mini|Karfreitag in Soileco

Zur römisch-katholischen Kirche bekennt sich in Osttimor die Mehrheit der Bevölkerung.

Situation Christen in Osttimor (2010)Direcção Nacional de Estatística: , abgerufen am 14. Oktober 2015. Gemeinde Bevölkerung Katholiken Protestanten Ainaro 58.147 57.221 98,4 % 677 1,2 % Aileu 46.664 39.919 85,5 % 3.168 6,8 % Baucau 110.160 107.998 98,0 % 1.729 1,6 % Bobonaro 911.199 90.815 99,6 % 200 0,2 % Cova Lima 59.045 58.874 99,7 % 96 0,2 % Dili 228.559 216.047 94,5 % 8.858 3,9 % Ermera 116.937 114.927 98,3 % 823 0,7 % Liquiçá 63.171 60.193 95,3 % 1.694 2,7 % Lautém 59.776 87.784 96,7 % 1.611 2,7 % Manufahi 48.614 46.674 96,0 % 1.782 3,7 % Manatuto 41.709 40.966 98,2 % 375 0,9 % Oe-Cusse Ambeno 63.514 63.065 99,3 % 381 0,6 % Viqueque 69.476 66.764 96,1 % 2.314 3,3 % Osttimor 1.063.971 1.021.247 96,0 % 23.708 2,2 %400px|Die Bistümer Osttimors

mini|Mariengrotte (Gruta) in Remexio mini|Gottesdienst in Aimutin mini|Altar der Kathedrale von Dili mini|Palmsonntagsprozession in Maubisse

Osttimor ist ein säkularer Staat und es herrscht laut Verfassung Religionsfreiheit.Verfassung von Osttimor (portugiesisch), abgerufen am 29. Mai 2015. José Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element. Am 14. August 2015 wurde anlässlich des 500. Jubiläums der Evangelisierung Timors zwischen Osttimor und dem Vatikan ein Konkordat unterzeichnet. Es definiert die Bereiche, in denen die katholische Kirche unabhängig vom Staat handeln kann, so bei der spirituellen Betreuung in Gefängnissen, Kranken- und Waisenhäusern und bei der Führung eigener Schulen auf jeder Bildungsstufe.UCA news: Vatican, Timor-Leste sign bilateral agreement, 14. August 2015, abgerufen am 15. August 2015. 2021 wurde mit der Universidade Católica Timorense São João Paulo II. auch eine katholische Universität gegründet.

97,47 % der Osttimoresen sind katholisch, nur 2,04 % gehören einem protestantischen Glauben an (2022).Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2023. Trotz dieser Dominanz des Christentums sind im Alltag noch viele Riten und Glaubensvorstellungen der ursprünglichen animistischen Religion Timors verbreitet. Sie werden oft in den christlichen Glauben integriert.Damien Kingsbury: , S. 139–145, Swinburne Press 2009, abgerufen am 14. Oktober 2015. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche zur einigenden Klammer zwischen den Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier.Tim Kuschnerus: Herrschaft der Gewalt. Indonesiens Regierung ist entschlossen, Ost-Timor zu behalten. In: Der Überblick, Jg. 31 (1995), Heft 4, S. 76–78, hier S. 77. Bis 2002 nahm der Anteil der Katholiken in der Bevölkerung daher auf über 90 Prozent zu. Starken Einfluss hatte die Befreiungstheologie aus Lateinamerika. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Katholiken war, dass sich die Einwohner Osttimors bei der Registrierung durch die indonesischen Behörden zwischen einer der fünf anerkannten Religionen (Islam, katholisches und protestantisches Christentum, Hinduismus, Buddhismus) entscheiden mussten. Unter dem Druck der Wahl entschieden sich die meisten Osttimoresen für den Katholizismus. Teilweise wird angenommen, dass Gemeinsamkeiten zwischen der alten, animistischen Religion und dem katholischen Glauben wie die Verehrung von Toten und die Ikonenanbetung hier mit eine Rolle gespielt haben. (PDF; 1,1 MB) Bei den Mambai existiert die Sage von Mau Terus, dem leidenden Mann, der ermordet wird, dann aber wieder aufersteht. Hier werden Parallelen zu Jesus Christus gezogen. Wehale, das alte spirituelle Zentrum Timors, wird in der timoresischen Mythologie als weiblich angesehen, was zu einer Assoziation zur Gottesmutter Maria führt.

