miniatur|Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske in der Ostsee, 1919 mini|Berliner Illustrirte Zeitung, Nr. 7, 28. Jahrgang, 16. Februar 1919, Zeitungsflugdienst Berlin – Weimar Die Berliner Illustrirte Zeitung (BIZ) war die auflagenstärkste deutsche Zeitschrift ihrer Zeit. Sie erschien von 1891 bis 1945. 1931 war sie mit fast zwei Millionen verlegten Exemplaren die zweitverbreitetste Illustrierte weltweit.
Geschichte 1890–1894 Am 14. Dezember 1891 erschien eine Probenummer der neuen Berliner Illustrirten Zeitung., mit Angaben der ersten Nummern Herausgeber war der schlesische Textilfabrikant Siegfried Salomon Hepner.Peter de Mendelssohn, Zeitungsstadt Berlin, 1959, S. 103 Auszug; schrieb von einem Kaufmann mamens Hepner, allerdings November 1890 (offenbar verschrieben); dieser Verlag wurde dort nur in diesem Jahr angezeigt, vorher und nachher war er Hepner, S., Kaufm., Elsässer Str.; möglicherweise hatte seine Frau Clara Hepner einen Anteil an der Gründung der Zeitschrift und des kurzzeitigen VerlagesJuliane Berndt, Die Restitution des Ullstein Verlages, 2020, S. 28ff., über die Entwicklung der Zeitschrift Der Titel war an die Illustrirte Zeitung in Leipzig angelehnt. Am 4. Januar 1892 erschien die erste reguläre Ausgabe. Die Illustrationen waren mit Zeichnungen und Holzschnitten gestaltet. Seit 1892 war Otto Eysler Mitherausgeber. Seit diesem Jahr wurde die Zeitschrift in der Druckerei von Leopold Ullstein gedruckt. 1893 hatte sie eine Auflage von etwa 14.000 Exemplaren.
1894–1933 1894 übernahm Leopold Ullstein die Herausgeberschaft. Er orientierte die Zeitschrift mehr auf Unterhaltung und ein breites Themenspektrum. Durch das neue Medium Fotografie konnten die Titelblätter attraktiver gestaltet werden. Er ließ außerdem die einzelnen Nummern durch Verkäufer an Wohnungstüren anbieten und löste so das starre Abonnementsystem auf. (Ein Straßenverkauf war in dieser Zeit in der Regel noch nicht möglich.) Ein Exemplar kostete nur 10 Pfennig, was auch für einkommensschwächere Käufer möglich war. Durch spannende Fortsetzungsromane oder interessante Themen sollten möglichst viele zum Kauf bewegt werden (wie bei Kolportageromanen).
So konnten die Auflagenzahlen rasch auf etwa 50.000 um 1900 gesteigert werden. Technische Innovationen wie der Offsetdruck, die Zeilensetzmaschine oder die Verbilligung der Papierherstellung führten zu weiteren Verbesserungen der Qualitat und des Umsatzes. Seit 1901 war es außerdem möglich, aktuelle Fotos im Innenteil des Blattes abzudrucken. Dies galt als unerhörte Neuerung. Nachdem der Straßenverkauf 1904 erlaubt worden war, stiegen die Verkaufszahlen durch Straßenhändler und Kioske weiter an.
Es konnte auch auf aktuelle Ereignisse schnell reagiert werden. So wurde im April 1912 die Produktion der bereits im Druck befindlichen Ausgabe Nr. 16 angehalten, als die Nachricht vom Untergang des Ozeanriesen Titanic eintraf. Kurzerhand ersetzte man ein bis dahin vorgesehenes halbseitiges Foto der Akropolis durch ein Foto der Titanic.
Die Berliner Illustrirte Zeitung bemühte sich immer wieder um spektakuläre Darstellungen. So veröffentlichte sie am Tag der Vereidigung des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 21. August 1919 ein Foto von ihm in Badehose in der Ostsee, mit Reichswehrminister Gustav Noske, das von vielen Zeitgenossen als despektierlich empfunden wurde. Im Jahr 1928 gelang es dem Starfotografen Erich Salomon, ein Foto aus einem Mordprozess zu veröffentlichen, bei dem das Fotografieren untersagt war.
