mini|hochkant=0.85|Yves Lacoste (2007)

Yves Jean Paul Lacoste (* 7. September 1929 in Fès, Französisch-Marokko; † 20. Juni 2026 in Bourg-la-Reine) war ein französischer Geograph und kritischer Theoretiker der Geopolitik.

Leben Yves Lacoste wurde als Sohn des Geologen Jean Lacoste (1901–1942) und einer Bibliothekarin geboren und katholisch getauft. Er wuchs in Rabat auf, besuchte das Lycée Lakanal in Sceaux und studierte an der Sorbonne. Seine Abschlussarbeit verfasste er zur Geomorphologie der Gharb-Ebene in Marokko. 1952 erhielt Lacoste die Agrégation für das Fach Geographie.

Er trat als Student 1949 der Union de la jeunesse républicaine de France bei und war Mitglied der Parti communiste français (PCF). Von 1952 bis 1955 unterrichtete Lacoste am Lycée Bugeaud in Algier, wo er sich der Algerischen Kommunistischen Partei und deren antikolonialem Kampf für die algerische Unabhängigkeit anschloss. Anfang 1956 trat er aus der PCF aus, nachdem die kommunistischen Abgeordneten in der Nationalversammlung dafür votiert hatten, der Regierung Mollet im Algerienkrieg weitreichende Sonderbefugnisse zu gewähren. Ab 1969 lehrte er als Professor an der Universität Paris VIII und bemühte sich, ein kritisches Studium der Geopolitik in Frankreich zu etablieren. 1976 gründete er das Geopolitik-Magazin Hérodote, dessen Redaktion er seither leitete.Hérodote. Revue de géopolitique et de géographie, abgerufen am 7. November 2015.

Lacoste war seit 1950 mit der Ethnologin Camille Lacoste-Dujardin (1929–2016) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.

Lacostes Verständnis von Geopolitik Die Begründung der Geopolitik schreibt Lacoste jungen patriotischen deutschen Geographielehrern zu, die 1919 die universitäre Politische Geographie für ungeeignet hielten, „den Nachweis zu führen, daß die durch den Versailler Vertrag festgelegten Grenzen Deutschlands nicht nur ungerecht und absurd, sondern für die Zukunft Europas gefährlich waren.“ Die Geopolitik bot ihnen Antwort und galt damit als Opposition zur Politischen Geographie akademischen Typs.Yves Lacoste: Geographie und politisches Handeln. Perspektiven einer neuen Geopolitik. Wagenbach, Berlin 1990, S. 24 f. Entgegen anderslautenden Behauptungen sei Geopolitik immer noch keine Wissenschaft, sie lasse sich nicht von Strategie und Propaganda trennen.Yves Lacoste: Geographie und politisches Handeln. Perspektiven einer neuen Geopolitik. Wagenbach, Berlin 1990, S. 31.

Geopolitik berücksichtige Machtrivalitäten in dem Maße, wie diese territorial bedingt seinen. Das sei sehr häufig der Fall. Gemeint seien damit nicht nur zwischenstaatliche Rivalitäten. Lacoste unterscheidet zwischen äußerer Geopolitik und innerer Geopolitik.

Bei äußerer Geopolitik gehe es um die territoriale Ausdehnung von Staaten und von verschiedenen Völkern, was oft nicht übereinstimme die Festlegung von Grenzen nach sprachlichen Kriterien oder bestimmter Gegebenheiten des Bodenreliefs; tatsächlich verliefen Grenzen quer durch verschiedene Kulturräume, wie im Elsass oder im Baskenland die Territorialansprüche von Staaten auf Seegebiete außerhalb ihres Hoheitsbereichs die geographische Ausdehnung von politischen und religiösen Ideologien das Streben nach nationaler Unabhängigkeit von Völkern, die innerhalb eines großen Staatsverbandes leben den Zusammenschluss verschiedener Staaten zu übergeordneten politischen Gruppierungen, Beispiel NATO.

Bei innerer Geopolitik gehe es um Autonomie- und regionalistische Bewegungen lokale und regionale Kontraste der Wahlgeographie Probleme der Raumordnung, die sich aus speziellen Interessen von Politikern ergeben könnten.Yves Lacoste: Geographie und politisches Handeln. Perspektiven einer neuen Geopolitik. Wagenbach, Berlin 1990, S. 29 f.

Auszeichnungen und Ehrungen 1987: Prix Broquette-Gonin 2000: Prix Vautrin Lud 2014: Grand Prix de la Société de Géographie (mit Béatrice Giblin)

Schriften (Auswahl) Géographie du sous-développement. Presses universitaires de France, Paris 1965. Unité et diversité du Tiers monde. Drei Bände. F. Maspero, Paris 1980, ISBN 2-7071-1152-X (überarbeitete Fassung der Dissertation, Universität Paris I, 1979). La Géographie, ça sert, d’abord, à faire la guerre. F. Maspero, Paris 1982, ISBN 2-7071-0815-4. Contre les anti-tiers-mondistes et contre certains tiers-mondistes. La Découverte, Paris 1986, ISBN 2-7071-1572-X. Questions de géopolitique : l’Islam, la mer, l’Afrique. Librairie générale française, Paris 1988, ISBN 2-253-04625-6. Geographie und politisches Handeln. Perspektiven einer neuen Geopolitik. Wagenbach, Berlin 1990, ISBN 3-8031-5126-0 Dictionnaire géopolitique des États. Flammarion, Paris 1994, ISBN 2-08-035104-4. Vive la Nation. Destin d’une idée géopolitique. Fayard, Paris 1998, ISBN 2-213-59613-1. Géopolitique. La longue histoire d’aujourd’hui. Larousse, Paris 2006, ISBN 2-03-505421-4. Géopolitique de la Méditerranée. A. Colin, Paris 2006, ISBN 2-200-26840-8.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (21. Jahrhundert) Kategorie:Geographiehistoriker Kategorie:Theoretiker der Geopolitik Kategorie:Gymnasiallehrer Kategorie:Hochschullehrer (Paris-Nord XIII) Kategorie:PCF-Mitglied Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann