Kloster Barthe war ein dem heiligen Nikolaus geweihtes Kloster der Prämonstratenser bei Hesel in Ostfriesland. Es wurde zwischen 1170 und 1184 als Nonnenkloster errichtet und war die erste Niederlassung des Ordens in Ostfriesland. In den Jahrhunderten seines Bestehens erwarb das Kloster weite Ländereien, die zum Großteil aus Ödland bestanden. Diese wurden anschließend mühsam kultiviert. Nach der Reformation löste sich der Konvent bis Anfang des 17. Jahrhunderts allmählich auf.
Barthe war im Gegensatz zum Zisterzienser-Kloster Ihlow ein eher durchschnittlicher ostfriesischer Konvent, weshalb es neben Ihlow am intensivsten erforscht wurde.Rolf Bärenfänger: Die ostfriesischen Klöster aus archäologischer Sicht in: Karl-Ernst Behre / Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 249. In den Jahren von 1988 bis 1992 fanden Ausgrabungen am Kloster Barthe statt, welche die Grundrisse einzelner Gebäude zu Tage förderten.
Geschichte mini|Rekonstruierter Grundriss.Nachzeichnung einer hier veröffentlichten Rekonstruktionszeichnung von Dr. Rolf Bärenfänger. Von der Gründung bis zur Reformation Eine Gründungsurkunde ist für Barthe nicht überliefert.Paul Weßels: Barthe – Zur Geschichte eines Klosters und der nachfolgenden Domäne auf der Grundlage der Schriftquellen. Norden 1997, ISBN 3-928327-26-7, S. 28. Nach dem derzeitigen Forschungsstand wurde das Kloster zwischen 1170 und 1184 von Prämonstratensern als Tochterkloster der Prämonstratenser-Doppelabtei in Dokkum gegründet.Paul Weßels: Barthe. In: Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer (Hrsg.): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 1. Bielefeld 2012, ISBN 3-89534-957-7, S. 56–59. Damit ist Barthe die älteste Niederlassung des Ordens in Ostfriesland.Rolf Bärenfänger: Wüstung Kloster Barthe bei Hesel. In: Rolf Bärenfänger (Redaktion u. Bearbeitung): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 35: Ostfriesland. Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1415-8, S. 197. Möglicherweise trug der Versuch der eng mit dem Kloster Steinfeld (dem Mutterkloster von Dokkum) verbundenen Familie von Are, Machtpositionen im ostfriesisch-groningischen Küstenbereich zu erlangen, entscheidend zur Gründung als bischöfliches Eigenkloster bei. Der Name geht wahrscheinlich auf eine im 10. Jahrhundert genannte Siedlung Birgithi zurück, deren Standort bei den Ausgrabungen bisher nicht lokalisiert werden konnte.
Die ersten Bewohner kamen vermutlich aus Gebieten östlich der Ems nach Ostfriesland.Hemmo Suur: Geschichte der ehemaligen Klöster in der Provinz Ostfriesland. Hahn, Emden 1838, S. 101. Die Prämonstratenser errichteten Barthe auf einem Geestplateau am östlichen Rand einer moorigen Niederung, welche es von der seit dem frühen 9. Jahrhundert bestehenden Siedlung Hesel trennte. Dort gab es möglicherweise Landbesitz des Klosters Werden, der über den Bischof von Münster an die Prämonstratenser gelangte.Paul Weßels: Hesel, Samtgemeinde Hesel, Landkreis Leer (PDF; 0,9 MB), Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft; abgerufen am 7. Januar 2026. Vermutlich haben die bessere Wasserversorgung und günstigen Windbedingungen die Wahl des Siedlungsplatzes beeinflusst. Einen weiter im Osten gelegenen Standort, an dem das Gelände auf überflutungssichere Höhen von bis zu 16 m anstieg, schlugen die Prämonstratenser aus.
