mini|Würzburger Leben Ende des 19. Jahrhunderts
Die Geschichte der Stadt Würzburg beginnt urkundlich belegbar 704, als Castellum Virteburch. Im Mittelalter wurde die Stadt ein wirtschaftliches, geistliches und hoheitliches Zentrum. Bis zur industriellen Revolution blieb die vor allem im 18. Jahrhundert einsetzendeThomas Tippach: Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I–III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298. überregionale Bedeutung hoch; es entstand ein wertvolles Stadtbild. Dieses wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigt, insbesondere durch den Bombenangriff am 16. März 1945. Beim Wiederaufbau wurden bedeutende Einzeldenkmäler wie die meisten Kirchen der Altstadt äußerlich rekonstruiert, jedoch nur wenige Bürgerhaus-Ensembles und Traditionsinseln. Die ebenfalls im Krieg schwer beschädigte und anschließend wiederaufgebaute Würzburger Residenz mit Hofgarten und Residenzplatz wurde 1981 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Sie war damit nach dem Aachener Dom das zweite deutsche Bauwerk auf der Liste.
Mit der Julius-Maximilians-Universität, die in der Tradition der 1402 gegründeten Hohen Schule zu Würzburg steht und damit die älteste Universität Bayerns ist, zählt die Stadt zu den klassischen deutschen Universitätsstädten. Die Hochschule für Musik Würzburg als weitere akademische Einrichtung wurde 1797, die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt 1971 gegründet. Mit ihnen prägen insgesamt rund 33.500 Studenten (Stand Wintersemester 2014/15) und weitere Hochschulangehörige das städtische Leben Würzburgs.
Gründung und frühe Geschichte Eine innerhalb der heutigen Stadtgrenzen liegende, bisher undatierte Fliehburg auf dem Marienberg lässt eine urgeschichtliche Besiedlung möglich erscheinen. Da die Kelten befestigte Plätze („brig(a)“) oft nach Namen herausragender adeliger Führer benannten, besteht die Möglichkeit, dass sich der Name Virtibriga, die Burg des Virtius, als Vorläufer von Virteburch etabliert hat.„Würzburg“, „Franken“ und „Deutschland“ – über die Herkunft der Namen.
Nach den Völkerwanderungen ließen sich – vermutlich im ausgehenden 4. Jahrhundert, sicher jedoch im 5. Jahrhundert n. Chr. – die Alemannen nieder. Im 6. und 7. Jahrhundert fand die Fränkische Landnahme statt. Ab etwa 650 war Würzburg ein fränkisch-thüringischer Herzogssitz des fränkischen Königsgeschlechts der Merowinger. Der merowingische König Dagobert I. setzte ein das südliche Thüringen (etwa durch Radulf) und die Mainlande beherrschendesChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Selbstverlag Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 56 f. (Zeit der fränkischen Eroberung). Amtsherzogtum ein.
Die Ostfranken gegen Baiern und Thüringer sichernden „Hetaniden“ (vgl. Gosbert und Hedan II.) hatten ihre Hofhaltung im heutigen Stadtkern (Bereich Dom/Neumünster).Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 8.
Vermutlich in den Jahren 685–689 missionierten die iro-schottischen Missionare Kilian, Kolonat und Totnan die Gegend und starben hier im Jahr 689 als Märtyrer.
Die erste Erwähnung Würzburgs in einer Schenkungsurkunde von Herzog Hedan II. für den Bischof Willibrord datiert auf den 1. Mai 704, die Urkunde ist ausgestellt in castello Virteburch. Der Geograph von Ravenna erwähnt im 7. Jahrhundert den um 300 Jahre älteren Namen Uburzis.Würzburg, Eintrag in der deutschen Wiktionary. Weitere Namensformen: Wirzaburg (742, das Jahr, in dem das Bistum Würzburg vom Papst bestätigt wurde), Wirziburg, latinisiert: Vuirziburga mit dem Adjektiv Vuirziburganensis (779) und Wirciburc in der Passio minor sancti Kiliani. Erst später kam der Name Herbipolis (griechisch-lateinisch für Kräuterstadt) auf..
