Das Kloster Eldena oder Kloster Hilda () ist eine ehemalige Zisterzienserabtei im Greifswalder Ortsteil Eldena. Das Kloster ist nur als Ruine erhalten, die durch den Maler Caspar David Friedrich überregionale Bekanntheit erlangte.

Geschichte Vorgeschichte Im zwölften Jahrhundert befand sich die südlich von Rügen gelegene Ostseeküste im Einflussbereich des auf Rügen ansässigen Fürstentums der Ranen, das seit 1168/69 unter der Oberhoheit der Dänen stand. Unter dieser Konstellation gelang es dem auf der dänischen Insel Seeland beheimateten Zisterzienser-Kloster Esrom, 1172 im westlich von Demmin gelegenen Dargun ein Tochterkloster zu gründen. Da dieses bereits 1198 infolge kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Brandenburg zerstört wurde, bot der Rügenfürst Jaromar I., dessen Frau eine Tochter des dänischen Königs Knut V. war, den dänischen Zisterziensermönchen an, sich an der Mündung des Hildaflusses (des später Ryck genannten Flusses) anzusiedeln (der Ryck floss vor seiner Nordverlegung direkt nördlich des Klosters in die Dänische Wiek).

Gründung und Name Da sich in der Nähe eine einträgliche Salzpfannenstelle befand, nahmen die Mönche das Angebot an und gründeten 1199 das Kloster Hilda, das Papst Innozenz III. 1204 offiziell bestätigte. Das Kloster wurde von den Rügenfürsten mit umfangreichen Ländereien auf Rügen (Mönchgut) sowie im Grenzgebiet zwischen den rügenschen Ländern Gristow und Wostrose (Wusterhusen), dem zwischen Rügen und Mecklenburg umstrittenen Land Lositz (Loitz) und der pommerschen Grafschaft Gützkow ausgestattet. Die Besitzungen des Klosters waren aber wegen der oftmals nicht eindeutigen Herrschaftsverhältnisse umstritten. So wurde etwa die Grundbesitzschenkung Jaromar I. von 1207, mit der dieser dem Kloster die Hälfte des Waldes zwischen Eldena und Gützkow übertrug, 1208 von Pommernherzog Kasimir II., 1216 von König Waldemar II. von Dänemark, 1218 von Pommernherzog Bogislaw II. und 1221 vom Rügenfürsten Barnuta bestätigt.Gerhard Hess: Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage. Zugleich Dissertation, Universität Greifswald, 1957, S. 21 f.

Die Bezeichnung Hilda für den heute Ryck genannten Fluss ist zwar urkundlich erstmals aus dem Jahr 1241 bezeugt („Hildam fluvium“) und damit 42 Jahre später als der urkundliche Nachweis für den entsprechenden Namen des Klosters. Gleichwohl gehen Historiker davon aus, dass das Kloster nach dem Fluss benannt wurde und nicht umgekehrt.Teodolius Witkowski: Die Ortsnamen des Kreises Greifswald. Weimar 1978, S. 53 f. Die Bezeichnung Eldena für das Kloster ist dann erstmals 1347 nachgewiesen.Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Greifswald 1979, S. 13. Teodolius Witkowski: Die Ortsnamen des Kreises Greifswald. Weimar 1978, S. 52. Hiernach ist auch die seit 1939 als Stadtteil zu Greifswald gehörende Ortschaft Eldena benannt, in der sich die Klosterruinen befinden. Neben der Gründungsbezeichnung Hilda und dem endgültigen Namen Eldena sind weitere Namen bezeugt: So wird der Name des Klosters in einer Urkunde von 1204 als „Hilda oder Ilda“ angegeben; überliefert ist ferner Hylda (1220), später zwischenzeitlich auch Eldenow (1621).Teodolius Witkowski: Die Ortsnamen des Kreises Greifswald. Weimar 1978, S. 52.

mini|Kloster Eldena am Ryck um 1350 (Rekonstruktion von Theodor Pyl, 1881)

Entstehung und Verselbstständigung Greifswalds im 13. Jahrhundert mini|Tafel der Beisetzungen der Herzogsfamilie im Kloster Eldena

