Derendorf ist ein Stadtteil von Düsseldorf und Teil des Stadtbezirks 1, mit (Stand 31. Dezember 2022) rund 21.500 Einwohnern.
Lage mini|links|Ehemalige Infanteriekaserne Tannenstraße, Garnison des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39, mit dem Verwaltungsgebäude der Rheinmetall AG im Hintergrund Der Stadtteil Derendorf grenzt im Süden (im Verlauf der Jülicher Straße) an den Stadtteil Pempelfort, im Westen (im Verlauf der Roßstraße) an Golzheim, im Norden (im Verlauf des Thewissenwegs und der Straße An der Piwipp) an Unterrath und im Osten (entlang der Haupttrasse der Bahn) an die Stadtteile Düsseltal und Mörsenbroich. Die Fläche beträgt 3,36 km², wobei pro km² 6.072 Einwohner leben.
Derendorf befindet sich derzeit im Wandel. Früher stark von der Industrie geprägt (Schlösser-Brauerei, Rheinmetall etc.) wird dieser Stadtteil aufgrund der guten Infrastruktur und der Nähe zum Zentrum als Wohnstandort immer beliebter. mini|links|Haltepunkt Düsseldorf-Derendorf Bisher überwiegen in Derendorf Einpersonenhaushalte bei einem ebenfalls großen Angebot an Dreiraumwohnungen. Der Ausstattungsstandard liegt jedoch etwas unter dem Durchschnitt. Gleiches gilt für die Mietpreise.
Teile Pempelforts, wie die Nordstraße, werden oft irrtümlich zum Stadtteil Derendorf gerechnet, doch tatsächlich beginnt dieser erst nördlich der Jülicher Straße. Das gewerbliche Zentrum Derendorfs stellt tatsächlich die Gegend um Münsterplatz und Münsterstraße mit dem Münster-Center dar. Im Norden des Stadtteils befinden sich darüber hinaus der bis 2024 genutzte städtische Großmarkt sowie Teile des Nordfriedhofs.
Am östlichen Rand des Stadtteils befindet sich die Zentralmoschee-Düsseldorf des DİTİB. Das Moscheegebäude wurde für etwa 1,9 Mio. Euro von der Rheinbahn abgekauft und befindet sich direkt an der S-Bahn-Station.
Seit 2014 gibt es mit der Toulouser Allee, parallel zur Bahntrasse, eine direkte Straßenverbindung zwischen Derendorf S-Bahnhof (Münsterstraße) und dem Nördlichen Zubringer, sowie nach Pempelfort.
In Derendorf lebte die Familie Gustav von Rohdens.
Geschichte Bis 1850 mini|Der Plan de Dusseldorf von 1795 zeigt Struktur und Lage der südlichen Teile der bäuerlichen Siedlung Derendorf (oben rechts) in Bezug auf die Festung Düsseldorf. mini|Derendorf im Jahr 1855, Gemälde von Henry Lewis, Privatbesitz mini|Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit am heutigen Münsterplatz, Foto um 1880 Das Gebiet, auf dem der heutige Stadtteil Derendorf liegt, war bereits in der vorrömischen Eisenzeit besiedelt. Im Bereich der Golzheimer Heide, einem Dünengelände, das sich zwischen Derendorf und dem heutigen Flughafen erstreckte, wurden über einhundert Gräber aus jener Zeit gefunden.Thomas Ruppel: Urgeschichte und vorrömische Metallzeiten. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1, Patmos, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34221-X, S. 113 mit Beilage Fundkarte I.
Die auf -dorf endenden Ortsnamen gehören nach der Ortsnamenforschung zu den ältesten Siedlungen des Mittelalters. Nur wenige schriftliche Quellen sind jedoch aus dieser Zeit bisher bekannt. Allerdings wird Derendorf bereits in einem Schriftstück aus dem 11. Jahrhundert erwähnt. Dieses ist ein Rentenverzeichnis des Stiftes von Kaiserswerth, in das die vielen Pfründen aufgelistet und deren Zuordnung angeführt waren. Für das heutige Stadtgebiet führte die in Latein erstellte Liste die Gebiete gotholveshem (Golzheim), stockum (Stockum) und therenthorpe (Derendorf) an.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunden 257, 1840, Band 1, 779 bis 1200, S. 126. Eine der ältesten Urkunden stammt von 1303. In dieser Urkunde übergaben die Eheleute „Godeschalk und Sibilla aus Derendorf“ als Erbe an ihren Sohn Heinrich, der ein kirchliches Leben gewählt hatte, unter anderem ein Haus in Düsseldorf. Dieser verschenkte dieses Erbe an die Stiftung für die Colligiats-Kirche in Düsseldorf.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 31, 1853, Teil 3, 1301–1400, S. 24.
