Die Formel-1-Weltmeisterschaft 1992 war die 43. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie wurde über 16 Rennen in der Zeit vom 1. März 1992 bis zum 8. November 1992 ausgetragen.
Das dominierende Team war Williams, dessen Fahrer zehn von 16 Großen Preisen gewannen, neun davon Fahrerweltmeister Nigel Mansell. Schon fünf Rennen vor Schluss der Saison beim Großen Preis von Ungarn wurde Mansell vorzeitig zum einzigen Mal in seiner Karriere Weltmeister und stellte damit einen Rekord auf, sowie folgende weiteren: Zu Beginn der Saison gewann er fünf Rennen in Folge, 14 Mal fuhr er Bestzeit im Qualifying und gewann insgesamt neun Große Preise. Williams wurde zum fünften Mal Konstrukteursweltmeister und errang mit Vizeweltmeister Riccardo Patrese auch einen Doppelsieg in der Fahrerwertung.
Michael Schumacher zeigte mit Benetton in seiner ersten vollen Saison bereits auf, errang einen Sieg und sieben weitere Podestplätze und wurde nur drei Punkte hinter Patrese dritter in der Fahrerwertung.
Änderungen 1992 Rennstrecken Wie im Jahr zuvor, wurden 16 Weltmeisterschaftsläufe abgehalten. Erstmals seit 1950 gab es kein Rennen in den USA mehr. An die Stelle des Großen Preises der USA trat der Große Preis von Südafrika, der erstmals seit 1985 wieder ausgetragen wurde. Er fand auf dem Kyalami Grand Prix Circuit statt, der seit dem letzten Formel-1-Rennen 1985 erheblich umgebaut worden war. Damit gastierte die Formel 1 1992 auf jedem der fünf Kontinente mit mindestens einem Weltmeisterschaftslauf.
Weitere Umstellungen des Rennkalenders betrafen den Großen Preis von Spanien, der aus dem Herbst ins Frühjahr verlegt wurde. Ebenso wurde der Große Preis von Mexiko verlegt, der nun anstatt im Sommer bereits als zweites Saisonrennen stattfand.
Technisches Reglement Die technischen Vorgaben blieben im Vergleich zum Vorjahr 1991 nahezu unverändert. Zugelassen waren Fahrzeuge mit einem Mindestgewicht von 505 kg, antriebsseitig waren Saugmotoren mit einem Hubraum von höchstens 3.500 cm³ und maximal zwölf Zylindern vorgeschrieben. Die einzige wesentliche Regeländerung betraf das Benzin: Leistungssteigernde Zusätze, die in der Vorsaison einen Gewinn von bis zu 50 PS brachten, waren nahezu vollständig verboten; der Treibstoff musste qualitativ handelsüblichem Tankstellenbenzin entsprechen. Beim Großen Preis von Ungarn führte die FIA erstmals umfangreiche Kontrollen durch. Hier verstießen 14 von 16 Teams gegen die Vorgaben.
Reifen Der italienische Reifenhersteller Pirelli beendete nach Ablauf der Vorsaison sein dreijähriges Formel-1-Engagement. 1992 erhielten daraufhin alle Teams Reifen von Goodyear.
Teams Zu Saisonbeginn waren 16 Teams gemeldet, drei von ihnen stellten vor Ablauf der Saison den Rennbetrieb ein.
Das französische Team Larrousse war vor Ende 1991 mit dem Sportwagenhersteller Venturi eine Verbindung eingegangen und trat in der Saison 1992 unter der Bezeichnung Venturi Larrousse an. Venturi gab allerdings wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Beteiligung an dem Rennstall bereits im Spätsommer 1992 wieder auf. Larrousses neuer Investor, die französische Comstock Investment, entpuppte sich wenige Tage nach der öffentlichen Vorstellung als betrügerisches Unternehmen, das von einem mehrfachen Mörder namens Klaus Walz geführt wurde. Das mit Lamborghini in Verbindung stehende Modena Team, das im Vorjahr keinen Weltmeisterschaftspunkt erreicht hatte, trat 1992 nicht mehr an. Auch der Name Coloni erschien nach vier Jahren in der Formel 1 nicht mehr. Andrea Sassetti übernahm einige Bestandteile des Rennstalls und meldete sein in Ancona ansässiges Team Andrea Moda Formula als Coloni-Nachfolger. Die FIA teilte diese Sicht nicht. Sie war der Ansicht, dass Andrea Moda Formula ein neues Team war, und schloss den Rennstall, der die für neue Teams obligatorische Sicherheitsgebühr nicht hinterlegt hatte, vor dem ersten Rennen des Jahres von der Weltmeisterschaft aus. Später kam es zu einer Einigung, in deren Folge Andrea Moda Formula wieder zur Weltmeisterschaft zugelassen wurde. Nach zahlreichen Skandalen erfolgte allerdings vor dem Großen Preis von Belgien ein weiterer, nunmehr auf Art. 166 des Reglements gestützter Ausschluss mit der Begründung, dass Andrea Moda geeignet sei, die Formel 1 in Misskredit zu bringen. Auch in anderen Bereichen setzte sich das bereits 1991 zu verzeichnende Teamsterben fort. Im Laufe des Jahres stellten Brabham und Fondmetal den Betrieb ein. March hielt ungeachtet großer finanzieller Schwierigkeiten bis zum letzten Saisonrennen durch, gab danach aber ebenfalls auf.
