mini|Fregatte Hamburg der Deutschen Marine mini|Der atomgetriebene französische Flugzeugträger Charles de Gaulle mini|Moderne Kriegsschiffe erhalten auf See von Versorgungsschiffen Nachschub wie bei diesem multinationalen Verband
Ein Kriegsschiff ist ein für den Krieg ausgerüstetes Schiff. Seefahrende Völker und Mächte haben früh damit begonnen, für Kriegsführung, Verteidigung und Seehandel unterschiedliche Schiffstypen zu entwickeln. Mit Beginn der Neuzeit traten Segelschiffe an die Stelle geruderter Kriegsschiffe, um ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederum von maschinengetriebenen Schiffen verdrängt zu werden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Entwicklung neuer Schiffstypen für unterschiedliche Formen der Seekriegsführung ein, darunter U-Boote und Flugzeugträger, die den Seekrieg in die dritte Dimension tragen. Andere spezielle Kriegsschiffe sind Minenabwehrfahrzeuge für die Bekämpfung von Seeminen und Landungsschiffe für die amphibische Kriegsführung. Außerdem wurden spezielle Hilfsschiffe zur Unterstützung der Kriegsschiffe entwickelt.
Begriff Kriegsschiff Angesichts der Vielfalt von Typen und Einsatzformen ist die Abgrenzung von Kriegsschiffen zu anderen Schiffen nicht immer eindeutig festzulegen. Die Typenbezeichnungen haben sich im Laufe der Zeit hinsichtlich Größe, Bewaffnung und Aufgaben entwickelt. Typenbezeichnungen können außerdem politischen Einflüssen unterliegen. Zudem unterscheidet sich der Gebrauch bestimmter Bezeichnungen von Land zu Land und ist zwischen bestimmten Typen fließend. Deutsches Maritimes Institut; abgerufen am 12. März 2021.
In Norddeutschland wurden Kriegsschiffe bis ins 19. Jahrhundert hinein auch als Orlogschiff bzw. Orlogman bezeichnet, wobei der Begriff „Orlog“ von dem niederländischen Wort für Krieg (oorlog) stammt und sich entsprechende Lehnwörter seit dem 17. Jahrhundert bis heute auch im Schwedischen („örlogsfartyg“) und Dänischen („orlogsskib“) finden.Eintrag zu „Orlogschiff“ in der Oeconomischen Encyclopädie von Johann Georg KrünitzDie Variante Orlogman entspricht in seiner Entstehung dem englischen Begriff Man O’ War für Linienschiff
Definition im Seerechtsübereinkommen mini|hochkant=0.7|Dienstflagge der Seestreitkräfte der Bundesrepublik Deutschland mini|hochkant=0.7|Die Bundesdienstflagge wird von den zivil besetzten Hilfsschiffen der Deutschen Marine geführt.
Im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ) vom 10. Dezember 1982 wird der Begriff in Artikel 29 (Definition der Kriegsschiffe) völkerrechtlich verbindlich definiert:
Unter „äußeren Kennzeichen eines solchen Schiffes seiner Staatszugehörigkeit“ ist die Flagge der Seestreitkräfte des jeweiligen Landes zu verstehen. Die Bestimmung, dass die Besatzung den „Regeln der militärischen Disziplin“ unterliegen muss, besagt, dass die Besatzung aus Soldaten im Sinne des Völkerrechts bestehen muss.
Artikel 32 SRÜ bestimmt, dass Kriegsschiffe Immunität genießen. Das bedeutet, dass fremde Staaten auf Kriegsschiffen, die sich in ihren Hoheitsgewässern oder Häfen befinden, keine Rechtsgewalt ausüben dürfen. Gleiches gilt für staatliche Schiffe, die nicht Handelszwecken dienen, wie etwa die zivil besetzten militärischen Hilfsschiffe.
Der rechtliche Status eines Kriegsschiffs ist nicht abhängig von seiner Bewaffnung und Technik. Das unbewaffnete Segelschulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine ist zum Beispiel ein Kriegsschiff; die in der Vergangenheit und Gegenwart sogar mit leichter Artillerie bewaffneten Patrouillenboote und Einsatzschiffe des Bundesgrenzschutzes und der heutigen Bundespolizei waren und sind hingegen keine Kriegsschiffe, da ihre Besatzung nicht aus Soldaten, sondern aus Polizeivollzugsbeamten besteht. Es handelt sich hierbei um Staatsschiffe, die auch bewaffnet sein können.
