mini|hochkant=1.4|Hutton-in-the-Forest Hall, Ansicht von Osten

Hutton-in-the-Forest Hall, oft kurz nur Hutton-in-the-Forest und früher Hutton Hall genannt, ist ein Schloss in der englischen Ortschaft Skelton in Cumbria, etwa acht Kilometer nordwestlich von Penrith. Die Anlage besteht aus einem , dem im 17. und 18. Jahrhundert Anbauten hinzugefügt wurden. Im 19. Jahrhundert durch den Architekten Anthony Salvin für die Familie Fletcher Vane stark verändert, steht das Bauensemble seit dem 27. Dezember 1967 als unter Denkmalschutz. Es ist immer noch Eigentum der Fletcher Vanes, heute Lords Inglewood, und dient ihnen als privater Wohnsitz.

Geschichte

Anfänge

Hutton-in-the-Forest wurde 1292 erstmals erwähnt, als Edward I. den königlichen Förster im (), Thomas de Hoton, besuchte. Dieser hatte das an der Grenze zu Schottland gelegene Hutton-in-the-Forest vom König selbst erhalten und benannte sich nach seinem neuen Besitz. Ende des 14. oder zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtete die Familie Hutton einen , der mit seinen Befestigungen den Bewohnern Schutz vor Überfällen durch Schotten bieten sollte. Hutton-in-the-Forest war damit einer von drei großen Herrensitzen im . In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erweiterten die Huttons die Anlage um einen Bau mit einem großen Saal ().

Erweiterungen

Bis in das Jahr 1605 blieben die Huttons Eigentümer, dann verkaufte Lancelot Hutton den Besitz an Richard Fletcher, einen reichen Kaufmann aus Cockermouth. Dieser heiratete eine Frau aus dem Hause Crackenthorpe of Newbiggin und wurde durch James I. zum Ritter geschlagen. Da Schottland derweil zum englischen Königreich gehörte, waren keine schottischen Überfälle mehr auf Hutton-in-the-Forest zu erwarten, und Richard Fletcher begann damit, die erworbene mittelalterliche Wehranlage in ein wohnliches Schloss zu verwandeln. Dazu ließ er den damals noch vorhandenen Wassergraben verfüllen und die damit nutzlos gewordene Zugbrücke deinstallieren.

mini|Abbildung des Schlosses auf einem 1705 veröffentlichten Stich von Johannes Kip

Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss im 17. Jahrhundert. Richards Sohn Henry, der 1641 zum Baronet of Hutton le Forest in the County of Cumberland, erhoben wurde, fügte dem vorhandenen Bau um 1640 einen Galerieflügel hinzu. Die Pläne dafür lieferte Alexander Pogmire. Als er während des Englischen Bürgerkriegs auf Seiten der Royalisten im September 1645 in der Schlacht bei Rowton Heath starb, musste seine Witwe viele Repressalien der Parlamentarier über sich ergehen lassen, so zum Beispiel empfindliche Strafzahlungen, Sequestration und sogar Gefängnisaufenthalte. Henrys Sohn George war erst zwölf Jahre alt, als er die Nachfolge seines Vaters antrat. Um 1685 ließ er den Saalbau seines Anwesens umgestalten und erweitern. Die Eingangsfassade dieses Schlossteils wurde dabei von Edward Addison im Stil der Renaissance vermutlich nach Plänen von William Talman verändert. Außerdem wurde dem Ensemble ein Südostflügel angefügt. Ein 1705 veröffentlichter Stich des Hauses von Johannes Kip zeigt Hutton-in-the-Forest mit einem südlichen Pendant zum Galerieflügel, es ist aber nicht sicher, ob dieses tatsächlich jemals gebaut wurde.

Übergang an die Familie Vane

Nach Georges Tod im Jahr 1700 wurde sein Sohn Henry neuer Schlossherr. Dieser kümmerte sich zwar um den Garten, vernachlässigte aber die Gebäude. Ein Besucher berichtete, dass das Haus nur so von Ratten wimmelte, aber der Garten in gutem Zustand gewesen sei. Henry konvertierte zum katholischen Glauben und wurde Mönch im Kartäuserkloster von Douai, wo er 1712 starb. Seinen Besitz hatte er einem entfernten Verwandten, Thomas Fletcher of Moreby, vermacht, aber seine jüngste Schwester Catherine und ihr Mann Lyonel Vane of Long Newton klagten gegen dieses Vermächtnis. Es wurde daraufhin entschieden, dass Hutton Hall an Catherines Sohn Henry Vane fallen sollte, sofern Thomas Fletcher bei seinem Tod noch kinderlos wäre. Da dieser Fall eintrat, kam Hutton-in-the-Forest an die Familie Vane. Unter ihr wurden die meisten Räume des Schlosses so eingerichtet, wie sie heute noch zu sehen sind.

