mini|Ankündigung der Uraufführung, Stuttgart 1917
An allem ist Hütchen schuld! ist eine Oper (Originalbezeichnung: „Märchenspiel“) in drei Aufzügen von Siegfried Wagner (Musik) mit einem eigenen Libretto. Es trägt die Opusnummer 11 und wurde am 6. Dezember 1917 am Königlichen Hoftheater Stuttgart uraufgeführt.
Handlung
Die Oper ist ein Konglomerat von ungefähr vierzig Märchen der Brüder Grimm und anderer Sammler. Die Rahmenhandlung basiert auf den Hauptfiguren aus Der Frieder und das Katherlieschen. Frieder und Katherlies’chenOriginalschreibweise „Katherlies’chen“ mit Apostroph laut Libretto und Aufführungsmaterial lieben sich, aber Frieders Mutter bestimmt, dass Frieder die reiche Trude heiraten soll. Sie müssen sich trennen, sofern sie nicht eine Reihe von Aufgaben erfüllen. Jeder für sich erlebt eine Reihe von Phantasie-Abenteuern in einer Traumwelt. Im dritten Akt verschmelzen Traumwelt und Realität, und die beiden finden zusammen. Im Verlauf der Handlung verursacht der für die anderen unsichtbare Kobold Hütchen eine Reihe von Wirrungen, bis er zum Schluss enttarnt wird.
Erster Akt
1. Szene. In einem Zimmer in Frieders Haus schiebt Katherlies’chen einen großen Käse zum Garten, um ihn den Hügel hinabrollen zu lassen. Er soll die anderen Käselaiber zurückholen, die zuvor heruntergerollt sind – aber dies funktioniert nicht. Frieder kommt hinzu. Die beiden beschließen zu heiraten.
2. Szene. Frieders Mutter kommt vom Garten und schimpft mit Katherlies’chen, die die Stücke wieder hinaufwälzen muss. Sie kündigt den Besuch der reichen Trude an, die sie als Frieders Braut vorgesehen hat. Frieder macht eine „Stiefelprobe“, indem er Wasser in einen Stiefel gießt. Wenn es hinausläuft, spart er den teuren Hochzeitsschmaus. Es fließt hindurch.
3. Szene. Eine Kutsche fährt vor, und Trude steigt aus. Frieder verhält sich sehr abweisend zu ihr. Trude glaubt, sie werde ihn schon zähmen. Die Mutter und Frieder gehen.
4. Szene. Katherlies’chen verspottet Trude und nennt sie „schiech“. Sie entfernt sich lachend.
5. Szene. Trude betrachtet sich im Spiegel. Sie findet sich zwar nicht schön, aber gescheit. Ein Hexenweib erscheint und verrät ihr, wie sie Frieder durch Hexerei für sich gewinnen kann: Sie benötigt ein Gebräu aus Beifuß, Rauten und Kröten, ein goldenes Ei des singenden springenden Löweneckerchens und drei goldene Haare vom Teufel und muss dann allerlei Rituale durchführen.
6. Szene. Katherlies’chen kommt mit Geschirr beladen herein. Hütchen kitzelt sie mit einer Pfauenfeder an der Nase und verschwindet wieder. Sie lässt das Geschirr fallen. Dann entdeckt sie Trudes Tasche und Spiegel. Die Versuchung ist groß, aber sie versucht, brav zu bleiben, legt die Tasche wieder hin und bückt sich, um die Scherben aufzuheben. Hütchen erscheint wieder, steckt Trudes Beutel in ihre Tasche und entschwindet. Trude kehrt zurück. Sie vermisst ihren Beutel und ruft um Hilfe. Die Mutter kommt mit einigen Nachbarn. Der Beutel wird in Katherlies’chens Tasche gefunden und diese eingesperrt.
7. Szene. Katherlies’chen versteht nicht, was geschehen ist. Verzweifelt will sie sich umbringen und Gift nehmen. Hütchen vertauscht unbemerkt den Gifttopf mit Honig, während sie ihr Testament auf eine Schiefertafel schreibt. Sie isst das unerwartet wohlschmeckende „Gift“ und legt sich zum Sterben auf den Fußboden.
8. Szene. Frieder dringt mit einer Axt ein, um Katherlies’chen zu befreien. Er erklärt ihr, dass sie nicht Gift, sondern Honig genommen hat.
9. Szene. Frieders Mutter, Trude, der Richter und Nachbarn treten ein und vereiteln die Flucht. Trude verspricht, ihnen zu vergeben, wenn Katherlies’chen ihr das singende springende Löweneckerchen mit dem goldenen Ei bringt und Frieder drei goldene Haare des Teufels herbeischafft. Wenn er dann auch noch drei vorbereitete Rätsel löst, will sie ihn freigeben. Die Mutter und der Dorfrichter lassen sie schwören, dass sie fortan nichts miteinander zu tun haben und nie an Ehe denken werden: „Wir meiden uns, wir scheiden! Wir können uns gar nicht leiden!“ Hütchen reibt sich unter dem Tisch vergnügt die Hände. Frieder und Katherlies’chen verabschieden sich voneinander. Der Chor bedauert sie.
