mini|Pagode im Kloster Linji von Zhengding
Eine Pagode ist ein markantes, mehrgeschossiges, turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse meist durch vorragende Gesimse oder Dachvorsprünge voneinander getrennt sind. Gebäude dieser Art sind in Vietnam, China, Nepal, Myanmar, Kambodscha, Japan und Korea zu finden. Die Herkunft des Wortes Pagode ist nicht sicher geklärt. Entsprechende Bauwerke wurden im antiken Indien auf Sanskrit als (stūpa) bezeichnet, in Pali heißen sie thupa. Die chinesische Bezeichnung Ta () stammt ursprünglich aus dem Pali (thap in der antiken chinesischen Aussprache).
Ursprünglich dienten Pagoden dazu, Überreste erleuchteter buddhistischer Mönche aufzubewahren. Mit der Ausbreitung des Buddhismus nach Ostasien kamen auch die Pagoden nach Osten und entwickelten sich dort zu einer typischen ostasiatischen Traditionsarchitektur. Bereits vor der Einführung der Pagoden aus Indien gab es in China die schwingenden Dächer und auch sich überlagernde Dächer als Baukonstruktion. Diese Baustile wurden mit Pagoden verbunden. Kombiniert mit lokalen Baustilen entwickelte sich über die Jahrhunderte eine Vielzahl unterschiedlicher Pagodentypen. Der ursprünglich quadratische Querschnitt wandelte sich oft zu Sechsecken, Achtecken und sogar runden Querschnitten. Auch die Bautechnik wurde immer weiterentwickelt. Ursprünglich wurden Pagoden aus Stampflehm und Holz gebaut. Mit der Zeit kamen Ziegelsteine, Keramik, Majolika und sogar Metall als Baumaterial hinzu. Nach dem 14. Jahrhundert wurden Pagoden zunehmend profan verwendet. Man unterscheidet seitdem zwischen buddhistischen Pagoden und Fengshui-Pagoden ().
Die architektonische Beschäftigung mit Pagoden erfordert Kenntnisse in Materialwissenschaft, Baustatik, Erdkunde, Geologie und vielen anderen Wissenschaften. Als ein besonderes Merkmal der ostasiatischen Kultur hatten und haben Pagoden Einfluss auf Geschichte, Religion, Ästhetik, Philosophie und viele andere kulturelle Bereiche. Für das Verständnis der ostasiatischen Kultur sind sie ein wichtiges Element.
Geschichte und Entwicklung Ursprünge mini|Buddhistische Pagode des Cishou-Tempels im Umland von Peking mini|Stupa Die Pagode hat zwei wesentliche Ursprünge: der indische Stupa und das traditionelle chinesische Wohngebäude.
Der Stupa war ursprünglich ein buddhistisches Gebäude, in der die Sarira, also die sterblichen Reste von Siddhartha Gautama, aufbewahrt wurden, die bei der Verbrennung seines Leichnams übrig geblieben waren. Stupa bedeutete Grab. Später baute man auch Stupas als Gedenkstätten für den Buddha an seinem Geburts- und Todesort. Mit der Verbreitung des Buddhismus wurden dann auch andernorts Stupas aufgestellt, um Sarira aufzubewahren. Noch später wurden auch die Sarira der verstorbenen und verehrten Mönche in Stupas aufbewahrt. Indische Stupas sind halbkugelförmige Erdhügel.
Die traditionellen chinesischen Wohngebäude mit Doppeldächern gab es bereits vor der Zeit der Qin-Dynastie. Allerdings gibt es keine Originalgebäude dieser Bauart mehr, die vor der Han-Dynastie gebaut wurden. Außer zeitgenössischen Dokumenten ermöglichen vor allem Wandmalereien sowie Grabbeigaben aus den Gräbern der Han-Zeit die Rekonstruktion der früheren Bauweise. Viele der Grabbeigaben stellen Holzgebäude dar, die zwei bis drei Stockwerke aufweisen. Diese in Ton gebrannten Grabbeigaben sind detailgetreu angefertigt. So weisen sie die typische chinesische Bauweise mit Dougong () und hervortretenden Dächern auf. Selbst Türen und Fenster werden bis ins Detail wiedergegeben. Die meisten dieser Gebäude besitzen einen quadratischen Grundriss. Die stilistische Ähnlichkeit zwischen den Grabbeigaben der Han-Zeit und den Holzpagoden, die während der Zeit der Wei-Dynastie und der Jin-Dynastie auftauchten, ist unübersehbar.
