Der Porsche 924 ist ein Sportwagen, den die Porsche AG von 1975 bis 1988 produzierte.

Ursprünglich war er als Nachfolger des VW-Porsche 914 für Volkswagen konstruiert. Porsche brachte den Wagen als eigenes Einsteigermodell unterhalb des Typs 911 auf den Markt. Der 924 war das erste Auto von Porsche mit einem wassergekühlten Frontmotor und dem Transaxle-Antrieb und war Ausdruck einer Abkehr vom technischen Konzept der Modelle mit luftgekühlten Heckmotoren.

Außer den Serienfahrzeugen wurden 1980 und 1981 speziell für den Motorsport die Fahrzeugvarianten Carrera GTP und Carrera GTR entwickelt, die in Sportwagen-Weltmeisterschaftsläufen wie beispielsweise den 24-Stunden-Rennen von Le Mans eingesetzt wurden. Sie erreichten dort in der Klassenwertung Plätze unter den ersten drei und Siege.

Der 924 wurde wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile, wie dem 2-Liter-Motor, oftmals nicht als vollwertiger Porsche-Sportwagen angesehen.AutoBild Magazin, Ausgabe Nr. 25 von 2005. Erst seit den 2010er-Jahren erhält das Modell als Old- und Youngtimer zunehmend Anerkennung.Autobild:

Allgemeines 1970 veranlasste die von Volkswagen und Porsche gemeinsam für den Vertrieb des Porsche 914 gegründete Vertriebsgesellschaft in Ludwigsburg die Entwicklung eines Nachfolgemodells. Der Sportwagen sollte kostengünstig mit einem möglichst hohen Anteil an Großserienteilen des VW/Audi-Programms produziert werden. Ziel war es, den neuen Wagen ins offizielle Verkaufsprogramm von Audi aufzunehmen.

mini|Porsche EA 425 Mit einem Budget von rund 150 Mio. DM konstruierte Porsche unter der Bezeichnung EA 425 ein neues Fahrzeug.Nicky Wright: Porsche – Traumauto made in Germany. S. 132. Bevor die Arbeiten abgeschlossen werden konnten, stoppte 1975 der neue VW-Vorstandsvorsitzende Toni Schmücker das Entwicklungsprojekt.Der Spiegel Magazin, Ausgabe Nr. 47 von 1975, S. 203. Volkswagen war zu jener Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, und Schmücker entschied, den Sportwagen nicht für Audi weiterzuentwickeln. Er sah nach der Ölkrise 1973/74 wenig Chancen für das neue Modell,Nicky Wright: Porsche – Traumauto made in Germany. S. 134. und mit dem 1974 eingeführten VW Scirocco hatte der VW-Konzern bereits einen Sportwagen im Programm.

1975 kaufte Porsche die Rechte an der bisherigen Konstruktion zurück, um das Auto fertigzustellen und in eigener Regie zu vermarkten. Vorher wurde mit Volkswagen vereinbart, den Wagen im ehemaligen NSU-Werk in Neckarsulm zu produzieren, um so die dort bedrohten Arbeitsplätze zu erhalten. Als Gegenleistung erhielt Porsche die VW-Bauteile für den Sportwagen zu günstigen Konditionen. Diese Entscheidung brachte für beide Vertragspartner einen Vorteil: Volkswagen konnte seinen Standort kostendeckend weiterbetreiben, Porsche ersparte sich den Ausbau seiner Produktionsanlagen, die für den ab 1977 gebauten Porsche 928 genutzt werden sollten.

Die Serienproduktion des 924 begann im November 1975.Karl Ludvigsen, Perfektion ist selbstverständlich (Band 2), S. 286.

Design mini|Porsche 924 S mit ausgeklappten Scheinwerfern Die von Harm Lagaay entworfene Karosserie des 924Stuart Gallaher: Faszination Porsche. S. 91. unterschied sich grundlegend von denen der vorhergehenden Porsche-Modelle 356, 911 und 914. Wegen des vorn eingebauten Motors hatte der 924 eine für Porsche völlig neue Linienführung. Der Leiter des Karosseriedesigns bei Porsche, Anatole Lapine, sagte später über die Form: „Das Auto hat einer gezeichnet, der sein Leben lang von einem Ferrari geträumt, aber nie einen gekriegt hat.“

Der Motor lag in einem langen, nach vorn stark abfallenden Vorderwagen mit Klappscheinwerfern, die sich bei eingeschaltetem Abblend- oder Fernlicht öffneten. In ausgeschaltetem Zustand waren die Scheinwerfer nicht zu sehen und bildeten mit der Motorhaube eine glatte Fläche. Der vordere Stoßfänger mit Spoiler enthielt Kennzeichen, Blinker und Fernscheinwerfer. Durch die glatten Flächen der Karosserie ließ sich ein niedriger Strömungswiderstandskoeffizient (cw) von 0,34 erreichen.

Das Fahrzeug ist ein 2+2-Sitzer und hat Coupé-typisch zwei Türen. Die hinteren muldenförmigen Sitze sind durch einen hohen Antriebstunnel getrennt und nur für kleine Personen oder Kinder geeignet.