Hilfsschiffe mini|Der zivil besetzte Flottentanker Rhön der Deutschen Marine
Neben den Kriegsschiffen verfügen viele Marinen über zivil besetzte Hilfsschiffe, die zum Teil auch leichte Waffen zur Selbstverteidigung führen. Sie haben nicht den oben definierten Status, sondern den eines Staatsschiffs. In der deutschen Marine gibt es zum Beispiel Tanker, die zwar zivil besetzt sind, durchaus aber mit Kriegsschiffen zusammen eingesetzt werden. Auch die US Navy und die britische Royal Navy verfügen über eine größere Zahl derartiger Fahrzeuge. Militärisch besetzte Unterstützungsfahrzeuge wie zum Beispiel die Versorger der Berlin-Klasse werden zwar bisweilen als Hilfsschiffe bezeichnet, sind vom Status her aber Kriegsschiffe.
Benennung der Kriegsschiffe Es ist in allen Marinen seit sehr langer Zeit Tradition, Kriegsschiffen einen Namen zu geben. Später kamen in vielen Marinen noch Präfixe und Kennungen aus Buchstaben oder Zahlen hinzu. In einigen Marinen wie der US Navy sind Präfix und Kennung Teil des Schiffsnamens, in anderen wie etwa der Deutschen Marine nicht.
Namensgebung Die Namenstraditionen der Marinen sind stets ein Ausdruck ihres Selbstverständnisses als Teil staatlicher Macht gewesen. So wurden in Monarchien dynastische Namen wie „Wasa“ oder „Hohenzollern“ gewählt. Heutige republikanische Staaten drücken hingegen häufig durch die Wahl von Orts- oder Gebietsnamen („Braunschweig“, „Ohio“) die Verbundenheit von Streitkräften und Bevölkerung aus. Üblich ist auch die Ehrung von Persönlichkeiten („Charles de Gaulle“, „Bismarck“) und die Erinnerung an Schlachten („Trafalgar“, „Yorktown“). Des Weiteren sind Tiernamen („Tiger“, „Scorpion“), astronomische Bezeichnungen („Aldebaran“, „Sirius“) und Begriffe aus der Antike („Hermes“, „Leander“) gebräuchlich. Einige Marinen benennen ihre Schiffe außerdem nach Eigenschaften („Invincible“, „Le Triomphant“).
In manchen Marinen tragen kleinere Fahrzeuge anstatt eines Namens nur eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Traditionsgemäß gilt das zum Beispiel für alle deutschen U-Boote („U 31“) mit Ausnahme einiger Versuchs- und Schulboote („U-Hai“).
Schiffsnamen sind in Nordeuropa und Nordamerika meistens weiblich, insbesondere wenn es sich um Schiffe handelt, die nach Personen oder geographischen Begriffen benannt sind (die „Eisenhower“, die „Hamburg“). Schiffe, die nach einem Ausdruck mit Artikel (zum Beispiel Tiere, astronomische Begriffe) benannt sind, behalten dessen Genus normalerweise bei (der „Widder“, das „Frettchen“), es kann jedoch auch die weibliche Form verwandt werden (der/die „Pfeil“).Duden, Die Grammatik. 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage. Band 4. Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich 2005, S. 163, Regel 247. In romanischen und slawischen Sprachen wird das Genus des Namens beibehalten. Die österreichische Seemannssprache (bis 1918) lehnt(e) sich daran an – es gab also den „Szent Istvan“, die „Kaiserin Elisabeth“, den „Sankt Georg“ und die „Wien“ (von: die Stadt). Im Spanischen erhalten alle Kriegsschiffe heute den männlichen Genus, auch wenn der Name als solcher weiblich ist: El Reina Sofía (der „Königin Sofia“), el Santa Ana (der „Sankt Anna“), obwohl in früheren Jahrhunderten Schiffsnamen in diesem Falle weiblich waren.
Präfixe
In einigen Marinen werden den Schiffsnamen Präfixe vorangestellt, wie etwa USS oder HMS. Diese Präfixe können Teil des Schiffsnamens sein. Die deutsche Marine benutzt seit 1918 kein Präfix mehr, nachdem zuvor die Schiffe als SMS (Seiner Majestät Schiff) bezeichnet worden waren.
In Anlehnung an diese nationalen Präfixe ist es in internationalen Bündnissen wie der NATO üblich, allen Schiffsnamen ein auf einer englischen Abkürzung beruhendes Präfix voranzustellen, um Schiffe im Schriftverkehr genau ansprechen zu können. Für deutsche Kriegsschiffe wird die Abkürzung FGS für „Federal German Ship“ verwandt. Diese NATO-Präfixe sind kein Namensbestandteil und müssen auch nicht mit den nationalen Präfixen übereinstimmen.