Erweiterungen, Umbauten, Instandsetzungen

mini|Ansicht des Schlosses aus Morrisʼ Country Seats von 1880

Henry kümmerte sich intensiv um Park und Garten. Er ließ mehr als 50.000 Bäume pflanzen, den größten der drei Schlossteiche anlegen und den ehemaligen Küchengarten nordwestlich des Schlosses an zwei Seiten von einer Mauer einfassen, um dort Obstbäume pflanzen zu können. Unter ihm entstand auch die aufwendige Stuckdekoration des sogenannten Puttenzimmers (). Weil er unverheiratet und kinderlos starb, kam das Erbe an seinen jüngeren Bruder Walter. Wie sein älterer Bruder fügte dieser den Namen Fletcher seinem eigenen hinzu und nannte sich Fletcher Vane. Ihm folgte sein Sohn Lyonel nach, der 1786 zum Baronet erhoben wurde und im selben Jahr starb. Sein Sohn Frederick ließ zu Beginn des 19. Jahrhunderts die südöstliche Fassade der Anlage von William Nixon aus Carlisle verändern und den Schlosspark unter William Sawrey Gilpin in den 1820er Jahren umformen. In der Zeit von 1824 bis 1827 folgten Umbauten durch den Architekten George Webster aus Kendal. Er war gemeinsam mit Anthony Salvin, der später mit Arbeiten am Tower of London und an Windsor Castle befasst war, mit umfassenden Instandsetzungs- und Umbauarbeiten beauftragt worden. Von Salvin stammt der Entwurf für den wuchtigen Ostturm der Anlage, der 1830 im Stil der Neugotik errichtet wurde. Ab 1845 folgten unter Fredericks Sohn Francis und dessen Frau Diana Olivia Beauclerk weitere umfassende Veränderungen nach Plänen Salvins, die das Aussehen des Schlosses enorm veränderten. Auf den Pele tower setzte der Architekt einen weiteren turmähnlichen Aufsatz und errichtete an der Südwestseite Unterkünfte für Bedienstete. Dem Südostflügel von William Nixon fügte er neugotische Elemente hinzu. Die letzte Baumaßnahme des 19. Jahrhunderts war 1886 die Errichtung des Gladstone-Turms () durch Francisʼ Schwiegertochter Lady Magaret Vane, geborene Gladstone, auf einem Anbau, der sich dem Galerieflügel anschließt.

Heutige Nutzung

Da aus Margarets Ehe mit Henry Fletcher Vane keine Kinder hervorgingen, erbte nach Henrys Tod mit William Morgan Vane ein entfernter Verwandter das Anwesen. Der neue Schlossherr änderte seinen Namen in Fletcher Vane und wurde 1945 zum ersten Baron Inglewood erhoben. Heutiger Eigentümer von Hutton-in-the-Forest Hall ist dessen Sohn Henry. Er und seine Familie nutzen es als privaten Wohnsitz, machten das Anwesen aber auch der Öffentlichkeit zugänglich. Gegen Entgelt können das Schloss, sein Park und sein Garten sowie einige Innenräume besichtigt werden. Darüber hinaus finden im Park regelmäßig Veranstaltungen statt, so zum Beispiel ein alljährliches Töpferfest, ein Pflanzen- und Lebensmittelmarkt oder Reitsportveranstaltungen. Garten und Park sowie die vier größten Räume können zudem für Veranstaltungen angemietet werden. Eine Gastronomie im Erdgeschoss des Galerieflügels sorgt für das leibliche Wohl der Schlossbesucher.

Beschreibung

Das Äußere

mini|Hutton-in-the-Forest Hall, Ansicht von Nordosten

Hutton-in-the-Forest Hall wuchs seit dem Mittelalter allmählich zur heutigen Größe heran. Da die verschiedenen Bauteile in unterschiedlichen Epochen entstanden, zeigen sie alle verschiedene architektonische Stile. Mehrheitlich kam Sandstein für das Mauerwerk zum Einsatz, wobei dessen Farbe zwischen grau, rot und hellrosa variiert. Das Schloss liegt inmitten eines großen Schlossparks, zu dem ausgedehnte Waldbereiche gehören, die früher ein Teil des königlichen Waldes von Inglewood waren.

