Der rote Schatten ist ein 1959 entstandener, britischer Horrorfilm mit Anton Diffring und Erika Remberg in den Hauptrollen.
Handlung England 1947. In einem abgelegenen Haus zertrümmert Evelyn Finsbury all ihre Spiegel, nachdem sie ihr Gesicht gesehen hat, das von dem plastischen Chirurgen Dr. Marc Rossiter in einer geheimen Sitzung operiert wurde, und ist über das Ergebnis entsetzt. Nach Rossiter wird offensichtlich gefahndet, denn die Polizei hat eine Straßensperre errichtet, durch die Rossiter durchbrettert. Als der Chirurg einem umgestürzten Baum ausweichen muss, verliert er die Kontrolle über seinen Wagen und rast einen Abhang hinunter. Der Wagen fängt Feuer und Rossiter erleidet Gesichtsverletzungen. Er kann sich aufrappeln und kommt beim Geschwisterpaar Angela und Martin unter, das ihn bei seinen operativen Eingriffen unterstützt. Bald hat sich Rossiter erholt und beschließt, unter dem Namen Bernard Schüler auf dem europäischen Festland einen Neubeginn zu wagen.
Alle drei fahren in Frankreich eine Landstraße entlang auf dem Weg nach Bordeaux. Am Straßenrand sehen sie ein kleines Mädchen an einem Brunnen Wasser schöpfen. Rossiter alias Schüler steigt aus, um die Kleine nach dem Weg zu fragen. Er sieht, dass sie im Gesicht mehrere Narben trägt, von denen sie sagt, dass sie während des Krieges infolge eines Bombenabwurfs entstanden sind. Das Mädchen ist die Tochter des erfolglosen Zirkusbesitzers Vanet. Schüler spricht mit Vanet und kann ihn überzeugen, dass seine Tochter sich unter sein Messer legt. Tatsächlich gelingt die Operation an Nicoles Gesicht. Voller Glück läuft sie zu den Zirkustieren, einem Menschenaffen, einer Raubkatze und einem Elefanten und ruft ihnen entgegen, wie schön sie ist. Schüler findet, dass der Zirkus ein gutes Versteck für ihn und das Geschwisterpaar bedeutet, und macht mit Vanet einen Deal. Er führt den Zirkus unter seinem Dach und führt heimlich Gesichtsoperationen an Patienten durch. Bevor es so weit kommt, wird Vanet betrunken von seinem Bären zerdrückt. Schüler hätte eingreifen können, tut es aber nicht. Nun kann er den Zirkus übernehmen und tauft ihn auf seinen eigenen Namen um.
Als Schüler eines Abends in einer französischen Stadt in einer schummrigen Bar einkehrt, sieht er eine verkommene Hure am Tresen mit einem viel älteren Kunden sprechen. Er beobachtet, wie die Frau eine Art Eispickel in ihrem Dekolleté verschwinden lässt und mit dem Mann die Kneipe verlässt. Schüler geht beiden hinterher. In einer Seitenstraße beraubt die Dirne den Mann, und als dieser sich wehrt, sticht sie kurzerhand zu. Schüler hält die Räuberin und Mörderin, eine gewisse Elissa, fest und sieht eine riesige Narbe auf ihrer rechten Gesichtshälfte. Er macht der Verbrecherin ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: er werde ihre einstige Schönheit operativ wiederherstellen. Angela und Martin sind entsetzt, als sie Schülers Idee vernehmen: er wolle einen Zirkus aus Verbrechern ins Leben rufen, denen er zuvor ihr Aussehen wiedergegeben habe. Einerseits könne er so seine Fähigkeiten stetig verbessern, andererseits würde niemand von ihnen ihn verraten, da sie alle gesuchte Verbrecher seien. Stück für Stück setzt Rossiter alias Schüler seine Idee vom Zirkus des Grauens um.
Zehn Jahre später. Schüler hat seinen Zirkus auf die Beine gestellt und gibt in Berlin eine Vorstellung. Seine erste Verbrecherpatientin Elissa Carro wird als „die Königin der Luft“ zur Hauptattraktion seines Unternehmens. Als Hochseilartistin hat sie Talent an den Tag gelegt. Während die Vorstellungen laufen, nimmt er sich gesuchter Verbrecher und Verbrecherinnen an und transformiert ihr Äußeres in seinem speziellen „Temple of Beauty“. Einzig Elissa macht ein wenig Ärger, stört es sie doch, dass sie nicht allein als Sensation des Zirkus Schüler angekündigt wird, sondern dieses Vorrecht mit der Kunstreiterin Magda von Meck teilen muss. Magda teilt Schüler mit, dass sie den Zirkus verlassen möchte und weist deshalb die inzwischen erwachsen gewordene Nicole Vanet als ihre Nachfolgerin ein. Da Schüler nicht riskieren will, dass einer seiner gesichtsbehandelten Verbrecher ihn verlässt, lässt er sich etwas einfallen, dass Magda nicht lebend aus dem Zirkus herauskommt. Martin, mittlerweile Schüler hörig geworden, zieht während des Messerwurfaktes innerhalb der Vorstellung den Stecker heraus, so dass es im Zirkus dunkel wird. Daraufhin verliert der Messerwerfer kurz die Orientierung und ein geworfenes Messer landet im Hals Magdas und tötet sie. Die den Fall untersuchende Polizei wird misstrauisch, denn es handelte sich dabei nicht um den ersten „Unfall“ dieser Art. Als der Zirkus nach England weiterreist, wird auch die britische Polizei vorab informiert. Auch hier hat der aufgrund der „Unfälle“ berühmt gewordene Wanderzirkus seinen Ruf als Unglückszirkus weg. Ein britischer Journalist schwärmt Schüler bereits seine Schlagzeile vor: „Circus of Horrors“.
Dieser „Journalist“ Arthur Desmond ist jedoch ein Inspector von Scotland Yard, wo man den Verbrechen während der Vorstellung nachspürt. Zu diesem Zweck horcht er Nicole aus, die einzige neben Schülers Geschwister-Helfern, die von seiner alten Existenz als Dr. Rossiter weiß. Dies bekommt Elissa mit und beginnt aus Eifersucht Schüler zu erpressen. Der tut ahnungslos und behauptet, er habe den Namen Rossiter noch nie gehört. Schüler sorgt daraufhin dafür, dass Elissa in ihrem Wohnwagen Besuch von einer Würgeschlange erhält. Doch sie schreit und kommt lebend heraus. Als Elissa vor der Vorstellung Schüler ankündigt, sich demnächst mit jenem Zeitungsjournalisten Mr. Desmond zusammenzusetzen, will Schüler Elissa verschwinden lassen. Während der Vorstellung soll Martin das Seil präparieren, damit Elissa bei ihrem Hochseilakt abstürzt. Elissa bricht sich das Genick. Bei dem Versuch, einen Menschenaffen in seinem Käfig zu beruhigen, wird Schüler von diesem angefallen und schwer im Gesicht verletzt. Zum selben Zeitpunkt erscheint in Begleitung ihres Gatten die Frau, die Schüler als Dr. Rossiter einst entstellt hat. Schülers Tarnung droht aufzufliegen, denn trotz seiner Bandage an der rechten Gesichtshälfte erkennt Evelyn Finsbury ihren Verstümmler.
Die Dinge geraten außer Kontrolle. Schülers Geliebte Melina wird bei einer Löwennummer schwer verletzt und das Geschwisterpaar kündigt Schüler an, ihn zu verlassen. Daraufhin kommt es zum Kampf zwischen Schüler und Martin, als dieser seine Schwester verteidigt. Bei dem Gerangel sticht Schüler Angela von hinten versehentlich in den Rücken. Sie stirbt, während Martin flieht. Er gerät in die Hände der Polizei, der er alles gesteht, hatte aber zuvor das Menschenaffengehäuse geöffnet. Nun muss Schüler einen Kampf mit dem verhassten Affen führen. Er gewinnt den Kampf, muss aber entdecken, dass Nicole mittlerweile eine Liebe ausgerechnet zu dem Mann entwickelt hat, der ihm am gefährlichsten werden kann: dem falschen Journalisten Desmond. Es kommt auch mit ihm zu einem Kampf, und beinahe wird Desmond von Schüler erstochen. Die Polizei eilt hinzu, Schüler flieht. Währenddessen hat sich Evelyn Finsbury auf der Heimfahrt mit ihrem Mann dessen Wagens bemächtigt und rast zum Zirkus zurück. Sie sieht Schüler auf der Flucht, hält auf ihn zu und fährt sie ihn über den Haufen. Schüler alias Rossiter stirbt vor den Augen seines Schützlings Nicole, direkt vor dem Eingang zu seinem „Temple of Beauty“.
