mini|Domagkpark von Westen, im Vordergrund die Tramstation „Schwabing Nord“ und die Gebäude am Bauhausplatz, rechts die Grundschule am Bauhausplatz Der Domagkpark ist ein 24,3 Hektar großes Stadtviertel in München. Es liegt im Norden des Stadtteils Schwabing im Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann.
Beschreibung Im Domagkpark liegen um eine große Parkanlage 1.600 Wohnungen für etwa 4.000 Menschen, Geschäfte, Cafés, Restaurants, Kindertagesstätten, Hotels, zwei Studentenwohnheime, eine Grundschule und Sportanlagen. Im Areal liegt die Künstlerkolonie Domagkateliers. Auf 8,7 Hektar der Fläche befindet sich das Sicherheitsgelände der Bundespolizei. Diese nutzt die bestehenden, zum Teil denkmalgeschützten Gebäude rund um den so genannten Ehrenhain und die dazugehörigen Sportflächen. Der Domagkpark ist über die Tramlinie 23 mit der Münchner Freiheit verbunden.
Namensgeber ist der Mediziner und Nobelpreisträger Gerhard Domagk.
Lage mini|Luftbildaufnahme Domagkpark mit Straßennamen Das Quartier liegt auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne zwischen Frankfurter Ring und Domagkstraße, nördlich der Parkstadt Schwabing. Östlich ist es durch die Autobahn A9 sowie das Gelände der Bundespolizei begrenzt und westlich durch den Bauhausplatz und die Gleise der Trambahnlinie 23. mini|Trambahnstation Schwabing Nord auf der westlichen Seite des Domagkparks; hinter den Hochhäusern befindet sich der Bauhausplatz Das Stadtviertel ist durch die Trambahnstation Schwabing Nord der Linie 23 und durch die Buslinien 177, 50, 150, X35 und X36 an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.
Aktuell ist die Station Schwabing Nord die Endstation der Trambahnlinie 23, die für ihre Fahrt von der Münchner Freiheit bis dahin etwa acht Minuten benötigt. Die Verlängerung Richtung Norden ist bereits in Planung. Damit soll das Neubauviertel Bayernkaserne erschlossen werden und eine Verbindung zum U-Bahnhof Kieferngarten geschaffen werden. Es ist auch eine Haltestelle im Euro-Industriepark nahe dem SUMA-Center geplant. Nach der Kreuzung mit dem Frankfurter Ring überquert die geplante Neubaustrecke den Bahn-Nordring per Brückenbauwerk. Die Inbetriebnahme der 23er-Verlängerung ist aktuell für Ende 2026 vorgesehen.Verlängerung der Tram 23 nach Norden www.tramreport.de
Ebenfalls relevant für die öffentliche Anbindung des Domagkparks könnte eine in Planung befindliche S-Bahn-Linie sein, die auf den bereits bestehenden Bahngleisen des Nordrings schon ab 2026 verkehren soll. Diese Bahnstrecke wird aktuell nur für den Güterverkehr verwendet. Im Rahmen der Erweiterung der Strecke für den Personenverkehr soll überprüft werden, inwieweit die S-Bahnstrecke mit der Tramlinie 23 verbunden werden kann. Die bisherige Planung des benötigten Tram-Brückenbauwerks durch die SWM berücksichtigt die S-Bahn zwar noch nicht, allerdings sollen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Verknüpfung der beiden Verkehrsmittel an dieser Stelle möglichst bald in die Planung miteinfließen.Verlängerung der Tram 23 nach Norden www.tramreport.de Als Nordverlängerung der Tram 23 entsteht gerade die Tramlinie 24 in Richtung Am Hart im Nordwesten und Kieferngarten im Nordosten.https://www.mvg.de/projekte/tram/tmn.html
Geschichte Vom 15. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war der heutige Domagkpark unbesiedeltes Gebiet des Landgerichts Dachau, einem altbaierischen, herzoglichen Herrschaftsbezirk, und war damit ab 1623 Teil des Kurfürstentums Bayern.Karte mit Grenzen des Münchner Burgfriedens und der daran angrenzenden Landgerichte vom 15. bis zum 19. Jahrhundert (Historischer Atlas Bayern, Altbayern Reihe I Heft 11-12: Die Landgerichte Dachau und Kranzberg) Etwa 1,5 km nordöstlich lag das Dorf Freymann (erstmals 948 urkundlich erwähnt) und in ca. 2,5 km Entfernung in südlicher Richtung befand sich der Dorfkern von Schwabing (erstmals 782 urkundlich erwähnt). mini|Historische Karte München von 1894 mit ungefährer Lage des Domagkparks (rot), auf dessen Gelände wohl im Rahmen der Gleisbauarbeiten eine Kiesgrube entstand (dunkelrot; heute befindet sich dort die Grundschule am Bauhausplatz). Zu sehen ist auch ein Friedhof (grün), der 1904 von der Israelitischen Kultusgemeinde aufgekauft und von da an Neuer Israelitischer Friedhof genannt wurde. Ergänzt wurden die heutigen Straßennamen (blau).