Kennungen mini|Deutsche Torpedoboote mit Zwei-Buchstaben-Kennungen in den 1930er Jahren mini|Der Zerstörer James E. Williams mit einer kontrastarmen Kennung
Um Schiffe gleichen Typs auch auf größere Entfernung optisch unterscheiden zu können, wurden Kennungen aus Zahlen oder Buchstaben eingeführt, wobei die verschiedenen Marinen sehr unterschiedliche Systeme verwenden oder verwendet haben. Diese Kennungen sind im optischen Signalverkehr, das heißt in der Kommunikation mit Scheinwerfer- oder Flaggensignalen unerlässlich, um die verschiedenen Schiffe eines Verbandes eindeutig anzusprechen und so Irrtümern vorzubeugen.
In der deutschen Marine waren bis etwa 1957 Kennungen aus zwei Buchstaben üblich, die sich an den Schiffsnamen anlehnten (SX für Linienschiff Schleswig-Holstein, ST für Küstenminensuchboot „Seestern“). Anschließend wurde das in der NATO übliche System aus Buchstaben und Zahlen eingeführt.
Das NATO-System ähnelt dem US-System, bei dem Schiffe mit einer Buchstabenkombination für den Typ (type indicator) gefolgt von einer Ordnungsnummer gekennzeichnet werden (DDG-2 Charles F. Adams), wobei US-Schiffe immer nur die Zahl zeigen (DDG-2: „2“). Allerdings wird bei der NATO-Kennung, der sogenannten Hullnumber (Rumpfnummer), immer nur ein Buchstabe benutzt (F 207 für Fregatte „Bremen“). Dieses NATO-System wird auch in vielen westlich orientierten Marinen benutzt. Andere Marinen kennen unterschiedliche Systeme, die häufig nur aus Zahlen bestehen. Bisweilen drücken diese Zahlen die Zugehörigkeit von Schiffen zu einem Verband aus (zum Beispiel 52 als 2. Schiff des 5. Geschwaders).
Im Krieg und in Einsätzen werden die Kennungen teilweise entfernt, verkleinert oder mit kontrastarmer Farbe aufgetragen.
Schiffe mit Flugdeck tragen meistens zusätzlich zur Hullnumber eine Zwei-Buchstaben-Kennung in Anlehnung an den Schiffsnamen auf dem Flugdeck, um vom Hubschrauber aus leichter identifizierbar zu sein.
Geschichte Antike Die ersten typischen Kriegsschiffe wurden von den Griechen, Persern und Phöniziern gebaut. Es waren Langschiffe, die später zu Galeeren mit Rammsporn weiterentwickelt wurden.
Um 250 v. Chr. besaßen die Karthager die größte und kampfkräftigste Flotte von Kriegsschiffen im Mittelmeer mit bis zu fünf Ruderern in drei Ebenen von Riemen übereinander (Quinqueremen). Dies änderte sich im Ersten Punischen Krieg, als die Römer ein gestrandetes karthagisches Ruderschiff nachbauten.
Die Römer fügten der karthagischen Konstruktion den Corvus, eine Enterbrücke, hinzu und bemannten die Schiffe mit Fußsoldaten. Auf diese Weise entstand die erste Marineinfanterie.
Wikinger mini|Modell eines Wikingerschiffs
In Nordeuropa wurde der Typ des Wikingerlangschiffes entwickelt, das besonders schnell und für Raubzüge geeignet war. Es ermöglichte den Aufbau der Wikingerreiche in Russland, der Normandie, Sizilien und Großbritannien.
China mini|hochkant=0.8|Schiffe Zheng Hes
Im Kaiserreich China wurden immer größere Dschunken als Kriegsschiffe gebaut. Der Höhepunkt dieser Entwicklung lag in der Ming-Dynastie um 1405 bis 1430, als China mit mehr als 300 Schiffen, die zum größten Teil in Nanjing gebaut wurden, die größte Kriegsflotte der damaligen Welt hatte. Maßgeblich war dafür der chinesische Admiral Ma San Bao, auch Zheng He genannt, der zur Bekämpfung von Piraten und zur Sicherstellung der Vormacht Chinas Reisen nach Südostasien, Indien und Afrika unternahm. Größter Schiffstyp waren die sog. Schatzschiffe, die bis zu 9 Masten hatten und etwa 70 Meter lang waren.
Hanse mini|Nachbau einer Hansekogge von 1380
Zur Hansezeit bestanden die Kriegsflotten im nördlichen Europa hauptsächlich aus stärker bewaffneten Hansekoggen und Kraweelen, die sich im Bau kaum von Handelsschiffen unterschieden.
15. und 16. Jahrhundert