Trotz vieler Veränderungen im Innenraum ließen die Schalter und Türgriffe eine enge Verwandtschaft zum ursprünglichen Volkswagenentwurf erkennen. Ein Porsche-Werkssprecher sagte 1975 dazu: „Wir haben, vor allem an der Ausstattung, vieles geändert – als VW wäre der Wagen armselig geworden.“

Das Fahrzeug hat mit bis zu 370 Liter Fassungsvermögen einen für Sportwagen großen Kofferraum;Handelsblatt: er liegt unter der stark gewölbten Heckscheibe, die gleichzeitig der Kofferraumdeckel ist.

Der Porsche 924 enthält verschiedene Stilelemente anderer Fahrzeuge. Die Heckscheibe gleicht der des bereits seit 1966 produzierten Jensen Interceptor und die hinteren Seitenfenster ähneln denen des Honda Civic von 1972.Der Spiegel Magazin, Ausgabe Nr. 47 von 1975, S. 200. Der 924 ist die Grundlage für weitere Fahrzeugentwicklungen wie die des Porsche 944 und dessen Nachfolger 968.

Technik mini|2-Liter-Motor eines Porsche 924 von 1976 Die beim 924 eingeführte Transaxlekonstruktion war zu dieser Zeit zwar selten, jedoch keine Neuheit im Automobilbau.Der Spiegel Magazin, Ausgabe Nr. 47 von 1975, S. 202. Diese Art des Antriebs gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg unter anderem bei Csonka, 1937 im Škoda Popular wie auch in den beiden Alfettas aus den Jahren 1937 und 1972 von Alfa Romeo, dem Lancia Aurelia von 1950 und dem Pontiac Tempest von 1960. Durch den vorn platzierten Motor, der durch eine vierfach gelagerte Welle in einem starren, etwa zwei Meter langen Rohr mit dem im Heck an der Achse eingebauten Getriebe verbunden war, ergab sich eine für neutrales Fahrverhalten vorteilhaft ausgewogene Gewichtsverteilung im Verhältnis 48 : 52.Auto-Motor-und-Sport: Dabei wurde die Technik auch in der Karosserie eines BMW 2002 und zweier Opel Mantas erprobt.Welt: Wie im Entwicklungsauftrag gefordert, wurden viele technische Bauteile aus dem VW-Konzern im Fahrzeug eingesetzt. Der anfangs eingebaute VW EA831, ein wassergekühlter 2-Liter-Vierzylinder-Reihenmotor mit aus dem Audi 100, war darüber auch im VW-LT-Nutzfahrzeug eingesetzt.Stuart Gallaher: Faszination Porsche. S. 90. Das Viergangschaltgetriebe und die Trommelbremsen an der Hinterachse entstammten ebenfalls dem Audi 100. An der Vorderachse wurden die Querlenker vom VW Golf und die MacPherson-Federbeine vom VW Käfer 1303 verwendet. Die Hinterräder waren an Schräglenkern vom VW Käfer 1500 Automatik bzw. 1302/1303 aufgehängt.Der Spiegel Magazin, Ausgabe Nr. 47 von 1975, S. 205. Darüber hinaus wurden weitere Bauteile aus dem VW-Programm im 924 verwandt, zum Beispiel der Vorschalldämpfer des Audi 200 Turbo oder der Kühlwasserausgleichsbehälter des VW K 70. So konnten die Fertigungskosten gesenkt und der Grundpreis 1976 mit 23.240 DM niedrig gehalten werden. Im Vergleich dazu kostete ein Porsche 911 mindestens 32.000 DM.

Außenlackierungen Für den Porsche 924 wurden seit seiner Einführung 1976 über die Jahre verschiedene Lackierungen angeboten. Neben den aufpreisfreien Serien-Unilacken gab es Metalliclackierungen, sogenannte Sonderfarben. Für den 924 Turbo waren zusätzlich Zweifarbenlackierungen lieferbar, die sich aus unterschiedlichen Serien- und Sonderfarben zusammensetzten.Werk924.com – Internetseite:

Uni: Schwarz(1976–1978 und 1983–1984) Marsrot(1976–1978) Atlasweiss(1976) Rallyegelb(1976–1978) Signalgrün(1976–1978) Maroon(1976) Spanischgrün(1976) Moccaschwarz(1979–1982) Indischrot(1979–1984) Polarweiss(1977) Mexicobeige(1979–1980) Flieder(1979–1980) Brokatrot(1977) Cockneybraun(1978) Mauritiusblau(1981–1982) Venusrot(1980–1981) Alpinweiss(1978–1984) Coloradobeige(1981) Monacoblau(1980–1981) Malagarot(1978–1980) Amethyst(1980) Kopenhagenblau(1983–1984) Sundagrün(1981) Pasadenagelb(1983–1984) Gabungrau(1982) Gambiarot(1982) Havannabraun(1981–1982) Metallic: Diamantsilber(1976–1982) Vipergrün(1976) Tizian(1976) Atlantic(1976) Resedagrün(1977–1978) Kupfermetallic(1977–1978) Bahamablau(1977–1978) Malachit(1977) Dolomitengrau(1979–1980) Kolibrigrün(1978–1979) Petrolblau(1979–1980) Minervablau(1979–1981) Indianarot(1979–1981) Saturn(1981) Platin(1981–1984) Meteor(1981–1982) Onyx(1980–1981) Schwarz(1981–1982) Hellblau(1982) Surinam(1982) Lhasa(1982) Zermattsilber(1983–1984) Geminigrau(1983–1984) Zobelbraun(1983–1984) Montegoschwarz(1983–1984) Saphir(1983–1984) Rubinrot(1983–1984) Hellbronze(1983–1984)

