Die Kultur Deutschlands wurde von großen intellektuellen Strömungen in Europa geprägt, deren Ursprünge bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurückreichen.
Seit dem Mittelalter brachte die deutsche Kultur eine Vielzahl von stil- und epochenprägenden Persönlichkeiten hervor. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende und Wissenschaftler Wegbereiter neuer geistiger Entwicklungen. Einige deutsche Künstler wurden zu Protagonisten der Zivilisationsgeschichte.
Im 19. Jahrhundert entstand ein Deutschlandbild als Das Land der Dichter und Denker. Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20. Jahrhundert hat die Popkultur in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Mit der Einführung des Internets im 21. Jahrhundert ging eine Ausdifferenzierung der Kulturlandschaft einher.Mediengeschichte, Docupedia-Zeitgeschichte, Stand 2010. Abgerufen am 3. Januar 2013.
Geschichte Über die neuen Reichsgrenzen von 1871 hinaus haben Zeitgenossen dem Land um 1900 das Charakteristikum einer deutschen Kulturnation zugeschrieben.Vgl. Otto Dann, Nation und Nationalismus in Deutschland: 1770–1990, 3., überarb. und erw. Aufl., Beck, München 1996, ISBN 3-406-34086-5, S. 48 f.
Sprache
Über Jahrhunderte wurde die deutsche Kultur mit Hilfe der deutschen Sprache übermittelt. Es entstanden gemeinsame Traditionen, Bräuche, Geisteshaltungen und wissenschaftliche Erkenntnisse.
Der deutsche Sprach- und Kulturraum erstreckt sich auch auf Luxemburg, die Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache in der Europäischen Union.
Dem Erlernen der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen u. a. die Goethe-Institute. Mit insgesamt rund 150 Standorten ist das Institut im Jahr 2025 in 99 Ländern vertreten.
Literatur und Philosophie
mini|hochkant|Immanuel Kant, Philosoph
Die bedeutendste Handschrift in der Entwicklung der deutschen Sprache und zugleich das älteste deutsche Buch ist der so genannte Abrogans mit dem Vaterunser des Codex Sangallensis 911 sowie die Übersetzungen Notkers des Deutschen. Sie werden in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt.
Die deutsche Literatur reicht zurück bis in das Frühmittelalter, in dem schon früh die ersten mittelalterlichen Bibliotheken mit Handschriften und Buchmalereien entstanden. Hervorzuheben ist der Minnesang, der unter anderem in dem einmaligen Codex Manesse überliefert ist. Als bekanntester Minnesänger gilt Walther von der Vogelweide. Ein Grundstein der deutschen Literatur ist das Versepos des Nibelungenlieds.
Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck durch Johannes Gutenberg mit beweglichen Lettern. Sein bedeutendstes Werk war der Druck der Gutenberg-Bibeln. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch das wesentlich günstigere Papier ersetzt werden.
Aus der Zeit vor 1871 stammt der teilweise noch verwendete Begriff vom Land der Dichter und Denker.
Als bedeutendste deutsche Autoren gelten u. a. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die Brüder Grimm. Mit Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann oder Hannah Arendt stachen zu ihrer Zeit wichtige Literaten hervor.
mini|links|Die Frankfurter Buchmesse
Im 20. Jahrhundert waren deutsche Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und Günter Grass (1999), im 21. Jahrhundert Herta Müller (2009).
Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene. Dort wird jährlich der „beste Roman deutscher Sprache“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Für Neuerscheinungen ist der Preis der Leipziger Buchmesse von großer Bedeutung.
Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zählen Gottfried Wilhelm Leibniz, Nikolaus von Kues, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begründete Marxismus. Im 20. Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde Jürgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.
Musik
Deutschland kann auf eine lange und vielseitige Musikgeschichte zurückblicken. Aus ökonomischer Sicht ist das Land der drittgrößte Musikmarkt der Welt., Bundesverband Musikindustrie, 13. April 2011. Abgerufen am 3. Januar 2013.
Die Geschichte der europäischen klassischen Musik wird über weite Strecken von deutschen Komponisten geprägt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große Blüte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach. Stilbildend für die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des Vormärz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss. Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Carl Orff und Hanns Eisler Popularität. Nach 1950 war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karlheinz Stockhausen bedeutend. In der Neuen Musik hat Werner Henze internationale Bedeutung erlangt. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.
Die populäre Musik in Deutschland wurde über große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstümlicher Musik geprägt. Interpreten des Genres sind u. a. Helene Fischer, Heino und Max Raabe. Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik sowie der elektronischen Musik, zu deren Pionieren die deutschen Musiker Kraftwerk, Klaus Schulze und Tangerine Dream zählen. Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenständigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind die Synthpopgruppe Alphaville, Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, Münchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.
Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys.
Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Alternative- und Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Beatsteaks, Nina Hagen und Die Toten Hosen. International populär sind die deutschen Rockbands The Rattles oder The Lords sowie die Hard-Rock-Band Scorpions und Rammstein, bekanntester Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen Härte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezählt werden. Populären Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. Im Bereich Reggae/Dancehall sind u. a. Seeed und ihr Sänger Peter Fox sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich. Erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-Künstler sind u. a. Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Marteria, Samy Deluxe, Jan Delay, Blumentopf, Bushido, K.I.Z, Casper, Cro, Sido und Deichkind.
Zu den bekanntesten deutschsprachigen Popmusikern der vergangenen Jahre gehören James Last, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Silbermond, Juli, Ich + Ich, Frida Gold, Tim Bendzko, Andreas Bourani sowie der Sänger Xavier Naidoo. Die englischsprachige Band Reamonn war europaweit populär. 2010 gewann Lena für Deutschland den Eurovision Song Contest. Weltweit erfolgreich waren auch die Produktionen von Frank Farian mit Boney M. und Milli Vanilli, Dieter Bohlen (mit Modern Talking), die Casting-Band No Angels, die Metal-Band Blind Guardian, die Sängerin Sarah Connor, der Violinist David Garrett und die Band Tokio Hotel. Auch in der Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z. B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, 2raumwohnung, Moguai, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Tiefschwarz, Blank & Jones und Paul Kalkbrenner.
Der Jazz in Deutschland hat seit der Swing-Ära der 1930er-Jahre eine lange Geschichte, mit einer breiten Rezeption des traditionellen Jazz nach 1945 (Dixieland u. a.), aber auch im Modern Jazz, wobei Musiker wie der Posaunist Albert Mangelsdorff oder im Free Jazz Peter Brötzmann Akzente setzten. Ab den 1970er-Jahren war der Fusion-Jazz von Klaus Doldingers Passport international sehr erfolgreich. Bedeutende Festivals sind unter anderem das Jazzfestival Frankfurt (seit 1953), das JazzFest Berlin (ab 1964), das Moers Festival (ab 1972) und Jazzopen Stuttgart (ab 2006). Es gibt bedeutende Rundfunk-Big-Bands.
Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit größten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von Bedeutung sind heute Rock am Ring, das Wacken Open Air, das Fusion Festival, Hurricane Festival, Southside, SonneMondSterne, Deichbrand, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das WGT. Stadtmusikfeste wie die Fête de la Musique finden in ganz Deutschland statt. Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen. Jährlich finden über 350 Festivals in Deutschland statt.Festivalhopper
Film
mini|Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam wurde 1912 gegründet.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden im deutschen Sprachraum Filme produziert. Das Berliner Varieté Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die Gebrüder Skladanowsky dort 1895 einen Film vor Publikum vorführten. Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegründet und war damit das erste große Filmstudio der Welt. Babelsberg wurde zum Synonym für den erfolgreichen populären Film. Unterschiedlichste Genres wurden in dieser Frühphase des Films neu entwickelt. Der 1927 produzierte Film Metropolis von Fritz Lang wurde zum ersten Science-Fiction-Spielfilm. 1930 wurde Der blaue Engel mit Marlene Dietrich zu einem internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms.
In der Zeit zwischen 1933 und 1945 entstanden u. a. Filme von Leni Riefenstahl, die neue Standards im Bereich des Dokumentarfilms etablierten. Verschiedenste Techniken wurden später auch in Werbefilmen angewendet. Nach 1945 nahm in Westdeutschland die UFA die Produktion wieder auf; unter anderem wurden Heimatfilme populär. Ab den 1960ern wurden Wallace- und Winnetou-Filme beliebt. Durch die Verbreitung von Fernsehgeräten und der aufkommenden Konkurrenz von Fernsehserien und -Filmen geriet die Kinowirtschaft in eine Krise, der mit dem Neuen Deutschen Film begegnet wurde. Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog wurden zu Vertretern des Autorenfilms dieser Zeit. Regisseure wie Konrad Wolf prägten das Filmschaffen in der DDR. In den 1980er-Jahren konnten Großproduktionen wie jene von Bernd Eichinger umgesetzt werden. Ab 1990 wurden Beziehungskomödien populär. Das deutsch-türkische Kino bekam Beachtung und verschiedenste Jugendfilme konnten ein breiteres Publikum finden. Mit nur sehr wenigen Ausnahmen waren deutsche Filme oder Serien auch international erfolgreich.Genug vom cineastischen Magerquark!, Die Zeit, abgerufen am 25. Januar 2026.