Eine Reihe von Bewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Família, tragen quasi-religiöse Züge. Diese Gruppen verwenden dafür christliche und animistische Elemente und kombinieren sie mit verschiedenen Kampfsportarten. Sie haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder.Scamberi, James: A Survey of Gangs and Youth Groups in Dili, Timor-Leste (PDF; 2,9 MB), abgerufen am 20. Mai 2012. Andere integrieren biblische Geschichten in ihre lokalen Legenden. So werden die mythischen ersten Ahnen Adam und Eva genannt oder man erklärt, dass die Jungfrau Maria in Laclubar geboren wurde. Auf diese Weise soll der Ursprung der Menschheit nach Timor verlegt und belegt werden, dass der katholische Glauben schon immer Teil der timoresischen Kultur gewesen sei. Die katholische Kirche wird als Unterstützer bei Ritualen für die Ahnen angesehen, nicht mehr als Gegenspieler. Der Apostolische Nuntius in Osttimor Joseph Salvador Marino erklärte in einer Rede 2015, dass die Osttimoresen „das Licht Gottes“ bereits vor Eintreffen der Missionare gekannt hätten.Judith Bovensiepen, Frederico Delgado Rosa: Transformations of the sacred in East Timor, S. 35–36, abgerufen am 27. Dezember 2017.

Die römisch-katholische Kirche in Osttimor ist in der Kirchenprovinz Dili mit dem Erzbistum Dili und den Suffraganbistümern Baucau und Maliana organisiert. Diese teilen sich wiederum in insgesamt 62 Pfarreien. Seit 2003 gibt es einen Apostolischen Nuntius in Osttimor. 2007 wurde der erste Botschafter Osttimors beim Heiligen Stuhl entsandt.

Geschichte mini|Maria mit Kind, Holzschnitzerei aus Osttimor (19. Jahrhundert)

Kolonial- und Besatzungszeit Die erste Landung der Portugiesen auf Timor gilt als Beginn der Evangelisierung der Insel. Am 18. August 1515 betraten portugiesische Dominikaner im heutigen Oe-Cusse Ambeno erstmals timoresischen Boden.Bild des Denkmals zur ersten Landung der Portugiesen auf Timor Dort gründeten sie 1556 den Ort Lifau als erste europäische Siedlung auf Timor. Eng zusammen arbeiteten die Dominikaner mit den Topasse, einer europäisch-asiatischen Mischbevölkerung, die zu den eigentlichen Machthabern im Westen Timors avancierten. Missionierung und wirtschaftliche Interessen gingen dabei Hand in Hand.Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29–32. In Mena wurde 1590 die erste Kirche der Insel errichtet. (französisch; PDF; 887 kB) 1641 traten die Königin von Mena und ihr Schwager, der Liurai von Amanuban (Amanubang), Herrscher des Gebietes um Lifau, zum Christentum über, ließen mehrere Kirchen errichten und schlossen ein Bündnis mit den Portugiesen.Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 29. Nach dem Feldzug von Francisco Fernandes traten mehrere Herrscher Westtimors zum Christentum über und leisteten einen Schwur zur Loyalität gegenüber der portugiesischen Krone, so beispielsweise der Herrscher von Kupang. Timor erhielt daraufhin den Namen Ilha de Santa Cruz (Insel des Heiligen Kreuzes), den die Insel lange Zeit behielt. Um 1640 hatten eine Handvoll Priester bereits zehn Missionen und 22 Kirchen auf Timor gegründet. – Center for Southeast Asian Studies, Northern Illinois University

