mini|Bernd Henningsen (2009) Bernd Henningsen (* 22. Juni 1945 in Flensburg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Skandinavist. Er war ab den 1990er Jahren als Professor in Berlin und Greifswald tätig, dort Gründungsdirektor des Nordeuropa-Instituts und des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs. Honorar- und Gastprofessuren führten ihn an skandinavische Universitäten und darüber hinaus. Von 2005 bis 2010 war er Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaft sowie Kultur und Politik Nordeuropas und der Ostseeregion am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, seitdem ist er Honorarprofessor ebendort. Henningsen verantwortet mehrere Schriftenreihen im Berliner Wissenschafts-Verlag. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde er im skandinavischen Ausland hoch geehrt.

Leben Bernd Henningsen wurde im Juni 1945 als Sohn eines Müllers, der es bis zum Bankangestellten schaffen sollte, im schleswigschen Flensburg geboren; sein älterer Bruder Manfred (* 1938) (abgerufen am 13. Dezember 2016) studierte ab 1969 in den USA und wurde später Professor für Politische Wissenschaft an der University of Hawaiʻi at Mānoa. Familiäre Kontakte bestanden zu Dänemark, in seiner Heimatregion lernte Bernd Dänisch. In der Schulzeit begeisterte er sich bereits für politische und geschichtliche Zusammenhänge, engagierte sich im damaligen Schülerparlament und im Politischen Arbeitskreis an Schulen, außerdem begann er sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzenNorbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 20.. „Aus Bewunderung für Willy Brandt“ wurde er bereits als Schüler Mitglied der SPD.

Im Anschluss an das Abitur 1966 an der Goethe-Schule Flensburg war er für zwei Jahre als Reserveoffizieranwärter bei der Bundeswehr. Er besuchte nach der Grundausbildung in Leck und Husum die seinerzeit in Neubiberg bei München gelegene Offizierschule der LuftwaffeNorbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 19.. Seine als Reserveoffizier erhaltene „Abfindung“ sollte ab 1968 zur ersten Studienfinanzierung in München dienen.

Ab 1968 studierte er Politische Wissenschaften und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der dort lehrende Politikwissenschaftler und Geschichtsphilosoph Eric Voegelin wurde ein wichtiger Bezugspunkt für ihn. Später erweiterte Henningsen sein Curriculum um die Skandinavistik und wurde an der Münchner Universität wissenschaftliche Hilfskraft. Während des Studiums setzte er sich auch mit Fragen der Psychologie, der klassischen Philosophie und der skandinavischen Literatur auseinander.

Im Jahr 1972 reichte er seine Magisterarbeit über den dänischen Philosophen Poul Martin Møller ein, die vom 1971 nach Bochum gewechselten Politologen Jürgen Gebhardt betreut worden war. Henningsen wurde seinerzeit durch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert und übte für das Hochschulressort der Münchner Abendzeitung journalistische Tätigkeiten aus.Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 21.

1974 wurde Henningsen bei Peter J. Opitz, Privatdozent am Geschwister-Scholl-Institut, mit der später auch ins Dänische übersetzten Dissertation, Die Politik des Einzelnen. Zur Genese der skandinavischen Ziviltheologie, zum Dr. phil. promoviert.

Danach war er Mitarbeiter, dann wissenschaftlicher AssistentNorbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 22. am Münchner Institut für Nordische Philologie. In dieser Zeit meldete er, noch wenig erfolgreich, eine Erweiterung der Skandinavistik um eine Regionalwissenschaft an. Henningsen, der Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft war, habilitierte sich 1984 an der sozialwissenschaftlichen FakultätBirgitta Nedelmann: Der Wohlfahrtsstaat Schweden by Bernd Henningsen. In: Politische Vierteljahresschrift 29 (1988) 3, S. 528 f. mit der Arbeit Der Wohlfahrtsstaat Schweden. Seine 1986 im Nomos Verlag erschienene Habilitationsschrift gilt als Standardwerk.Nikolas Dörr: Die schwedische Geschichte im 20. Jahrhundert als Objekt der deutschen Forschung. In: Jarosław Suchoples, Alexander Mionskowski (Hrsg.): Entgrenzungen. Das 20. Jahrhundert nordeuropäischer Geschichte im Spiegel der deutschen Forschung (= Acta Universitatis Wratislaviensis. No. 2982). Wydawn. Uniw. Wrocławskiego, Wrocław 2007, ISBN 978-83-229-2860-8, S. 58; Franz-Xaver Kaufmann: Varianten des Wohlfahrtsstaats. Der deutsche Sozialstaat im internationalen Vergleich (= Edition Suhrkamp. 2301). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-12301-7, S. 163, Fn. 344. Ab 1987 war er Lehrstuhlvertreter und Gastprofessor in Minneapolis/Minnesota, Zürich, Hamburg (UniBw), Trier und Nürnberg-Erlangen. Außerdem war Henningsen für das Armutsbekämpfungsprogramm der EG in England und Belgien tätig. Ab 1990 vertrat er den Lehrstuhl für Neuere skandinavischen Literatur an der FU Berlin.