Motoren Die seit 1988 bestehende Partnerschaft zwischen McLaren und Honda ging 1992 in ihr vorerst letztes Jahr; nach Ablauf der Saison 1992 stellte Honda das werksseitige Formel-1-Engagement ein und überließ die Bereitstellung von Rennmotoren dem Tochterunternehmen Mugen. Dort entstanden bereits 1992 die Kundenmotoren für das als Footwork antretende Arrows-Team. Es gab ferner eine Reihe neuer Motorenpartnerschaften: Tyrrell bezog, nachdem die Beziehung zu Honda nur ein Jahr gedauert hatte, 1992 erstmals Triebwerke von Ilmor, und Brabham wechselte zu Judd-Motoren, während die im Vorjahr genutzten Zwölfzylindertriebwerke von Yamaha nunmehr von Jordan genutzt wurden. Die Scuderia Italia übernahm von Minardi die Rolle des Ferrari-Kundenteams, während Minardi Zwölfzylindermotoren von Lamborghini erhielt. Jene Motoren hatten im Vorjahr das nun nicht mehr antretende Modena Team und Ligier verwendet. Ligier wiederum erhielt in diesem Jahr mit Unterstützung des französischen Sportministeriums endlich die lange ersehnten Renault-Motoren, die bislang exklusiv an das Spitzenteam Williams geliefert worden waren.
Technische Innovation Ferrari setzte im F92A auf das erfolgversprechende aerodynamische Konzept eines doppelten Fahrzeugbodens, bei dem der Luftstrom unter dem eigentlichen Chassis durch eine Bodenplatte von der Wechselwirkung mit dem Streckenbelag abgeschirmt wurde. Diese Entwicklung war in der Theorie vielversprechend, stellte sich aber in der Praxis als problematisch heraus und wurde nach der Saison daher nicht weiter verfolgt.
Fahrer Während die Spitzenteams Williams und McLaren ihre Fahrerbesetzungen unverändert ließen, ersetzte Ferrari den bisherigen Spitzenfahrer Alain Prost durch Ivan Capelli. Bei Benetton wurde Michael Schumacher der Spitzenfahrer; an seiner Seite fuhr der routinierte Martin Brundle, der im Vorjahr für Brabham gefahren war. Dieser ersetzte Nelson Piquet, der seine Formel-1-Karriere nach 14 Jahren beendete.
Brabham meldete mit Giovanna Amati erstmals seit 1980 (Desiré Wilson für Brands Hatch Racing) wieder eine weibliche Cockpitbesetzung. Amati wurde im Frühjahr 1992 nach drei verpassten Qualifikationen durch den Williams-Testfahrer Damon Hill ersetzt, der hier sein Formel-1-Debüt gab.
Neben Amati und Hill wurden 1992 sechs weitere Fahrer erstmals zu einem Formel-1-Rennen gemeldet: Andrea Chiesa (Fondmetal), Paul Belmondo und Emanuele Naspetti (jeweils March), Christian Fittipaldi (Minardi), Ukyō Katayama (Venturi Larrousse) und Perry McCarthy (Andrea Moda). McCarthy und Amati waren die einzigen Debütanten, die sich nicht zu einem Rennen qualifizieren konnten.
Jan Lammers kehrte im Herbst 1992 nach einer zehnjährigen Unterbrechung in die Formel 1 zurück (March).