Die ersten Pagoden Der Buddhismus kam während der Zeit der Östlichen Han-Dynastie nach China. Der Baustil der buddhistischen Gebäude vermengte sich schnell mit dem traditionellen chinesischen Baustil. Daraus entstanden die Stockwerkpagoden (). Diese Gebäude waren aus Holz, leicht entflammbar und schwer zu erhalten; deswegen entwickelten sich daraus später die Dichtdachpagoden (), die aus Ziegelsteinen gebaut wurden.
Ursprünglich war die Bezeichnung des neuartigen Bautyps in China uneinheitlich. Manche bezeichneten ihn direkt als Stupa, andere als Buddha oder Thupo. Es gab auch Übersetzungen als Quadratgrab () oder Rundgrab (). Erst in der Sui-Dynastie und der Tang-Dynastie kam die Bezeichnung Ta auf, die bis heute benutzt wird. Während der Eingliederung der Pagoden in die chinesische Kultur (Sinisierungsprozess) wurden Pagoden auch in den Daoismus übernommen, wobei sich auch der Baustil veränderte. Gleichzeitig wurde der Bautyp immer öfter im nicht religiösen Kontext benutzt. Vor allem verwendete man die Pagoden als Aussichtspunkt, für Feng Shui und für andere Zwecke.
Die ersten buddhistischen Pagoden in China entstanden zur Zeit der Östlichen Han-Dynastie im Stil der Stockwerkpagoden. Die erste Pagode südlich des Jangtsekiang wurde in der Zeit der Drei Reiche im heutigen Nanjing gebaut.
Etwa zur gleichen Zeit oder kurz danach wurden auch auf der koreanischen Halbinsel Pagoden errichtet. Zu dieser Zeit war die Halbinsel in drei Staaten gespalten. Die überwiegend aus Stein und selten aus Holz gebauten Pagoden werden stilistisch nach den jeweiligen Staaten unterschieden.
Keine der Pagoden aus dieser Periode hat die Zeiten überdauert. Auf einigen Malereien der Han-Zeit sind Pagoden zu sehen. Dabei ist die Form der Stupa noch klar zu erkennen.
In der Nähe von Kaschgar gibt es eine stark verwitterte Pagode. Da die Stadt an der Seidenstraße liegt und bereits um die Zeitenwende ein buddhistisches Zentrum war, wird angenommen, dass die Pagode bereits aus der Han-Zeit stammen könnte. Die Mehrheit der Historiker jedoch rechnen sie der Tang-Zeit zu. Die Pagode liegt etwa 35 km nordöstlich von Kaschgar (Chinesisch)
Südliche und Nördliche Dynastien Während der Südlichen und Nördlichen Dynastien breitete sich der Buddhismus über ganz China aus. Es entstanden viele Grotten, Tempel und Pagoden. In den Yungang-Grotten und in Dunhuang sind viele Abbildungen damaliger Pagoden zu sehen. Die älteste erhaltene Pagode stammt aus dem Jahre 466 aus der Zeit der Nördlichen Wei-Dynastie. Sie war ganz aus Stein und befand sich auf dem Areal eines Tempels in Shuozhou in der Provinz Shanxi. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Spitze der Pagode versteckt, während der Rest durch die japanischen Besatzer abtransportiert wurde. Nach dem Krieg wurde die Pagode an China zurückgegeben. Heute befindet sich die Spitze weiterhin im Tempel in Shanxi, während der Rest im Nationalen Palastmuseum in Taipeh aufbewahrt wird. In: daoyou8.com (Chinesisch). Die Pagode des Songyue-Tempels auf dem Berg Song Shan in der Provinz Henan aus der Zeit der Nördlichen Wei-Dynastie gilt als die älteste noch erhaltene Ziegelsteinpagode. Die vorwiegenden Baumaterialien dieser Zeit waren Stein, Holz und Ziegelsteine.
