mini|Frankreich während der Besetzung mini|Parade deutscher Soldaten vor dem Arc de Triomphe de l’Étoile im Juni 1940 mini|Bei französischen Bauern einquartierte Wehrmachtssoldaten in Marly-la-Ville im Mai 1940, Aufnahme aus dem Nachlass Joachim Döhler

Die deutsche Besetzung Frankreichs nach dem Westfeldzug begann mit dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940. Die Forces françaises libres und General de Gaulle führten den Kampf mit Unterstützung der Alliierten weiter. 1944 bildete er schließlich die Provisorische Regierung der Französischen Republik. Die Besetzung endete mit der Kapitulation der deutschen Truppen anlässlich der Befreiung von Paris am 24. August 1944.

Die deutsche Eroberung von Paris hatte in Frankreich am 16. Juni 1940 die Ersetzung der Regierung Reynaud durch die Regierung Pétain zur Folge, die erklärtermaßen eine Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs von französischer Seite für aussichtslos hielt. Sie schloss am 22. Juni 1940 mit Hitlerdeutschland den Waffenstillstand von Compiègne. Dieser teilte das französische Staatsgebiet in eine besetzte und eine unbesetzte Zone. Einer deutschen Militärverwaltung unter einem Militärbefehlshaber in Frankreich mit Sitz in Paris, General Otto von Stülpnagel, unterstand Nord- und Westfrankreich mit den wichtigen Industriegebieten im Norden sowie der gesamten Kanal- und Atlantikküste bis zur spanischen Grenze.

Die nördlichen Départements Nord und Pas-de-Calais wurden dem deutschen Militärbefehlshaber, General Alexander von Falkenhausen mit Sitz in der belgischen Hauptstadt Brüssel unterstellt. Das Territorium des Reichslands Elsaß-Lothringen, das Deutschland 1919 im Friedensvertrag von Versailles an Frankreich hatte abtreten müssen, wurde den Gauleitern der Reichsgaue Baden und Saarpfalz als CdZ-Gebiete „Elsaß“ bzw. „Lothringen“ unterstellt. In Frankreichs unbesetztem Süden war der Badeort Vichy im Département Allier ab Juli 1940 Sitz der neuen französischen Regierung mit dem Staatsoberhaupt und Ministerpräsidenten Marschall Henri Philippe Pétain. Dem Vichy-Regime unterstanden ungefähr 40 Prozent des französischen Staatsgebiets mitsamt den Kolonien sowie ein 100.000 Mann starkes Freiwilligenheer, ein bedeutender Teil der Kriegsmarine, der sich in die Häfen des Mittelmeers und der Kolonien zurückgezogen hatte, und eine kleine Luftwaffe.Deutsches Historisches Museum: Der Zweite Weltkrieg/Besatzungsregime in Frankreich. dhm.de, 5. November 2015.

Neben den Militärverwaltungen wurden im Lauf der Besatzungszeit weitere Organisationen mit besonderen Machtbefugnissen wie SS- und Polizeiführer im besetzten Teil Frankreichs installiert. Das Vichy-Regime entwickelte rasch eine Politik der Kollaboration mit den Deutschen im Kampf gegen den französischen Widerstand, die Résistance, und führte wie deutsche Behörden in der Nordzone auch selbst eine Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der unbesetzten Südzone durch. Sie wurde nach Deutschland und Polen deportiert. Diese Konstellation wurde nach der Landung der Alliierten im November 1942 in Französisch-Nordafrika (Marokko und Algerien) zusätzlich verstärkt.Serge Klarsfeld: Vichy – Auschwitz: Die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Behörden bei der Endlösung der Judenfrage in Frankreich. Greno, Nördlingen 1989, ISBN 3-89190-958-6. Weil die Franzosen zögerten, dieser Invasion entgegenzutreten, wurde auch Südfrankreich militärisch besetzt. Offiziell blieb die Vichy-Regierung souverän. Das neu besetzte Gebiet wurde aber einem deutschen „Befehlshaber Heeresgebiet Südfrankreich“ unterstellt und die französische Armee entwaffnet.