Kern der Anlage ist ein viereckiger Pele tower, dessen Außenmaße 32 × 24 Fuß (etwa 9,7 × 7,3 Meter) betragen. Seine Mauern waren bis zu sechs Fuß (ca. 1,83 Meter) dick. Seine drei Geschosse sind von einem Zinnenkranz abgeschlossen, der im 19. Jahrhundert hinzugefügt wurde. Aus demselben Jahrhundert stammt die Gestaltung des heutigen Turmeingangs mit kleinem Vorbau an der Nordostseite. Dem Pele tower schließt sich nach Südosten ein Gebäudetrakt an, in dessen Erdgeschoss der Große Saal liegt und der auch als Hauptflügel bezeichnet wird. Die beiden Bauten sind seit dem 17. Jahrhundert unter einem gemeinsamen Dach vereint. Der Hauptflügel besitzt einen Gewölbekeller und drei oberirdische Geschosse, wobei das oberste als Mezzanin ausgeführt ist. Die nach Nordosten zeigende Fassade wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gestaltet und unterscheidet sich in ihrem klassischen Aussehen vollkommen von allen anderen Fassaden des Schlosses. Sie ist durch Fenster in fünf Achsen unterteilt, wobei die mittlere im Erdgeschoss durch einen bossierten Eingang und einen darüber liegenden Balkon mit filigranem Gitter besonders betont ist. Die Tür zum Balkon ist von korinthischen Pilastern flankiert. Die Erdgeschossfenster besitzen einen gesimsartigen oberen Abschluss, während die Fenster im ersten Obergeschoss von gesprengten Rund- und Dreiecksgiebeln bekrönt sind. Die Dachtraufe ist vasenbestanden.

mini|Südostseite des Schlosses

Nach Nordosten schließt sich dem Pele tower im rechten Winkel ein zweigeschossiger Gebäudeflügel aus dem 17. Jahrhundert an. Obwohl erst kurz vor dem Englischen Bürgerkrieg errichtet, ist er im Jakobinischen Stil gehalten. Wegen der in seinem Obergeschoss befindlichen langen Galerie wird dieser Trakt Galerieflügel genannt und ist eine Rarität, denn Galerien sind im nördlichen England sehr selten anzutreffen. Das Erdgeschoss weist Arkaden auf, deren Bögen von toskanischen Mehrfachsäulen getragen werden. Die Bögen sind heute geschlossen, waren aber nach klassischen Vorbildern anfänglich offen. Im Obergeschoss befindet sich mittig ein polygonaler Vorbau. Er wird von Säulen getragen, die denen der Arkaden ähneln. Der Zinnenkranz wurde vielleicht bei den Umgestaltungen unter Anthony Salvin hinzugefügt. Ein Rundturm an der westlichen Ecke des Galeriebaus erlaubt einen guten Blick auf den nordwestlich des Schlosses liegenden (). Der Flügel wird nach Nordosten durch einen fünfachsigen, ebenfalls zweigeschossigen Anbau aus dem 19. Jahrhundert verlängert. Die beiden hintereinanderliegenden Trakte flankieren einen Vorhof, der an seiner Nordostseite von einer niedrigen Mauer mit Gitterzaun und mittig liegendem, zweiflügeligen Tor abgeschlossen ist. Mauer und Tor sind als eigenständiges in die englische Denkmalliste eingetragen.

Die östliche Ecke des Gebäudeensembles wird durch einen wuchtigen, neugotischen Vierecksturm mit drei Geschossen markiert. Seine beiden Außenseiten sind durch Fenster in jeweils drei Achsen unterteilt. Auf Höhe des Dachgeschosses besitzt der Turm viereckige Ecktürme, von denen der östliche mit runden Scharwachttürmchen ausgestattet ist. Dem Ostturm schließt sich in südwestlicher Richtung ein dreigeschossiger Flügel an, dessen Südfassade siebenachsig ist. Das südliche Ende dieses Trakts ist dabei derart gestaltet, dass es dem Betrachter vorgaukelt, ein Turm zu sein.

Innenräume

mini|Erdgeschossgrundriss

Durch den Haupteingang im Erdgeschoss des Pele towers betritt der Besucher die Eingangshalle mit tonnengewölbter Decke und einer Waffensammlung. Die Funktion als Eingangshalle erhielt der Raum erst im späten 19. Jahrhundert, als der heutige Zugang in der Nordostwand ausgebrochen wurde. Der ursprüngliche Zugang zu diesem Turm lag an seiner Südostseite, wurde aber im 17. Jahrhundert vermauert, weil dort zu jener Zeit vom angrenzenden Großen Saal eine Treppe in das erste Obergeschoss des Turms errichtet wurde. Dieses war zuvor durch eine schmale Wendeltreppe in der Mauerstärke erschlossen.