Die kirchliche Versorgung der rechtsmainischen Siedlung erfolgte zuerst von St. Martin aus, einer in der Nähe des Herzogshofes gelegenen 745 von Würzburgs erstem Bischof Burkard gegründeten Pfarrkirche in der heutigen Martinstraße. Neben dieser heute nicht mehr bestehenden Martinskapelle entstand ab Ende des 8. Jahrhunderts der zunächst dem Salvator mundi geweihte Würzburger Dom.Thomas Memminger: Würzburgs Straßen und Bauten. S. 266 f. ().Wilhelm Engel in: Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 9.
Mittelalter und frühe Neuzeit bis zur Reformation mini|Darstellung Würzburgs im ausgehenden Mittelalter, Schedelsche Weltchronik von 1493, Blatt CLIX verso/CLX recto, Die Festung Marienberg wird ohne perspektivische Verkürzung von Osten und Norden wiedergegeben. Unterhalb der Festung ist die doppeltürmige Burkhardkirche zu sehen. Auf der anderen Mainseite erkennt man v. l. n. r. das Benediktinerkloster St. Stephan, das St. Magdalenenkloster der Büßerinnen (heute Karmeliterkirche; siehe Karmelitenkloster Maria Magdalena (Würzburg)), die Franziskanerkirche, den viertürmigen Dom, rechts davon die Neumünsterkirche, die Marienkapelle und die Dominikanerkirche (heute Augustinerkirche). Die in den Jahren 1473 bis 1488 erneuerte Mainbrücke wird nicht abgebildet. Der Eingang zur Stadt wird im Vordergrund durch das Rennweger Tor dargestellt. Im Vorgelände befindet sich ein Schießübungsplatz mit Schützenscheibe. mini|Festung Marienberg, Würzburg: Erinnerung an den Bauernkrieg, Denkmal vor den Festungsmauern.
Bischofsstadt wurde Würzburg mit der am 13. Oktober 1030 ausgestellten Urkunde von König Konrad II., womit er dem Würzburger Bischof das Münzrecht, Zollrecht und Marktrecht sowie die Gewalt über die Mainfähre und die Gerichtsbarkeit über die Bürgerschaft übertragen hatte. Bischöfliche Schultheißen verhandelten Rechtsfälle im Salhof (zwischen Dom und Neumünster). Als Hochstiftsvogte den Blutbann (die Hohe Gerichtsbarkeit) über die Bürgerschaft sowie als Burggrafen die Militärgewalt hatten die Grafen von Henneberg inne.Wilhelm Engel in: Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 10 f.
Im 11. Jahrhundert gelangte eine Silbermünze aus Würzburg bis auf die Färöer, wie der Münzfund von Sandur belegt. Das erste Ritterturnier auf deutschem Boden wurde 1127 in der Stadt ausgetragen.
Von 1120 bis 1133 entstand Würzburgs erste steinerne Brücke,Stadtheimatpfleger Hans Steidle in Main Echo vom 11. November 2019, S. 22. für die nach ihrem Verfall die heutige Alte Mainbrücke gebaut wurde.
