mini|hochkant=1|Hedi Schoop mit einer ihrer Lieblingskatzen, 1957 Hedi Schoop (* 3. April 1906 in Zürich; † 14. April 1995 in Van Nuys) war eine deutsche Tänzerin, Kabarettistin, Bildhauerin, Malerin und Fabrikantin. Mit ihrer künstlerischen Gebrauchskeramik wurde sie zu einem Pionier der „California Pottery“, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Kalifornien ihre Blütezeit hatte.

Von 1929 bis 1933 trat sie als Tänzerin und Kabarettistin in den Berliner Kabaretts „Die Katakombe“ und „Tingel-Tangel-Theater“ auf. 1933 emigrierte sie mit ihrem ersten Mann Friedrich Hollaender in die USA nach Hollywood. Da sie mit dem Versuch scheiterten, ein Kabarett zu betreiben, wandte sie sich der Bildhauerei zu. Sie gründete eine Fabrik, in der sie von 1940 bis 1958 nach eigenen Entwürfen künstlerische Gebrauchskeramik produzierte, mit der sie am Markt sehr erfolgreich war.

Leben Frühe Jahre Hedi (Hedwig) Schoop war Tochter von Friedrich Maximilian Schoop (1871–1924) und Emma Olga Schoop geb. Böppli (1873–1959). Sie entstammte väterlicherseits einer Familie von Gelehrten, Professoren und Lehrern, ihr Großvater Ulrich Schoop (1830–1911) war Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich.Oetterli 2009, S. 162. Hedis Schoops Vater war Redakteur, unter anderem bei der Zürcher Post, und Präsident des Grand Hotel Dolder und, wie seine Tochter Trudi berichtet, ein angesehener und geschätzter Mann in Zürcher Intellektuellenkreisen.Friedrich Maximilian Schoops Brüder Max Ulrich Schoop und Paul Schoop waren bekannte Techniker und Erfinder. Max Ulrich Schoops Sohn war der Bildhauer Uli Schoop. Hedi Schoops freidenkende und unkonventionelle Mutter stammte von „toggenburgischen Wunderdoktoren“ ab und war eine warmherzige Frau mit einem unersättlichen Freiheits- und Lebensdrang. Die Familie wohnte am Zürichberg, wo sich auch das Hotel Dolder befand.Schoop 1974Seelig 1958, S. 100.

Hedi Schoop war das dritte von vier Kindern. Ihre beiden älteren Geschwister waren der Maler Max Schoop (1902–1984) und die Tänzerin Trudi Schoop (1903–1999). Ihr jüngerer Bruder war der Komponist Paul Schoop (1909–1976). Die Kinder wurden in einer freien und ungezwungenen Atmosphäre großgezogen, und die Eltern förderten die künstlerische Entwicklung ihrer Kinder, die alle künstlerische Berufe ergriffen.

Hedi Schoop erhielt wie ihre Schwester Trudi in ihrer Jugend Schauspielunterricht. Außerdem studierte sie Bildhauerei, Architektur, Malerei und Modedesign an der Kunstgewerbeschule in Wien und der Reimann-Schule in Berlin.Hepcat Restorations, Hedi Schoop (ohne Nachweis) – Verzeichnis der Schülerinnen und Schüler der Schule ReimannKuhfuss-Wickenheiser 2009, S. 511–580: kein Eintrag für Hedi Schoop. Ihre Tanzausbildung erhielt sie wahrscheinlich durch ihre drei Jahre ältere Schwester Trudi, die 1924 in Zürich ihre eigene Tanzschule eröffnete.Chaiklin 2005, S. 506.

mini|hochkant=0.5|Anzeige, 1930

Berlin „Die Katakombe“ Als Werner Finck und Hans Deppe am 16. Oktober 1929 in Berlin das Kabarett „Die Katakombe“ eröffneten, gehörten zum Ensemble außer den Gründern der Schauspieler Theo Lingen, die Tänzerinnen Trudi und Hedi Schoop und der Zeichner Erich Ohser.Greve 2015, S. 12–15. Hedi Schoop trat mit parodistischen Pantomimen auf wie „Die Schaufensterpuppe“, „Der Verkehrsschupo“ und „Der Jongleur“, und zeitweise zusammen mit ihrer Schwester Trudi als groteskes Tanzduo, unter anderem mit der Pantomime „Schauen-Sehen-Kieken“ und einer „Parodie auf die Mensendieck-Übungen, eine in den Ankleidezimmern der Körper bewussten Damen geschätzte Gymnastik-Methode.“Brüning 2009, S. 6.