Sui- und Tang-Dynastie Die Sui-Dynastie war zwar von sehr kurzer Dauer, hatte aber den Buddhismus als Staatsreligion. Um den Geburtstag seiner Mutter zu feiern, ließ Kaiser Sui Wendi im ganzen Land über hundert Pagoden errichten. All diese Pagoden waren aus Holz; daher ist keine bis heute erhalten geblieben. Die einzige verbliebene Pagode aus der Sui-Zeit ist die Simen-Pagode in der Provinz Shandong, die jedoch aus Stein erbaut wurde.
Später wurden die Formen der Pagoden vielfältiger. Die Tang-Dynastie stellt die Blütezeit des chinesischen Kaiserreichs dar. Sie hatte großen Einfluss auf die umliegenden Kulturen, nahm aber umgekehrt auch viele von deren Elementen auf. Dies hat sich auch in der Entwicklung der Pagoden niedergeschlagen. Aus dieser Zeit sind bis heute über hundert Pagoden erhalten geblieben. Zu Beginn der Tang-Zeit waren die Pagoden zwar oft aus Ziegelstein, im Stil ahmen sie aber die Holzpagoden nach. Meist haben sie quadratische Grundrisse und sind innen hohl. Anders als spätere Pagoden haben die Tang-Pagoden keinen Sockel, auch an den Bauwerken selbst fehlen große Malereien und Dekorationen.
Zu dieser Zeit kamen Pagoden mit dem Buddhismus aus China und Korea nach Japan. Wegen der häufigen Erdbeben bestehen japanische Pagoden meistens aus Holz. Bis heute dominieren in Japan die quadratischen Grundrisse wie zur Tang-Zeit. Ebenfalls aus geologischen Gründen haben japanische Pagoden meistens einen niedrigen Unterbau, eine relativ kleine Grundfläche und nur eine geringe Höhe. Ein anderes charakteristisches Stilelement der japanischen Pagoden sind ihre weit auskragenden Dächer. Auch in ihrem Inneren bewahren japanische Holzpagoden bis heute die Tang-Bauweise mit einem besonders stabilen zentralen Holzpfeiler.
Zur gleichen Zeit verbreiteten sich Pagoden auch nach Süden. Besonders in Nanzhao wurden zu dieser Zeit viele Pagoden gebaut, da dort der Buddhismus Staatsreligion war. Heute sind nur noch wenige dieser Pagoden in Kunming und Dali erhalten. Die Pagoden in Nanzhao ähneln jenen der Tang-Zeit sehr. Auch die Pagoden in Balhae folgten zu dieser Zeit stilistisch der chinesischen Bauweise.
Während der Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Reiche war das Land stark durch Unruhen geprägt. Es gab zu dieser Zeit nur wenige Neugründungen von Klöstern und Neubauten von Pagoden. Allerdings trat zu dieser Zeit eine wichtige stilistische Neuerung auf: Zum quadratischen kamen sechs- und achteckige Grundrisse hinzu. Auch die Innenarchitektur der Pagoden veränderte sich: Wendeltreppen und Treppenhäuser wurden eingebaut, und auf den Etagen gab es Außenplattformen.
Liao-, Song- und Jin-Dynastie Während der Liao-, Song- und Jin-Dynastie war China politisch geteilt. Die Baustile, auch jener der Pagoden, unterschieden sich ebenfalls.
Im Süden, im Song-Gebiet, entstanden aufgrund der prosperierenden Wirtschaft viele Pagoden. Die Song-Pagoden zeichnen sich gegenüber den weiter verbreiteten Stockwerkpagoden durch ihre Vielfältigkeit aus. Sie haben meistens einen sechs- oder achteckigen Grundriss; quadratische Grundrisse sind selten.
Die Song-Pagoden sind außen reichlich geschmückt. Jede Etage besitzt eine Plattform, Geländer sowie fliehende Dächer. Selbst eine so große und hohe Pagode wie die Pagode der Sechs Harmonien in Hangzhou erscheint geschwungen und leicht.
Auch in der Struktur des Tempels hat es während der Song-Zeit viele Änderungen gegeben. In der Tang-Zeit befand sich die Pagode meist im Vorhof des Tempels, genoss also eine prominente Stellung. In der Song-Zeit wurde diese Stellung von der Haupthalle übernommen, die Pagode wurde in den Hinterhof oder zur Seite versetzt.