Im Jahre 1704 sammelten sich in einem Lager in der Nähe des Geländes in etwa zwischen Freymann und Schwabing die bayerischen Truppen nach der verlorenen Schlacht in Höchstädt, in dessen Folge Bayern gemäß dem Vertrag von Ilbesheim von Österreich besetzt wurde.Pleikard Stumpf: Bayern, ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches ; für das bayerische Volk. Verlag, München 1852, S. 149 (Digitalisat)
Im frühen 19. Jahrhundert zeigen historische Karten, dass in direkter Nähe des Geländes des heutigen Domagkparks zwei neue kleine Ortschaften entstanden sind. Beide Weiler entwickelten sich entlang der heutigen Ingolstädter Straße, Neu-Freymann in nördlicher Richtung beginnend etwa am heutigen Frankfurter Ring und in südlicher Richtung Neu-Schwabing bis etwa zur heutigen Griegstraße. Neu-Schwabing ist wohl der Ort, der dem Gelände des Domagkparks am nächsten lag.Historischer Kartenausschnitt 1869 von Bayern-AtlasHistorischer Kartenausschnitt 1900 von Bayern-Atlas
Im Zuge der Montgelas’schen Verwaltungsreformen wurden die Landgerichtsbezirke im Kurfürstentum Bayern 1803 neu gegliedert. Ab 5. September 1803 gehörten Freimann und Schwabing nun zum neu gebildeten Landgericht München, das als Verwaltungs- und Gerichtsbehörde für das Land um die Residenzstadt München zuständig war und damit auch für das Areal des heutigen Domagkparks. Der bayerische Kurfürst und spätere König Maximilian Joseph und seine Beamten mussten zur Ermittlung der Grund- und Gebäudesteuer die Flächen des Landes genau vermessen. 1808 wurden deshalb innerhalb der Landgerichte Steuerdistrikte gegründet, dabei entstanden die Steuergemeinden Schwabing und Freymann, letzterer wurde das Gelände des Domagkparks zugewiesen.„Eintheilung des königlichen Landgerichtes München in Steuerdistrikte für das Grundsteuer Kataster 1810.“ Die Gemeindegrenze von Schwabing lag allerdings nicht weit weg, sie verlief am Domagkpark entlang der heutigen Domagkstraße.Michael Stephan, Willibald Karl: Schwabing. Volk Verlag, München 2015, ISBN 978-3-937200-77-4, S. 25–27. Dies ist auch der Grund, warum sich damals in unmittelbarer Nähe zwei Zollhäuser befanden. Das Zollhaus stand an der damaligen Ingolstädter Landstraße, heute das Flurstück an der Leopoldstraße 246. Das zweite Zollhaus lag an der Ungererstraße Ecke Domagkstraße gleich neben dem Neuen Israelitischen Friedhof.Stadtplan von München 1:15.000 (~ 1930) von www.landkartenarchiv.de
Der Friedhof, der auch schon in der historischen Karte Münchens von 1896 zu erkennen ist (siehe Abbildung), wurde 1904 von der Israelitischen Kultusgemeinde aufgekauft und von da an Neuer Israelitischer Friedhof genannt.Münchner Begräbnisverein e. V. "Neuer Israelitischer Friedhof" Er befindet sich heute östlich der Domagkateliers. Da zwischen 1958 und 1960 die Autobahn A9 von der damals schon bestehenden Anschlussstelle Freimann bis nach Schwabing verlängert wurde, verläuft die Bundesautobahn genau zwischen dem Domagkpark und dem Friedhof. Auf ihm liegt der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern Kurt Eisner begraben.
