mini|AM-Post-Ausgabe von 1945: Die roten Pfeile kennzeichnen den Bruch im „UT“ von „DEUTSCHLAND“ auf Bogenfeld 97 Ein Plattenfehler ist in der Philatelie eine wiederkehrende Abweichung im Druckbild einer Briefmarke oder eines Aufdrucks beziehungsweise Überdrucks, die durch eine Beschädigung der verwendeten Druckform entstanden ist; der englische Fachausdruck lautet meist plate flaw. Im Unterschied zu einer vorübergehenden Druckzufälligkeit erscheint ein Plattenfehler an einer durch den Aufbau der Druckform bestimmten Stelle oder in einem regelmäßigen Wiederholungsmuster.

Ein Plattenfehler kann zugleich als Feldmerkmal dienen, wenn sich mit seiner Hilfe ein bestimmtes Bogenfeld oder eine bestimmte Druckform ermitteln lässt. Umgekehrt ist nicht jedes Feldmerkmal ein katalogisierter Plattenfehler.

Geschichte und Erforschung mini|Rekonstruktion der 240 Bogenpositionen der One Penny Black, von „AA“ oben links bis „TL“ unten rechts Plattenbedingte Abweichungen traten bereits bei den ersten Briefmarken auf. Auf der im April 1840 fertiggestellten Platte 1a der britischen One Penny Black waren bei zahlreichen Markenbildern einzelne Strahlen des nordwestlichen Ecksterns verkürzt, verdickt oder unvollständig ausgebildet. Diese in der englischsprachigen Fachliteratur als ray flaws bezeichneten Abweichungen ermöglichen unter anderem die Unterscheidung verschiedener Zustände der Druckplatte.

Ein weiterer bekannter früher Plattenfehler ist der als O flaw bezeichnete helle Ausbruch innerhalb des Wortes „ONE“. Er erscheint in mehreren Entwicklungszuständen auf den Platten 8 bis 10. Bei Reparaturen einzelner Markenbilder wurde der Fehler häufig beseitigt oder abgeschwächt. Da mehrere dieser Platten zunächst für die schwarze und anschließend für die rote Ein-Penny-Marke verwendet wurden, lässt sich derselbe Fehler in beiden Farben nachweisen.

Die systematische Untersuchung von Druckplatten, Feldmerkmalen und Fehlerzuständen entwickelte sich zusammen mit der organisierten Philatelie. Die 1869 gegründete Royal Philatelic Society London verfolgte von Beginn an unter anderem das Ziel, philatelistische Forschung zu fördern, Fachliteratur zu veröffentlichen und Fälschungen zu bekämpfen.

Ein frühes grundlegendes technisches Werk war das 1881 von Frederick Philbrick und William A. S. Westoby veröffentlichte Buch The Postage and Telegraph Stamps of Great Britain. Die Royal Philatelic Society bezeichnet es als wegweisende technische Untersuchung, an der spätere Veröffentlichungen gemessen worden seien.

Edward Denny Bacon veröffentlichte 1920 das zweibändige Werk The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co. Es beruhte wesentlich auf den erhaltenen Geschäfts- und Produktionsunterlagen der Druckerei Perkins Bacon und wurde zu einer wichtigen Grundlage für die Untersuchung der Herstellung, Verwendung und Reparatur der frühen britischen Druckplatten. Bacon erhielt dafür 1921 die Crawford-Medaille.

Einen weiteren Meilenstein bildete das 1922 von Charles Nissen und Bertram McGowan veröffentlichte Werk The Plating of the Penny Black Postage Stamp of Great Britain, 1840. Darin wurden die einzelnen Markenbilder aller elf für die One Penny Black verwendeten Platten beschrieben, um einzelne Marken bestimmen und vollständige Bogen rekonstruieren zu können. Nissen und McGowan wurden dafür ebenfalls mit der Crawford-Medaille ausgezeichnet.

Mit H. Osbornes 1932 erschienenem Buch The Ray-Flaws of Plates 1 and 2 of the Penny Black Postage Stamp of Great Britain entstanden anschließend auch Monografien, die gezielt einer bestimmten Gruppe von Plattenfehlern gewidmet waren.

Im 20. Jahrhundert wurde die Forschung zunehmend von länder- und ausgabenspezifischen Vereinen und Arbeitsgemeinschaften getragen. Der 1931 gegründete Verein INFLA-Berlin widmete sich zunächst der Erforschung und Pflege der deutschen Briefmarken aus der Inflationszeit. Bereits 1932 wurden ein Seltenheitsverzeichnis, eine Prüferkommission und eine Vergleichssammlung von Falschstempeln geplant; später entstanden weitere Arbeitsgemeinschaften und eigene Forschungsberichte.