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung setzte er sich mit Erfolg für die Etablierung einer zentralen kulturwissenschaftlichen Professur für Skandinavistik in Berlin ein.Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 25. Von 1992 bis 2002 war er „Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaft“ an der Humboldt-Universität zu Berlin.Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 26. Überdies war er Gründungsdirektor des dortigen Nordeuropa-Instituts und Leiter des angeschlossenen Ostsee-Kollegs. Auch mit wertvollen Kontakten in die deutsche und skandinavische Politik wurde er zu einem gefragten Fachberater und Initiator von Gastprofessuren.Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 27. Außerdem strengte er mehrere Forschungsprojekte anNorbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 27f., 2002 trat er mit den höchsten Drittmittelbeschaffungen unter den Geisteswissenschaftlern seiner Universität hervorNorbert F. Pötzl: Beitz. Eine deutsche Geschichte. Heyne, München 2011, ISBN 978-3-453-17955-4, S. 415.. 1993/94 fungierte er als Dekan des Fachbereichs Germanistik an der HU Berlin, nicht zuletzt wurde er u. a. Kuratoriums- und Konzilmitglied der HU Berlin, DAAD-Gutachter für Nordeuropa, Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung, assoziiertes Mitglied des Großbritannienzentrums der HU Berlin und Vorsitzender der Raumplanungskommission des Akademischen Senates sowie Beiratsmitglied des Finnland-Instituts in Deutschland.Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 28. Darüber hinaus ist Henningsen Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft.Mitglieder: Bernd Henningsen, dgfp.org, abgerufen am 10. September 2016.

Ab 2002 war Henningsen Professor für Politikwissenschaft, Kultur und Politik Nordeuropas und der Ostseeregion an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und zugleich 2002/03 wissenschaftlicher Gründungsdirektor des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs GreifswaldNorbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 30., das zu einer Art Institute for Advanced Study (Princeton) werden sollteNorbert F. Pötzl: Beitz. Eine deutsche Geschichte. Heyne, München 2011, ISBN 978-3-453-17955-4, S. 416.. Henningsen bemühte sich, trotz der noch nicht von Beginn an fertiggestellten Anlage, mit Tatkraft um eine Professionalisierung im Sinne von Projekten, Ausstellungen etc. Auch seine wissenschaftliche Konzeption und die Finanzierungsplanungen wurden vom wissenschaftlichen Stiftungsbeirat unter Carl Friedrich Gethmann abgesegnet.Norbert F. Pötzl: Beitz. Eine deutsche Geschichte. Heyne, München 2011, ISBN 978-3-453-17955-4, S. 417. Wohl weil die greifbaren Ergebnisse aber, anders als in einem Industrieunternehmen, auf sich warten ließen, kündigte das Stiftungskuratorium unter Berthold Beitz Henningsen 2003 letztendlich „fristlos“.

Nachdem er von 2003 bis 2005 Honorarprofessor war, wirkte er von 2005Norbert Götz, Jan-Hecker Stampehl, Stephan Michael Schröder: Wahlverwandtschaften mit dem Norden oder Die Skandinavistik als politische Wissenschaft: Bernd Henningsen zum 65. Geburtstag. In: Ders. (Hrsg.): Vom alten Norden zum neuen Europa. Politische Kultur im Ostseeraum. Festschrift für Bernd Henningsen. Berlin 2010, S. 31. bis zu seiner Pensionierung 2010 wieder als Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaft sowie Kultur und Politik Nordeuropas und der Ostseeregion am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin; seither nimmt er eine Honorarprofessur am Institut wahr.

Von 2005 bis 2010 war er Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Kopenhagen und von 2003 bis 2010 Gastprofessor am Zentrum für Deutschlandstudien der Hochschule Södertörn in Stockholm sowie am Center for International Studies der Universität Örebro in Schweden.