Von Beginn an scheint der Konvent ein Frauenkloster gewesen zu sein. Wie die anderen Klöster des Ordens wurde es von einem Propst und einer Priorin geleitet. Aus den wenigen erhaltenen Urkunden geht nichts über Größe, Bedeutung als spirituelles Zentrum, Rechtsstellung in der Landesgemeinde oder das Wirken des Klosters in seinem Umfeld hervor.
Im Jahr 1287 zählte Barthe angeblich 40 Bewohner. Die später von Ubbo Emmius angegebene Zahl von 140 Konventualen geht wahrscheinlich auf einen Lesefehler zurück. 1564 werden noch 24 Schwestern namentlich aufgeführt. Insgesamt dürfte der Konvent damit etwa 50 Personen umfasst haben. Die in der Liste aufgeführten Insassen kamen zum Großteil aus der näheren Umgebung, so dass Barthe als ostfriesisches Bauernkloster klassifiziert wird. Von den Bewohnern scheint der Propst Johannes von Buiren um 1500 eine herausragende Bedeutung besessen zu haben, da er als Visitator der friesischen Zirkarie eingesetzt wurde.
Säkularisation Im Zuge der Reformation starb der Konvent allmählich aus. Möglicherweise war Barthe im Jahre 1529 vom Raubzug des Grafen Enno II. betroffen, der sich 1529 sämtliche Vasa sacra, also silberne und vergoldete Kelche, Patenen, Monstranzen, Abendmahlskannen und weitere wertvolle Gegenstände aus sämtlichen ostfriesischen Klöstern aushändigen ließ und diese anschließend verkaufte. Von der Barther Ausstattung blieben 60 silbervergoldete Schmuckstücke erhalten. Sie waren Bestandteile des ehemaligen Kirchen- und Gewandschmuckes und wurden offenbar während der Plünderung hastig in der Sakristei vergraben. Auch das Archiv ging verloren. Möglicherweise fiel es dem Raubzug Ennos II. im Jahr 1529 zum Opfer. Denkbar ist auch, dass es bei dem Brand der Kirche und eines Teiles der Klostergebäude 1558 oder 1560 zerstört oder aber teilweise 1563 in die Niederlande entführt wurde.Paul Weßels: Barthe – Zur Geschichte eines Klosters und der nachfolgenden Domäne auf der Grundlage der Schriftquellen. Norden 1997, ISBN 3-928327-26-7, S. 13. Spätestens 1533 eignete sich Enno II. zudem den Grundbesitz des Klosters an und stationierte in den folgenden Jahren einen Jäger in Barthe. Trotzdem blieb die Klostergemeinschaft bestehen, verstärkte sich durch Novizinnen aus den noch katholischen Niederlanden und erhielt noch einen neuen Propst. Einen Neffen dieses Propstes setzten die ostfriesischen Grafen 1563 als Verwalter der nun als Domäne betrachteten Klostergüter ein und verwandelten den Konvent damit in ein weltliches Frauenstift. Dieses wurde an die benachbarte Kirchengemeinde Hesel angeschlossen. Drei aus dem Groningerland stammende Nonnen siedelten deshalb auf Ansinnen des dortigen Propstes 1563 ins Kloster Maria Gratia zu Schildwolde im benachbarten Groningerland um. Andere Klosterinsassen verweigerten sich diesem Schritt mit der Begründung, in Barthe nach wie vor ungehindert ihrem katholischen Glauben nachgehen zu können. Möglicherweise wollte der Propst mit der Aufnahme der Nonnen und damit der Rechtsansprüche auf Barthe dem Ausverkauf der Besitzungen im Groningerland entgegenwirken. 1587 erhielt Schildwolde dann die Rechtstitel auf die Groninger Besitztümer Barthes.
In Barthe werden Ordensschwestern letztmals 1597 erwähnt. Der Pastor der Heseler Kirchengemeinde hielt aber bis mindestens 1601 den Kirchendienst in der dortigen Kirche aufrecht. Bekannt ist zudem, dass von 1597 bis 1602 zwei Präbendare lebten, die ab 1617 auf Kosten der Domänenverwaltung im Armenhaus von Leer untergebracht wurden.
