Der Vierfleckige Kiefernglanzkäfer (Glischrochilus quadripunctatus) ist ein Käfer aus der artenreichen Familie der Glanzkäfer. Die Gattung Glischrochilus ist in Europa mit sechs Arten vertreten, die alle schwarz sind und vier gelbliche bis weiße Flecke haben.
Der Käfer ist forstwirtschaftlich unbedeutend und steht nicht unter Naturschutz.
Bemerkungen zum Namen, Synonymen und Homonymen Der Käfer wurde bereits 1758 von Linné in der berühmten 10. Ausgabe seiner Systema Naturæ, die als Ausgangspunkt der binominalen Nomenklatur festgelegt wurde, als 4. Art der Gattung Silpha unter dem Namen Silpha quadripunctata beschrieben. Die kurze Beschreibung lautet: eine längliche schwarze Silpha, mit zwei rostfarbenen Punkten auf der Flügeldecke (S. oblonga nigra, elytris punctis duobus ferrugineis). Linné zitiert dabei zwei frühere Beschreibungen des Käfers. Darunter ist die Beschreibung von 1746 durch Linné in der Fauna Svecica (1. Auflage): ein schwarzer Dermestes mit vier roten Punkten auf den Deckflügeln (Dermestes niger, coleoptris punctis rubris quaternis). Daraus erklärt sich der Artname quadripunctatus (von lat. „quattuor“, in Verbindungen „quádri-“ für „vier-“ und „punctātus“ für „punktiert“), der die auf den beiden Flügeldecken insgesamt vier Makel benennt. Es gibt jedoch zwei weitere in Mitteleuropa heimische Arten, Glischrochilus quadriguttatus und Glischrochilus quadrisignatus, sowie das Synonym quadripustulatus deren Namen ebenfalls auf vier Makel auf den Flügeldecken Bezug nimmt.
In der zweiten Ausgabe der Fauna Svecica ändert Linné 1761 den Namen und beschreibt die Art mit dem gleichen Text und mit den gleichen beiden früheren Zitaten als 446. Art unter dem Namen Silpha quadripustulata. Er geht hier auch auf die genauere Form der vier Makel ein. Die Notwendigkeit für die Umbenennung von quadripunctata in quadripustulata ergibt sich daraus, dass der Name Silpha quadripunctata für die 453. Art benutzt wird, die den Vierpunktigen Aaskäfer beschreibt und deren Name ebenfalls auf ältere Beschreibungen zurückgeht. Von einigen Autoren wurde der ältere Artname quadripunctatus beibehalten, was in Kombination mit einem anderen Gattungsnamen ohne Verwechslungsgefahr möglich war, von anderen der aktuellere Name quadripustulatus übernommen.
Olivier gibt 1790 in seinem vielbändigen koloepterologischen Werk der von Fabricius eingeführten Gattung Nitidula die Nr. 9 und führt als achte Art dieser Gattung den Vierfleckigen Kiefernglanzkäfer unter dem Namen Nitidula quadripustulata, wobei er sich auf die 446. Art in Linnés 2. Ausgabe der Fauna Svecica bezieht. Unglücklicherweise gibt er der folgenden, seiner Meinung nach neuen Art den Namen Nitidula quadripunctata. Es gibt also für zwei verschiedene, aber sehr nah miteinander verwandte Käferarten den gleichen Artnamen quadripunctata, eine quadripunctata von Linné und eine von Olivier. Letztere wird, um Verwechslungen zu vermeiden, von Bedel 1891 in Oliveri (die/der von Olivier) umbenannt, und heute nach der älteren Beschreibung durch Geoffroy in Fourcroux 1785 hortensis genannt.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass der Käfer, der heute Glischrochilus quadripunctatus heißt, in den meisten älteren deutschsprachigen Werken über Käfer das Artepitheton quadripustulatus, a trägt, während die mit quadripunctatus, a bezeichnete Art heute als Glischrochilus hortensis geführt wird.
Der Gattungsname Ips ist heute für eine Gattung der Borkenkäfer Ips reserviert, die De Geer 1775 beschrieb. Unabhängig davon wurde 1776 von Fabricius seine 19. Gattung mit Ips benannt und mit einem * wie damals üblich, als neu gekennzeichnet. Fabricius charakterisiert damit eine Gruppe der Glanzkäfer, zu denen auch der Vierfleckige Kiefernglanzkäfer gehört. Der Name Ips, der vom altgriechische Wort ips ιπς für einen Wurm, der Horn oder Holz anfrisst, abgeleitet ist, wurde in der Folgezeit von verschiedenen Autoren in verschiedener Weise sowohl im männlichen als auch im weiblichen Geschlecht benutzt. Die Beschreibung der Larve des Vierfleckigen Kiefernglanzkäfers durch Perris 1877 erfolgte unter dem Namen Ips quadripunctata.