Vom Kloster Eldena ging auch die Ansiedlung der späteren Stadt Greifswald aus. Greifswald war in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Siedlung von vermutlich Salinearbeitern an der Kreuzung zweier alter Handelswege gegenüber der Saline entstanden; der ursprüngliche Name dieser Siedlung ist nicht überliefert. 1241 bekam das Kloster sowohl vom Rügenfürsten Wizlaw I., als auch vom Pommernherzog Wartislaw III. durch je eine Urkunde das Marktrecht verliehen.Günter Mangelsdorf: Zur Ur- und Frühgeschichte des Greifswalder Gebietes, zu den Anfängen des Klosters Eldena und der Stadt Greifswald im 12./13. Jahrhundert. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 26. Horst Wernicke: Greifswald – so wie es war. Droste, 1995, S. 5. 1249 konnte Herzog Wartislaw III. das Kloster dazu bringen, ihm die Marktsiedlung Greifswald zu Lehen zu geben.Norbert Buske: Hinweise auf die Kirchengeschichte Greifswalds von der Gründung der Stadt bis in die Zeit der beiden Weltkriege. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 164. In einer Urkunde von 1249 wurde dem Kloster aber zumindest das Weiterbestehen des Patronats über die damaligen Greifswalder Kirchen (Nikolaikirche und Marienkirche) bestätigt.Norbert Buske: Hinweise auf die Kirchengeschichte Greifswalds von der Gründung der Stadt bis in die Zeit der beiden Weltkriege. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 163. Günter Mangelsdorf: Zur Ur- und Frühgeschichte des Greifswalder Gebietes, zu den Anfängen des Klosters Eldena und der Stadt Greifswald im 12./13. Jahrhundert. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 27. Schon im darauffolgenden Jahr verlieh Wartislaw III. der Marktsiedlung das Lübische Stadtrecht, womit Greifswald fortan auch gegenüber den pommerschen Herzögen sehr viel unabhängiger war.Detlef Kattinger: Die Stadtentwicklung vom Ende des 13. Jahrhunderts bis 1500. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 51.

mini|Grabungsfunde Kloster Eldena 1996: Sarggriffe der Gebrüder Lepel

Entwicklung bis zum 16. Jahrhundert Die Errichtung der Klostergebäude zog sich über vier Jahrhunderte hin. Um 1200 hatte man mit den Ostteilen der Klosterkirche begonnen, mit dem Bau des Klausurgebäudes war man von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis in das 14. Jahrhundert hinein beschäftigt, ehe zum Anfang des 15. Jahrhunderts mit der Fertigstellung der Westfassade der Klosterkirche und des Langhauses der Klosterbau im Wesentlichen abgeschlossen war.

Das Kloster hatte großen Anteil an der Christianisierung Vorpommerns. Neben den Grablegen der Äbte und Priore waren im Kloster auch mehrere der Herzöge von Pommern und deren Frauen. Auch die Beisetzungen von Adligen, wie der Grafen von Gützkow oder der Gebrüder Lepel (Grabplatte von 1386/1388) sind belegt. Von letzteren haben sich bei früheren Grabungen gefundene Sarggriffe in der Sammlung vaterländischer Altertümer erhalten. Die aus dem Kreuzgang stammenden Grabplatten wurden in der Neuzeit zur Sicherung in die Mauerreste eingelassen.

mini|Schon 1803 hatte Friedrich die Ruine in einer frühen Version seines Jahreszeitenzyklus für das Winter-Bild verwendet (Kupferstichkabinett, Berlin).