Weitere Nutzung Ab 1604 wurde das Klostergut zum ersten Mal getrennt von Oldehave verpachtet und im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts der Besitz auf zwei Pachthöfe einschließlich Oldehave aufgeteilt. Die Pächter betrieben Schafhaltung und Roggenanbau. Die umliegenden Heideflächen nutzten sie zur Plaggengewinnung. Dies führte zu einer verstärkten Bodenerosion der ungeschützt offen liegenden Sandböden. Landwirtschaftliche Kulturflächen wurden immer mehr von Sand überweht. Vor allem östlich des Klostergeländes lagerte sich der Sand ab. Auf dem Areal selbst entstand so der so genannte Nunnenbarg, der Nonnenhügel. Schließlich wurde der Pachthof aufgegeben und die Restgebäude um 1765 völlig abgerissen. Südlich der heutigen Straße von Hesel nach Remels wurde ein neues Domänengebäude errichtet. Dieses Gebäude wurde 1774 bereits wieder durch einen Brand zerstört und im gleichen Jahre als Bummert wieder aufgebaut.
Die Stelle des alten Klosterplatzes wurde 1771 mit einer Fläche von 12 ha neu in Erbpacht vergeben. 1859 wurden diese Fläche vom Staat zurückgekauft, um das hier errichtete Gebäude abzureißen und die Fläche in den mittlerweile entstandenen Staatsforst zu integrieren. Die Domäne Kloster Barthe war mittlerweile landwirtschaftliches Versuchsgut geworden und ist schließlich 1875 niedergelegt worden. Das frühere Gutsgebäude wurde zum Forsthaus des hier ansässigen Revierförsters. Die Verwehungen konnten erst im 19. Jahrhundert durch umfangreiche Aufforstungen gestoppt werden. Maßgeblich dafür verantwortlich war die Familie Lantzius-Beninga, welche die ehemaligen Klostergüter auf dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde Hesel zum Ausgangspunkt der systematischen Forstkultur in Ostfriesland gemacht hat.Paul Wessels: Protokoll der Sitzung der Arbeitsgruppe der Chronisten vom 6. Dezember 2002 auf Gut Stikelkamp (PDF; 48 kB) Arbeitsgruppe der Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft; abgerufen am 27. April 2010.
Archäologische Wiederentdeckung mini|Bei Ausgrabungen entdeckte Schmuckstücke. Vom Kloster finden sich heute keine aufgehenden Gebäudereste mehr. Auch Urkunden, Verträge, Bild- und Schriftquellen gingen im Zuge der Säkularisation weitgehend verloren.Rolf Bärenfänger: Die ostfriesischen Klöster aus archäologischer Sicht in: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 241. In den 1990er Jahren haben auf dem Gebiet des ehemaligen Klosters intensive archäologische Grabungen stattgefunden, bei denen ein mehr als 45.000 Stücke umfassender Keramikfundus sowie wirtschaftliche Einrichtungen, Öfen und Wasserleitungen entdeckt wurden.Rolf Bärenfänger: dgamn.de, abgerufen am 19. August 2024. Durch die Ausgrabungen konnten mehrere Bauphasen nachgewiesen werden. Sowohl für die Klausur als auch für die Kirche wurden zunächst hölzerne Vorgängerbauten errichtet.Rolf Bärenfänger: Wüstung Kloster Barthe bei Hesel, in: Rolf Bärenfänger (Redaktion u. Bearbeitung): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 35: Ostfriesland. Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1415-8, S. 199. Mauerzüge konnten hingegen nicht durch Grabungen ermittelt werden. Der Grundriss ließ sich nur durch Fundamentgräben nachvollziehen. Diese waren 2,3 m breit und wiesen eine Tiefe von 1 m auf. Um den Gebäuden die nötige Standfestigkeit zu bieten, waren sie mit Sand aufgefüllt und anschließend verdichtet worden.Rolf Bärenfänger: Wüstung Kloster Barthe bei Hesel, in: Rolf Bärenfänger (Redaktion u. Bearbeitung): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 35: Ostfriesland. Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1415-8, S. 198.