Reitter trennt 1873 die von Fabricius beschriebene Gattung Ips in drei Untergattungen und stellt den Vierfleckigen Kiefernglanzkäfer in die Untergattung Glischrochilus mit dem Namen Glischrochilus quadripustulatus. Die Untergattung wird später zur Gattung. Von den heute zur Gattung Glischrochilus zählenden mitteleuropäischen Arten stellt Reitter später alle außer quadripustulatus in die von ihm 1884 aufgestellte Gattung Librodor. Diese Unterteilung wird jedoch heute nicht mehr benutzt.
Den Gattungsnamen Glischrochilus übernimmt Reitter von dem Engländer Murray, dessen unvollendete Arbeiten über Glanzkäfer er zu Ende führt. Glischrochilus ist von altgr. γλίσχρος „glis-chrós“ für „klebrig“ und χῦλός „chilós“ für „Saft“ abgeleitet und weist auf die Nutzung von ausfließendem Baumsaft als Nahrungsquelle hin.
Da das Wort Punkt bei Insekten (auch) für kleine Einstiche im Skelett benutzt wird, und das Wort Makel für Fleck ungebräuchlich wurde, heißt die Art auf Deutsch Vierfleckig. Der Namensteil Glanzkäfer spielt auf die Familienzugehörigkeit an, der Namensteil Kiefern- auf sein Vorkommen unter der Rinde von Kiefern. Dies ist jedoch irreführend, da er auch unter Fichten- und Tannenrinde häufig ist.
Merkmale des Käfers 145px155px145px155pxAbb. 1: verschiedene Ansichten145px155pxAbb. 2: Prosternalfortsatz(Kopf links)Abb. 3: Unterlippe (links) und Unterkiefer mit Taster Der schwarze Käfer mit den vier orangegelben Flecken misst etwa einen halben Zentimeter, kann aber bis zu acht Millimeter lang werden. Er ist auf Kopf, Halsschild und Flügeldecken gleichermaßen mäßig fein und ziemlich weitläufig punktiert. Von den ähnlichen mitteleuropäischen Arten ist er am sichersten durch die Größenverhältnisse des Halsschilds sowie durch die Form des Prosternalfortsatzes zu unterscheiden (Abb. 2). Diese Verlängerung der Vorderbrust, die zwischen den Vorderhüften nach hinten verläuft, endet nicht abgerundet, sondern fast abgestutzt mit einer nahezu geraden Reihe von Haaren, während diese Haarreihe bei den anderen Arten stark bogenförmig oder gewinkelt ist. Außerdem ist der Körper weniger rundlich als bei den anderen Arten. Deswegen werden bei Reitter die anderen Arten als Gattung Librodor von der Gattung Glischrochilus getrennt.
Der dreieckige bis halbkreisförmige Kopf ist beim Männchen deutlich größer als beim Weibchen. Die Mundwerkzeuge zeigen nach vorn. Die zweilappige Oberlippe ist mit dem Kopfschild verwachsen. Die Unterlippe mit dreigliedrigem Lippentaster und die Unterkiefer mit den viergliedrigen Kiefertastern sind in Abb. 3 abgebildet. Die Fühler entspringen vor den seitenständigen flachen Augen und können teilweise in eine vor den Augen nach unten, danach nach hinten verlaufende Fühlerrinne eingelegt werden (in Seitenansicht und auf der Unterseite in Abb. 1 durch dunklere Färbung erkennbar). Die Fühler sind elfgliedrig und enden in einer ovalen, dreigliedrigen, abgeflachten Keule. Die Keule und das Basalglied sind schwarz, die Geißelglieder dunkel rotbraun. Auf der Stirn findet man einen seichten Quereindruck und meist ein seichtes Mittelgrübchen.
Der Halsschild ist nur wenig breiter als der Kopf, beim Weibchen vorn etwas schmaler als die Flügeldecken, beim Männchen erreicht er Flügeldeckenbreite. Die Seiten sind breit abgesetzt und leicht aufgebogen, vor der Mitte verengt sich die Seitenrandkehle. Die Halsschildseiten verlaufen etwa parallel, nach hinten verschmälert sich der Halsschild etwas. Vor den scharf rechtwinkligen Hinterecken ist der Halsschild etwas eingezogen und an der Basis schmaler als die Flügeldecken. Bei den anderen mitteleuropäischen Arten trifft letzteres nicht zu.