In den Vereinigten Staaten führte die langjährige Erforschung und Feldbestimmung der 3-Cent-Marke von 1851 im Jahr 1948 zur Gründung der Three Cent 1851–57 Unit innerhalb der American Philatelic Society. Aus ihr ging 1964 die United States Philatelic Classics Society hervor.

Die Great Britain Philatelic Society wurde 1955 zur Förderung der britischen Spezialphilatelie gegründet und veröffentlicht seit Dezember 1956 Forschungsarbeiten in ihrer Fachzeitschrift The GB Journal. Die Arbeitsgemeinschaft Bautenserie 1948 veröffentlichte ihr erstes Mitteilungsblatt ebenfalls 1955. Ihre Forschung umfasst unter anderem Druckformen, Feldmerkmale, Retuschen und die Zuordnung einzelner Marken zu bestimmten Druckplatten und Bogenfeldern.

Solche Vereinigungen befassen sich in der Regel nicht ausschließlich mit Plattenfehlern. Zu ihren Forschungsgebieten gehören außerdem Druckverfahren, Papiere, Druckfarben, Zähnungen, Aufdrucke, Poststempel und die postalische Verwendung der untersuchten Ausgaben.

Entstehung und Arten Ein Plattenfehler kann in unterschiedlichen Stadien der Herstellung entstehen. Er kann bereits in einer ursprünglichen Druckvorlage vorhanden sein, während der Herstellung oder Montage der eigentlichen Druckformen entstehen oder sich erst während des Druckvorgangs bilden. Je nach Zeitpunkt seiner Entstehung kann ein Fehler deshalb in der gesamten Auflage, nur auf bestimmten Druckformen oder lediglich in einer Teilauflage vorkommen.

Wie häufig ein Plattenfehler auftritt, hängt vom verwendeten Druckverfahren, vom Aufbau und von der Zahl der Druckformen sowie vom Zeitpunkt der Beschädigung ab. Ein nur auf einem einzelnen Druckelement vorhandener Fehler erscheint auf dem entsprechenden Bogenfeld der damit hergestellten Bogen. Ein bereits während einer frühen Vervielfältigungsstufe entstandener Fehler kann sich dagegen an mehreren korrespondierenden Stellen eines Druckbogens wiederholen.

Primäre, sekundäre und tertiäre Plattenfehler Der Bund Philatelistischer Prüfer unterscheidet Plattenfehler nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung in drei Gruppen:

Primäre Plattenfehler sind bereits im Urstöckel oder in einer vergleichbaren ursprünglichen Druckvorlage vorhanden. Sie werden bei der Vervielfältigung der Vorlage auf die daraus hergestellten Druckformen übertragen. Sekundäre Plattenfehler entstehen während der Herstellung, Vervielfältigung oder Montage der eigentlichen Druckformen. Sie finden sich nur auf den Druckformen oder Druckelementen, die von der betreffenden Beschädigung betroffen sind. Tertiäre Plattenfehler entstehen erst während des Druckvorgangs, etwa durch eine mechanische Beschädigung oder durch fortschreitende Abnutzung der Druckform. Sie betreffen deshalb regelmäßig nur einen späteren Teil der Auflage.

In Briefmarkenkatalogen und in der Spezialliteratur finden sich dafür unter anderem die Kürzel PP, SP und TP. Die allgemeine Abkürzung PF steht für Plattenfehler. Verwendung und genaue Bedeutung solcher Kürzel können jedoch je nach Katalog und Sammelgebiet variieren.

Vervielfältigung und Wiederholungsmuster mini|Parallelerscheinung PE 1 bei einer Inflationsmarke im Korbdeckelmuster; die Abweichung erscheint aufgrund der Vervielfältigung viermal im 100er-Bogen Die Herstellung von Druckformen unterscheidet sich nach Druckverfahren, Briefmarkenausgabe und ausführender Druckerei. Die Zusammensetzung aus kleineren, mehrfach vervielfältigten Einheiten ist deshalb kein allgemeingültiges Verfahren, lässt sich jedoch bei bestimmten Ausgaben nachweisen.

