mini|Kartoffelewer in Hamburg (1887) mini|Petrine (2023) Ein Ewer ist ein kleinerer, aus Friesland stammender Segelschifftyp mit Plattboden und einem oder zwei Masten, ursprünglich ohne Kiel. Einmastige Ewer werden als Pfahl- oder Giekewer bezeichnet, zweimastige heißen Besanewer.
Bei zweimastigen Ewern ist der achtern stehende Besanmast deutlich kürzer als der vor ihm stehende Großmast. Er ist also ein Anderthalbmaster. Ewer sind gaffelgetakelt. Vor dem Großmast fahren die Ewer üblicherweise Klüver und Fock. Typisches Merkmal sind das flache Unterwasserschiff und häufig Seitenschwerter, mit denen bei Am-Wind- und Halbwindkurs die Abdrift verringert wird. Die Ewer im norddeutschen Raum sind im Schnitt 16 Meter lang und vier Meter breit.
Geschichte, Verbreitung und Verwendung Ein Schiffstyp mit der Bezeichnung Ewer ist seit dem Mittelalter bekannt; eine erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem flämischen Sprachraum aus dem Jahre 1252 und bezeichnet den eenvare.Jörgen Bracker: Bemerkungen zur Konstruktion und Ausstattung der Hamburger Staatsewer, Schniggen und Huckboote im Lichte der Hamburger Kämmereirechnungen. In: Bewahren und Berichten : Festschrift für Hans-Dieter Loose zum 60. Geburtstag. Zeitschrift des Verein für Hamburgische Geschichte Band 83.1, 1997. S. 167 ff Im Wörterbuch der deutschen Sprache wird vermutet, dass = ‚Einfahrer‘ bedeuten könnte, was auf eine ursprüngliche Ein-Mann-Besatzung hindeuten würde. Aus Jörgen Brackers Sicht wären die Ewer für einen Einhandsegler zu groß. Er vermutet eine Herkunft von var(e) = Last oder Fuhre, damit wäre ein Ewer ein Boot, das die Last einer vierspännigen Fuhre transportieren könne, in der Regel das Gewicht bzw. die Masse von 12 großen gefüllten Tonnen.
mini|hochkant=0.7|Nachbau eines Ilmenau-Ewers im Lüneburger Hafen Bereits im 14. Jahrhundert, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wurde mit Ewern über die Ilmenau Salz von Lüneburg nach Lübeck und Hamburg transportiert. Im 16. und 17. Jahrhundert waren mehr als 50 dieser Schiffe auf dem Fluss unterwegs. Sie hatten eine Länge von 15 bis 20 Metern und konnten bis zu 20 Tonnen laden.Salzmuseum Lüneburg: Ilmenau-Ewer Ab etwa 1800 fanden sie vor allem im Gebiet der Unterelbe und Unterweser sowie auch in den Niederlanden und Dänemark Verbreitung. Mit über 2000 gebauten Booten waren sie im 19. Jahrhundert der am häufigsten eingesetzte Schiffstyp in Deutschland. Die meisten Ewer hatten eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren, nur ein Viertel der Ewer konnte bis zu 50 Jahre genutzt werden. Sie wurden besonders als Frachtschiffe in der Küsten- und Flussschifffahrt genutzt, teilweise auch als Fischereifahrzeuge.
Für den Niederelbraum lässt sich die Entwicklung nachvollziehen, dass bis 1800 vor allem halbgedeckte, einmastige Boote mit Rahsegel und hochgezogenem Vordersteven Verwendung fanden. Dieser Ewertyp wurde dann bis 1840 ungebräuchlich. Um ihn von dem folgenden Typ abzugrenzen, wurde er nachträglich als Pfahlewer bezeichnet.
Für die Ewer wurden teilweise regionale Bezeichnungen verwendet, dabei beschreibt der niederdeutsche Begriff Dreuchewer den Trockenewer, also einen Ewer ohne Bünn, der außer dem Ewer der Fischerei alle Ewertypen umfasst: Fischewer (1740 gab es in Blankenese 60 Fischewer, 1787 waren es 140.) Bugsierewer Fährewer Kartoffelewer Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Ewer häufig zusätzlich mit Motoren ausgerüstet. Später wurde auf die Takelage ganz verzichtet und die Ewer wurden nur noch mit eigenem Motor oder als Schleppverband gefahren.
Erhaltene Exemplare
Name Baujahr Bauwerft Typ Heimathafen BemerkungWindsbraut1911Ropers StadeAlstermaßewerStadealt=hoch und trocken|mini|Windsbraut trockengefallen im nordfriesischen Watt 2017Anna - Lisa1906Junge WewelsflethAlstermaßewerWischhafenmini|Teilansicht des Traditionsseglers Anna LisaPetrine 1909 Frachtschiff Hiddenseemini|Petrine 2011Amazone 1909 Jacobs Morreege Frachtschiff Germaniahafen Kielmini|AmazoneJohanna 1903 Frachtschiff Hamburgmini|JohannaCatarina 1889 Fischereischiff Hamburgmini|CatarinaAnnemarie 1914 Frachtschiff HoogeMoewe 1907 Fack Itzehoe Frachtschiff Museumshafen Oevelgönnemini|MoeweElfriede 1904 Frachtschiff Museumshafen Oevelgönnemini|ElfriedeHermann 1905 Frachtschiff Deutsches Hafenmuseummini|HermannLuise 1906 Frachtschiff Göhren (Rügen)mini|LuiseAlfred 1913 Frachtschiff Greifswaldmini|AlfredFriedrich 1910 Ropers Stade Frachtschiff Leer mini|Friedrich am Museumshafen in LeerJonas von Friedrichstadt 1911 mini|Jonas von Friedrichstadt im Hafen von PellwormMaria 1881 Fischewer Münchenmini|Maria im Deutschen MuseumMaria af von Hoff 1981 (Nachbau) Fischewer Kappelnmini|Maria af von Hoff im Kieler HafenFrieda 1909 Junge Wewelsfleth Giekewer Stade mini|Giekewer Frieda in GlückstadtMargareta 1897 Giekewer Buxtehude mini|Giekewer MargaretaWilli1926Jacobs MorreegeGiekewerStadealternativtext=Ewer Willi in Stade|mini|Ewer Willi im Alten Hafen StadeRonja1997Pfahlewer ReplikHusumalternativtext=Ronja im nordfriesischen Wattenmeer|mini|Pfahlewer Ronja im nordfriesischen WattenmeerMelpomene1895Lägerdorfer FrachtewerStöcktealternativtext=Melpomene|mini|Frachtewer MelpomeneAnna von Otterndorf1910Junge WewelsfleethLägerdorfer FrachtewerHamburgCatharina1895Lägerdorfer FrachtewerKrautsandalternativtext=Catharina auf Krautsand|mini|Ewer Catarina im eingedeichten Hafen von Krautsand (Unterelbe)Wilhelmine1912–1914Jacobs MorregeLägerdorfer EwerStade
Siehe auch Milch-Ewer: kleine Ewer, mit denen Milchprodukte in die Städte Hamburg und Altona transportiert wurden Ewerführer: Schiffsführer im Hamburger Hafen
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Einzelnachweise
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