mini|Heimenkirch

Heimenkirch (westallgäuerisch Huiməkirch) ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee).

mini|Heimenkirch aus Vogelperspektive im Hintergrund mit Säntis und Bodensee

Geografie Die Gemeinde liegt im Leiblachtal sowie der Region Westallgäu.

Gemeindegliederung Es gibt 20 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Einöden Buhmühle, Hammerschmiede und Ziegelstadel sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Nachbargemeinden

Geschichte

Bis zur Gemeindegründung Durch das Gemeindegebiet verläuft die historische Trasse der antiken Römerstraße Kempten–Bregenz. Diese entspricht ab Riedhirsch in westlicher Richtung annähernd genau dem Verlauf der B 32. Bei Dreiheiligen, in Heimenkirch und zwischen Meckatz und Kappen fanden sich Reste von römischen burgi, turmartigen Gebäuden, die im Abstand von etwa 1,5 bis 2 Kilometer mit einer fast quadratischen Grundfläche von 10 bis 12 Metern Seitenlänge errichtet worden waren. Diese dienten sowohl der Sicherung der Militärstraße als auch dem Schutz der letzten Grenzlinie des spätantiken Roms, dem Donau-Iller-Rhein-Limes. (Siehe → Liste der Kastelle am DIRL)

Die Mauern bei Meckatz standen zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch. Der Fund des Burgus in der Nähe von Dreiheiligen wurde beim Eisenbahnbau gemacht.Die Römer an Bodensee und Allgäu. In: Werner Dobras: Chronologie des Landkreises Lindau. Verlag W. Eppe, 1985, ISBN 3-89089-004-0, S. 13–16, hier S. 14.

Heimenkirch soll seinen Namen einem Germanenfürsten namens Heimo verdanken.

Der Markt Heimenkirch gehörte zunächst zu Vorderösterreich als ein Teil der Herrschaft Bregenz-Hohenegg. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

20. Jahrhundert Im Februar 1966 kam es an einem Bahnübergang zum Busunglück von Heimenkirch. Die eigentlich vom Schrankenwart zu schließenden Schranken blieben offen. Ein Güterzug erfasste hier einen Postbus und schleifte ihn mehrere Meter weiter. Dabei starben sieben Kinder. Der Bus wurde stark beschädigt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1970 2845 1987 3093 1991 3347 1995 3594 2000 3586 2005 3693 2010 3644 2015 3603 2016 3598

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3149 auf 3584 um 435 Einwohner bzw. um 13,8 %.

Politik

Marktgemeinderat und Bürgermeister Die Kommunalwahlen am 16. März 2014, am 15. März 2020 und am 8. März 2026 führten zu folgender Sitzverteilung im Marktgemeinderat: CSU SPD FW/UBH Grüne Gesamt 2014 6 1 7 2 16 2020 7 1 5 3 162026617216

Bürgermeister ist seit Mai 2026 Clemens Weh (unabhängige Bürgerschaft). Bei der Kommunalwahl 2026 wurde er mit 62,9 Prozent der gültigen Stimmen gewählt. Sein Mitbewerber Anton Eller (CSU) erhielt 37,1 %.

Gemeindefinanzen Im Jahr 2012 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 4.580.000 €, davon waren 2.414.000 € Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen

Gemeindepartnerschaften Die Stadt Balassagyarmat in Nordungarn Die Gemeinden L’Île-d’Olonne und Vairé im französischen Département Vendée

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Pfarrkirche St. Margareta Katholische Pfarrkirche St. Margareta mit vollständig erhaltener historistischer Ausstattungcommons:Category:St. Margareta (Heimenkirch)

Paul-Bäck-Haus Das denkmalgeschützte Paul-Bäck-Haus war Weinwirtschaft und Bäckerei, Nagelschmiede sowie Gesinde- und Handwerkerunterkunft. Das Baudenkmal gehört zu den ältesten Gebäuden des Ortes und prägt mit seiner charakteristischen Gestalt das Erscheinungsbild von Heimenkirch.

Gebäude: Ein kleines fast quadratisches, mit Holzschindeln verkleidetes Haus in Ortsmitte an einer platzartigen Erweiterung mit einem Brunnen () bestehend aus zwei Etagen, 5-achsig gegliedert, mit Dachgeschoss im schindelgedeckten, geschweiften Walmdach. Zwei Ziegelsteinschornsteine, die mit Aufsätzen aus kleinen Ziegelsteinhäuschen verziert sind. Der innere Grundriss ist praktisch unverändert. Auch die Wand- und Deckenverkleidungen, der Dielenbelag und der Steinboden im Hausgang des Erdgeschosses zeigen zum größten Teil noch den ursprünglichen Zustand.

