statt. Darüber hinaus stehen die Mitglieder über die Homepage, Mailinglisten, Regional- und themenspezifische Fachgruppen in Verbindung. Dies trägt zur Stärkung der Mitglieder bei und verbessert den Zusammenhalt im Bundesverband. Der Verband kooperiert mit zahlreichen lsbtiq-Beratungsstellen und Professionellen; ein Beispiel hierfür ist die Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar (PLUS).Über uns – plus-mannheim.de Über IPsyNet, einer Unterorganisation der American Psychological Association APA, steht der VLSP in Verbindung mit amerikanischen und anderen internationalen Fachorganisationen.Mitglieder bei apa.org
Geschichte Der VLSP wurde 1993 in München unter dem Namen „Verband lesbischer Psychologinnen und schwuler Psychologen in Deutschland e.V.“ gegründet. Bis heute hat der Verband seinen juristischen Sitz in München, auch wenn sich die Geschäftsstelle in Mannheim befindet. Wie der alte, im Kürzel noch verwendete Name nahelegte, zielte der Verband zunächst nur auf schwule und lesbische Psychologen und Psychologinnen; so sah die Gründungssatzung lediglich die Beförderung einer schwul-lesbischen Psychologie als zentrales Verbandsziel vor. Zugleich sah sich der VLSP von Anfang an als Verband von Kollegen aus allen Fach- und Arbeitsbereichen der Psychologie, auch wenn traditionell ein Großteil der Mitglieder im klinisch-therapeutischen Bereich tätig waren und sind. Ein Hochschulabschluss in Psychologie oder ein laufendes Studium ist schon in der ersten Satzung als Voraussetzung für die Mitgliedschaft verlangt worden.Willkommen! Startseite der Vereinshomepage Eine größere Satzungsänderung erfolgte durch die Mitgliederversammlung 2008. Seitdem ist die Mitgliedschaft im VLSP auch für Personen aus angrenzenden Fachbereichen möglich, die im Bereich der Psychologie arbeiten. Mittlerweile finden sich Mitglieder mit einem medizinischen, sozial-pädagogischen oder pädagogischen Studium. Der Verbandsname wurde auf der Mitgliederversammlung 2009 in „Verband von Lesben und Schwulen in der Psychologie“ unter Beibehaltung des Kürzels geändert. Eine weitere nennenswerte Satzungsänderung erfolgte im April 2015 auf der Mitgliederversammlung im „Waldschlösschen“ bei Göttingen. Hier wurde das Verbandsziel auf eine lsbtiq-Psychologie erweitert, um neben Schwulen und Lesben auch explizit bisexuelle, transidente, intersexuelle und queere Menschen anzusprechen. Seitdem lautet der vollständige Verbandsname „Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie“. Im Jahr 2006 geriet der VLSP in eine existentielle Krise. Vorausgegangen war ein aufwendig konzipierter Kongress zum Thema Migration (Ein- und Auswanderung) und kulturelle Vielfalt, der in Berlin stattfinden sollte. Da sich – womöglich wegen unzureichender Öffentlichkeitsarbeit – nur wenige Personen zur Teilnahme angemeldet hatten und ein hoher finanzieller Fehlbetrag zu erwarten war, wurde die Veranstaltung kurzfristig abgesagt. Trotzdem kamen auf den Verband hohe Kosten zu, die eine finanzielle Krise nach sich zogen. Zudem beantragte der damalige Vorstand die Selbstauflösung des Verbandes. Um die Führung der Geschäfte zumindest vorübergehend zu gewährleisten, wurde ein vierköpfiger Interimsvorstand gewählt. Als Folge der Krise verlor der Verband annähernd 1/3 seiner Mitglieder. Im darauffolgenden Jahr (2007) entschieden sich die Mitglieder auf der ordentlichen Mitgliederversammlung in Stuttgart nach einer emotionalen Aussprache für den Erhalt des VLSP und gegen den Antrag auf Selbstauflösung. Als erhebliche Veränderung im Verbandsleben werden seit der Krise keine Kongresse mehr veranstaltet, sondern Jahrestreffen, die finanziell und organisatorisch weniger aufwändig sind und ihren Fokus mehr auf den Zusammenhalt und Austausch der Mitglieder legen. Seitdem konnte sich der Verband personell und finanziell stabilisieren. Er hat heute mehr Mitglieder als vor der Krise.