RUAG Cobra ist ein 120-mm-Panzermörser-System, das Anfang 2015 vom Schweizer Unternehmen RUAG vorgestellt wurde. In der Schweizer Armee wird er auf der Basis des 8x8-Schützenpanzers Piranha als 12 cm Mörser 16 eingesetzt.

Eigenschaften Das Mörsersystem kann in unterschiedliche Plattformen integriert werden und im MRSI-Verfahren (multiple rounds simultaneous impact, zu deutsch etwa: mehrere Schüsse, gleichzeitiger Einschlag – durch unterschiedlich lange, vorher berechnete Flugbahnen) schiessen. Mit der halbautomatischen Ladevorrichtung können innerhalb von 20 Sekunden 4 Schuss abgefeuert werden. Kurzzeitig kann eine Feuerfolge von 10 Schuss pro Minute erreicht werden. Danach muss die Schussfolge infolge der thermischen Beanspruchung des Mörserrohres auf 6–8 Schuss pro Minute reduziert werden. Das Richten des Glattrohrmörsers erfolgt dabei, im Gegensatz zum aufgegebenen Vorgängerprojekt Bighorn, nicht hydraulisch, sondern elektrisch.Andrew Chuter: Ruag Uncoils Cobra Mortar System In: DefenseNews vom 24. Februar 2015. Die halbautomatisierte Ladevorrichtung kann optional weggelassen werden.

Entwicklung und Beschaffung RUAG entwickelte den Mörser ab 2012 auf eigene Kosten und hatte zum Zeitpunkt der ersten öffentlichen Präsentation noch keinen Kunden für das System.‘Shoot and scoot’ weapon In: Janes.com vom 25. Februar 2015, abgerufen am 31. Juli 2016.

Nachdem die Schweizer Armee den Minenwerferpanzer 64/91 im Jahr 2009 ausser Dienst gestellt hatte, benötigte sie einen neuen mobilen Mörser. In einer ersten Phase wurden verschiedene Mörser evaluiert, wobei der Patria NEMO aus Finnland den Zuschlag bekam.Asmz.ch: Panzermörser 16: Truppentauglich? Aufgrund einer Intervention der RUAG wurde daraufhin von Korpskommandant André Blattmann das Lastenheft für den neuen Mörser dahingehend angepasst, dass der Cobra von der schweizerischen RUAG den Zuschlag bekam.Beobachter.ch: Wie die Armee diskret Milliarden verpulvertWatson.ch: Diese 7 Fälle zeigen, was bei der Rüstungsbeschaffung in der Schweiz alles schief läuft Daraufhin wurde mit dem Rüstungsprogramm 2016 der Cobra für die Schweizer Armee beschafft.Aargauer Zeitung: VBS plant zusätzliches Rüstungsprogramm für 1,1 Milliarden, abgerufen am 24. Oktober 2015 Die Beschaffung war sowohl im Ständerat als auch im Nationalrat seitens der Sozialdemokratischen Partei umstritten. Anträge auf Kürzung oder Streichung der Beschaffung wurden aber von der Parlamentsmehrheit abgelehnt. Auch die Eidgenössische Finanzkontrolle kritisierte die Kosten, das Auswahlverfahren und die Verzögerungen der Beschaffung. Die Anforderungen der Armee seien während der Beschaffung mehrmals an die Möglichkeiten der RUAG angepasst worden.Finanzkontrolle kritisiert Verfahren zur Beschaffung neuer Mörser, swissinfo, 24. Juni 2020

Im April 2020 bestätigte das Bundesamt für Rüstung das Erreichen der Kriterien für die Truppentauglichkeit und im August 2020 bescheinigte die Armee dem System die Truppentauglichkeit. Im Oktober 2020 berichtete die NZZ, dass armeeinterne Prüfberichte 120 Fehler mit der Beurteilung "nicht truppentauglich" aufgezeigt hätten. So könne der Mörser etwa bei schlechtem Wetter nur bedingt eingesetzt werden, weil Wasser ins Fahrzeuginnere eindringe und die Elektronik sowie die Pulverladungen beschädigen könne. Zudem könne die Waffe entgegen den Anforderungen nicht in alle Richtungen schiessen, so dass zum Wechsel der Schussrichtung das Fahrzeug verschoben werden muss.

Aufgrund dieser Mängel musste der Mörser 16 mehrmals nachgebessert werden und die angedachte Einführung verzögerte sich um insgesamt 34 Monate. Im Herbst 2023 erteilte die Armasuisse schliesslich den Auftrag zur Serienfertigung von 48 Mörsern 16 für die Schweizer Armee. Mit dem Mörser 16 soll die Mörsermunition der ausgedienten 12-cm-Festungsminenwerfer 1959 verwendet werden.Aargauerzeitung.ch: Nach fast drei Jahren Verzögerung: «Mörser 16» geht in SerienproduktionAdmin.ch: 12cm Mörser 16: Freigabe für Serienfertigung erteiltAsmz.ch: Indirekte Feuerunterstützung auf kurze Distanz

Verbreitung

Erster Exportkunde des RUAG Cobra sind die omanischen Streitkräfte. Der Mörser ist dort in dem FNSS PARS III (8x8)-Radpanzer verbaut.Christopher F. Foss: Mortar Systems Become More Mobile and Effective. European Security & Defence 10/2022, European Security & Defence, Oktober 2022, S. 46–50.

Die Schweizer Armee hat 32 Systeme für 404 Millionen Franken beschafft, aus denen vier Batterien gebildet werden. Sie werden nach anfänglicher Verzögerung bis 2025 in Dienst gestellt. Gemäß der Investitionsplanung der Armee 2023 bis 2035 wurden im Jahr 2023 für 175 Mio. CHF eine zweite Tranche mit 16 Mörser 16 beschafft. Als Trägerfahrzeuge werden ehemalige Führungsfahrzeuge 8×8 Mowag Piranha IV umgebaut, so dass die 48 Mörser 16 ab dem Jahr 2025 einsatzbereit sind.Janes.com: Switzerland orders more 120 mm mortar systems1.34 Milliarden für Minenwerfer, Panzerfäuste & Co.: Das ist der Einkaufszettel der Armee 2016Zukunft der Artillerie, 2016, S. 22.admin.ch – Der neue Mörser ist auf Kurs, abgerufen am 3. April 2021Esut.de: Schweizer Armee soll zweite Tranche des Mörser 16 erhalten

Technische Daten Kaliber: 120 mm Gefechtsgewicht: 1350 kg (mit Ladevorrichtung) Rohrlänge: 1,60 / 2,00 m Höhenrichtbereich: 85° Seitenrichtbereich: 360° Schussdistanz: 8,8 km Zeit für Feuereröffnung: < 60 Sekunden Zeit für Stellungswechsel: k. A.

Weblinks

Hersteller-Webseite zu RUAG Cobra (deutsch und englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütz Kaliber 100 mm bis 200 mm Kategorie:Mörser (Schweiz) Kategorie:Schweizerische Artillerie