Ein Beispiel sind die deutschen Inflationsmarken mit dem sogenannten Korbdeckel- oder Rosettenmuster. Für sie wurde zunächst ein Urklischee mit 25 Markenbildern in fünf Reihen zu je fünf Markenbildern hergestellt. Vier Abformungen dieser Einheit wurden anschließend zu einer Druckform mit 100 Markenbildern zusammengesetzt. Bereits in der 25er-Einheit vorhandene Abweichungen erschienen dadurch jeweils viermal auf dem vollständigen Bogen.

Für solche in einer frühen Vervielfältigungsstufe entstandenen Abweichungen wird in der Spezialliteratur zu den Korbdeckelmarken unter anderem die Bezeichnung Primärmerkmal oder Primär-Plattenfehlermerkmal (PPM) verwendet. Als Parallelerscheinungen (PE) werden dort Abweichungen bezeichnet, die aufgrund des Herstellungsverfahrens auf mehreren korrespondierenden Feldern derselben Druckform erscheinen.

Je nach geplanter Auflagenhöhe konnten mehrere Druckformen und Reserveformen hergestellt werden. Bei manchen Ausgaben wurden die verwendeten Druckformen durch Platten-, Form- oder andere Kennnummern am Bogenrand gekennzeichnet. Solche Angaben auf dem Bogenrand können die Zuordnung eines Bogens zu einer bestimmten Druckform erleichtern; ihre Lage, Bedeutung und Ausgestaltung unterscheiden sich jedoch je nach Ausgabe und Herstellungsverfahren.

Retuschen und Fehlerzustände mini|„Sprung im Korbdeckel“ in der Haupttype; der Fehler kam auf vier Feldern des 100er-Bogens vor Werden Plattenfehler während der Drucklegung entdeckt, können sie durch Retuschierung, durch den Austausch einzelner Druckelemente oder durch den Einsatz einer anderen Druckform korrigiert werden. Der ursprüngliche Fehler erscheint dann in späteren Teilen der Auflage nicht mehr oder nur noch in veränderter Form.

Eine beschädigte Stelle kann sich auch ohne gezielte Korrektur im weiteren Druckverlauf verändern. Beispielsweise kann im Buchdruck ein zunächst kleiner Ausbruch des druckenden Materials fortschreiten. Dadurch können verschiedene Fehler- oder Entwicklungszustände desselben Plattenfehlers entstehen. Für den Nachweis kann eine solche Entwicklung dennoch als formkonstant gelten, sofern sie sich nachvollziehbar auf dieselbe beschädigte Stelle zurückführen lässt.

mini|Der „Sprung im Korbdeckel“ auf einer später überdruckten Wertstufe

Bei den deutschen Inflationsmarken im Korbdeckelmuster wird der bekannte „Sprung im Korbdeckel“ in Katalogen und Auktionsbeschreibungen als Haupttype (HT) bezeichnet.

Da bei diesen Ausgaben das Markenbild, die Wertangabe und gegebenenfalls der Aufdruck in getrennten Druckgängen hergestellt wurden, kann derselbe Fehler im Markenbild auf verschiedenen Wertstufen, in unterschiedlichen Farben oder zusammen mit verschiedenen Aufdrucken erscheinen. Die Bezeichnungen HT, KT, ST, PPM und PE sind jedoch ausgaben- oder katalogspezifisch und lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Briefmarkenausgaben übertragen.

Abgrenzung und Bestimmung Für die Einordnung einer Abweichung sind zwei Fragen voneinander zu unterscheiden. Zunächst ist zu prüfen, ob sie auf eine dauerhafte Veränderung der Druckform oder lediglich auf eine vorübergehende Störung des Druckvorgangs zurückgeht. Davon zu trennen ist die Frage, ob die Abweichung als Feldmerkmal zur Bestimmung der ursprünglichen Position einer Marke oder der verwendeten Druckform herangezogen werden kann.

Druckzufälligkeiten Plattenfehler sind von Druckzufälligkeiten zu unterscheiden. Diese entstehen durch vorübergehende Störungen während des Druckvorgangs. Papierfasern, Staubteilchen, Farbspritzer oder andere Fremdkörper können Punkte, Farbtupfer, Flecken, Linien oder unbedruckte Stellen im Markenbild hervorrufen.

Ein Fremdkörper kann auch mehrere nacheinander gedruckte Bogen beeinflussen. Dabei kann er seine Lage verändern, im Markenbild „wandern“ oder unterschiedliche Spuren hinterlassen. Nach seinem Ablösen oder bei der nächsten Reinigung der Druckform verschwindet die Erscheinung wieder. Eine Druckzufälligkeit muss daher nicht zwingend nur auf einer einzigen Marke vorkommen.