Die glänzenden Flügeldecken sind über dreimal so lang wie breit und zweieinhalbmal so lang wie der Halsschild. Sie tragen hinter der Basis neben der Schulterbeule eine große Makel, die die Schulter selbst ausspart, und dicht hinter der Mitte eine große Quermakel. Hinten sind die Flügeldecken beim Männchen quer gerundet abgestutzt, beim Weibchen sehr schräg abgestutzt mit ausgezogenem Nahtwinkel. Die Seiten verlaufen stärker parallel als bei den anderen Arten.
Die Beine sind kurz und kräftig. Die gelblich braunen Tarsen sind alle fünfgliedrig, erscheinen aber viergliedrig, da das vierte Glied sehr klein ist.
Larve Details der Larve nach Perrisx140pxx130pxx130pxAbb. 4: FühlerAbb. 5: 9. Abdominalseg-ment von oben, rechts ko-loriert: Pseudocercie grün beborstetes Zähnchen rotAbb. 6: Pseudocercie (grün) von seitlich innen rot: beborstetes Zähn-chen Die Larve wurde erstmals 1877 von Perris beschrieben, die Beschreibung 1917 von Saalas präzisiert, und 1923 von Verhoeff durch exaktere Zeichnungen und zusätzliche Betrachtung des Tracheensystems wesentlich erweitert.
Die gelblich weiße Larve wird im letzten Stadium bis zu elf Millimeter lang. Der Körper ist flach und fast überall nahezu gleich breit, nur an den beiden Enden verschmälert er sich etwas. Jedes der mittleren Körpersegmente ist mehr als doppelt so breit wie lang. Der Körper ist lederartig und sehr fein und kurz tomentiert, sodass er goldschimmernd bereift erscheint. Nur spärlich findet man auch einzelne längere Tastborsten.
Der flache Kopf ist viel breiter als lang. Er ist glatt, kahl, glänzend, und durch die Chitinisierung rostrot. Auf der Stirn hat er zwei schräg verlaufende Furchen, die hinten durch einen Quereindruck verbunden sind. Auf der Mitte zeigt er ein deutliches Grübchen. Auf jeder Seite befinden sich vier Einzelaugen. Die Fühler (Abb. 4) sind viergliedrig. Das Basisglied ist kurz, dick und kann zurückgezogen werden. Die beiden folgenden Glieder sind etwa gleich lang, dabei länger und dünner als das Basisglied. Das Endglied ist gleich lang wie das vorhergehende Glied, aber viel dünner. An seiner Spitze befinden sich ein längeres und einige sehr kurze Haare. Neben der Basis des Endglieds entspringt ein Anhang, der etwa halb so lang wie das Endglied ist. Die Oberlippe ist viel breiter als lang, seitlich nicht abgeschnürt, in der Mitte eingebuchtet und am Vorderrand äußerst kurz bewimpert. Die braunroten Oberkiefer enden mit einem kräftigen Endzahn, davor befinden sich auf der Innenseite drei Vorzähne. Die Mahlplatten tragen etwa zwanzig parallel gebogene, nach unten zunehmend feinere Feilenreihen. Zwischen Mahlplatte und Spitze liegen 12 bis 13 hintereinander angeordnete Kämmchen, deren Feinbau sich sukzessiv ändert. Die Lade der Unterkiefer ist kurz und abgerundet und mit sehr feinen und kurzen goldschimmernden Härchen besetzt. Nach innen trägt sie zwei kurze Kauzapfen gegenüber der Wurzel der Kiefertaster. Neben dem Kiefertaster ist die Unterkieferlade knotig verdickt. Die viergliedrigen Kiefertaster sind kurz und ragen nur wenig über die Unterkiefer hinaus. Ihre Glieder sind etwa gleich lang und zunehmend schlanker. Das Grundglied ist unvollständig ausgebildet, das Endglied sehr fein behaart. Das Kinn ist auffallend klein und deutlich gegen die angrenzenden Teile abgesetzt. Am Vorderrand des Kinns setzt stielartig der sogenannte Syncoxit der Labiopoden an, der sich vorn dreiästig teilt. In den Seitenästen sitzen die ungegliederten zapfenförmigen Lippentaster, vor der Mitte die kleine herzförmig Unterlippe.
Der Prothorax ist eineinhalbmal so lang wie der Mesothorax. Er ist außer der Mittellinie, dem Vorder- und dem Hinterrand rötlichgelb, mit schwachen Eindrücken und jederseits mit zwei bis drei kurzen Haaren versehen. Meso- und Metathorax sind gleich lang und gelblich weiß. Sie tragen beiderseits je ein Haar.
Die Hüften der drei Beinpaare sind weit auseinandergerückt. Die Beine überragen die Körperseite nur wenig.