In Anwesenheit von König Konrad hielt Bernhard von Clairvaux 1146 auch in Würzburg seine Kreuzzugspredigten.Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 8.Stadtheimatpfleger Hans Steidle lt. Main Echo v. 11. November 2019, S. 22
Am 17. Juni 1156 heiratete Friedrich I. Barbarossa in Würzburg, wo er bereits 1152 einen Hoftag abgehalten hatte,Rainer Leng: Als der Kaiser in Würzburg Hof hielt: Der Würzburger Hoftag Friedrich Barbarossas von 1152. In: Würzburg heute. Band 73, 2002, S. 52–55. in zweiter Ehe die noch sehr junge Beatrix von Burgund, Tochter des Grafen Rainald III. und Erbin der Freigrafschaft Burgund (heute Franche-Comté). Der weltliche Teil der Hochzeitsfeierlichkeiten fand im Königshof der Hohenstaufen, dem alten Salierhof auf dem Girberg (auch Girsberg genannt) am Nordfuß des Marienberges in der Nähe der heutigen DeutschhauskircheStefan Kummer: Spätromanische Kapelle. Der Chorturm der ersten Deutschhauskirche und seine „Kapelle“. statt.Bruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band 1, Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1967, S. 10. Auf dem Reichstag zu Würzburg im Sommer 1168 wurde der damalige Bischof Herold durch Friedrich I. Barbarossa mit der Herzogswürde und damit neben der bischöflichen auch der weltlichen Macht belehnt. Die Bischöfe der Stadt konnten sich mit diesem „Güldene Freiheit“ genannten, mit der kaiserlichen Goldbulle besiegelten PrivilegWilly Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 8. fortan Fürstbischöfe nennen und den Titel „Herzog in Franken“ führen.
Bei einem weiteren Hoftag, im Januar 1180, wurde Heinrich der Löwe als „Friedensstörer und ungetreuer Lehensmann des Königs“Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. 1956, S. 8. in Würzburg feierlich zum Verlust seiner Reichslehen verurteilt.Regesta Imperii: RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125–1197) – RI IV,2,3.
1188 wurden staufische Höfe und Eigengüter in der Stadt und dem Bistum Würzburg (curtes et allodia, que habemus tam in civitate Herbipolensi quam in episcopatu) in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien erwähnt. Der Vertrag regelte die Ehe zwischen Friedrichs Sohn Konrad und Alfons Tochter Berengaria. Der Besitz in Würzburg gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.Peter Koblank: Vertrag von Seligenstadt 1188 auf stauferstelen.net. Abgerufen am 9. April 2017.
Kurz vor 1200 wurden die Vororte Sand, Pleichach und Haug mit in den Stadtmauerring einbezogen. 1195 ist erstmals das Würzburger Stadtsiegel bezeugt.Wilhelm Engel in: Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 10.
Im Jahr 1202 wurde der Würzburger Bischof Konrad von Querfurt von Hofgesinde und Würzburger Bürgern ermordet.
Als Zunft bezeichnete Gemeinschaften gab es in Würzburg von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zur Einführung der völligen Gewerbefreiheit im Jahr 1868. So wurde die Zunft der Schmiede (der bis zum 15. Jahrhundert Schmiede, Schlosser, Huf- und Sensenschmiede sowie Schleifer angehörten) erstmals in einer von dem Würzburger Bischof Berthold II. von Sternberg ausgestellten Urkunde vom 17. März 1279 erwähnt.Hans-Peter Trenschel: Die Würzburger Zunft der Schlosser, Büchsen-, Uhr- und Windenmacher. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 448–453 und 924, hier: S. 448 und 452 f. Im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Zünften der Stadt und dem amtierenden Fürstbischof. Höhepunkt dieser Streitigkeiten bildet die Würzburger Zunfturkunde, welche in der mittelalterlichen Forschung als „beachtlichstes Stück der Zunftsiegelüberlieferung“Wilhelm Engel: Würzburger Zunftsiegel aus fünf Jahrhunderten. In: Mainfränkische Hefte. Heft 7, hrsg. v. Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg. 1950. S. 37. gilt. Für die traditionsreiche Fischerzunft Würzburgs ist im Zusammenhang mit dem Fischertanz am zweiten Pfingstfeiertag seit 1508 das Fischerstechen auf dem Main belegt.Wolfgang Schneider: Volkskultur und Alltagsleben. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1 (2001): Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. ISBN 3-8062-1465-4, S. 491–514 und 661–665, hier: S. 500 und 663.