Modellentwicklung 924 (1976–1985) mini|Vorderansicht eines Porsche 924 mini|Heckansicht eines Porsche 924 Der Porsche 924 wurde 1976 als Nachfolger des 914 unterhalb des 911 als günstigster Porsche vermarktet. Zielgruppe waren junge Familien und Käufer, die sich einen neuen 911 nicht leisten konnten. Der damalige Porsche-Vorstandsvorsitzende Ernst Fuhrmann sagte über den Wagen: „Da haben wir mal wieder was für die jungen Leute und die Damen.“

Der erste wassergekühlte Motor in einem Porsche hatte vier Zylinder in Reihe, kontinuierlich einspritzende Mehrpunktsaugrohreinspritzung Bosch-K-Jetronic und leistete maximal bei 5800/min. Die Leermasse bzw. das Leergewicht beträgt 1080 kg und die Höchstgeschwindigkeit 204 km/h. Für die Beschleunigung von null auf 100 km/h benötigte der Sportwagen rund 9,6 Sekunden. Als Normverbrauch wurden 7,7 l Superbenzin angegeben. Serienmäßig wurden die Fahrzeuge mit 165-HR-14-Reifen auf 5,5J×14-Vierloch-Stahlrädern ausgeliefert, die gegen 6J×14-Vierloch-Leichtmetallräder und 185/70-HR-14-Breitreifen ausgetauscht werden konnten. Zur Verbesserung der Straßenlage bot Porsche gegen Aufpreis vorn und hinten Stabilisatoren an.

Die Innenausstattung des 924 war bereits in der Serie umfangreich. Die beiden vorderen Sportsitze mit integrierten Kopfstützen kamen vom 911 und waren wie auch die hinteren Sitze an den Sitzwangen mit Kunstleder und auf den Sitzflächen und der Rückenlehne mit einem Karostoff bezogen. Die hinteren Sitzlehnen waren nach vorne umklappbar, um die Ladefläche des Kofferraums zu vergrößern. Der Kofferrauminhalt ließ sich mit einer ausrollbaren Stoffabdeckung verbergen.Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG: Prospekt zum Porsche 924 (US-Version), 1977. Statt des Standard-Zweispeichenlenkrads konnte ein höherwertiges Zweispeichen-Lederlenkrad bestellt werden. Der dreiteilige Instrumenteneinsatz hinter dem Lenkrad enthielt links die Kühlwassertemperatur- und Tankanzeige, in der Mitte Geschwindigkeits- und Kilometerstandanzeige einschließlich Tageskilometerzähler sowie rechts den Drehzahlmesser. In der Mittelkonsole waren oben die Zusatzinstrumente für den Öldruck, eine Quarzuhr mit Analoganzeige und ein Voltmeter eingebaut. Darunter befanden sich der Zigarettenanzünder und die Warnanzeige für den Bremsbelagverschleiß und den Fahrersicherheitsgurt. Unter der Steuerung für die Lüftung und Heizung war der DIN-Einbauschacht für ein Stereo-Autoradio mit einem Lautsprecher vorn und zwei Lautsprechern hinten. In dem Armaturenbrett gab es auf der Beifahrerseite ein abschließbares Ablagefach.

Weitere Komfortfunktionen wie der Heckscheibenwischer und die Scheinwerferreinigungsanlage waren als Zusatzausstattung erhältlich. Nebelscheinwerfer konnten ebenso wie eine Anhängerkupplung gegen Aufpreis zusätzlich bestellt werden. Statt des auf Wunsch erhältlichen Schiebedachs gab es als Besonderheit ein ausstell- und herausnehmbares Dachteil aus Kunststoff, mit dem der Wagen in eine Targa-ähnliche Version umgewandelt werden konnte. Dieses laut Porsche „herausnehmbare Hubdach“ passte ausgebaut genau in den Kofferraum. Außerdem war eine Klimaanlage lieferbar.

1977 bot Porsche das Fahrzeug mit Schaltgetriebe oder einer Dreistufen-Automatik an.Stuart Gallaher: Faszination Porsche. S. 92. Beim Einbau der Klimaanlage entfiel das Voltmeter in der Mittelkonsole, an dessen Stelle saß die Quarzuhr, deren Platz für die Klimaanlagensteuerung genutzt wurde.