1698 kam der Dominikaner Manuel de Santo António nach Timor. (portugiesisch). Durch seine erfolgreichen Missionierungsversuche um 1700 kamen auch Luca und seine Nachbarreiche im Südosten der Insel unter portugiesischen Einfluss.Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650–1769 1701 wurde er von Papst Clemens XI. zum Bischof von Malakka ernannt und residierte bis 1722 in Lifau. Manuel de Santo António gilt somit als erster Bischof auf Timor.Profiles Of Eminents Goans: Past And Present, Concept Publishing Company, New Delhi, ISBN 81-7022-619-8. Nachdem bereits zwei Gouverneure zuvor am Versuch gescheitert waren, die Kontrolle zurückzugewinnen, entsandte Portugal 1701 mit António Coelho Guerreiro (1702–1705) erneut einen Gouverneur nach Timor, der am 20. Februar 1702 mit seinem Dienst in Lifau begann. Damit waren die Dominikaner von der Administration der Besitzung offiziell entbunden, doch übernahm Bischof Manuel de Santo António später wieder die Verwaltung der Kolonie, wenn der Posten des Gouverneurs vakant war. Andere Dominikaner taten dies im 18. Jahrhundert immer wieder. 1722 traf der neue portugiesische Gouverneur António de Albuquerque Coelho in Lifau ein. Dieser verbannte Bischof Manuel de Santo António von Timor. (PDF; 70 kB) Auch später residierten Bischöfe von Malakka immer wieder in Lifau. 1739 kam Bischof António de Castro nach Timor und gründete hier 1742 das erste Priesterseminar. 1743 verstarb er aber 36-jährig aufgrund des Klimas. Seine sterblichen Überreste wurden in Lifau beigesetzt. 1749Alberto Ricardo da Silva: HISTÓRIA BADAK DIOCESE DILI NIAN, 24. April 2015, abgerufen am 23. November 2017. kam Bischof Geraldo de São José nach Lifau. Er soll 1760 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sein.Forum Hakesuk: 1769 O Onzo de Agosto na História de Timor-Leste, abgerufen am 23. November 2017.Susana Barnes, Hans Hägerdal, Lisa Palmer: An East Timorese Domain – Luca from Central and Peripheral Perspectives, S. 332, 2017, DOI: 10.1163/22134379-17302020 https://www.researchgate.net/publication/318411507_An_East_Timorese_Domain_Luca_from_Central_and_Peripheral_Perspectives.Forum Hakesuk: Confêrencia nas Celebrações do Primeiro Centenário do Nascimento do Senhor Dom Jaime Garcia Goulart, 28. Mai 2008, abgerufen am 23. November 2017.

mini|Tabernakel in der Heilig-Kreuz-Kirche in Maliana

Gouverneur Feliciano António Nogueira Lisboa (1788–1790) geriet in Streit mit dem Mönch Francisco Luis da Cunha, dem Vertreter der katholischen Kirche in Manatuto. Beide beschuldigten sich gegenseitig unter anderem der Raubüberfälle und des Diebstahls von Zolleinnahmen. Um den Gouverneur loszuwerden, wiegelte der Mönch die Einwohner Manatutos zur Rebellion auf. Christianisierte Timoresen drohten die Revolte auf den ganzen Osten der Insel auszudehnen. Schließlich griff der Vizekönig von Goa durch, ließ beide Männer verhaften und von Timor ausweisen. Der neue Gouverneur Joaquim Xavier de Morais Sarmento (1790–1794) brachte die Lage wieder unter Kontrolle.Geoffrey C. Gunn: History of Timor, S. 50.

Seit der Verlagerung der kolonialen Hauptstadt von Lifau nach Dili 1769 sanken die Anstrengungen bei der Missionierung Timors. Die Missionare zogen sich mit ihrer Arbeit in das komfortablere Dili oder ganz von Timor zurück. Seit 1769 waren niemals mehr als elf Missionare auf der Insel und 1812 schließlich nur noch zwei, inklusive des Bischofs in Manatuto. 1831 taten nur noch fünf oder sechs Priester ihren Dienst auf der Insel. 1834 wurden auch die letzten Missionare für 20 Jahre aus Timor verbannt. Das Dekret König Peters IV. war eine Folge der liberalen Revolution in Portugal.Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, S. 36–37, Sydney 1994.Durand 2011, S. 5.