Reformation und Säkularisation 1534 entschlossen sich die Herzöge Barnim XI. und Philipp I. von Pommern auf dem Landtag zu Treptow an der Rega, die Reformation in Pommern endgültig anzuerkennen, eine Kirchenordnung durch Johannes Bugenhagen einzuführen und die pommerschen Klöster zum Teil in protestantische Stätten umzuwandeln und zum Teil ganz aufzuheben, also zu säkularisieren.Gerhard Hess: Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage. Zugleich Dissertation, Univ. Greifswald, 1957, S. 37 f. Im Jahr 1535 wurde dann auch das Kloster Eldena säkularisiert und das klösterliche Gebiet in ein herzögliches Amt (Fürstliches Amt Eldena) umgewandelt.Norbert Buske: Hinweise auf die Kirchengeschichte Greifswalds von der Gründung der Stadt bis in die Zeit der beiden Weltkriege. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 176. Horst Wernicke: Greifswald – so wie es war. Droste 1995, S. 10. Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Greifswald 1979, S. 25 f. Gerhard Hess: Die kulturgeographische Entwicklung der akademischen Dörfer Koitenhagen, Groß-Schönwalde, Klein-Schönwalde und Weitenhagen-Potthagen auf historisch-geographischer Grundlage. Zugleich Dissertation, Univ. Greifswald, 1957, S. 38 Herzog Philipp I. übernahm das Kloster samt seinen Ländereien und wandelte es in einen Gutshof um. Der letzte Abt Enwald Schinkel und der letzte Prior Michael Knabe konnten noch bis zu ihrem Lebensende im Kloster wohnen bleiben und erhielten eine Pension.Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Greifswald 1979, S. 26;

mini|Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald, um 1809 (Alte Nationalgalerie, Berlin) mini|Caspar David Friedrich: Klosterruine Eldena, um 1825 (Alte Nationalgalerie, Berlin) mini|Lithographie der Klosterruine aus der Zeit vor 1846Pomerania – Geschichte und Beschreibung des Pommernlandes. IV. bis VI. Buch, E. Sanne & Comp., Stettin 1846 (books.google.de).

Verfall im Dreißigjährigen Krieg und in der Schwedenzeit Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) wurde das ehemalige Kloster stark beschädigt. 1634 ging es inklusive des größten Teils der ehemaligen Klostergüter in einem Umfang von 14.400 ha durch Schenkung des letzten Pommernherzogs, Bogislaw XIV., in das Eigentum der Universität Greifswald über.Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Greifswald 1979, S. 26. Barbara Rimpel: Stadtgestalt und Stadtbild Greifswalds vom Mittelalter bis 1780. In: Horst Wernicke (Hrsg.): Greifswald. Geschichte der Stadt. Schwerin 2000, S. 466 f. Während der schwedischen Besetzung Vorpommerns (1648 bis 1815) verfielen die Gebäude. Außerdem dienten die baulichen Reste des Klosters im 17. Jahrhundert als Steinbruch für den Bau und die Ausbesserung der Befestigungsanlagen in und um den historischen Stadtkern Greifswalds. Im Jahr 1728 beteiligte sich sogar die Universität am Abbruch der Klostergebäude, um mit dem so gewonnenen Baumaterial Amtsgebäude errichten zu können.Lutz Mohr: Ein Streifzug und Wegweiser durch die Greifswalder Ortsteile Eldena und Friedrichshagen in Vergangenheit und Gegenwart. 2. Auflage. Greifswald 1979, S. 27. So fand Anfang des 19. Jahrhunderts der romantische Maler Caspar David Friedrich das Kloster nur noch als Ruine vor, die er zum Motiv für mehrere seiner Werke machte.

mini|Klosterruine mit 1968 eingebauter Freilichtbühne

Restaurierung und wissenschaftliche Grabungen Durch die Bilder Caspar David Friedrichs wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt, begannen 1828 unter der Leitung des Universitätspräparators Schilling erste Ausgrabungsarbeiten, und nach Plänen des preußischen Gartengestalters Peter Joseph Lenné wurde auf dem Klostergelände ein Park angelegt. In den Jahren 1926/27 führte Hans Kloer weitere wissenschaftliche Grabungen durch, um den ursprünglichen Zustand und die Lage der Klostergebäude rekonstruieren zu können.

In der DDR-Zeit erfolgten in den 1960er Jahren Sanierungsmaßnahmen. 1968 wurde eine Freilichtbühne eingebaut, seitdem wird das Klostergelände für kulturelle Veranstaltungen genutzt.