mini|Paul-Bäck-Haus Geschichte: Das heute sichtbare Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde 1633 zum ersten Mal in einer Heiratsurkunde erwähnt. Das mittelalterliche Lehen der Adelsfamilie der Humpis von Waltrams ging Ende des 17. Jahrhunderts auf die Familie Milz über, die es über 100 Jahre bewirtschaftete. Nach kurzem Zwischenbesitz gelangte das Anwesen durch Verganten „öffentliche Versteigerung“ an die als Bauern, Weinwirte und Bäcker tätige Familie Zwisler. Der nachfolgende Bäcker Schweinsberger übergab das Gut in einem Tauschgeschäft an den nebenan tätigen Brauereibesitzer Salomon Karg. Dieser verpachtete 1890 die Landwirtschaft mit Bäckerei und Weinstube an Colestin Paul, der darin 26 Jahre wirtschaftete und dessen Name in der heutigen Bezeichnung Paul-Bäck-Haus weiterlebt. Anschließend diente das Gebäude den Stallschweizern, Knechten und Mägden, die auf dem Gutshof der Familie Salomon Karg arbeiteten, als Wohnung.Informationen aus einem Zeitungsartikel im Westallgäuer Seit 370 Jahren prägender Teil des Ortes Im Dachgeschoss befand sich lange Zeit eine sogenannte Störstube. Hier wohnten Handwerker, die ihre Arbeit direkt beim Kunden verrichteten und – wenn im Ort keine Arbeit mehr vorhanden war – in den nächsten weiterzogen. „die Arbeit eines Handwerkers (außerhalb seiner eigentlichen Werkstätte) im Kundenhaus“ … Der Ausdruck ist abgeleitet von „Störung der Zunft“, denn ein Handwerker, der solche Arbeit übernahm, verging sich gegen die Handwerksordnung, er störte sie, deshalb schon mhd. stœrære.

In der langen Geschichte des Hauses wurden etwa fünf größere Umbauten bzw. Erweiterungen vorgenommen: vom ursprünglichen kleineren hölzernen Blockhaus zum Steinhaus, dem westlichen Anbau, dem Einbau der beiden Kamine, der teilweisen Rokoko-Ausmalung und der großen Fundamentsanierung in den 1950er-Jahren einschließlich der erst damals angebrachten Schindelverkleidung.

Restaurierung: Die Marktgemeinde erwarb das als Kleinod bezeichnete ortsbildprägende Gebäude im Winter 2005/2006 und restaurierte es mit Zuschüssen der Regierung von Schwaben, Städtebauförderung und Landesdenkmalamt in den Jahren 2009/2010 auf dem letzten Entwicklungsstand der Baugeschichte des Hauses. So blieb zum Beispiel die heute die Außenansicht bestimmende Allgäuer Schindelverkleidung erhalten. Der völlig zu erneuernde Dachstuhl bot die Gelegenheit, aus der ehemaligen Störstube im Dachgeschoss einen balkendurchzogenen, historischen Raum für kleinere Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte und auch Trauungen zu gestalten. Für die unveränderten Grundrisse der unteren beiden statisch gesicherten Geschosse erstellte eine Heimenkirchner Arbeitsgruppe ein Nutzungskonzept. Danach eignete sich das niedrige Erdgeschoss für wechselnde Märkte, etwa Oster- oder Weihnachtsmärkte. Im ersten Stock sollten Heimatstube und Musikraum ihren Platz finden. Um den neuzeitlichen Zugangsanforderungen zu entsprechen und gleichzeitig den gesamten Innenraum des Paul-Bäck-Hauses original erhalten und optimal nutzen zu können, entstand auf der Rückseite des historischen Gebäudes ein Glasanbau mit Treppe und Aufzug. Das restaurierte Haus wurde Anfang Oktober 2010 nach einem Richt- und Helferfest eingeweiht.

mini|Schloss Syrgenstein Schloss Syrgenstein

Nördlich von Heimenkirch befindet sich das einzige erhaltene Schloss des Landkreises Lindau, das jedoch nicht besichtigt werden kann. In einer angrenzenden Waldung liegen ca. 15 Gehminuten vom Schloss entfernt die „englischen Gräber“. Hier wurden ehemalige Bewohner des Schlosses bestattet.

Wirtschaft 2022 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 1572 und im Bereich Handel und Verkehr 74 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 174 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1589. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei und im Bauhauptgewerbe zehn Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2022 57 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1474 ha, davon waren 1411 ha Dauergrünfläche.

Ansässige Unternehmen: Käserei Hochland Brauerei Meckatzer Löwenbräu im Gemeindeteil Meckatz

Verkehr Heimenkirch hat seit Dezember 2010 wieder einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Buchloe–Lindau. Zwischen 1985 und 2010 hielten keine Züge, der Bahnhof war 1990 geschlossen worden.

Persönlichkeiten Cunrat Segenschmid (unbekannt–1489), humanistischer Schriftsteller und Seelsorger in Heimenkirch; verfasste 1464 die Handschrift Geschichte von Jason und Troja. Bonifaz Rist († 1843), Politiker und Unternehmer Karl von Waldburg-Zeil (1841–1890), Offizier und Naturforscher Josef Feneberg (1923–2011), Politiker Erwin Richard Keller (1937–2014), in Heimenkirch geborener Archäologe, Landeskonservator Günter Bentele (* 1948), Kommunikations- und Medienwissenschaftler Josef Rist (* 1962), katholischer Kirchenhistoriker

Weblinks

Markt Heimenkirch

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Lindau (Bodensee) Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Markt in Schwaben Kategorie:Gemeindegründung 1818