Zweiter Akt
Der zweite Akt handelt von den Abenteuern Frieders und Katherlies’chens. Die Szenen sind hier im Gegensatz zu denen der anderen beiden Akte als „Bilder“ bezeichnet und mit Titeln versehen.
1. Bild. Himmelsprospekt. Im Himmel fragt Katherlies’chen nacheinander Stern, Mond und Sonne, wo sie das Löweneckerchen finden kann. Die Sonne verweist sie an den Menschenfresser. Frieder fragt seinerseits Mond, Stern und Sonne nach demjenigen, der drei schwere Fragen löst. Die Sonne schickt ihn zum Teufel.
2. Bild. Das Katherlies’chen und der Tod. Im Wald vor einem Felsgebirge begegnet Katherlies’chen dem Tod, der in Siegfried Wagners Oper Banadietrich verprügelt wurde und im Graben liegt. Sie hilft ihm auf und erhält als Dank eine Salbe, mit der sie Kranke heilen kann, sofern sie ihn nicht bereits an deren Lager stehen sieht.
3. Bild. Das Reich des Todes. Der Tod gibt ein Zeichen, worauf sich der Berg öffnet und das Totenreich sichtbar wird. Dort liegt ein kranker Königssohn, dessen Lebenslicht am Verblassen ist. Gegen den Wunsch des Todes gibt Katherlies’chen ihm Licht aus ihrer Laterne und verlängert so sein Leben.
4. Bild. Das Katherlies’chen und der Königssohn. Die Szene verwandelt sich wieder in den Wald. Es ist Tag. Der immer noch sterbenskranke Königssohn wird auf einer Bahre herbeigetragen. Sie bestreicht ihn mit der Salbe. Als sie jedoch den Tod am unteren Ende der Bahre stehen sieht, dreht sie die Bahre und fordert die Träger auf, mit Stöcken an die Stelle zu schlagen, an der sie ihn sieht. Er verschwindet. Der geheilte Königssohn bietet ihr die Ehe an, aber Katherlies’chen liebt weiterhin Frieder. Sie verabschieden sich.
5. Bild. Der Frieder in der Hölle. Szenenwechsel. In der Hölle trifft Frieder auf des Teufels Ellermutter, die in einem Sessel die Wäsche ihres Enkels flickt. Frieder bittet sie um Hilfe, die sie ihm gern gewährt. Er zeigt ihr den Zettel mit den drei Fragen. Als der Teufel hereingepoltert kommt und brüllend nach Essen verlangt, versteckt Frieder sich. Die Ellermutter fordert den Teufel auf, den Kopf in ihren Schoß zu legen und sich auszuruhen. Sie reißt ihm nacheinander drei goldene Haare aus und stellt ihm jeweils eine der drei Fragen, die sie als zu deutende Träume ausgibt. Der Teufel kennt alle Antworten und schläft endlich sein. Frieder kommt aus seinem Versteck und schreibt sich die Antworten auf. Bevor er sich entfernen kenn, wacht der Teufel jedoch auf und will ihn von seinen Hilfsteufeln in einen Kessel werfen lassen. Es gelingt Frieder, sie mit seiner Flöte zum Tanzen und schließlich zur Flucht zu zwingen. Nur der Oberteufel bleibt zurück. Er verspricht, Frieder nichts zu tun, wenn er ihn das Flötenspiel lehrt. Frieder erklärt sich einverstanden, greift aber zu einer List: Unter dem Vorwand, seine Krallen kürzen zu wollen, lässt er den Teufel seine Hand in den Schraubstock legen. Der Teufel ist gefangen. Als Gegenleistung für seine Freilassung verlangt Frieder das „Tischlein, deck Dich“, den „Goldesel Bricklebrit“ und den „Knüppel aus dem Sack“ sowie freien Abzug.
6. Bild. Waldbegegnung. Frieder liegt tagsüber schlafend im Wald. Katherlies’chen findet ihn und spricht ihn an. Hütchen träufelt ihm Saft auf die Stirn und verschwindet wieder. Als Frieder erwacht, erkennt er Katherlies’chen nicht. Sie geht traurig fort. Hütchen kommt zurück und träufelt ihm einen anderen Saft auf die Stirn, so dass Frieder sich wieder erinnert. Hütchen spielt mit ihm, indem es Katherlies’chens Stimme von verschiedenen Seiten nachahmt.
