mini|Christoph M. Loos,Werkgespräch Atelier Grafschaft, 2005 Christoph M. Loos, FRSA (* 1959 in Bad Reichenhall) ist ein deutscher Künstler in den Medien Druckgraphik, Bildhauerei, Zeichnung und Photographie, Kunsttheoretiker und zeitweiliger Hochschullehrer. Mit seinen Holzschnitten, die konsequent konzeptuell und im Grenzbereich zwischen Skulptur und Graphik interpretiert werden, gehört er im deutschsprachigen Raum zu den aktuell bedeutendsten Künstlern der zeitgenössischen Druckgraphik. Ausstellung „Lichtsplitter. Holzschnitte aus der Sammlung“, Museum Morsbroich Leverkusen, 2015.

Biographie Christoph M. Loos wuchs in Bad Reichenhall, Bad Sooden-Allendorf und Bad Wildungen auf. Nach dem Abitur engagierte er sich Anfang der 1980er Jahre zunächst politisch, linken und teils auch anarchistischen Ideen nachgehend, insbesondere in der Sozialistischen Selbsthilfe Köln (SSK). Nach einer Kunsttischlerlehre studierte Loos von 1988 bis 1996 Bildhauerei, Philosophie und Freie Graphik u. a. an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2002 bis 2013 übernahm er verschiedene Lehraufträge und Gast-Professuren, u. a. 2010 an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand. Von 2004 bis 2007 hatte er an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main die Dix-Stiftungs-Professur inne. Mit der Arbeit The Palace at 3 a.m. (Ordo Inversus). A Woodcut [Re-] Invention in Resonance with Merleau-Ponty’s ‘Chiasma’ abgerufen am 25. November 2015., in der er seine eigene Holzschnittmethode medientheoretisch und philosophisch reflektiert, wurde er 2014 an der Manchester School of Art (Manchester Metropolitan University) zum Doctor of Philosophy (Ph.D.) promoviert.

Loos arbeitet in Grafschaft (Rheinland-Pfalz) bei Bonn und in Essen, er hat zwei Söhne und eine Tochter. Sein ältester Sohn schloss 2016 sein Studium der Human, Social and Political Sciences (HSPS) an der University of Cambridge mit Bestnote und Sonderauszeichnung ab.

Familie Loos ist der Sohn des Psychosomatikers Manfred Loos (1920–1975) — zuletzt Chefarzt des Werra-Sanatoriums in Bad Sooden-Allendorf — und Enkel von Wilhelm Loos (1890–1952). Überdies ist er mit dem Wiener Architekten und Architekturtheoretiker Adolf Loos (1870–1933) verwandt. Seine Urgroßmutter Johanna Ernestine Katz (1863–1952) gehörte als Schülerin von Arnold Böcklin zu den wenigen Kunst studierenden Frauen ihrer Zeit.

Werk

Holzschnitte – Objekte, Installationen und Ortsspezifische Installationen mini|Christoph M. Loos, Zeit aus den Fugen (IV), 1995, Holzschnitt auf Espenblattholz mit Druckstock mini|Christoph M. Loos, Codex Dissolutus (III), 2006, Holzschnitt auf Espenblattholz mit Druckstock, Installation ACAC, Japan mini|Christoph M. Loos, Algonquin (Chiasma #48), 2013,Holzschnitt auf Espenblattholz mit Druckstock, Wandfarbe Christoph M. Loos’ Holzschnitte bzw. Holzschnitt-Installationen wurden seit den 1990er Jahren in Übersichtsausstellungen gezeigt, zuletzt 2015 im Museum Morsbroich Leverkusen.„Lichtsplitter. Holzschnitte aus der Sammlung“, Museum Morsbroich Leverkusen, 2015. Charakteristisch für seine Arbeit ist eine zugleich sehr sinnliche und konzeptuelle Auffassung seines Mediums, sein Grenzgang zwischen Skulptur und Graphik, was teils zu sehr großangelegten Installationen führt. Überdies charakteristisch ist die konsequente methodische Herangehensweise, Druck und Druckstock stets aus einem Baumstamm mittels Abschälung entstehen zu lassen. 2006 schrieb der japanische Kritiker Goji Hamada:

Laut Dagmar Preising, der Leiterin der Graphischen Sammlung des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums, muss dieses Holzschnittverfahren als „eine hochinteressante und völlig singuläre Position zum Thema Holzschnitt heute“ betrachtet werden. Preising betont überdies die werkinhärente Radikalität:

Skulpturen (im öffentlichen Raum) mini|Christoph M. Loos, Von Monden und Pillendrehern #4, 2003, Infrarot-Photographie mini|Christoph M. Loos, Absent Presence #5, 2003, Infrarot-Photographie mini|Christoph M. Loos,Nanna-Paradox #1, 2004, Infrarot-Photographie Insofern sich sein Werk insgesamt dem Selbstverständnis nach aus der Bildhauerei entwickelt hat, stellen Skulpturen (im öffentlichen Raum) naturgemäß einen wesentlichen Schwerpunkt dar, wenn auch weniger beachtet als die Holzschnitte, was insbesondere für den „Nanna-Paradox“ - Zyklus gilt. Dabei zeichnen sich gerade diese „Foto-Skulpturen“ genannten Bilder durch ihre Eigenwilligkeit aus, sowohl ikonographisch als auch hinsichtlich naturrechtlicher und naturmystischer Fraglichkeiten. Als Ergebnis einer rot- und blautönenden Infrarotfotografie zeigen die mystisch-bewegenden Baumbilder Menschen im Wald mit Masken aus Holz und Kinder mit großen Holzkugeln, die in weiteren Arbeiten in eine aktive Beziehung zu den Bäumen treten bis hin zu einer Einheit, einer Art unio mystica, zwischen Mensch und Pflanzen. Der Kunstkritiker Martin Seidel schrieb 2006 anlässlich einer Einzelausstellung im Landesmuseum Bonn unter dem Titel „Nanna-Paradox. Über Bäume in anderen Zuständen“ im Rahmen einer Rezension, die im „Kunstforum International“ erschienen ist: „Loos bewegt sich irgendwo zwischen antiker Pflanzenmetamorphotik, romantischem Pantheismus und Animismus und den Vorstellungen, die man gemeinhin davon hat und die uns kulturell und künstlerisch überliefert sind. Die Bild- und die dahinter sich auftuende Gedankenwelt sind mitunter durchaus komisch und wohl auch ironisch. […] In ihrer suggestiven begrifflosen Mitteilsamkeit haben die Bilder etwas geradezu Therapeutisches.“Karin Stempel in: Christoph M. Loos. ZimZum. Wienand Verlag, Köln, 2000.

Mitgliedschaften Loos ist u. a. Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik und der Royal Society of Arts (London).

Ausstellungen (Auswahl) 1995 Bonner Kunstverein, „bon direct“ 1996 Kunstmuseum Bonn, „Hans-Thuar-Preis“ (E) 1997 Museum Zwickau, „Querschnitt. Deutscher Holzschnitt heute“ 1998 Anhaltischer Kunstverein Dessau, „Wärmetod (I)“ (E) 1998 Städtische Museen Heilbronn, „Der ausgehöhlte Stamm (Kunst- und Kultobjekte aus Europa, Afrika und Ozeanien)“ 2000 Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen, „ZimZum“ (E) 2001 Universitätsmuseum Marburg, „ZimZum“ (E) 2001 Kunstmuseum Bochum, „In Holz geschnitten (Dürer, Gauguin, Penck und die anderen)“ 2003 Aomori Contemporary Art Centre (Japan), „Vernicular Spirit“ 2003 Verein & Galerie für Original Radierung München, „Romanzen und Matrizen“ (E) 2005 Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, „Chiasma (II)“ (E) 2005 Goethe-Institut Kyoto, „Chiasma (II)“, (E) (Offizieller Beitrag „Deutschlandjahr in Japan 2005/2006“) 2006 Rheinisches LandesMuseum Bonn, „Nanna-Paradox“ (E) 2007 Goethe-Institut Dublin, „Nanna-Paradox“ (E) 2008 Neue Sächsische Galerie Chemnitz, „Hochdruckzone“ 2009 Kunstverein Wilhelmshöhe Karlsruhe-Ettlingen, „Aus dem Stamm – Holzskulptur heute“ 2011 Museum für Druckkunst Leipzig, „Zeitgenössische Positionen im Hochschnitt“ 2012 Kunstverein Rastatt, „Hetero Topos“ (E) 2014 Kunstmuseum Bonn, „Große Geister“ 2015 Museum Morsbroich Leverkusen, „Lichtsplitter. Holzschnitte aus der Sammlung“ 2015 Akademie der Bildenden Künste Kattowitz, „Codex Mundi“ (E) 2015 National Art Museum of China, „The 6th Beijing International Art Biennale“ 2016 Landesmuseum Mainz, „Stabat Mater (ad libitum)“ (E) 2016 Museum of Modern Art Kairo, „Dissimulatio“ (E) (E)= Einzelausstellung

Literatur (Digitalisat) Christoph M. Loos. Wärmetod (I). Hg. Anhaltischer Kunstverein Dessau. Texte von Andreas Denk und Johannes Stahl. Casimir Katz Verlag, Gernsbach, 1997. ISBN 978-3-925825-66-8 Christoph M. Loos. ZimZum. Hg. von Karin Stempel und Andreas Denk. Texte von Wendelin Küpers, Barbara Weidle, Karin Stempel und Stefan Brotbeck. Wienand Verlag, Köln, 2000. ISBN 978-3-87909-714-2 Christoph M. Loos. Fluchtlinien. Hg. Kunstverein Kapelle Weitendorf, Wismar. Verlag Fölbach, Koblenz, 2001. ISBN 978-3-934795-25-9 Christoph M. Loos. Chiasma (II). Hg. von Dagmar Preising, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen. Texte von Ralf Weingart, Dagmar Preising, Marcus Steinweg und Goji Hamada. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg, 2005. ISBN 978-3-936711-69-1 Christoph M. Loos. Nanna-Paradox. Hg. von Gabriele Holthuis und Gabriele Uelsberg, Rheinisches LandesMuseum Bonn. Texte von Gabriele Uelsberg, Christa-Maria Lerm Hayes und Angelika Singer. Wienand Verlag, Köln, 2006. ISBN 978-3-87909-891-0

Weblinks Internetseite von Christoph M. Loos The Palace at 3 a.m. (Ordo Inversus). A Woodcut (Re-)Invention in Resonance with Merleau-Ponty’s ‘Chiasma’, E-space der Manchester Metropolitan University Literatur von und über Christoph M. Loos im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Publikationen von und über Christoph M. Loos im documenta Archiv

Einzelnachweise

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