„Tingel-Tangel-Theater“ mini|hochkant|Aussenfassade des ehemaligen Tingel-Tangel-Theaters, 2011

Als Ende 1930 das Künstlerkollektiv der „Katakombe“ zerbrach,Greve 2015, S. 13. wechselte Hedi Schoop zu Friedrich Hollaender, der am 7. Januar 1931 das „Tingel-Tangel-Theater“ (TTT) eröffnete. Stars des Premierenprogramms „Tingel-Tangel“ waren Hollaenders Exfrau Blandine Ebinger, eine Schauspielerin und Chansonsängerin, die Schauspieler Hermann Schaufuß, Hubert von Meyerinck, Hans Deppe und Ellen Schwanneke, die Tänzerinnen Grit und Ina van Elben und Hollaenders Neuentdeckung Hedi Schoop.Hollaender 1965, S. 256–257. Als Überraschungsgast kam Marlene Dietrich hinzu, die nicht zuletzt durch Hollaenders Lieder weltberühmt geworden war, und nun eines seiner Lieder sang: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, vom Meister selbst am Klavier begleitet. Im März 1931 folgte „Das zweite Programm“, in dem Hedi Schoop als Dornröschen beim Anhören eines langweiligen Radioprogramms in einen hundertjährigen Schlaf „verfiel“.Kühn 1996, S. 66. Es folgten die beiden Revuen „Spuk in der Villa Stern“ (September 1931), ein Kostümfest, bei dem die Gäste in den Masken bekannter Persönlichkeiten erschienen, und „Allez-Hopp!“ (Dezember 1931), eine Artistenschau unter dem Motto: „Das Leben, ein Varieté“.Hollaender 1965, S. 260. Diese Revue wurde von dem „Kritikerpapst“ Alfred Polgar in der Weltbühne besprochen. Über Hedi Schoop äußerte er:Polgar 1932.

1932 heirateten Friedrich Hollaender und Hedi Schoop. Das Ereignis erwähnt Hollaender in seinen Memoiren in dem Nebensatz „Hedi Schoop, die inzwischen meine Frau war“.Hollaender 1965, S. 262–263. Die beiden letzten Revuen des TTT, „Höchste Eisenbahn!“ (15. September 1932) und „Es war einmal“ (Ende 1932), muten im Titel bereits an wie ein „Abgesang auf die Weimarer Republik“.Kühn 2007.1Lareau 2004, S. 329. In der Revue „Höchste Eisenbahn!“ war Hedi Schoop außer in den Ensembleauftritten in den Nummern „Bahnhof“, „Strohwitwen“ und „Die Fremden kommen!!!“ zu sehen und spielte in einer komischen Nummer „Die Unschuld vom Lande“.Lareau 2004, S. 329–330. Anfang Januar 1933 sah sich Hollaender angesichts der drohenden Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gezwungen, die Leitung des TTTs aufzugeben. Das Theater wurde von anderen weitergeführt, bis es 1935 von den Machthabern geschlossen wurde.

Emigration Am 27. Februar 1933, in der Nacht des Reichstagsbrands flüchteten Hedi Schoop und Friedrich Hollaender aus Deutschland, um den NS-Verfolgungen wegen Hollaenders „nicht-arischer“ Abstammung zu entgehen.Kühn 1996, S. 84. Sie begaben sich nach Paris, wo sie im Hotel „Ansonia“ in der Avenue de la Grande Armée wohnten, laut Hollaender „Nest der Vertriebenen, Zufluchtsstätte der Enteigneten, Sammelstelle, Übergangslager, Brutkasten für alle Arten von Frühgeburten, von Zukunftsplänen bis Selbstmordideen“Hollaender 1965, S. 293. (dort begegneten sie auch Billy Wilder und Peter Lorre).Kühn 1996, S. 87. Nach einer zermürbenden Wartezeit trafen endlich die Einreisepapiere für die USA ein. Durch Vermittlung des UFA-Produzenten Erich Pommer, den Hollaender von der Zusammenarbeit an dem Film „Der blaue Engel“ her kannte, erhielt das Paar seine Visa für die USA, und Hollaender einen Dreimonatsvertrag bei 20th Century Fox.Kühn 1996, S. 93. Mitte Mai 1933 traten sie mit dem Passagierdampfer Aquitania die Überfahrt nach den USA an.Kühn 1996, S. 93. – Hollaender gibt als Schiff irrtümlich die Queen Mary an, die erst 1936 zum Einsatz kam (Hollaender 1965, S. 318).

Hollywood Das Ehepaar wohnte in Hollywood, 3168 Lindo Street, und später im Woodrow Wilson Drive in den Hollywood Hills. Da sie nur auf Besuchervisa emigriert waren, mussten sie sich aus technischen Gründen zwischendurch ein paar Wochen in Mexiko aufhalten und von dort aus die gesetzmäßige Einwanderung in die USA vornehmen. Bei diesem umständlichen Verfahren unterstützten sie der deutsche Regisseur Wilhelm Dieterle und seine Frau, welche die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen.Hollaender 1965, S. 327Friedrich Hollaender, Declaration of Intention, 17. Oktober 1935.Mitteilung von Anthony Verebes vom 10. November 2015. Hollaender, der sich nun Frederick Hollander nannte, hatte zwar fürs Erste einen Dreimonatsvertrag, da dieser aber nicht verlängert wurde, musste er sich nach anderen Möglichkeiten zur Subsistenzsicherung umsehen.