7. Bild. Die Müllerin und der Sakristan / Der Rabe als Weissager. Während eines nächtlichen Unwetters sucht Katherlies’chen Schutz in einer Mühle. Sie hat einen Raben dabei, den sie gesund pflegen will. Die Müllerin erwartet unterdessen ihren Geliebten, den Sakristan. Sie glaubt, das dumme Katherlies’chen werde nichts merken, und schickt sie in eine Ecke schlafen. Der Sakristan tritt ein und umarmt die Müllerin, während Katherlies’chen so tut, als schliefe sie. Müllerin und Sakristan setzen sich zum Essen an den Tisch. Da bemerken sie, wie der Müller unerwartet zurückkehrt. Schnell werden Wein, Braten und Kuchen versteckt, und der Sakristan verbirgt sich in einem Schrank. Der Müller tritt ein. Katherlies’chen kommt aus ihrer Ecke hervor. Sie behauptet, ihr Rabe könne wahrsagen, und verrät, indem sie scheinbar dessen Krächzen übersetzt, dem Müller nach und nach die Verstecke der Lebensmittel. Für den letzten Spruch verlangt sie Geld und erklärt dann, dass sich im Schrank der leibhaftige Teufel befinde. Sie öffnet den Schrank selbst. Der Sakristan hatte genug Zeit, sich vorzubereiten und stürzt, den Kopf mit seinem schwarzen Rock verhüllt, heraus, während der Müller kaum hinzusehen wagt. Katherlies’chen hat bewiesen, dass sie nicht dumm ist.
8. Bild. Die diebischen Wirtsleute. Frieder übernachtet in einem Wirtshaus. Er nutzt sein Tischlein für eine Mahlzeit und lässt sich vom Goldesel den Beutel füllen, bevor er sich zur Ruhe legt. Die Wirtsleute haben ihn beobachtet und schnitzen Kopien des Tisches und des Esels, die sie dann mit seinen Gegenständen vertauschen – wobei sie wiederum von Frieder beobachtet werden. Da sie die Zauberworte nicht kennen, können sie die Gegenstände nicht richtig nutzen. Frieder tritt ein und erklärt ihnen das Geheimnis, aber auch das dritte Wunder: „Knüppel aus dem Sack“ – worauf ein unsichtbarer Knüppel die Diebe verprügelt. Schließlich nutzt er auch seine Flöte, um sie zum Veitstanz zu zwingen.
9. Bild. Das singende springende Löweneckerchen. Es ist Tag. Im Wald findet Katherlies’chen in einem Käfig bei einem Haus das Löweneckerchen mit den goldenen Eiern. Der Menschenfresser kommt aus dem Haus, um sie zu fressen. Katherlies’chen kann ihn überlisten, so dass er sich in seiner eigenen Schlinge verfängt. Als Gegenleistung für seine Freilassung erhält sie den Vogel, der aber davonfliegt, als Hütchen die Käfigtür öffnet. Frieder kommt hinzu. Aber diesmal will sie ihn nicht erkennen. Er entfernt sich langsam. Eine Kröte kriecht auf Katherlies’chen zu und hinterlässt eine Nuss mit der Aufschrift „Brich mich auf, wenn Not Dir naht!“
Dritter Akt
1. Szene. Zu Hause erwartet die Mutter Frieders Rückkehr für seine Hochzeit mit Trude. Das Haus ist festlich geschmückt. Als sie die Kutsche kommen hört, ruft sie Mägde und Nachbarn zusammen. Frieder steigt prächtig gekleidet aus der Kutsche, lässt Tisch, Esel und Sack vortragen und zeigt die drei goldenen Haare des Teufels und das Blatt mit den Antworten. Als ein Schrei zu hören ist, drehen sich alle nach hinten. Unterdessen tauscht Hütchen mit einigen anderen Kobolden die Gegenstände durch Imitationen aus. Frieders Vorführung scheitert kläglich. Trude ist siegesbewusst. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als sie zu heiraten.
2. Szene. Katherlies’chen erscheint als Sternenkind verkleidet. Das Kleid hat sie in der Nuss der Kröte gefunden – was im Libretto nicht explizit erwähnt wird. Trude beneidet sie um ihr Kleid und bietet viel Geld dafür. Katherlies’chen verlangt stattdessen eine Nacht in Frieders Gemach. Trude stimmt zu – verabreicht Frieder aber einen Trank, damit er nicht erwacht.
3. Szene. Frieder wirft sich unruhig auf das Lager. Er fragt sich, was schiefgegangen sein könnte, und schläft schließlich ein. Katherlies’chen betritt den Raum, kann ihn aber nicht wecken. Hütchen schleicht hinein und kitzelt Frieder mit einer Pfauenfeder an der Nase. Frieder erwacht halb. Erst als Hütchen ihm Wasser über den Kopf schüttet, fährt er auf. Katherlies’chen steht im Sternenkleid vor ihm. Sie beschließen zu fliehen.