Die Bahnstrecke Sivas–Samsun verbindet den türkischen Schwarzmeerhafen Samsun mit dem Eisenbahnknotenpunkt Sivas in Zentralanatolien.

Geografische Lage Vom Schwarzen Meer ausgehend überwindet sie zunächst in einem Durchbruchstal das Pontische Gebirge in südwestlicher Richtung unter Nutzung der Çamlıbel-Schlucht und der Karadag-Schlucht.Dabanli/Özkazanç, S. 164. Der zentrale Abschnitt der Gebirgsquerung misst 180 km, weist 37 Tunnel mit einer Gesamtlänge von knapp 5 km und 39 Brücken auf. Der steilste Abschnitt der Strecke befindet sich zwischen Demirciköy und Ladik. Nach Erreichen der zentralanatolischen Hochebene mündet sie im Bahnhof Kalın in die Bahnstrecke Ankara–Sivas. Auf den letzten 24 km bis Sivas in 1275 Metern über dem Meer nutzen beide Strecken die gleiche Trasse.

Technische Parameter Die Strecke ist 401,7 km langDer Abschnitt Samsun–Kalın misst 372 km., eingleisig und in Normalspur errichtet. Sie ist nicht elektrifiziert.

Geschichte Die Planung für die Strecke begann 1911. 1914 erhielt die französische Régie générale des chemins de fer eine Konzession zum Bau der Strecke. Die Aktivitäten wurden durch den Ersten Weltkrieg und die folgende politische Instabilität in der Türkei unterbrochen. Durch ein Parlamentsgesetz vom 23. März 1924 wurde der Bau erneut angegangen, wobei die 1911 bis 1913 erstellten Planungen weiter zugrunde lagen. Der Bau begann ab 1926 von Samsun aus, die Strecke ging am 28. Dezember 1932 in voller Länge in Betrieb. Die einzelnen Abschnitte wurden wie folgt eröffnetRobinson, S. 51–54.:

Abschnitt Eröffnung Samsun–Kavak 30. April 1926 Kavak–Havza 9. September 1927 Havza–Amasya 27. November 1927 Amasya–Zile 23. August 1928 Zile–Kunduz 11. August 1930 Kunduz–Kalın 31. August 1932 Kalın–Sivas 16. Dezember 1932

Der Eröffnungszug war mit der Lokomotive 45028 der Reihe TCDD 45 001–062 bespannt.Trains of Turkey: 45001 to 45062, abgerufen am 26. Dezember 2015 Lokomotiven dieser Baureihe blieben bis Ende der 1980er Jahre auf der Strecke vor schweren Güterzügen und Regionalzügen im Einsatz, danach wurden sie von den Diesellokomotiven der TCDD-Baureihe DE 24000 abgelöst.Bickel / Koch / Schmidt, S. 90

Weil die Strecke erhebliche Steigungen aufweist, wurden zur Dampflokzeit häufig Vorspannlokomotiven eingesetzt.Bickel / Koch / Schmidt, S. 65 In den 1970er Jahren wurden vornehmlich Lokomotiven der Reihe 45 001–062 vor Personenzügen eingesetzt im Güterverkehr Lokomotiven der Reihe TCDD 56 001–166 sowie die beiden einzigen in der Türkei gebauten Normalspurdampflokomotiven, die TCDD T56 201–202. Den Rangierdienst im Bahnhof und Hafen von Sivas übernahmen die Reihen TCDD 45 151–170 (LMS Stanier 8F), TCDD 33 01–10 und TCDD 35 51–60.

Seit dem 29. September 2015 war die Strecke geschlossen und wurde für 276 Mio. Euro350 Mio. Euro nach: TCDD reopens Sivas–Samsun line after five-year upgrade. In: International Railway Journal vom 12. Mai 2020; abgerufen am 9. Juli 2020. modernisiert. Eine ursprünglich in diese Maßnahme eingeschlossene Elektrifizierung erfolgte nicht.Dabanli/Özkazanç, S. 164; Open Railway Map; abgerufen am 3. Januar 2026. Gleichzeitig wurde die Streckenkilometrierung geändert: Zuvor zählte diese von Kalın nach Samsun, nun in umgekehrter Richtung.Dabanli/Özkazanç, S. 170; alte Kilometrierung bei Robinson, Taf. 69, 70. Wiedereröffnet wurde die Strecke am 4. Mai 2020 für den Güterverkehr. Der Personenverkehr sollte erst nach dem Ende der durch Covid-19 verursachten Restriktionen wieder aufgenommen werden.Samsun–Sivas reopens after upgrading blockade. In: Railway Gazette International vom 12. Mai 2020; abgerufen am 9. Juli 2020.

Wissenswert Ein Teil der Kunstbauten der Strecke, insbesondere die gemauerten Bogenbrücken, sind als Kulturdenkmäler klassifiziert.

Literatur Benno Bickel, Karl-Wilhelm Koch, Florian Schmidt: Dampf unterm Halbmond. Die letzten Jahre des Dampfbetriebs in der Türkei. Verlag Röhr, Krefeld 1987, ISBN 3-88490-183-4 Ömer Dabanli, Elif Özkazanç: Protecting Anatolian Railway Heritage. In: SBB Fachstelle Denkmalpflege / ETH Zürich – Lehrstuhl für Konstruktionserbe und Denkmalpflege (Hg.): Tagung Eisenbahndenkmalpflege. Dokumentationsband zur internationalen Tagung vom 23.–25. Juni 2022. Schwabe, 2024. ISBN 978-3-7965-4960-1, S. 162–171. Neil Robinson: World Rail Atlas. Bd. 8: The Middle East and Caucasus. 2006. ISBN 954-12-0128-8

Anmerkungen

Einzelnachweise

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