Teams und Fahrer
Foto Team Chassis Motor Reifen Nr. Stammfahrer Rennen Test-/Ersatzfahrer 100px|zentriert|McLaren MP4/7 McLaren MP4/6BMcLaren MP4/7A Honda 3.5 V12 1 1–16 2 1–16 Tyrrell 020B Ilmor 3.5 V10 3 1–16 n/a 4 1–16 100px|zentriert|Williams FW14B Williams FW14B Renault 3.5 V10 5 1–16 6 1–16 100px|zentriert|Brabham BT60B Brabham BT60B Judd 3.5 V10 7 1–10 n/a 8 1–3 4–11 100px|zentriert|Footwork FA13 Footwork FA13 Mugen-Honda 3.5 V10 9 1–16 n/a 10 1–16 100px|zentriert|Lotus 102D Lotus 102DLotus 107 Ford HB 3.5 V8 11 1–16 12 1–16 100px|zentriert|Fondmetal GR01 Fondmetal GR01Fondmetal GR02 Ford HB 3.5 V8 14 1–10 n/a 11–13 15 1–13 March CG911B Ilmor 3.5 V10 16 1–14 15, 16 17 1–11 12–16 100px|zentriert|Benetton B192 Benetton B191BBenetton B192 Ford HB 3.5 V8 19 1–16 20 1–16 100px|zentriert|Dallara BMS192 Dallara BMS192 Ferrari 3.5 V12 21 1–16 n/a 22 1–16 100px|zentriert|Minardi M191L Minardi M191BMinardi M191LMinardi M192 Lamborghini 3.5 V12 23 1–8, 12–16 n/a 9–11 24 1–16 100px|zentriert|Ligier JS37 Ligier JS37 Renault 3.5 V10 25 1–16 26 1–16 100px|zentriert|Ferrari F92A Ferrari F92AFerrari F92AT Ferrari 3.5 V12 27 1–16 28 1–14 15, 16 100px|zentriert|Venturi LC92 Venturi LC92 Lamborghini 3.5 V12 29 1–16 n/a 30 1–16 100px|zentriert|Jordan 192 Jordan 192 Yamaha 3.5 V12 32 1–16 n/a 33 1–16 100px|zentriert|Andrea Moda S921 Coloni C4BAndrea Moda S921 Judd 3.5 V10 34 1, 2 n/a 3–7, 9–12 35 1, 2 4–6, 9–12
Rennkalender Nr. Datum Grand Prix(Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde GesamtführenderFahrer GesamtführenderKonstrukteur 1 1. März (Midrand) 306,792 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Williams-Renault) -Renault 2 22. März (Mexiko-Stadt) 305,049 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) 3 5. April (São Paulo) 307,075 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 4 3. Mai (Montmeló) 308,555 (Williams-Renault) (Benetton-Ford) (Ferrari) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 5 17. Mai (Imola) 302,400 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 6 31. Mai (Monte Carlo) 259,584 (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 7 14. Juni (Montréal) 305,670 (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) 8 5. Juli (Magny-Cours) 293,250 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 9 12. Juli (Silverstone) 308,334 (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 10 26. Juli (Hockenheim) 306,675 (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 11 16. August (Mogyoród) 305,536 (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 12 30. August (Spa-Francorchamps) 305,360 (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Williams-Renault) (Benetton-Ford) 13 13. September (Monza) 307,400 (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 14 27. September (Estoril) 308,850 (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) 15 25. Oktober (Suzuka) 310,792 (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 16 8. November (Adelaide) 306,180 (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Benetton-Ford)
Rennberichte Großer Preis von Südafrika
Platz Fahrer Team Zeit 1 1:36:45,320 2 + 24,360 3 + 34,675 PP 1:15,486 SR 1:17,578 Der Große Preis von Südafrika auf dem Kyalami Grand Prix Circuit fand am 1. März 1992 statt und ging über 72 Runden à 4,261 km, was einer Gesamtdistanz von 306,792 km entspricht.
Am Donnerstag vor dem Rennen fand ein Akklimatisationstraining statt, damit die Piloten die Rennstrecke, die für die meisten von ihnen unbekannt war, kennenlernen konnten. Weil Andrea Moda Formula nach den Akklimatisationsrunden von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen wurde, war eine Vorqualifikation nicht nötig. Im Training dominierte Nigel Mansell im Williams FW14B. Er belegte die Poleposition. Dabei war eine Dreiviertelsekunde schneller als der zweitplatzierte Ayrton Senna und eineinhalb Sekunden schneller als sein Teamkollege Riccardo Patrese, der auf Startplatz vier kam.