Produktionsnotizen Der rote Schatten entstand im Herbst 1959 an mehreren Drehorten in Großbritannien, sowohl in der Landschaft (Clapham Common-Park im südlichen London und in Amersham) als auch im Studio. Im April 1960 lief der Gruselfilm in den britischen Kinos an, am 11. August 1960 auch in deutschen Lichtspielhäusern. Der rote Schatten ist ein äußerst ungewöhnliches Beispiel für einen britischen Film, in dem, knapp 15 Jahre nach Kriegsende, zwei deutschsprachige Schauspieler die Hauptrollen erhielten. Diffring hatte unmittelbar zuvor in dem Hammer-Film Den Tod überlistet bereits die Hauptrolle gespielt, und auch da sah man ihn als gewissenlosen Mediziner.
Für Erika Remberg, die hier ihr englischsprachiges Kinofilmdebüt gab, besaß der Film eine persönliche Besonderheit. Sie lernte am Set ihren späteren Mann, den Regisseur Sidney Hayers kennen, mit dem sie bis zu dessen Tod im Jahr 2000 verheiratet sein sollte.
Einen besonderen Eindruck hinterließ die damals elfjährige Carla Challoner, die das auf ihrer linken Gesichtshälfte von Narben entstellte, französische Mädchen Nicole verkörperte, das von dem plastischen Chirurg Dr. Rossiter zu einer kleinen Schönheit umoperiert wird.
Die Zirkus- und Tierszenen wurden mit Hilfe des Billy Smart’s Circus angefertigt.
Die von Garry Mills gesungene Musiknummer Look for a Star befand sich sowohl in England als auch in den USA unter den Top 40 der Verkaufshits. Co-Komponist Muir Mathieson hatte auch die musikalische Leitung.
Passagen dieses Films haben große Ähnlichkeit mit dem nahezu zeitgleich entstandenen französischen Gruselfilm Augen ohne Gesicht.
Rezeption Der in seiner Entstehungszeit (vor allem bei der deutschen Kritik) umstrittene B-Film gilt heute in Trash- und Horrorfilmkreisen als ein in Vergessenheit geratenes kleines Juwel. Er bildete den Abschluss der „schmutziger“, sadistischen “Sadian Trilogy”, beginnend mit Das schwarze Museum, von der Augen der Angst heute Kultstatus besitzt.
„Last but not least muss man dem Regisseur Sidney Hayers („Hypno“ ) Anerkennung zollen für sein straffes Tempo und sein Geschick, zahlreiche Grand-Guignol-Momente aufzubauen in all ihrer grausigen Herrlichkeit. Gelegentlich sind einige Fehltritte bei dem gewaltig überzogenen Finale auszumachen sowie dem offensichtlichen Einsatz von Menschen in Tierkostümen in einigen Szenen, einer davon ein überhaupt nicht überzeugender Gorilla. Aber Circus of Horrors hat, gemeinsam mit Horrors of the Black Museum und Peeping Tom, einen neuen, eindeutigeren Standard im Horror Genre begründet, dank der Etablierung eines hohen Grades an Eleganz; und das gilt erstaunlicherweise noch immer nach fast vierzig Jahren.“
Handbuch der katholischen Filmkritik 1959/61: „Arm an Logik, Geschmack und filmischem Können.“Filme 1959/61. Handbuch VI der katholischen Filmkritik. S. 143
Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Wenig origineller britischer Gruselfilm, handwerklich unter dem Durchschnitt.“
Einzelnachweise
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