Die Berliner Illustrirte Zeitung war 1931 mit etwa 1,95 Millionen verkauften Exemplaren (nach Verlagsangaben) die auflagenstärkste Zeitschrift Europas und die zweitgrößte Illustrierte weltweit.Enno Kaufhold: Die Berliner Illustrirte. In: 125 Jahre Ullstein. Presse-und Verlagsgeschichte im Zeichen der Eule. Berlin, 2002. S. 40–45 , hier S. 43; zitiert inReiner Hartmann: Kurt Korff: New Picture Thinking. Anmerkungen zu Leben und Wirken des berühmten Unbekannten der „Berliner Illustrirten Zeitung“ In: Visual-History, 11. April 2023, Anm. 9; die auflagenstärkste war die Saturday Evening Post
1933–1945 mini|Sonderheft „Die 16 olympischen Tage“ 1936, Umschlagzeichnung Ludwig Hohlwein
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 wurde auf den Ullstein Verlag starker Druck ausgeübt, seine jüdischen Mitarbeiter zu entlassen. So musste auch der langjährige Chefredakteur Kurt Korff im März 1933 die Zeitung verlassen. Die Familie Ullstein musste den Verlag 1934 verkaufen. Die Berliner Illustrirte Zeitung wurde als Unterhaltungszeitschrift weitergeführt, allerdings stärker in nationalsozialistischer Ausrichtung.
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurden gezielt Reporter in Kriegsgebiete geschickt, um unmittelbar davon zu berichten. So war der Fotograf Eric Borchert 1941 Teil einer Propagandakompanie in Afrika und veröffentlichte Fotos von dort.Thomas Kubetzky: The Mask of Command. Lit Verlag 2012, ISBN 978-3-643-10349-9, S. 81.
1941 änderte die Redaktion den Namen in „Illustrierte Zeitung“ (mit e). 1944 war sie die letzte der zwölf unabhängigen Illustrierten von 1939, die noch selbstständig bestand.Peter de Mendelssohn, Zeitungsstadt Berlin, S. 414–415; auch Andreas Hempfling, Organisationsstruktur und Regulierungspolitik der Zeitschriftenwerbung im Dritten Reich, GRIN 2005, S. 11 (books.google.com), es gab noch fünf Zeitschriften, die aber einen identischen Inhalt wie die BIZ hatten Am 29. April 1945 wurde die letzte Ausgabe hergestellt, als schon sowjetische Panzer das Ullsteinhaus beschossen.
Inhalt Übersicht miniatur|Albert Einstein, 1919 Die Berliner Illustrirte Zeitung enthielt in ihren Ausgaben ein breites Spektrum an Themengebieten, das für die Leser interessant sein sollte, viele wichtige Ereignisse in Politik und Zeitgeschehen, private Berichte und Fotos über bekannte Persönlichkeiten, zum Beispiel im Urlaub, Reiseberichte aus exotischen Gebieten, Artikel über Wissenschaft, Technik, Sport und andere Gebiete, Gedichte, Kurzgeschichten, ein Fortsetzungsroman, Rätsel, Karikaturen und viel Werbung.Berliner Illustrirte Zeitung (1, 2) ZVAB, mit Inhaltsangaben von einigen Heften; auch GRIN, 2000 Die politische Grundhaltung war bis 1933 liberal ausgerichtet und um sachliche Ausgewogenheit bemüht, es wurde in der Regel niemand übermäßig beleidigt, wie dieses bei vielen anderen Zeitungen dieser Zeit üblich war.
1925 erschien in der Berliner Illustrirten Zeitung das erste deutsche Kreuzworträtsel. Es wurden immer wieder spektakuläre Fotos veröffentlicht, so zeigte eines der ersten getötete Offiziere eines Schiffsunglücks.
Fortsetzungsromane und -serien Zu der Berliner Illustrirten Zeitung gehörte immer ein Fortsetzungsroman, wie in anderen Zeitungen und Zeitschriften dieser Zeit auch. Dabei wurde meist auf eine mehrfache Vermarktung gesetzt, die Texte erschienen danach auch als Bücher und wurden außerdem in anderen Ullstein-Zeitschriften beworben. Besonders erfolgreich wurden zwei Romane von Vicki Baum 1928 und 1929.Lynda J. King, Best-sellers by design. Vicki Baum and the House of Ullstein, Manchester, New York, 1988 Eine Romanveröffentlichung des späteren Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann in der Zeitschrift 1922 wurde diesem später von Literaturkritikern als Indiz für eine angeblich mindere Qualität des Textes vorgehalten. Von 1930 ist eine kleine Aluminiummünze erhalten, die für den nächsten Roman von Carl Bulcke warb.Medaille Numista, Aluminiummedaille ø 28 mm, Lesen sie unseren neuen Roman am Donnerstag war auf einer Seite zu lesen
Besonders beliebt waren auch die Bildgeschichten Vater und Sohn von E. O. Plauen (Erich Ohser) in den Jahren von 1934 bis 1937. Für manche Leser enthielten sie auch „diffizile Satiren auf die Nationalsozialisten“.Detlef Manfred Müller: Erich Ohser – e.o.plauen (1903–1944) – „Vater und Sohn“ & die Berliner Illustrirte Zeitung der Jahre 1934–1937. Ein Idyll mit doppeltem Boden? Katalogbuch. Galerie e.o.plauen, Plauen 2009, S. 9.