Immer wieder kam es zu kleineren Grenzkorrekturen zwischen den beiden Nachbargemeinden Freimann und Schwabing.Michael Stephan, Willibald Karl: Schwabing. Volk Verlag, München 2015, ISBN 978-3-937200-77-4, S. 29. Insbesondere der Bau des Güterbahnhofs Schwabing und des Nordrings mit der über 8,8 km langen Bahnstrecke nach München-Moosach über den Bahnhof Milbertshofen (Fertigstellung 1901) sowie der Bahnstrecke von Schwabing über Freimann und Johanneskirchen nach München Ost (Fertigstellung 1909) sorgten dafür, dass sich die Gemeindegrenze Freimanns verschob. Seitdem gehört das Areal des heutigen Domagkparks zu Schwabing und damit auch zur Stadt München, da Schwabing 1890 eingemeindet wurde.Brigitte Fingerle-Trischler: Freimann im Münchner Norden. Volk Verlag, München 2018, ISBN 978-3-86222-274-2, S. 71–72.Die Eisenbahn im Nordosten (enthält auch Nordring)Fischer,Theodor: Baulinien- und Bebauungspläne, Freimann, 1909–1918 Es war zunächst dem XXI. Stadtbezirk (Schwabing) zugeordnet, der zwei Jahre später im Zuge einer Neueinteilung aufgrund der zunehmenden Bevölkerungsdichte zum XXII. Stadtbezirk umbenannt wurde.Michael Stephan, Willibald Karl: Schwabing. Volk Verlag, München 2015, ISBN 978-3-937200-77-4, S. 52. Die Güterzüge, die früher von Schwabing bzw. von der Lokomotivfabrik J. A. Maffei in der Hirschau oder auch vom Städtischen Elektrizitätswerk am Schwabinger Krankenhaus ein Ziel Richtung München Ost ansteuerten, fuhren fortan am heutigen Bauhausplatz bzw. der Grundschule am Bauhausplatz vorbei, wo sie anschließend den heutigen Frankfurter Ring querten.
Spätestens seit 1905 existierte auf dem heutigen Areal ein Golfspielplatz, davon zeugt eine Postkarte des Club-Hauses.Postkarte (1905) mit Ansicht Club-Haus, Münchner Golf-Club, Ungererstraße 281 Auch noch in den 1930er-Jahren ist die Sportstätte in einem Stadtplan verzeichnet. Zu dieser Zeit fuhr ungefähr entlang der heutigen Ungererstraße eine elektrische Eisenbahn vom Nordfriedhof nach Freimann.Historischer Kartenausschnitt 1935 von Bayern-Atlas
mini|Luftaufnahme des Betriebsgeländes der Maurer SE München, damals noch gegenüber der ehemaligen Funkkaserne gelegen (Aufnahme von 1940–1963) 1925 verlegt die seit 1876 in München ansässige Metallwarenfabrik Friedrich Maurer’s Söhne ihren Firmensitz an den Frankfurter Ring 193. Von da an kann das Unternehmen auch Eisenkonstruktionen anbieten, wie Hallen- und Dachkonstruktionen, Kranbahnen und Brücken. Die beginnende Elektrifizierung der Reichsbahn lässt die Firma weiter wachsen, sodass das benachbarte Grundstück der ehemaligen Bergmannwerke aufgekauft und das Betriebsgelände vergrößert wurde. Auch heute noch existiert das mittlerweile international tätige Familienunternehmen unter dem Namen Maurer SE mit über 1.000 Mitarbeitern und hat seine Firmenzentrale unverändert am Domagkpark gegenüber der östlichen Ausfahrt der Max-Bill-Straße. Unter anderem wurde hier das größte transportable Riesenrad der Welt mit einer Höhe von 80 Metern fertiggestellt, welches man zur Bauzeit von weitem schon am Frankfurter Ring erkennen konnte.HALLO München "Ein Rekord-Riesenrad für das Werksviertels" vom 18. September 2018 Die ab April 2019 unter dem Namen Hi-Sky, ab Juli 2020 dann als Umadum betriebene Anlage im Münchner Werksviertel in der Nähe des Ostbahnhofs soll bis Frühjahr 2022 in Betrieb bleiben.
mini|Zufahrt zur ehemaligen Funkkaserne im Jahr 2020 (heute Bundespolizei) Zwischen 1936 und 1938 wurde von den Nationalsozialisten dann die Funkkaserne als Luftwaffen-Nachrichten Kaserne erbaut und der Golfspielplatz wurde aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb die US-Armee hier eine Übergangsunterkunft für überwiegend aus Osteuropa verschleppte Zwangsarbeiter. Die „UN relief and rehabilitation administration“ (UNRRA) kümmerte sich von hier aus um deren Rückführung.
Bei der Stadtbezirkseinteilung vom 2. Februar 1954 wurden die Stadtbezirke umbenannt. Da seit 1931 auch Freimann zum Stadtbezirk gehörte, war das Gelände des heutigen Domagkparks nun Teil des Stadtbezirks Schwabing-Freimann.Michael Stephan, Willibald Karl: Schwabing. Volk Verlag, München 2015, ISBN 978-3-937200-77-4, S. 53. mini|Luftbildaufnahme der ehemaligen Funkkaserne in München (Aufnahmedatum unbekannt, um 1950); die Straße ist der heutige Frankfurter Ring und hieß früher Freimanner Straße Im Jahr 1956 ging die Kaserne in die Verantwortung der Bundeswehr über. Bis 1992 war die Funkkaserne Standort für mehrere Pionierbataillons und einer Panzerkompanie.