Seit 1384 gehörte Derendorf im Rahmen von Eingemeindungen weiterer Orte zu Düsseldorf. Diese Gebiete außerhalb der Stadtmauern waren sowohl von Wald bedeckt wie auch teilweise landwirtschaftlich geprägt. Aus dem 15. Jahrhundert wurde die Haltung von Schafen bekannt. Noch im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts war ein „Derendorfer Busch“ vorhanden, der zur Holzversorgung benutzt wurde. Entsprechende Holzversteigerungen wurden amtlich angekündigt, in denen der Meistbietende Holzstämme erwerben konnte.In: Gülich und bergische wöchentliche Nachrichten, Nr. 11, 1773, Nr. 50, 1781 sowie September 1787, Nr. 47, S. . Onlinefassung
Die Bauernhöfe, die zu dieser Zeit im Bereich Golzheim-Derendorf lagen, müssen relativ begütert gewesen sein. In einer Steuerliste von 1433 lag der Bereich Golzheim-Derendorf, einer von acht Stadtteilen und den zugehörigen Honnschaften, im Steueraufkommen an dritter Stelle nach „Mülhoven“, und der „südlichen Vorstadt“ und damit noch vor dem „Stadtbereich“ von 1288.Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Düsseldorf 1990, Schwann Verlag, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 180.Mülhoven lag zwischen südlicher Stadtmauer und Bilk
In Urkunden aus jener Zeit werden in Derendorf namentlich der Buscherhof mit zugehörigen 14 Waldparzellen genannt. 1692/93 wurde die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit im Bereich des heutigen Münsterplatzes errichtet. Obwohl in der damaligen Außengemeinde seinerzeit nur etwa 600 Katholiken wohnten, war die Errichtung einer eigenen Pfarrei wegen des weiten Kirchwegs und wegen nächtlich geschlossener Stadttore notwendig geworden.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag, Düsseldorf 1983, neunte überarbeitete Auflage, S. 63 f. Diese Derendorfer Kirche gehört damit neben der noch wesentlich älteren Kirche Alt St. Martin in Bilk zu den beiden Kirchen im alten Stadtgebiet von Düsseldorf, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts außerhalb der Stadtmauer lagen.
Selbst um 1800 wurde in Derendorf immer noch überwiegend Landwirtschaft betrieben und das Gebiet war lediglich dünn besiedelt.Erich Wisplinghoff: Mittelalter und frühe Neuzeit. Das ländliche Umfeld. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1, Patmos, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34221-X, S. 391f. Auch noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich diese Verhältnisse nicht wesentlich, wenn auch bereits eine stärkere Besiedelung begonnen hatte. Nach einer Untersuchung von 1836, also vor der industriellen Entwicklung von Düsseldorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurden folgende Daten für Derendorf, Stand 1832, angegeben:Johann Georgt von Viebahn, in: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Abschnitt „Derendorf“, 1836, Düsseldorf, Zweiter Theil, S. 74. Bewohner: 1.103, überwiegend Katholiken, 21 Protestanten und 12 Juden große Bauernhöfe: 3 (Buscherhof, Matheisenhof und Rungerhof) Gewerbe: 1 Mühle (Buschermühle) öffentliche Gebäude: 1 Kirche und 3 sonstige Gebäude normale Wohnhäuser: 138 bäuerliche Gebäude: 73
Ab 1850 Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Ansiedlung und Gründung von industriellen Firmen in Düsseldorf. Da der alte Kern der Stadt, die heutige Altstadt mit der Carlstadt, dicht besiedelt war, wählten die Firmen für ihre Ansiedlung Gelände aus, das außerhalb der alten Kernstadt lag. Eine der ersten wichtigen Schritte für die Ansiedlung von Industriefirmen war die Anlegung von Eisenbahnverbindungen mit dem Umland.
Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft nahm die weiterführende Strecke von Köln ab Düsseldorf nach Duisburg bereits 1846 in Betrieb.Düsseldorfer Geschichtsverein: in: Festschrift zum 600-jährigen Jubiläum. S. 499. Durch diese Strecke wurde Derendorf an das sich im nächsten Jahrzehnt bildende deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Es folgte 1877 der Bau der Strecke Derendorf über Wuppertal nach Dortmund mit dem Personenbahnhof „Düsseldorf RhE“ mit der Erweiterung 1889 um ein neues Abfertigungsgebäude. Um 1890 folgte die Anlegung des Güterbahnhofes Derendorf einschließlich des Baus umfangreicher überdachter Gleise für die Ladung und Entladung der Waggons.Vom alten Bahnhof blieb kaum etwas. In: Neue Ruhr Zeitung. 13. März 2013.
Durch die nun vorhandenen Anbindung für den Transport von Waren und Gütern mit der Eisenbahn folgten Ende des Jahrhunderts auch die Errichtung von Firmen und Versorgungseinrichtungen. 1882 gründete Joseph Hohmann die Porzellanfabrik Joseph Hohmann. 1889 errichtete der „Hörder Bergwerks- und Hüttenverein“ das Derendorfer Werk „Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik“, das im Dezember des Jahres mit der Produktion begann. Diese Firma ist der Vorgänger der aktuellen Rheinmetall. Es folgte 1899 der Bau und die Inbetriebnahme eines „Schlacht- und Viehhofes“ in Derendorf an der Rather Straße.
mini|Gebäude des ehemaligen Schlacht- und Viehhofs (2011) mini|Großmarkt Düsseldorf, Zufahrt Ulmenstraße, gegründet 1936, zentrale Versorgungsstelle für frisches Obst und Gemüse mit Bedeutung weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus Durch die Errichtung von Fabriken und kommunalen Versorgungseinrichtungen erfolgte eine verstärkte Besiedelung sowohl im gesamten Stadtgebiet von Düsseldorf wie auch von Derendorf. Hierdurch war der weitere Ausbau kommunaler Einrichtungen erforderlich. Nachfolgend einige dieser Maßnahmen in Derendorf, zu denen auch die Anlegung des Großmarktes gehörte: 1873 wurde die inzwischen zu kleine katholische Grundschule durch einen städtischen Neubau ersetzt. Dieser Neubau hatte neben 4 Wohnungen für das Lehrpersonal auch 8 Klassenzimmer für den Schulunterricht.Düsseldorf, in: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf für die Jahre 1873 und 1874, 1973, S. 19. Onlinefassung 1884 begann die Benutzung des neuen Nordfriedhofes, der auch teilweise auf dem Gelände von Derendorf angelegt worden war. 1890 bis 1895 Anlage der wilhelminischen Kasernenanlage auf dem Kaiserhain (Gebiet etwa 10 ha, Karree Roßstraße, Johannstraße, Ulmenstraße und Tannenstraße) Von 1892 bis 1893 wurde die alte inzwischen zu kleine Backsteinkirche durch einen Neubau ersetzt. 1893 wurde ein von den Düsseldorfern als Ulmer Höh’ bezeichnetes Gefängnis eingeweiht, deshalb so genannt, weil die Gebäude an der „Ulmenstraße“ auf leicht erhöhtem Gebiet lagen. 2012 wurde dieser Standort geschlossen und nach Ratingen-Süd in neue Gebäude verlegt. Für die Betreuung von Bewohnern in diesem Stadtbereich eröffnete der Orden der Vinzentinerinnen 1894 eine Kranken- und Pflegestation, die von 1898 bis 1914 zum St. Vinzenz-Krankenhaus erweitert und umgebaut wurde.Ein Krankenhaus mit Tradition. In: Neue Ruhr Zeitung. 14. März 2013.
Entwicklungsbereiche in Derendorf Nord Auf dem ehemaligen Rheinmetall-Gelände, dem Gelände der Ulanenkaserne an der Tannenstraße sowie der Areale des ehemaligen Schlachthofes und der Schlösser-Brauerei sind bereits und werden im Rahmen des „Entwicklungsbereichs Derendorf Nord“ umfangreiche Neuentwicklungen umgesetzt.
Es sind im Wesentlichen folgende Bereiche: Bereich Tannenstraße/Roßstraße, Bereich Rheinmetall, Bereich Rather Straße/nördlich Schlachthof und der Bereich Schlösser-Brauerei und Schlachthof.
Bereich Tannenstraße/Roßstraße