Einige Fortsetzungsromane waren Fedor von Zobeltitz, Eine junge Dame von Welt, 1917 Ludwig Wolff, Die Kwannon von Okadera, 1920 Rudolf Stratz, Schloß Vogelöd. Die Geschichte eines Geheimnisses, 1920/21, Krimi Olga Wohlbrück, Athleten, 1921 Gerhart Hauptmann, Phantom, 1922 Ludwig Wolff, Die Prinzessin Suwarin, 1922 Ludwig Wolff, Garagan, 1924 Werner Scheff, Der Mann im Sattel, 1924 Felix Hollaender, Der Demütige und die Sängerin, 1924 Bruno Frank, Der Baron Trenck, 1926 Vicki Baum, Feme, 1926
Vicki Baum, Stud. chem. Helene Willfüer, 1928, die Auflage wurde auf etwa zwei Millionen Exemplare erhöht Vicki Baum, Menschen im Hotel, 1929 Carl Bulcke, ... und so verbringst du deine letzten Tage, 1930, mit Werbemünzen Fred Andreas, Ein Mann will nach Deutschland, 1940 Gertrud von Brockdorff, Ein Sonntag im September, 1940
Weitere Angaben Auflagen (Die Angaben waren vom jeweiligen Verlag und waren möglicherweise etwas zu hoch angegeben.) 1894 23.000 um 1900 52.000 1913 700.000Berthold Seewald: Diese Bilder öffneten die Welt, in Die Welt vom 23. Juni 2007 Text, mit den folgenden Zahlen, wahrscheinlich nach der Ausstellung von 2017; in der übrigen Literatur wurden sie höher angegeben 1915 1.000.000 1928 ca. 2.000.000, beim Fortsetzungsroman Stud. chem. Helene WillfüerKerstin Barndt: Sentiment und Sachlichkeit. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 65 (books.google.com). 1931 1.950.000Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin. S. 304. 1933 1.500.000 1938 1.200.000
Preise 1897 1,50 Mk. pro VierteljahrWerner Faulstich: Medienwandel im Industrie- und Massenzeitalter (1830–1900). Göttingen 2004, ISBN 978-3-525-20791-8, S. 73 (books.google.com);die Leipziger Illustrirte Zeitung aus Leipzig kostete 7 RM in dieser Zeit. 1904 0,10 Mk. pro Ausgabe 1923 0,20 RM pro Ausgabe, nach der Inflation 1928 0,25 RM pro Ausgabe
Vertrieb Die Berliner Illustrirte Zeitung erschien wöchentlich jeweils am Donnerstag, als Erscheinungstag wurde aber der darauffolgende Sonntag angegeben. Einige Ausgaben wurden auch in andere Städte und in das Ausland versandt, zeitweise mit eigenen Flugzeugen (1926–1931), danach mit der Luft-Hansa.
Medienpreise In den 1910er Jahren verlieh die BIZ den Menzelpreis für die beste Zeichnung des Jahres, den unter anderem Heinrich Zille und Fritz Koch gewannen.Die Kunst für Alle. 26, 1911, S. 86 (books.google.com).
Es gab auch einen Wettbewerb für Novellen bzw. Kurzgeschichten, den 1928 Arnold Zweig gewann.Berliner Illustrirte Zeitung, 52, vom 23. Dezember 1928, Kurzinhalt; mit Abdruck der Novelle von Arnold Zweig
Weitere wichtige Illustrierte Zu den auflagenstärksten weiteren Illustrierten in dieser Zeit gehörten Die Woche, 1899–1944, bei Scherl, wurde als Konkurrenzblatt konzipiert, mit niedrigeren Auflagen Arbeiter-Illustrierte-Zeitung, 1921–1933/1938, verbreitete sozialistische Illustrierte, mit bis zu 400.000 Exemplaren Vu, 1928–1940, wichtigste französische Illustrierte, entstand nach dem Vorbild der Berliner Illustrirten Zeitung
Persönlichkeiten Leitende Mitarbeiter Siegfried Hepner, 1891–1894, erster Herausgeber Leopold Ullstein, 1894–1899, Verlagsinhaber und Herausgeber
Kurt Szafranski, Leiter der Zeitschriftenabteilung des Ullstein Verlages Kurt Karfunkel, (dann Kurt Korff), 1905–1933, ChefredakteurKurt Korff, "Die 'Berliner Illustrirte'", in: Fünfzig Jahre Ullstein, 1877–1927, hrsg. Max Osborn, Berlin 1927, S. 297–302. Harald Lechenperg, 1933, 1940, Hauptschriftleiter (= Chefredakteur) Carl Schnebel, 1936, Hauptschriftleiter Ewald Wüsten, 1933, 1936, stellvertretender Hauptschriftleiter
Autoren In der Berliner Illustrirten Zeitung veröffentlichten zahlreiche Autoren.