„Frederick Hollaender’s Tingel-Tangel-Theatre“ In dieser Lage versuchte das Paar, in Hollywood am Santa Monica Boulevard das Berliner „Tingel-Tangel-Theater“ als englischsprachiges Exil-Kabarett unter dem Namen „Frederick Hollaender’s Tingel-Tangel-Theatre“ (TTT) neu zu beleben. Am 3. Mai 1934 eröffneten sie ihr Theater mit dem Programm „Allez-Oop“ (nach dem Vorbild von „Allez-Hopp!“). Alles, was in Hollywood Rang und Namen hatte, strömte zur Premiere.Hollaender 1965, S. 328–329. Im November brachten sie nach dem Muster von „Höchste Eisenbahn!“ ihr zweites Programm „All Aboard“ heraus. Der anfängliche Achtungserfolg erwies sich jedoch als Strohfeuer, dem neuen TTT war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Als Hollaender von RKO das Angebot erhielt, die Regie bei einem Western zu führen und die Filmmusik zu schreiben, gab er das TTT auf.Kühn 1996, S. 97, 138.

„Hedi Schoop Art Creations“ Zwischen 1935 und 1939 mieteten Hedi Schoop und Friedrich Hollaender „ein geräumiges Häuschen auf einem Hollywoodhügel“. Nachdem ihr gemeinsames Kabarettprojekt gescheitert war, wandte sich die vielseitig begabte junge Frau auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld der Bildhauerei zu, die sie (nebst anderen Fächern) in ihrer Jugend studiert hatte. Zunächst nur zu ihrem eigenen Vergnügen modellierte sie Puppen aus Gips und Wachs, die sie bemalte und mit modischen Kleidern drapierte. Während der erfolgreichen Ausstellung ihrer Kreationen in dem renommierten Einrichtungshaus „Barker Bros.“ in Los Angeles erhielt sie die Anregung, die Puppen aus einem haltbareren Material herzustellen, und sie entschied sich für die Keramik als ihr zukünftiges Medium.

Nach Hollaender fanden sich in dem „Häuschen“, in dem sie wohnten,

Nachdem sich der Erfolg eingestellt hatte, eröffnete Hedi Schoop 1940 in Nord-Hollywood, Satsuma Avenue, eine größere Produktionsstätte, die „Hedi Schoop Art Creations“. Hedi Schoop traf mit ihrer künstlerischen Gebrauchskeramik den Geschmack der Zeit. Zu ihrem Repertoire gehörten Figuren, die sie als Blumenhalter, Blumentöpfe oder Kerzenleuchter gestaltete, aber auch Vasen, Schüsseln, Schalen, Lampen, Aschenbecher und Seifenhalter. Hinzu kam, dass während und nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Nachfrage nach heimischer Keramik entstand, weil die USA von Importen aus dem Ausland abgeschnitten waren. Die Keramikobjekte der „grande dame of California ceramics design“, die sich auch gut als Geschenkartikel eigneten, waren sehr populär. Neben Hedi Schoop gab es auch eine Reihe anderer Produzenten, die sich in diesem Feld erfolgreich behaupteten konnten, darunter alsbald auch ehemalige Mitarbeiterinnen, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten.Johnson 2012.

Auf Grund der rasanten Geschäftsentwicklung musste Hedi Schoop schon bald Mitarbeiter einstellen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Das Design behielt sie weitgehend in eigenen Händen. In den späten 1940er Jahren beschäftigte sie in ihrer Firma über 50 Mitarbeiter und lieferte jährlich 30.000 Artikel aus.Johnson 2012. - Nach Hedi Schoops eigener Aussage bestand die Belegschaft ihrer Firma 1957 noch aus 30 Mitarbeitern (Seelig 1958, S. 109). Schoop bot auch arbeitssuchenden Emigranten in ihrer Werkstatt ein Refugium. Der Journalist Ferdinand Kahn arbeitete als „Gussmeister“ bei ihr und Ernö Verebes als „Formenmacher“. Andere waren mit der Bemalung der Keramikfiguren beschäftigt, darunter der Artist Sylvester Schäffer, die Tänzerin Gitta Wallerstein geb. Perl, die Schauspielerin Illa Rhoden und die Kabarettistin Trude Berliner,Weniger 2011, S. 99. die mit Hedi Schoops Bruder Max verheiratet war.Kafka 1941, Kafka 1943.