Hintergrund der Teilbesetzung Für den NS-Staat gab es zwingende Gründe, einen französischen Reststaat – das Vichy-Regime – zu begünstigen, der nicht unter seinem direkten Einfluss stand. Um Großbritannien als einzigen handlungsfähigen Gegner durch eine Invasion – das Unternehmen Seelöwe – oder durch Abschneiden der Seewege in die Knie zu zwingen, mussten die Kanal- und die Atlantikküste besetzt werden. Ein Hindernis für die Ziele deutscher Kriegführung und Außenpolitik waren die italienischen Ansprüche, die Benito Mussolini durchzusetzen versuchte. Er betrachtete das Mittelmeer als „mare nostro“ (Meer Italiens) und bestand darauf, das westliche Mittelmeer von deutschen Truppen freizuhalten. Er wollte Tunis annektieren. Das hätte das deutsche Vorhaben sabotiert, Philippe Pétain für die Achsenmächte zu gewinnen; der neue Staatschef war über das britische Verhalten während des Westfeldzugs vor allem in der letzten Phase verbittert. Mussolinis Pläne hätten das Bestreben von Theodore Roosevelt junior begünstigt, Frankreich unter Verweis auf den späteren Kriegseintritt der USA zum weiteren Widerstand gegen Deutschland im Krieg zu halten und die von Churchill angebotene Französisch-britische Union zu verwirklichen. Ein unbesetztes Territorium hingegen konnte die französische Neigung weiter schwächen, sich darauf einzulassen. Hinzu kam Pétains Stolz: Der Marschall weigerte sich, in einem besetzten Teil Frankreichs seinen Regierungssitz zu nehmen.

Italiens Rolle in dieser Situation war von Mussolinis Verhalten gekennzeichnet; er wollte seine Vormachtstellung im Mittelmeerraum demonstrieren und fiel, ohne die deutsche Seite zu informieren, im Oktober 1940 von Albanien aus in Griechenland ein. Der „Duce“ hatte eine Lage geschaffen, die für Deutschland zu einer Bedrohung des rumänischen Erdölgebietes von Ploiești wurde und somit äußerst gefährlich war: Es landeten britische Truppen, die Athen bisher nicht ins Land gelassen hatte, auf griechischem Territorium. Das wiederum zwang die deutsche Führung zum Balkanfeldzug (1941), der alle Pläne durcheinander warf und erst mit der Luftlandeschlacht um Kreta ein vorläufiges Ende fand. Der Beginn des Unternehmens Barbarossa verspätete sich dadurch um rund vier Wochen.Philipp W. Fabry: Balkanwirren 1940/41. Die diplomatische und militärische Vorbereitung des deutschen Donauübergangs. Darmstadt 1966.

Das NS-Regime und das Oberkommando der Wehrmacht wollten unbedingt verhindern, dass die starke französische Mittelmeerflotte sich nach einer deutschen Besetzung ihrer europäischen Basen den britischen Seestreitkräften anschloss. Admiral François Darlans Pläne für diesen Fall sahen vor, mit den in Toulon liegenden Einheiten nach Französisch-Nordafrika auszuweichen, danach die französischen Kolonien politisch abzuspalten und sich den Briten anzuschließen. Am 3. Juli 1940 machte der britische Angriff auf die französische Flotte in Mers-el-Kébir (Operation Catapult) mit vielen Toten diese deutsche Sorge gegenstandslos. Am 8. November 1942 begannen die Westalliierten Landungen in Nordafrika (Operation Torch). Drei Tage später rückten Deutschland und Italien in den unbesetzten Teil Frankreichs ein (Unternehmen Anton), um die europäische Südflanke zu schützen, was Marschall Pétain nicht konnte und auch nicht wollte.Die alliierte Landung in Nordafrika ruinierte Vichy. In: Die Welt. 2012.

Organisation und Zielsetzung unter deutscher Besetzung mini|Pariser Straßenszene (1941)

Während im besetzten Teil Frankreichs der Kommandostab in der Militärverwaltung die deutschen Besatzungstruppen befehligte, kontrollierte der Verwaltungsstab die französische Verwaltung. Ziel der Deutschen war eine Besatzungsform mit einem Minimum an militärischem und verwaltungsmäßigem Aufwand, was die Bereitschaft französischer Verwaltungsbehörden und nicht zuletzt eines großen Teils der französischen Bevölkerung zu einer reibungslosen Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern voraussetzte. Tatsächlich reichte der deutschen Militärverwaltung ein relativ kleiner Apparat von insgesamt 1.200 Beamten und Offizieren aus, den besetzten Teil Frankreichs zu regieren und die vom Deutschen Reich zur Kriegführung dringend benötigten industriellen und landwirtschaftlichen Lieferungen sicherzustellen. Langfristig sollte eine funktionierende französische Wirtschaft in einen von Deutschland angestrebten und dominierten Großwirtschaftsraum integriert werden.Atlantikwall in Südwestfrankreich: Frankreich unter deutscher Besatzung 1940–1944. Magisterarbeit. petergaida.de, 5. November 2015.

Zur Entlastung der deutschen Kriegswirtschaft wurden französischen Firmen im Zweiten Weltkrieg zunehmend Aufträge von deutscher Seite übertragen und die Wirtschaftskraft Frankreichs fast vollständig auf die Bedürfnisse des Deutschen Reichs eingestellt. Die Kosten der Besatzung wurden von Frankreich eingefordert, das 20 Millionen Reichsmark täglich zu zahlen hatte. Die von den Deutschen bewusst zu hoch berechneten Besatzungskosten machten die größten Belastungen für den französischen Staatshaushalt aus, dem kein entsprechendes Steueraufkommen gegenüberstand.Arnulf Scriba: Das deutsche Besatzungsregime in Frankreich. Lemo, abgerufen am 15. Dezember 2015. Im Durchschnitt musste Frankreich pro Tag 20 Mio. Reichsmark aufbringen, von 1940 bis 1944 insgesamt mehr als 600 Mrd. Franc.

Demarkationslinie und Zonen in Frankreich (1940–1944) mini|Kontrollposten an der Demarkationslinie (Januar 1941)

Der französisch-deutsche Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 führte zur Trennung Frankreichs in zwei Hauptzonen: die „Besetzte Zone“, welche die von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebiete umfasste, sowie die „Freie Zone“, die im Volksmund auch als „Nono-Zone“ (nono für non occupée – „nicht besetzt“) bezeichnet wurde.Ludger Tewes: Frankreich in der Besatzungszeit 1940 bis 1944: Die Sicht deutscher Augenzeugen. Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02726-4. Die etwa 1200 Kilometer lange Demarkationslinie begann an der spanischen Grenze bei Arnéguy im Departement Basses-Pyrénées (Pyrénées-Atlantiques), führte dann über Mont-de-Marsan, Libourne, Confolens und Loches und verlief bis in den Norden des Departements Indre, wo sie nach Osten abzweigte und nach der Durchquerung von Vierzon, Saint-Amand-Montrond, Moulins, Charolles und Dole bei Gex an der Schweizer Grenze endete.

Besetzte Zone (Nordzone) Diese von den Deutschen besetzte Zone stand unter dem Befehl des Militärgouverneurs von Paris, General Otto von Stülpnagel, und umfasste ungefähr 55 % des Territoriums. Sie wurde in „Nordzone“ umbenannt, als die Wehrmacht im November 1942 auch die freie Zone besetze.

Freie Zone (Südzone) Am 2. Juli 1940 richtete sich die französische Regierung in der Stadt Vichy ein. Vichy wurde dadurch in gewisser Weise zur Hauptstadt der freien Zone. Am 10. Juli 1940 übertrug das Parlament Marschall Pétain die vollen Machtbefugnisse. Dieser rief den État français („französischen Staat“) aus und begann wenig später eine Politik der Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Nach der deutschen Besetzung von Vichy-Frankreich am 11. November 1942 wurde die freie Zone in „Südzone“ umbenannt.

Weitere Sonderzonen Reservierte Zone – von der Somme-Mündung zur Rhône Die Reservierte Zone wurde von den Franzosen im Allgemeinen als „verbotene Zone“ bezeichnet, da diese nur mit erheblichen Schwierigkeiten (verstärkte Kontrollen, entlang der Kanalküste und entlang der französisch-schweizerischen Grenze) in dieses Gebiet gelangen konnten.

Italienisch besetzte Zone – vom Genfersee bis zum Mittelmeer

Diese Zone erstreckte sich vom Genfersee bis zum Mittelmeer. Sie führt östlich von Chambéry, Grenoble und Gap entlang bis einschließlich Nizza. Allerdings besetzen die Italiener tatsächlich nur wenige Punkte dieses Gebietes.

Verbotene Zone – der Bau des Atlantikwalls Im Herbst 1941 wurde entlang der Kanal- und Atlantikküste eine verbotene Zone gebildet, ein Vorgeschmack auf den Bau des Atlantikwalls. Nur Personen, die in diesem Bereich seit mindestens drei Monaten wohnhaft waren, Personal, das für die deutsche Armee arbeitete, und Eisenbahnpersonal konnten diese Zone betreten und sich in ihr bewegen. Darüber hinaus war es verboten, zu telegrafieren oder zu telefonieren.

Verwaltungsbereiche in der Besatzungszeit